Test Fallout 4 - Fertigkeiten und Karma / Schaffe, schaffe, Häusle baue / Präsentation / Meinung und Wertung

Fertigkeiten und Karma

Zuerst sieht das Fertigkeitensystem ganz schön unübersichtlich aus. Fast ein ganzer Comic, der erst einmal verstanden werden will.

Ein bisschen mehr Intelligenz hat noch niemandem geschadet.Ein bisschen mehr Intelligenz hat noch niemandem geschadet.

Ganz oben sind die bekannten S.P.E.C.I.A.L.-Werte, die wie Attribute fungieren. Stärke, Intelligenz, Wahrnehmung und so weiter. Je mehr Punkte ihr in die versenkt, umso mehr Fertigkeiten schaltet ihr frei. Also eigentlich alles beim Alten. Fast.

Denn dieses Mal bekommt ihr sofort alle Fertigkeiten in dem Comic präsentiert, so dass ihr mehr vorausplanen könnt. Es handelt sich nicht um einen Fertigkeitenbaum. Ihr wählt, was ihr wollt, solange das jeweilige Attribut hoch genug ist. Wollt ihr also beispielsweise irgendwann der beste Scharfschütze im Commonwealth sein, solltet ihr früh genug eure Wahrnehmung erhöhen. Mit der Zeit findet ihr euch dann ganz gut darin zu Recht und erschafft so euren eigenen perfekten Charakter ohne euch „verskillen“ zu können. Für Neulinge ist das positiv. Veteranen werden sich darüber beklagen, dass sich Bethesda mit Fallout 4 immer mehr von der Spielserie entfernt und auf ein Skyrim im Ödland setzt.

Wer sich nun noch auf das Karma-System freut, wird enttäuscht. Das hat Bethesda komplett herausgestrichen. Statt einer visuellen Nachricht in eurem Pip-Boy bekommt ihr nach bestimmten Handlungen angezeigt, ob das eurem Begleiter gefällt oder nicht. Verärgert ihr ihn genug, will er nicht mehr mit euch zusammen reisen. Wie es um eure Reputation bestellt ist, bekommt ihr jedoch nicht wirklich angezeigt. Schade, denn das Karma-System der Fallout-Spiele war immer etwas Eigenes und Immanentes für die Serie.

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Völlig neu ist das … nennen wir es: Hausbau-System. Euer altes Heimat-Kaff namens Sanctuary, das aus nicht mehr als ein paar Häusern besteht, existiert auch noch nach dem Krieg.

Im ödland verteilt findet ihr Werkbänke.Im ödland verteilt findet ihr Werkbänke.

Also das, was davon übrig ist. Außer Codsworth, eurem eigenen Mr. Handy (ein Haushaltsroboter), der immer noch, wie es sich für eine Kleinstadt gehört, die Hecken vor dem Einfamilienheim schneidet, ist jeder tot. Doch mit der Zeit findet ihr Menschen, die ihr in das verlassene Nest schicken könnt. Die wollen sich aber auch wohlfühlen: Also spendiert Bethesda euch noch ein kleinen Aufbauspiel dazu. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dem Einsamen Wanderer aus Fallout 3 wird in Fallout 4 ein Bürgermeister, der sich um die Bedürfnisse einer Gruppe kümmern muss. Unter anderem um Schlafplätze, Essen, Sicherheit und die Moral. Diese Siedlungen zu erbauen, ist detaillierter als viele vielleicht gedacht haben. Achtet ihr nicht auf die Bedürfnisse der Siedler, werden sie sogar unglücklich.

Die Einen werden sich hier pudelwohl fühlen und viel Zeit reinstecken, damit ihre kleinen Sims zufrieden sind, und die Anderen bauen die Grundlagen und kümmern sich dann nicht mehr um Sanctuary. Wäre das ganze jetzt verpflichtend, würden hier wohl einige genervte Tiraden stehen, doch zum Glück ist es das nicht (Ja, der Autor der Artikels gehört zu "den Anderen").

So ist es eine optionale Angelegenheit und dafür ist es schwer ein Spiel abzustrafen. Viele werden wahrscheinlich – wie erwähnt – ihre helle Freude damit haben. Und der Rest ignoriert's.

Präsentation

Bethesda hat eine wundervolle Welt erschaffen, die auch grafisch durchaus zu überzeugen weiß – solange es sich um die Umgebung dreht.

Diese Reporterin wittert überall eine Verschwörung.Diese Reporterin wittert überall eine Verschwörung.

Denn die setzt der amerikanische Entwickler gekonnt in Szene. Regen lässt ein Schimmern auf Menschen und Oberflächen zurück, Nebel hängt dick, wattig und weiß in den Gassen von Boston, die Sonne lässt die Farben grell aufblitzen und darunter liegt eine Musik, die die Stimmung aufsaugt und euch direkt in den Hörkanal einspeist – wenn da doch nur nicht diese maskenartigen Gesichter wären. Und die sind wirklich grausam. Außer Augenbrauen und Lippen bewegt sich nichts. Manchmal noch nicht mal die Lippen. Es kommt durchaus vor, dass euer Gesprächspartner mit geschlossenem Mund hustet. Lippensynchron ist vor allem in der deutschen Sprachfassung etwas anderes!

Zwar ist euer Charakter nun vollkommen vertont, dafür schränkt dies eure Auswahl ein. Pro Dialogoption bekommt ihr lediglich höchstens vier Reaktionen zur Auswahl. Das schmälert ebenfalls das Versinken in dem sonst so großartigen Rollenspiel.

Das raubt unglaublich Stimmung und Atmosphäre. Es ist rätselhaft, warum sich Bethesda mit der eingeschränkten und starren Mimik begnügt. Andere "Open World"-Spiele bieten ebenfalls eine große Welt und Mimik, auch auf den technisch schwächeren Konsolen. Wie gesagt: rätselhaft! Bildrateneinbrüche gibt es auch. Sind viele Gegner im Raum, fängt's schonmal an zu ruckeln. Davon sind jedoch nur die Konsolen betroffen.

Doch zieht ihr durch die Welt und untersucht Vaults, Fabriken und Museen, findet ihr euch in einem postapokalyptischen Wunderland wieder und deshalb fallen die Mängel nicht so sehr ins Gewicht. Natürlich könnte die Grafik noch besser und noch schöner und noch sonst etwas sein, doch bei einem Spiel zählt nun einmal nicht nur die Grafik. Erfreulicherweise, denn sonst würde der Markt nur mit so „Perlen“ wie The Order 1886 überschwemmt werden.

Fakten:

  • offene Spielwelt in der Post-Apokalypse
  • spielt in der Umgebung von Boston
  • viele Begleiter wählbar
  • schlechte Gesichtsanimationen
  • stimmungsvolle Umgebungsgrafik
  • atmosphärische Musik
  • Power-Rüstung erinenrt an ein Vehikel
  • viele geniale Kurzgeschichten
  • interessante Fraktionen
  • weiblicher oder männlicher Held wählbar
  • massig Orte und Geheimnisse zu erkunden
  • Ego- oder Verfolgersicht frei wählbar
  • VATS-Kampfsystem
  • errichtet eure eigenen Stützpunkte und verteidigt sie
  • 50 Waffen sind mit 700 Modifikationen umbaubar
  • komplett in Deutsch, alle Dialoge sind synchronisiert
  • auch spezielle "Pip Boy"-Edition samt echtem Pip-Boy für euer Smartphone erhältlich
  • erscheint voraussichtlich am 10. November für PC, PS4 und Xbox One
  • auf Amazon könnt ihr Fallout 4 schon vorbestellen
  • Hier geht's zur Lösung von Fallout 4

Meinung von Daniel Kirschey

Zum Glück ging der „Hypetrain“ an mir vorbei. Ich saß hier nicht schon im August und konnte es nicht erwarten, bis „das beste Spiel der Welt und wehe ihr behauptet etwas anderes“ erscheint. Mal ehrlich: Mir geht der ganze Spiele-Hype inzwischen so sehr auf den Sack. Beim Klang des Namens Fallout 4 haben zu viele ihre Ratio verloren und sind nur noch wild heulend und sabbernd im Kreis gesprungen. Warum ich das anspreche? Weil ich lange zwischen den Wertungen 89 und 90 geschwankt bin. Für mich ist das ein Punkt, für viele anderen das Überleben ihres Nervenkostüms.

