Test Need for Speed: Zurück in den Untergrund

von Thomas Stuchlik (05. November 2015)

Kein Untertitel, kein Sonnenschein, kein Umland: Das brandneue Need for Speed wirkt wie eine Hommage an einen vormaligen Serien-Höhepunkt und Anhänger-Liebling. Nämlich an Underground.

Keine andere Rennspielserie hat derartig viele Metamorphosen durchgemacht wie Need for Speed. Angefangen beim Erstling Need for Speed aus dem Jahre 1995, der mit Supersportwagen und langen Landstraßen auftrumpft. Bald erfindet sich die Asphalt-Action mit Need for Speed - Underground von 2003 neu, in dem illegale Straßenrennen bei Nacht im Mittelpunkt stehen.

Die nachfolgenden Teile bieten schließlich größere Realitätsnähe mit Need for Speed - Shift, offene Gratis-Welten mit Need for Speed - World und Verfolgungsjagden mit dem jüngsten Need for Speed - Rivals.

1 von 30

Neue Untergrund-Rasereien in Need for Speed

Nach zwei Jahren Pause öffnet die Raserreihe mit dem puristisch benannten Need for Speed ein neues Kapitel. Wobei, so neu wirkt das Kapitel nicht. Denn dieser Teil hält sich streng an das Erfolgskonzept der beiden Underground-Vorgänger. Deshalb heizt ihr mit dick aufgebrezelten Tuning-Schlitten bei Nacht illegal quer durch die Straßen. Laut Machern sei schließlich genau das vielfach von Kennern gewünscht worden.

Durch die Nacht

Genau deshalb führt euch das Spiel in die offene Stadtkulisse des fiktiven Ventura Bay. Hier erwarten euch verschiedene Stadtteile mit verwinkelten Straßenzügen und langgezogenen Autobahnen. Jedes Stadtviertel schreit nach Wettrennen im Stile der Filmreihe "The Fast and The Furious".

Verpasst nicht die Ausfahrt, sonst ist das Rennen gelaufen!Verpasst nicht die Ausfahrt, sonst ist das Rennen gelaufen!

Ventura Bay soll doppelt so viele Straßen wie der Vorgänger Rivals besitzen, dennoch wirkt dieser dank offener Landschaften subjektiv größer. Das nächtliche Stadtszenario erscheint eingeschränkter und eingeengter. Auch der teils verwirrende Aufbau erfordert Konzentration. Vor allem, da ihr bei Nacht nicht immer genau die richtige Abzweigung seht. Zudem scheint hier niemals die Sonne: Ihr rast meist durchs Dunkel der Nacht. Nur kurz lässt sich die Dämmerung am Horizont blicken, nur um dann umgehend wieder zur Nacht zu werden.

Damit hat Ventura Bay ungefähr so viel Sonnenstunden wie Batmans Arkham City - nämlich Null. Jedoch werdet ihr mit einer schicken Stadtkulisse mit grellen Lichtern und natürlich ebenso schicken Vehikeln belohnt. Dabei überzeugt jedoch vor allem der Regen. Denn Wassertropfen perlen realistisch vom Lack des Autos ab. Überall stehen auf den tropfnassen Straßen Pfützen. Das Frostbite-Grafikgerüst sorgt zudem für recht stabile 30 Bilder pro Sekunde sowie eine Kantenglättung, die jegliche Treppeneffekte eliminiert. Jedoch wirkt die überschaubare Welt dafür unscharf und fast verschwommen. Zudem mangelt es an grafischer Abwechslung. Die Stadtkulisse habt ihr schnell durchfahren und kennt sie nach einigen Stunden wie eure Westentasche.

Quer durch die Kurven

Letztlich seid ihr aber nicht zum "Sightseeing", sondern zum Rasen hier. Deshalb bietet euch Need for Speed fünf Spielweisen, auf die ihr euch spezialisieren könnt, wenn ihr wollt. Per Handy-Anruf informieren euch Kumpel über neue Veranstaltungen in diesen fünf Kategorien. Umgehend macht ihr euch auf den Weg zum Start. Entweder per Karte und Navi oder per Schnellreise.

Je nach Veranstaltung geht es um Bestzeiten, Platzierung oder Punkte.Je nach Veranstaltung geht es um Bestzeiten, Platzierung oder Punkte.

