Test Rise of the Tomb Raider: Lara ist zurück, allerdings nicht für jeden

von Michael Krüger (09. November 2015)

Lara Croft ist zurück und möchte mehr von allem. Nachdem sie die Strapazen des Vorgängers hinter sich lassen konnte, ist ihr Hunger auf Abenteuer nicht zu stillen.

Das Entwickler-Studio Crystal Dynamics heimste für die Wiedergeburt von Lara Croft viel Lob ein. Tomb Raider unterzog die einst üppig ausgestattete Archäologin einer Generalüberholung. Diese sah unter anderem die Verkleinerung ihrer bislang auffälligsten Argumente vor. Darüber hinaus bestand die Auffrischung der Marke vor allem daraus, sie technisch auf den aktuellen Stand zu bringen und ein Spiel zu erschaffen, dass dem Ruhm der ersten Abenteuer Laras auch nach heutigem Maßstab gerecht wird. Die Mission ist geglückt und der Nachfolger war schon bald beschlossene Sache.

Ein großes Abenteuer steht euch bevor.Ein großes Abenteuer steht euch bevor.

Rise of the Tomb Raider knüpft direkt an die Geschichte des Vorgängers an und zeigt den weiteren Werdegang der jungen Heldin. Die Entwickler haben bemerkt, welche Elemente in Tomb Raider besonders gut ankommen und liefern nun genau hiervon eine große Portion mehr. Das bedeutet für euch, dass sowohl die Vielfalt an Aktivitäten als auch die spielerische Qualität und der Umfang einen Sprung nach vorne machen.

Lara bleibt definitiv schön

Kurz nach dem jüngsten Wechsel der Konsolen-Generationen wurde Tomb Raider - Definitive Edition, eine aufbereitete Version der Neuauflage, angekündigt. Diese machte sich die Stärke der neuen Konsolen zu Nutze und polierte vor allem die optische Präsentation des Spiels. Für viele amüsant, aber dennoch gelungen, war die Verbesserung von Laras Haaren. Diese sahen nach der Schönheitsoperation noch schöner aus und kamen der Realität ein Stück näher.

Solche Kulissen laden unweigerlich zum Erkunden ein.Solche Kulissen laden unweigerlich zum Erkunden ein.

Man müsste beide Spiele schon nebeneinander halten um die Unterschiede festzustellen. Fakt ist, dass Rise of the Tomb Raider mindestens genau so gut aussieht, wie die aufbereitete "Definitive"-Version des Vorgängers. Alle Bilder sind scharf und flüssig, so dass ihr selbst in schnellen Szenen, dem Geschehen gut folgen könnt. Die Musik spielt in der gleichen Liga und verstärkt, was die Bilder transportieren. Das Gefühl für Größe ist genau richtig. Auf diese Weise wirken große Gebäude und weite Areale oft beeindruckend. Der Wechsel zwischen Szenarien und Tageszeiten führt zu Abwechslung in der Darbietung.

Die Geschichte geht weiter doch abwärts

In ihrem vorherigen Auftritt, musste die junge Lara viel Gewalt ertragen und entwickelte sich zu einer wahren Kämpferin. Diese Erlebnisse hinterließen neben körperlichen auch seelische Narben. Um diese zu heilen, begab sich Lara in die Obhut eines Therapeuten, der ihr dabei hilft über die Ereignisse aus dem Serien-Neustart Tomb Raider hinwegzukommen.

Lara hat Gefallen an ihrer dunklen Seite gefunden.Lara hat Gefallen an ihrer dunklen Seite gefunden.

Lara scheint viel von der Neugier ihres Vaters geerbt zu haben. Auch sie kann es nicht lassen, übernatürlichen Geheimnissen der Menschheit auf den Grund zu gehen. Da ihr keiner glauben will, dass es sogar ein Artefakt gibt, dass die Lebenszeit der Menschen verlängert, begibt sie sich erneut auf eine abenteuerliche Reise. Irgendwie hat sie in ihrem ersten Abenteuer Blut geleckt. Auch wenn sie Hilfe bei der Verarbeitung benötigt, geht sie gerne wieder an ihre Grenzen, wenn sie das der Wahrheit näher bringen sollte.

