Test Rainbow Six Siege - Eine komplexe Situation

von Michael Krüger (03. Dezember 2015)

Ein herber Zufall, dass gerade jetzt mal wieder ein Spiel über Terrorismus erscheint. Ubisoft ließ sich von den jüngsten Ereignissen nicht abschrecken und bietet euch mit Rainbow Six - Siege die Möglichkeit, mit der Thematik auf Tuchfühlung zu gehen.

Bislang gab es einige Spiele, die sich mit diesem Szenario auseinandergesetzt haben. Zwei Mannschaften stehen sich gegenüber. Während die eine Bomben beschützt, greift die andere an und versucht die Bombe zu entschärfen oder die gegnerische Gruppe auszulöschen. Eines der wichtigsten Spiele dieser Kategorie ist unumstritten Counter Strike. Trotz minimaler Änderungen über die Jahre, übt es auch heute noch eine große Faszination auf viele Spieler aus.

Nun schickt Ubisoft Rainbow Six - Siege ins Rennen. Dieses geht noch einen Schritt weiter als Spiele zuvor. Anstatt sich nur gegenseitig über den Haufen zu schießen, verfügen beide Seiten über Mittel, die in echten Situationen ebenfalls zum Einsatz kommen. Daraus resultiert eine intensive Spielerfahrung, die taktische Elemente auch außerhalb des Schusswechsels anbietet und spannende Gefechte verspricht.

Konfrontationen nahe der Realität

Die Ausgangssituation ist in jeder Partie die gleiche. Eine Gruppe verteidigt und die andere Gruppe greift an. Nach jeder Runde werden die Seiten getauscht. Was die Verteidiger jeweils beschützen variiert. So kann es zum Beispiel sein, dass sie eine Geisel unter ihrer Kontrolle haben, die ihr befreien und nach draußen eskortieren sollt.

Tötet ihr die Geisel aus Versehen, verliert eure Mannschaft.Tötet ihr die Geisel aus Versehen, verliert eure Mannschaft.

Hier besteht nicht nur die Gefahr, dass ihr sie nicht rechtzeitig findet und befreien könnt, sondern dass ihr sie möglicherweise verletzt oder im schlimmsten Fall aus Versehen tötet. Es ist also auch Fingerspitzengefühl beim Zugriff gefragt. Das beginnt schon damit, dass ihr euch Wege nach drinnen sucht. Und davon gibt es reichlich. Habt ihr während der Vorbereitungszeit herausgefunden, wo sich das Ziel oder sogar ein paar der Gegner befinden, ist dieses Unterfangen zwar leichter, dennoch ist es wichtig die Karten zu kennen. Bereits hier wird klar, dass ohne viel Übung Frust zu einem häufigen Begleiter wird.

Auf der Gegenseite verhält es sich ähnlich. Nur wenn ihr die Karten komplett versteht und die Laufwege eurer Rivalen abschätzen könnt, seid ihr imstande sinnvoll Fallen zu platzieren und euch selbst an einer Stelle zu positionieren, an der ihr nicht von hinten erschossen werdet. Hier zeigt sich Rainbow Six - Siege von einer Seite, die viele Bezüge zur Realität hat. Anstelle von reinen Feuergefechten spielen Barrikaden wie Stacheldraht oder Holzverschläge eine wichtige Rolle - ebenso Waffen wie Sprengsätze und Blendgranaten. Habt ihr euch schon immer Situationen in Spielen gewünscht, die echten SWAT-Einsätzen ähneln, dann werdet ihr hier sicherlich glücklich.

Für jede Aufgabe der richtige Spezialist

Um den Situationen ein wenig Gesicht zu verleihen stehen euch nicht einfach austauschbare Soldaten zur Verfügung. Passend zu den Szenarien nahmen sich die Entwickler als Vorlage die bekanntesten Spezialeinheiten der Welt. Zu diesen zählen das amerikanische FBI, die deutsche GSG 9 oder auch die russische Speznas.