"Speed" ist dabei die offensichtlichste Ausrichtung. Denn bei diesen Zeitrennen sollt ihr Bestzeiten erringen. Daneben tretet ihr in Rennen gegen sechs andere Computerfahrer an. Hier rast ihr quer durch die Stadt, um durch zahlreiche Checkpunkte bis zum Ziel zu heizen. Bei "Style"-Events zählt das nicht, denn hier dreht sich alles um Rep-Punkte. Diese erringt ihr durch stilvolles Fahren und natürlich durch Drifts. Das geschickte Seitwärtsschleudern bringt massig Punkte. Kombiniert ihr geschickt mehrere Aktionen hintereinander, steigert sich langsam auch ein Multiplikator für noch mehr Punkte.

Bei "Schrauber"-Veranstaltungen dagegen geht es ums Tuning eures Vehikels (dazu gleich mehr). Bei "Crew" dagegen zählt die Zusammenarbeit. Denn hier könnt ihr nur gewinnen, wenn ihr gemeinsam mit euren Kollegen herumdriftet und in deren Nähe bleibt. In der letzten Kategorie "Outlaw" legt ihr euch schließlich mit den Ordnungshütern an. Hier geht es darum, ausladende Verfolgungsjagden auszutragen und letztlich zu entkommen.

Je mehr illegale Aktionen ihr begeht, desto höher die Eskalationsstufe (ähnlich wie die Polizeisterne in der GTA-Reihe) und desto aggressiver und massiver gehen die Ordnungshüter vor. Kleinere Vergehen bis 500 Dollar könnt ihr direkt bezahlen, damit euch die Cops in Ruhe lassen. Doch mitten in Rennen oder größeren Aktionen hilft nur die schnelle Flucht. Ein gefährliches Spiel, denn wenn ihr erwischt werdet, gilt die Aufgabe als gescheitert. Anders als in Rivals schlüpft ihr diesmal jedoch nicht in deren Rolle und macht Jagd auf Raser.

Klar erkennbare Wurzeln

Man merkt den Machern genau an, dass sie es dank dieser fünf Spielarten jedem Spielergeschmack Recht machen wollen. Dennoch wirkt die Bildschirm-Action an jedem Eck wie ein aufgefrischtes Underground.

In Realvideos wird die dürftige Geschichte vorangetrieben.In Realvideos wird die dürftige Geschichte vorangetrieben.

Schließlich gibt es in Ventura Bay nicht nur die bereits erwähnten Polizei-Verfolger (die sich übrigens gut verstecken). Ebenso kommt es auf Reaktion an, denn hier und da tauchen andere Verkehrsteilnehmer auf. Jedoch sind diese dank Scheinwerfer weithin sichtbar.

Jede Stilrichtung erzählt auch eine Spielgeschichte, die ihr in Zwischensequenzen stückchenweise erlebt. Dabei hat der Entwickler nicht gespart und echte Schauspieler engagiert, um euch immer weiter in die Raserwelt zu ziehen. Die teils archetypischen Darsteller kann man mögen oder hassen. Beeindruckend ist zumindest die Aufnahmetechnik, denn eure Autokreationen sind perfekt in diese Realsequenzen mit integriert.

Wie beim direkten Vorgänger Rivals ist auch wieder Entwicklerstudio Ghost Games zuständig. Kein Wunder also, dass sich einige Spielelemente gleichen. Denn nur durch genug Rep-Punkte schaltet ihr neue Veranstaltungen frei. Ebenso gleicht sich das Online-System. Denn Need for Speed erfordert eine ständige Online-Verbindung. Auf diese Weise tummeln sich in der Stadt nicht nur Computerfahrer, sondern auch andere Spieler, die ihr jederzeit herausfordern könnt. Ebenso ladet ihr eure Freunde zu einer Mehrspielerpartie ein.

Die inneren Werte

Da sich das neue Need for Speed viele Anleihen aus Underground zieht, gibt es auch einen entsprechend großen Tuning-Teil. In eurer Garage erwerbt ihr nämlich nicht nur 51 neue Wagen von einem alten Volvo 242 bis zum Ferrari F40. Ebenso schraubt ihr fleißig an der Leistung und Optik eurer Wagen. Need for Speed verkommt dabei nicht zur Autosammelei, schließlich dürft ihr nur fünf Autos gleichzeitig besitzen. Stattdessen kommt es auf die Verfeinerung und Perfektionierung des kleinen Fuhrparks an.

