Nvidia Shield TV im Dauertest: Das sagen Redaktion und spieletipps-Leser - Teil 1

(Special)

von Thomas Stuchlik (16. Dezember 2015)

Mit Shield Android TV will Grafikspezialist Nvidia die Wohnzimmer erobern. Konkurrenz für PS4 und Xbox One? Zusammen mit drei spieletipps-Lesern unterziehen wir das Gerät einem Dauertest.

Das schwarze Kästchen mit dem grünen Licht wirkt äußerlich unscheinbar, steckt aber voller Überraschungen und Hardware-Power. Die neue Set-Top-Box sorgt dank Fernseh- und Spiele-Streaming sowie angepassten Spielen für umfassende Unterhaltung. Mit dem Nvidia Shield Android TV betritt ein neuer Herausforderer die umkämpfte Konsolen- und Mediacenter-Welt. Doch was kann das Gerät und was nicht?

Unter dem Titel Shield hat Nvidia bereits einige Geräte veröffentlicht, sei es ein Handheld oder ein Tablet. Nun soll der neue Shield-Vertreter nicht nur als Medienzentrale für das Wohnzimmer dienen, sondern auch für Spiele-Unterhaltung sorgen. Doch in diesem Metier haben sich nicht nur Konsolen wie die Playstation 4 und die Xbox One breit gemacht - auch Amazons Fire TV und Apple TV buhlen um die Gunst des Wohnzimmers. Um hier herauszustechen, wartet das Shield TV deshalb mit schicker Hardware auf.

1 von 23

Das kann Nvidia Shield Android TV

Im Inneren werkelt Nvidias Vorzeige-Chip Tegra X1 - der aktuell wohl leistungsfähigste Mobil-Prozessor. Dieser enthält eine Prozessor mit acht Rechenkernen samt Maxwell-Grafikprozessor mit 256 Kernen. Das reicht auch für aufwändigeren Spielegenuss sowie zur flüssigen Übertragung von 4K-Videoinhalten mit 3.840 mal 2.160 Pixel Auflösung. Standardmäßig besitzt das Gerät 16 Gigabyte Speicher, die aber jederzeit per Mikro-SD-Karte erweitert werden können. Zukunftsfähig bleibt das Gerät auch dank dreier USB-Anschlüsse, der HDMI-Anschluss ist dagegen obligatorisch.

Steuerung intuitiv

Im Lieferumfang findet sich ein wuchtiger Controller, der sich vor allem in großen Händen wohlfühlt. Die Tastenanordnung gleicht dem Konsolenstandard: zwei Analogsticks, Steuerkreuz, vier Aktionsknöpfe sowie zwei digitale und zwei analoge Schultertasten. Konsolenzocker finden sich umgehend zurecht.

Groß und mächtig: Der Controller liegt trotzdem gut in der Hand und besitzt sinnvolle Funktionen.Groß und mächtig: Der Controller liegt trotzdem gut in der Hand und besitzt sinnvolle Funktionen.

Auf dem Pad finden sich außerdem Navigations- und Lautstärketasten - praktisch für die Medienwiedergabe und die Navigation. Außerdem darf ein Kopfhörer angestöpselt werden. Den fest integrierten Akku ladet ihr mit dem mitgelieferten Mikro-USB-Kabel auf. Separat erhältlich ist die kompakte und flache Fernbedienung "Shield Remote", die für den Filmgenuss geeignet ist und an das Steuergerät des neuen Apple TV erinnert.

Auch, da sich darin ein Mikrofon verbirgt (genauso wie im Controller). Damit sucht ihr per Sprachkommando nach bestimmten Video-Inhalten und Apps. Im Gegensatz zu Apple TV basiert das gesamte System auf einem Android-Betriebssystem. Nach dem ersten Einschalten ist Geduld gefragt. Denn zunächst benötigt das Gerät eine Online-Aktualisierung von 715 Megabyte. Dann landet ihr im übersichtlichen Systemmenü, von wo ihr über Kachel-Symbole auf beliebte Inhalte, Spiele und Shield-Dienste schnell zugreift. Das funktioniert mit dem mitgelieferten Controller genauso gut wie mit der Fernbedienung.