Alleine schon in der Aufstellung machen die Operator ein gutes Bild.Alleine schon in der Aufstellung machen die Operator ein gutes Bild.

Doch eure wählbaren Charaktere unterscheiden sich nicht nur durch ihre Herkunft. Jeder einzelne Operator ist ein Individuum und bringt passend zu seiner Bezeichnung eine spezielle Fähigkeit mit. Diese sind nicht einfach nur nette Dreingaben, sondern mitunter spielentscheidend. Nur wenn ihr genau wisst, wie ihr die Fähigkeit eures Operators am effizientesten nutzt, tragt ihr einen wichtigen Teil zum Sieg eurer Gruppe bei.

Spielt ihr beispielsweise als Verteidiger, solltet ihr darauf achten, eure Gas-Granaten nicht an Stellen zu platzieren, an denen die Gegner möglicherweise gar nicht auftauchen. Doch auch die Abstimmung zwischen den Charakteren ist wichtig. So kann ein Operator eine Art Zaun aufstellen, ein anderer wiederum kann diesen dann unter Strom setzen.

1 von 60

Das erwartet euch bei Rainbow Six - Siege

Da es sowohl bei den Verteidigern als auch bei den Angreifern jeweils zwölf Operator gibt, entstehen sehr viele unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten - auch in der Art des Aufeinandertreffens. Es ist toll, wenn ihr mit euren technischen Geräten die Bösewichte aus ihrem Versteck holen wollt, doch wenn diese Störgeräte verwenden, kommt ihr mit Elektronik nicht weit. So wird jedes Aufeinandertreffen zu einer neuen Überraschung. Eine optimale Voraussetzung für konzentrierte Spannung.

Hier kommt übrigens auch eine Portion Motivation ins Spiel. Fangt ihr frisch an, verfügt ihr über keinen einzigen Operator. Erst wenn ihr euch Ansehen verdient habt, könnt ihr euch einen Operator aussuchen. Es dauert also eine Weile bis ihr zu jeder Zeit alle zur Verfügung habt. Um den jeweiligen Charakter auf euren Spielstil abzustimmen, stehen euch Waffenaufsätze wie zum Beispiel Schalldämpfer zur Verfügung. Hierdurch entsteht zum einen noch mehr Motivation, weil ihr neue Gegenstände freischalten könnt, zum anderen sorgt es für noch mehr Variation während des Spiels selbst.

Jeder Operator wird durch einen netten kleinen Film vorgestellt.Jeder Operator wird durch einen netten kleinen Film vorgestellt.

Die Idee der verschiedenen Charaktere ist sehr schön umgesetzt. Jeder Operator wurde bis ins Detail individuell gestaltet und der Vorgang des Sammelns erinnert an ein Panini-Stickeralbum, denn das schlussendliche Ziel ist es, alle Operator auswählen zu können. Habt ihr zu wenig Auswahl, kann es sein, dass eure Mitspieler den gleichen gewählt haben und ihr auf den generischen Rekruten zurückgreifen müsst. Das ist nicht wirklich schlimm, aber einfach nicht so toll, wie mit der Figur eurer Wahl in den Kampf zu ziehen.

Ablauf der Gefechte

Jede Begegnung ist in zwei Phasen unterteilt. Die Vorbereitung dauert 30 Sekunden, die ihr in jedem Fall effektiv nutzen solltet. Steht ihr auf der verteidigenden Seite, verbringt ihr die kurze Zeitspanne damit, Barrikaden zu errichten und Fallen aufzustellen. Eine gute Absprache ist außerordentlich wichtig, da euch nicht unbegrenzt Verteidigungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Situationen werden oftmals falsch eingeschätzt.Situationen werden oftmals falsch eingeschätzt.

Die angreifende Seite nutzt die Zeit, um die Gegner auszuspionieren. Mit kleinen fahrbaren Drohnen erkundet ihr die Karte und versucht euch einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Gegner und Ziele werden markiert, solltet ihr sie vor Ablauf der Zeit finden. Sobald die Vorbereitung abgeschlossen ist, geht es ans Eingemachte.