Mehr Leistung, mehr Spoiler, mehr Aufkleber: Die Wagen lassen sich individuell anpassen.Mehr Leistung, mehr Spoiler, mehr Aufkleber: Die Wagen lassen sich individuell anpassen.

Um bei schwierigeren Wettbewerben mitzuhalten, benötigt ihr Leistungstuning. Dabei verbaut ihr neue Teile wie Luftfilter, Kühlsystem, Turbolader, Zündung, Batterie, Nockenwelle, Zylinderkopf oder Auspuff. Jedes Bauteil gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich aber erst mit bestimmten Missionen oder festgelegter Fahrerstufe freischalten. Diese erhöht nur durch Rep-Punkte und fleißiges Fahren. Außerdem verbaut ihr verstellbare Fahrwerke, Differentiale oder Spezialreifen für Grip oder Drift.

1 von 50

Need for Speed - Autoliste

Dann wählt ihr euren Handling-Stil, um den Wagen neu abzustimmen. Ihr könnt entweder simpel per Regler eher auf Drift oder auf Grip justieren. Ebenso bestimmt ihr exakt den Reifendruck, Lenkeinschlag, Abtrieb, Bremskraft oder Federhärte. Die Tuning-Möglichkeiten erinnern dabei mehr an eine Rennsimulation. In den Straßen steuert sich der Wagen jedoch arcade-lastig - sprich: mit vereinfachter Spielphysik. Denn Drifts lassen sich relativ einfach einleiten und beherrschen. Ähnliches gilt für das Anbremsen und Beschleunigen.

Die äußeren Werte

Interessanter gestaltet sich das Optik-Tuning - eine der Stärken des Spiels. Schließlich modifiziert ihr euer Asphaltgeschoss mit Spoilern und Flügeln sowie mit frischer Lackierung.

Mit Anbauteilen verfeinert ihr das Äußere des Wagens.Mit Anbauteilen verfeinert ihr das Äußere des Wagens.

Dabei könnt ihr ziemlich genau ins Detail gehen. Ihr sucht euch nicht nur Felgen bekannter Hersteller aus, sondern bestimmt auch Reifenmarke, Bremssättel sowie Felgengröße und -farbe. Vorder- und Hinterräder lassen sich unabhängig voneinander konfigurieren. Klar, dass ihr den Wagen auch tieferlegt und mit dickeren Kotflügeln ausstattet. Ebenso erwerbt ihr Frontstoßfänger, Seitenleisten, Heckflügel und Diffusor. Zudem gibt es Motorhauben aus Karbon, Neon-Scheinwerfer und getönte Scheiben. Vergesst auch nicht, das Fahrwerk abzustimmen und Spurweite und Radsturz festzulegen. Bequemere Naturen kaufen sich einfach komplette Bodykits, die die Optik des Autos komplett ändern.

Zuletzt widmet ihr euch mit dem Folien-Editor der Oberfläche eures Geschosses. Ihr könnt frei die Lackierung samt Metallic-, Matt- und Klarlack-Effekten bestimmen. Außerdem beklebt ihr die Karosserie mit Aufklebern in frei wählbaren Größen auf verschiedenen Ebenen. Ihr sucht euch Formen, Buchstaben, Symbole, Flaggen, Teamnamen oder Muster aus und platziert sie frei Schnauze auf dem Lack. Was hier noch fehlt, ist ein Online-Marktplatz zum Kaufen und Tauschen von eigenen Lackierungen wie in der Forza-Serie. Wie gut, dass ihr mit der eingebauten Fotofunktion jederzeit Schnappschüsse auch während des Spiels anfertigt, die automatisch online gestellt werden.

Weiter mit:

Inhalt

Tags: Online-Zwang   Singleplayer   Multiplayer  

Kommentare anzeigen

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Mit Resident Evil 7 - Biohazard will Capcom den Begriff Horror für Spiele neu definieren. Auch für die (...) mehr

Weitere Artikel

The Legend of Zelda - Ocarina of Time: Vinyl-Version des Soundtracks ab heute vorbestellbar

The Legend of Zelda - Ocarina of Time: Vinyl-Version des Soundtracks ab heute vorbestellbar

Die Musik aus The Legend of Zelda - Ocarina of Time vom japanischen Komponisten Koji Kondo gehört zu den bekanntes (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Need for Speed 2015 (Übersicht)