Angepasste Spiele

Trotz aller Multimedia-Fähigkeiten ist das vielleicht Wichtigste die Unterstützung von Spielen. Hier bietet Shield folgende Auswahlmöglichkeiten an: den hauseigenen Shield-Store, den Android Store, den kostenpflichtigen Streaming-Service Geforce Now und das Streaming vom heimischen Gaming-PC.

Android-basierte Spiele wie Asphalt 8 machen sich auch auf dem großen Bildschirm gut.Android-basierte Spiele wie Asphalt 8 machen sich auch auf dem großen Bildschirm gut.

Unter dem Menüpunkt "Shield Games" findet ihr die Shield-eigene Downloadplattform. Hier gibt es oft kostenpflichtige PC-Umsetzungen von Klassikern wie Half-Life 2 oder Portal bis zu Neuauflagen wie Doom 3 - BFG Edition. Auch Adventures wie Machinarium oder 2D-Ballereien wie Geometry Wars 3 - Dimensions lassen sich blicken. Preislich rangieren die Titel zwischen null und 20 Euro.

Dank Android-Basis habt ihr auch Zugriff auf den umfassenden Google Play Store. Jedoch findet ihr nicht das gesamte Sortiment, denn Android-Spiele müssen an Shield angepasst sein. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits gibt es eine qualitativ gute Auswahl und erspart euch den Müll, der sich oft im normalen Play-Store tummelt. Andererseits ist das handverlesene Angebot bei weitem nicht so groß und hochkarätig wie auf PC oder Konsole. So findet ihr angepasste Android-Spiele aus allen Genres wie Asphalt 8 - Airborne, Crossy Road, Dead Trigger 2 oder Leo's Fortune. Nett für zwischendurch, jedoch kein echter Kaufgrund für das Gerät.

Streaming von Spielen

Zu einer der Stärken der Hardware zählt das Spiele-Streaming. Denn Nvidias Online-Dienst Geforce Now ermöglicht auch aufwändige PC-Titel, die ansonsten eine teure Computer-Hardware erfordert. Stattdessen wird die Spielgrafik auf externen Cloud-Servern generiert und per Internet direkt auf das Gerät übertragen.

Große Titel wie Batman Arkham City gibt es nicht zum Download, sondern als Stream.Große Titel wie Batman Arkham City gibt es nicht zum Download, sondern als Stream.

Dazu ist jedoch eine gute Internetleitung mit über 25 Megabit pro Sekunde nötig. Zudem solltet ihr die Box per Netzwerkkabel anstöpseln oder ein WLAN mit 5 Gigabit Bandbreite nutzen. Erst dann könnt ihr Streaming bis zu einer Auflösung 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde genießen. Die etwa 50 PC-Umsetzungen wie Batman - Arkham City, Homefront, Dirt 3, Borderlands 2 und War Thunder wirken in der Praxis überzeugend - spielerisch sind allesamt identisch zum Original. Auch schön, dass sich familienfreundliche Spiele wie Lego Batman, Lego Der Hobbit oder Oceanhorn - Monster of Uncharted Seas finden.

Mit einer guten Internetanbindung findet sich oftmals kein Unterschied zum normalen PC-Spiel. Die Spiele laufen scheinbar mit hoher Grafikeinstellung mitsamt sehr guter Kantenglättung. Allerdings nicht immer: Trotz optimaler Bedingungen reduzieren manche Titel auf 720p, manche auf 30 Bilder pro Sekunde. Je nach Verbindung passt das Nvidia Shield die Auflösung auch im laufenden Spiel an. Im blödesten Fall halbiert sich diese kurzzeitig auf 540p und überrascht mit unschönen Artefakten. Dennoch bleibt die Bildrate meist stabil. Überraschend auch, dass gemütliche Titel wie The Vanishing of Ethan Carter beim Test nie zur vollen Auflösung verfügbar waren.

Jedoch ist der Streaming-Dienst Geforce Now nur in den ersten drei Monaten kostenlos. Danach schlägt der Dienst mit 9,99 Euro im Monat zu Buche. Außerdem ist zwingend eine Kreditkarte nötig (auch für die Gratis-Zeit). Obendrein ist nicht das gesamte Sortiment in der Abo-Gebühr enthalten. Kassenschlager wie The Witcher 3 - Wild Hunt kosten nochmals einmalig den Vollpreis.