In nur drei Minuten stürmen die Angreifer nach vorne und suchen sich einen Weg zu ihrem Ziel. Wände werden kurzerhand weggesprengt und Hauswände mit Seilen erklommen. Kein Weg scheint unmöglich, doch hinter jeder noch so kleinen Hürde könnte ein Gegner warten. So wichtig Absprache schon im Vorfeld ist, so überlebensnotwendig wird sie in dieser Phase. Hier strahlt Rainbow Six - Siege in allen Farben. Bereits nach ein paar Runden fühlt ihr euch, als wärt ihr Teil eines Einsatztrupps. Filmszenen laufen vor euch ab, während ihr Kameraden den Rücken freihaltet oder an einem Seil durch eine Barrikade schwingt - Großes Kino!

Schauplätze auf der ganzen Welt

Die ausgefeiltesten Spielmechaniken sind nichts wert, wenn die Karten nicht gut gestaltet sind. Hierbei ist weniger wichtig, dass diese hübsch in Szene gesetzt sind, sondern welche Laufwege sich darin ergeben und wie die Balance zwischen angreifender und verteidigender Seite ist. Scheinbar war dieser Umstand auch den Entwicklern bewusst, da ihr euch hier von einer feinen Abstimmung überzeugen könnt.

Gemeinsam mit euren Kameraden passt ihr euch den Gegebenheiten an.Gemeinsam mit euren Kameraden passt ihr euch den Gegebenheiten an.

Jede Karte ist sowohl von der einen als auch von der anderen Seite mit der gleichen Chance auf einen Sieg spielbar. Dabei haben viele Karten besondere Eigenheiten, wie etwa ein Flugzeug, dass euch auf engstem Raum einschließt und nur wenig Platz zum Ausweichen lässt.

Ein wenig Kritik bekommen die Karten dennoch, denn auch wenn das Hauptaugenmerk auf der Spielbarkeit liegt, dürften es hier und da ein paar Details mehr sein. Doch das fällt unter die Kategorie "Schmuck am Nachthemd" und beeinflusst die Wertung nicht.

Keine aussichtslose Situation

Wie bereits erwähnt, verfügt ihr zu Beginn lediglich über einen Rekruten und verdient euch euren ersten Operator. Damit ihr gleichzeitig mit den Spielmechaniken vertraut werdet, stehen euch die sogenannten Situationen zur Verfügung. Diese behandeln der Reihe nach alle relevanten Aspekte der Mehrspieler-Gefechte. Ihr lernt, wie ihr Geiseln befreit, Bomben entschärft oder auch einfach alle Gegner über den digitalen Jordan schickt.

Dank der Übungs-Missionen wisst ihr später, was zu tun ist.Dank der Übungs-Missionen wisst ihr später, was zu tun ist.

Als waschechte Solo-Erfahrung halten die Situationen zwar nicht her, doch unterhalten sie euch ganz gut und stellen euch bei Bedarf durch anpassbare Schwierigkeitsgrade vor eine extra Herausforderung. Als Belohnung winkt Ansehen, für das ihr euch künftig eure Operator und Anpassungen der Ausrüstung kauft.

Möchtet ihr lieber im kooperativen Spiel Ansehen verdienen, ist dies ebenfalls möglich. Im Terror-Kampf begegnet ihr ähnlichen Zielen wie in den Situationen und bekommt gemeinsam mit bis zu vier weiteren Spielern ein erstes Gefühl für das Zusammenspiel der Fähigkeiten.

Weder die Situationen noch der Terrorkampf wirken wie ein Hauptbestandteil des Spiels, eher wie nettes Beiwerk. Der Fokus liegt eindeutig auf den Mehrspieler-Partien. Da diese besonders stark in der Gestaltung ausfallen, ist diese Balance durchaus in Ordnung. Auf diese Weise bleibt es euch überlassen, ob ihr über den Mehrspieler-Modus hinaus etwas spielen möchtet.