Wie komme ich also zur 90, obwohl ich bei den Gesichtsanimationen entgeistert den Bildschirm anstarrte, mich Dogmeat und das Aufbauspiel nerven? Ganz einfach: Außer den Gesichtern, die ich leider ertragen muss, brauche ich weder Dogmeat mitzunehmen, noch mich mit den Aufbauspiel mehr beschäftigen als ich will. Dafür bietet mir Fallout 4 genau das, weshalb ich schon Fallout 3 und das zu Unrecht abgestrafte Fallout – New Vegas so geliebt habe: Eine riesige Spielwiese in einem postapokalyptischen, verrückten Amerika.

Egal wo ich hinlaufe, immer finde ich eine Geschichte, die mir Bethesda faszinierend erzählt. Und wenn es so Kurzgeschichten sind, wie die von Wayne Gorski. Damit schafft Bethesda etwas, das vielen anderen Entwicklern von "Open World"-Spielen nicht gelingt: die Spannung in einer großen Welt beständig aufrecht zu halten. Denn hinter jeder Ecke, jedem Hügel, jedem Busch könnte wieder ein Fleckchen sein, dass mich alles bis auf die Welt von Fallout vergessen lässt, mich hineinzieht und mich lächelnd und zufrieden zurücklässt. Dann nehme ich das fehlende Karma-System, die sowieso schon (für Bethesda) wenigen Bugs und die stimmungsraubenden Gesichtsanimationen in Kauf. Denn der Rest gehört zu einem faszinierenden und herausragenden Rollenspiel.

Meinung von Onkel Jo

Ich liebe Fallout 4. Lange spielen werde ich es trotzdem nicht. Vermutlich. Und das liegt nur an mir und ich ärgere mich ein bisschen über mich selbst.

"Krieg. Krieg bleibt immer gleich", begrüßt mich das Spiel. Und der Anfang fängt mein Herz ein wie eine schöne Frau, die mir im Sommer ein Lächeln zuwirft. In wenigen Sekunden entwirft das Spiel die Vision einer Zukunft, wie sie trostloser nicht sein könnte. Es ist das Mad Max ohne Superhelden. Es ist der Versuch, das Ende der Welt zu verstehen.

Und es ist die Liebe zum Detail, die mich das Spiel durch eine rosarote Brillen sehen lässt. Was mir zeigt, dass die Entwickler wissen, was mir gefällt, ist nicht etwa eine grandiose Geschichte (Atomkrieg, naja), keine tolle Grafik (Falout 4 sieht eher zweckmäßig aus, lippensynchron ist etwas anderes, Gesichter scheinen eher Totenmasken), es ist ein kleines virtuelles Computer-Terminal zu Beginn in Bunker 111, auf dem ein Spiel läuft. „Red Menace“, © 2075. Ein abgespeckter Klon von Donkey Kong, grün in grün, mit dem Vault-Boy als Mario. Und ich liebe es! Und in Fallout 4 gibt es noch mehr dieser Mini-Spiele. Wie überragend ist das denn bitte?

Überhaupt ist es beeindruckend, was die Entwickler von Bethesda alles eingebaut haben. All die Möglichkeiten. Doch genau damit beeindruckt und erschlägt mich das Spiel gleichzeitig. Ich neige ja dazu, in Spielen alles auszuprobieren. Ich pflücke in Risen Blumen, ich sammle bei Giana Sisters alle Diamanten, ich öffne in Destiny alle Truhen. Möchte ich in Fallout 4 diesem Drang nachgeben, begleitet mich das Spiel vermutlich noch bis zur Rente. Und darauf habe ich keine Lust. Mehr als 200 Spielstunden sind für mich kein Kaufargument.

Ich kann aber jeden verstehen, der dieses Abenteuer wagt. Fallout 4 ist großartig.

90 Spieletipps-Award

meint: Ein umfangreiches Rollenspiel in einer faszinierenden postapokalytptischen Welt. Endlich wieder zurück ins Ödland!

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Inhalt

Tags: Science-Fiction   Singleplayer   Open World  

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