Es wäre natürlich kein spannendes Abenteuer, wenn nicht einiges schief gehen würde. Lara ist nämlich schon wieder nicht die einzige, der dem Artefakt auf der Spur ist. Auch eine Geheim-Organisation namens Trinity ist bereits im Zielgebiet angekommen und arbeitet sich durch die Ruinen vergangener Kulturen. Deren Nachkommen leben nach wie vor hier und treten zum Kampf gegen die Eindringlinge an. So gerät Lara zwischen die Fronten, was sie mehr als einmal in eine gefährliche Situation bringt. So kommt sie dem Artefakt, aber auch ihren persönlichen Grenzen näher, doch wächst sie dabei über sich selbst hinaus.

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Laras neue Abenteuer in Rise of the Tomb Raider

Auch die Umgebung gehört zu Laras Feinden. Tiere dienen ihr nicht nur als Beute, sondern sehen in Lara hin und wieder ebenfalls ein nützliches Ziel. Bären, Lepoarden und Wölfe machen der jungen Tempel-Forscherin das Leben schwe. Befindet sie sich gerade nicht in einem Kampf, klettert und hüpft sie über gefährliche Schluchten, bei denen bereits ein falscher Schritt der letzte sein könnte. Die Karten, dieses Abenteuer zu überleben, stehen also denkbar schlecht.

Genau das ist ein guter Stoff für ein Abenteuer, dieser Klasse. Gemäß der Formel eines Hollywood-Films bringt euch die Handlung von Rise of the Tomb Raider an fantastische Schauplätze, an denen ihr gerne einen Moment innehaltet um den Ausblick zu genießen. Hinzu kommen Situationen, die schnelles Handeln verlangen, wodurch spannungsgeladene Bilder entstehen, die euch schon einmal den Atem stocken lassen.

Lara und Jonah teilen den mittlerweile ihren Wissensdurst.Lara und Jonah teilen den mittlerweile ihren Wissensdurst.

Die Mischung ist gut gelungen, jedoch fehlt es an im großen und ganzen an Überraschungen und denkwürdigen Augenblicken. Die Geschichte ist zwar spannend und eine solide Basis für die Spielmechanik, doch unterhält auf der gleichen Stufe wie Popcorn-Kino. Generell mangelt es an Leid, so dass die Charaktere im Spiel zu wenig Gelegenheit bekommen, große Emotionen zu zeigen.

Bessere Balance und mehr zu tun

Lara hat mehr als die Waffen einer Frau zu bieten. Im Vorgänger konnte sie bereits beweisen, dass sie nicht nur über sehr ausgeprägte Kletterkünste verfügt. In Kämpfen beweist die junge Abenteurerin starke Nerven.

Dabei hat sich ihr Repertoire im Vergleich zu ihrem vorigen Auftritt erweitert. Neben den gewohnten Waffen, wie Bogen, Pistole, Gewehr und Schrotflinte, hat sie nun auch das technische Verständnis für die Herstellung verschiedenster Sprengsätze und Granaten. Auch ihre sonstige Ausrüstung ist nicht nur auf Kletterhaken begrenzt. Während diese sich unter anderem um diverse Nahkampf-Attacken erweitern lassen, helfen beispielsweise neue Pfeilspitzen Lara beim Klettern.

Für lautlose Angriffe stehen euch reichlich Mittel zur Verfügung.Für lautlose Angriffe stehen euch reichlich Mittel zur Verfügung.

Ob Klettern oder Kämpfen, die Mischung innerhalb der Aktivitäten ist sauber austariert. So gibt es viele Situationen, in denen ihr ganze Gegner-Horden erledigen könnt, ohne bemerkt zu werden. Andere Momente hingegen, stellen euch eine Großzahl von Feinden gegenüber, die euch alles entgegensetzen, was sie zu bieten haben. Die gleiche Balance aus ruhigen und hektischen Momenten wird der Fortbewegung zuteil. Hier gibt es Passagen, in denen ihr ruhig und bedacht die Umgebung erkundet und neue Wege entdeckt. Doch nicht jedes Gelände ist frei von Gefahren. Einstürzende Tempelanlagen und andere Unglücksmomente erfordern schnelles Handeln und münden in Adrenalin-geladenen Sequenzen, die euer Herz zum rasen bringen.

Spaßiger Spielrhythmus dank Vielfalt der Aktivitäten

Entledigt ihr euch gerade nicht eurer Gegner oder bahnt euch einen Weg über gefährliche Schluchten, beschäftigt ihr euch mit einer von vielen Nebenaktivitäten. Die Jagd auf Tiere ist nun deutlich wichtiger, da ihr wichtige Ressourcen beim Plündern der Kadaver erhaltet. Einheimische Rebellen versorgen euch mit klassischen Nebenmissionen, wie das Sammeln spezieller Ressourcen oder die Rettung Verbündeter aus der Gefangenschaft Trinitys. Auch das generelle Sammeln von Herstellungsmitteln gehört zu euren Vergnügungen abseits der Schlachtfelder und Schatzsuchen.

Den Weg zu den Gräbern erkennt ihr am Klang der Glocken.Den Weg zu den Gräbern erkennt ihr am Klang der Glocken.

Schatzsuchen führen euch in die aus dem Vorgänger bekannten Herausforderungsgräber. Zunächst ist der Weg zum jeweiligen Grab hin und wieder eine fordernde Aufgabe, denn nicht jeder Eingang ist auf den ersten Blick erkennbar. Innerhalb der Gräber warten Rätsel auf euch, die zwar nicht immer viel Nachdenken erfordern doch allesamt schön abwechslungsreich sind und mit unterschiedlichen Elementen der Physik spielen.

Es gibt sehr viel zu entdecken in der Welt von Rise of the Tomb Raider. Haltet ihr euch strikt an die Ziele der Hauptgeschichte, werdet ihr vermutlich nicht einmal die Hälfte der gesamten Spielwelt sehen. Dieser Umstand passt genau zu Lara Crofts Gesinnung. Als wissensdurstige Abenteurerin liegt es in ihrer Natur, ihre Umgebung bis auf den letzten Quadratmeter unter die Lupe zu nehmen und keine Gelegenheit für einen Umweg auszulassen.

Die Suche nach versteckten Informationen ist erneut ein großer Teil eures Abenteuers.Die Suche nach versteckten Informationen ist erneut ein großer Teil eures Abenteuers.

Gemeinsam mit den möglichen Aktivitäten und den Aufgaben der Handlung ergibt sich ein wunderbarer Mix, der sich zu jeder Zeit authentisch anfühlt und durch den immer wiederkehrenden Wechsel des Tempos das gesamte Spektrum an Spannung bedient. Lasst ihr euch darauf ein, anstatt nur der Geschichte zu folgen, werdet ihr nicht nur mit einer tollen Spielerfahrung, sondern reichlich Inhalten belohnt. Neue Waffe und Kostüme führen optisch die Variation der Spielmechanik fort und verhindern jegliche Stagnation.

Eine andere Form von Vergütung bringt euch das Lösen spezieller Herausforderungen. Diese löst ihr durch bestimmte Aktionen, wie einen Pfeilschuss, aus. Erfüllt ihr eine Herausforderung, erhaltet ihr eine Belohnung in Form von Credits, eine Währung die in den Expeditionen Verwendung findet.

Neuer Spielmodus: Expeditionen

Habt ihr die Geschichte von Rise of the Tomb Raider beendet, ist der Spaß noch lange nicht vorbei. Auf Grund der mäßigen Nutzung im Vorgänger wurde dieses Mal auf einen Mehrspieler-Modus verzichtet. Stattdessen dürft ihr euch in den Expeditionen mit euren Freunden messen. Dieser Modus schickt euch in vier Varianten auf Punktejagd. So könnt ihr beispielsweise einen Abschnitt in einer Art Rennen durchspielen, das durch zusätzliche Gegenstände aufgepeppt wird. Schnelles beenden, sowie Tötungen und die Vermeidung von Verletzungen, verhelfen euch zu einer guten Abschlusspunktzahl.

Gelb umrandete Karten, verschwinden nicht nach ihrer Verwendung.Gelb umrandete Karten, verschwinden nicht nach ihrer Verwendung.

Eine der Expeditions-Varianten lässt euch sogar selbst bestimmen, welche Aufgaben euch in der nächsten Mission erwarten werden und wie hoch der Schwierigkeitsgrad sein wird. Je mehr ihr euch hier zumutet, umso höher fällt eure Belohnung in Form von Credits aus. Diese wiederum dienen euch zum Kauf von Sammelkarten.

Lara und die Sammelkarten

Irgendwie scheinen Sammelkarten derzeit voll im Trend zu liegen. Der Wunsch kleine Päckchen aufzumachen und gespannt deren Inhalt zu bewundern, wohnt scheinbar jedem inne. Bereits in Kindheitstagen war Panini ein wichtiger Name für viele, da passend zu jeweils aktuellen Kinderhelden, Sammelalben erschienen. Im digitalen Zeitalter bemächtigen sich nun Videospiele diesem Prinzip.

Hearthstone - Das Große Turnier ist mit Sicherheit das erfolgreichste Spiel, das diesem Prinzip folgt. Hier könnt ihr mit den gesammelten Karten spielen, was den Anreiz, neue Karten zu besitzen, größer macht. Schaut ihr euch aktuelle Veröffentlichungen an, werdet ihr feststellen, dass immer mehr Spiele, das gleiche Prinzip verwenden, auch wenn es nicht Hauptbestandteil der jeweiligen Spielmechanik ist. In Plants vs. Zombies - Garden Warfare bekommt ihr beispielsweise neue Spielfiguren und Waffen in Form von Sammelkarten.

Rise of the Tomb Raider bietet euch eine sehr ähnliche Einbindung der Sammelkarten. Um euer Spielerlebnis in den Expeditionen zu modifizieren, stehen euch Karten zur Verfügung. Diese können das Spiel unter anderem schwieriger machen, dafür eure Belohnungen vergrößern und umgekehrt. Auch die Optik von Lara und die Auswahl ihrer Waffen kann durch die Sammelkarten vorbestimmt werden. Für Spaß und Abwechslung sorgen Karten, die witzige Elemente ins Spiel bringen, wie Wasserköpfe oder Hühner statt Pfeilen wie im Film Hot Shots 2. Die Idee passt sehr gut ins Spiel und liefert euch neben der Punktejagd gegen Freunde einen weiteren Grund, Rise of the Tomb Raider immer wieder zu spielen. Glaubt man der Beschreibung des Staffel-Passes (Season-Pass), bekommen dessen Besitzer künftig jeden Tag neue Inhalte für die Expeditionen.

Wenn ihr bis jetzt noch keinen Schritt in die Welt von Tomb Raider gemacht habt und auch eigentlich so gar nicht recht wisst, worum es darin geht, werft mal einen Blick in den Blickpunkt "Die Entwicklung von Tomb Raider". Darin erfahrt ihr alles Wissenswerte rund um die Abenteuer von Lara Croft und wie sich die Heldin und ihre Spiele im Laufe der Zeit entwickelt haben.

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