Die technische Seite

Im Rahmen einer ausgiebigen Beta-Phase konnte Hersteller Ubisoft Einblick in bestehende Probleme nehmen. Diese bezogen sich hauptsächlich auf Server-basierende Fehler, resultierend in Verbindungsstörungen und Spielabbrüchen. Diese Probleme konnten für die Konsolen-Fassungen größtenteils behoben werden. Zum Test lag uns eine PS4-Version vor. Gelegentliche Verbindungsprobleme gab es zwar, jedoch waren diese nicht so massiv wie jene, mit denen PC-Spieler zu kämpfen haben.

Unterstützung von Mitstreitern ist sehr wichtig. Hoffentlich klappt das dann auch mit der Online-Verbindung.Unterstützung von Mitstreitern ist sehr wichtig. Hoffentlich klappt das dann auch mit der Online-Verbindung.

Hauptsächlich werden Server-Probleme beanstandet. Viele Spieler haben Probleme beim "Matchmaking" zu berichten. Hinzu kommen Verzögerungen im Online-Spiel und scheinbar zufällig auftretende Verbindungsabbrüche. Schade, dass Ubisoft nicht die Erfahrungen der Beta-Phase rechtzeitig in die PC-Version einfließen lassen konnte. Denn genau diese Art von Problemen gab es während der Beta schon zu beobachten.

Außerdem existiert ein recht seltsam anmutender Audio-Bug (der Ton stottert und wird unterbrochen), gepaart mit plötzlichen Einbrüchen der Bildwiederholrate. Das ähnelt frapierend den Problemen in Assassin's Creed - Unity, das ebenfalls aus dem Hause Ubisoft stammt. Hinzu kommen Berichte von Spielern, die ihre Codes für Sondereditionen nicht einlösen können. Einen Überblick über diese und noch weitere Probleme findet ihr in unserem News-Bereich.

Wir selbst haben - wie bereits erwähnt - solche schwerwiegenden Probleme im Zuge des Tests auf der PS4 nicht feststellen können. Auch auf der Xbox One - so berichten uns Kollegen - sind diese Mängel nicht vorhanden. Es bleibt also die Hoffnung, dass Ubisoft auch für PC-Spieler alsbald Lösungen anbietet

Season-Pass und Mikrotransaktionen

Man sollte meinen, dass reine Mehrspieler-Spiele durch den sowieso schon schmaleren Umfang eher auf kostenpflichtige Erweiterungen verzichten. Das dies ein Trugschluss ist, zeigte die Vergangenheit des öfteren.

Mehr Operator? Aber gerne doch!Mehr Operator? Aber gerne doch!

Also ist es kaum verwunderlich, dass mit der Veröffentlichung von Rainbow Six - Siege auch gleich ein Season-Pass - zu deutsch Staffel-Pass - erhältlich ist. Dieser versorgt euch in regelmäßigen Abständen mit drei neuen Charakteren, die eurer Operator-Auswahl hinzugefügt werden. Spieler ohne einen solchen Pass müssen sich jeweils eine Woche länger gedulden, bis sie die neuen Inhalte erwerben können. Die positive Seite: Neue Karten sollen in Zukunft kostenlos erscheinen, so dass alle Spieler gegeneinander antreten können, auch wenn manche keine Zusatzinhalte kaufen möchten.

Ein System, in dem ihr in Stufen aufsteigen könnt? Freischaltbare Dinge? Eine Spielwährung? Na, wenn das nicht die perfekten Voraussetzungen für Mikrotransaktionen sind! Das dachte man sich offensichtlich bei Ubisoft und gibt euch im Spiel die Möglichkeit, für echtes Geld erworbenes Ansehen zu nutzen. Auch hier ist die Situation aber schwarzweiß, denn immerhin werdet ihr nicht penetrant darauf hingewiesen und gefühlt dazu gezwungen, dass ihr zusätzliches Geld investiert. Also ist alles halb so wild.

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Tags: Multiplayer   Online-Zwang  

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