Streaming vom PC

Besitzt ihr einen Spiele-PC mit Nvidia-Grafikkarte (GTX 650 und höher) könnt ihr gleichermaßen Streaming mit Shield nutzen - und zwar gratis. Am Computer startet ihr den Gamestream mit der Grafikkarten-App Geforce Experience. Schon könnt ihr aufwändige PC-Produktionen direkt am großen Fernseher genießen. Vorausgesetzt, euer Netzwerk bietet genug Bandbreite, auch hier ist der Anschluss per LAN-Kabel ratsam.

Alle Titel laufen einwandfrei beim Test, manche jedoch nicht mit voller Auflösung wie The Witcher 3 - trotz optimaler Einstellung.Alle Titel laufen einwandfrei beim Test, manche jedoch nicht mit voller Auflösung wie The Witcher 3 - trotz optimaler Einstellung.

Da ihr nicht über externe Server, sondern über das heimische Netzwerk streamt, ist die Bildqualität auch entsprechend hoch. Nur beim genauen Hinsehen erkennt ihr minimale Qualitätsunterschiede. So kann der eigene Rechner im Arbeitszimmer verbleiben, während ihr im Wohnzimmer wie an einer Konsole zockt - allerdings mit PC-Grafik.

Jedoch gibt es auch hier Einschränkungen. Denn ihr spielt standardmäßig mit dem Shield-Controller, was die Steuerung bei einigen PC-Titeln erschwert. Zwar dürft ihr jederzeit eine virtuelle Tastatur einblenden und wahlweise den rechten Analogstick als Mausersatz nutzen. Jedoch ist das in der Praxis recht unpraktisch gelöst. Besser, wenn ihr eine Funk- oder Bluetooth-Tastatur samt Maus mit der Shield-Konsole verbindet.

Gut gelöst ist dagegen die Spielaufnahme. Ganz ähnlich wie auf PS4 startet ihr jederzeit einen öffentlichen Stream eures Spiels für Twitch. Dank eingebautem Mikrofon im Controller sogar samt Kommentar. Ebenso nehmt ihr eigene Spielvideos und Bildschirmfotos auf Knopfdruck auf.

Fernsehgenuss mit 4K

Nvidia Shield eignet sich nicht nur zum Zocken, sondern auch für nichtinteraktive Unterhaltung. Dazu nutzt ihr unter anderem kostenlose Apps wie Youtube, 7TV, Red Bull oder die ZDF-Mediathek.

Shield verfügt über viele Videodienste wie Youtube und Netflix - einige große Namen fehlen jedoch noch.Shield verfügt über viele Videodienste wie Youtube und Netflix - einige große Namen fehlen jedoch noch.

Kostenpflichtige Abo-Dienste wie Netflix finden sich auch im Aufgebot. Maxdome und Watchever sind angekündigt, aber noch nicht erhältlich. Jede Spur fehlt aktuell von Amazon Video - eine ähnliche Situation wie bei Apple TV. Ein großer Pluspunkt der Set-Top-Box Shield ist die Übertragung von 4K-Inhalten (auch UHD genannt). So genießt ihr Youtube-Videos in maximaler Auflösung von 3.840 mal 2.160 Pixel auf einem vorhandenen UHD-Fernseher. Ebenso unterstützt Netflix dieses Format - andere Anbieter werden folgen.

Nicht zuletzt ist Shield auch mit Google Cast kompatibel. Damit übertragt ihr Multimedia-Inhalte wie Musik, Fotos und Filme von einem beliebigen Android-Gerät direkt auf euren Fernseher - egal ob von Smartphone oder Tablet.

Weiter mit: Erste Leserstimmen, Fakten, Meinung

Inhalt

Kommentare anzeigen

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Mit Resident Evil 7 - Biohazard will Capcom den Begriff Horror für Spiele neu definieren. Auch für die (...) mehr

Weitere Artikel

Südkorea: Hohe Haft- & Geldstrafen gegen Cheat-Entwickler eingeführt

Südkorea: Hohe Haft- & Geldstrafen gegen Cheat-Entwickler eingeführt

Das südkoreanische Parlament hat eine Gesetzesänderung erlassen, welche die Entwicklung und den Vertrieb von (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht