Test Sword Art Online - Lost Song: Anime-Mädchen und der Traum vom Fliegen

von Antonia Moritz (08. Dezember 2015)

Zu fliegen ist ein alter Traum der Menschheit. Sword Art Online erfüllt ihn euch. Und dazu gibt es hübsche Feenflügel, von Gras überzogene Ebenen und ein Haufen Mädels in knappen Rüstungen - das klingt gut.

Sword Art Online - Lost Song ist ein Rollenspiel in der Verfolgerperspektive für PlayStation 4 und PS Vita aus Japan. Die Handlung basiert wie im Vorgänger Sword Art Online – Hollow Fragment auf dem gleichnamigen Manga und Anime. Die Geschichte war schon damals der größte Pluspunkt des Spiels. Und das, obwohl sie nicht gerade leicht zu verstehen ist. Ihr spielt einen Held namens Kazuto, der im Spiel ein Online-Spiel namens "Sword Art Online" spielt. Soweit noch verständlich? Prima, denn in Teil 2 wird es noch komplexer. Dort spielt Kazuto nämlich nicht mehr "Sword Art Online", sondern "Alfheim Online". Und jetzt kommt ihr ins Spiel.

In Teil 1 seid ihr dem Kolosseum, der Arena des Todes, entkommen. Nur knapp 6.000 virtuelle Spieler konnten dank Kirito (dem Spielcharakter von Kazuto) gerettet werden. Für 4.000 Spieler kam jede Hilfe zu spät. Es ist wie eine Warnung: Wissenschaft besitzt immer eine Grenze, die der Mensch wahren sollte. Ein einziger Progammfehler, von einem Programmierer bewusst eingeführt, entwickelt sich zur perfekten Massenvernichtungswaffe. Die starke Handlung tröstet über die eher schwachen Charaktere hinweg.

29 von 40

Sword Art Online - Hollow Fragment und Lost Song: Das VRMMO-Anime

In Lost Song überlebt Kazuto alias Schwertkämpfer Kirito, Asuna und ihre Freunde das Höllenspiel und tasten sich an das gesicherte "Virtual Reality Massive Multiplayer Online Role-Play Game" (VRMMRPG) "Alfheim Online" heran. Vom Spielprinzip her ist es so ähnlich wie Sword Art Online (das virtuelle, könnt ihr immer noch folgen?). Jedoch wird in Alfheim Online den Spielern zum ersten Mal der Gebrauch von Magie und das Fliegen zugänglich. In unserer Vorschau "Sword Art Online - Lost Song: Von Schwertkämpfern hin zu Elfen und Feen" findet ihr jede Menge Infos dazu.

Dem Tod von der Schippe gesprungen

Die Sonne scheint. Auf einer schwebenden Insel steht ein junger Mann, gehüllt in dunkle Kleidung. Verträumt betrachtet er einen schwebenden Kontinent im Himmel. Mit dieser schönen Videosequenz startet Sword Art Online - Lost Song. Die Videosequenzen sind animiert wie im dazugehörigen Anime. Ein Manko in solchen Video-Sequenzen sind die winzigen deutschen Untertitel. Nächstes Mal sollte Bandai Namco eine Lesebrille direkt mitliefern. Die Sprachausgabe des Spiels ist ausschließlich japanisch. Die Dialoge sind zwar niedlich, aber flach.

Kirito kann durch Blocken den Schaden abwenden.Kirito kann durch Blocken den Schaden abwenden.

Die Handlung von Lost Song nimmt nur noch einen losen Bezug zu der Geschichte des Animes. So wird Neulingen zwar der Einstieg in das Spiel erleichtert, jedoch verliert die Handlung damit an Charme. Es ist ein großer Unterschied, wie in Hollow Fragment einen Typen zu spielen, der um sein Überleben kämpft oder wie jetzt in Lost Song einen Jungen, der ein Online-Spiel mit seinen Freunden zockt.

Durch geschickt gesetzte Erinnerungssequenzen erzählen die Entwickler die Geschichte des Vorgängers nach und nach. So schließt das Spiel die Bildungslücken derjenigen, die es gewagt haben, den Anime nicht zu sehen.

Am Anfang ist es Kiritos einziger Wunsch, eine glückliche Zeit zusammen mit seinen Freunden auf der virtuellen Spielwiese zu verbringen. Bald weckt jedoch eine Gilde namens Shamrock seine Aufmerksamkeit. Die Anführerin der Gilde ist eine junge Frau, die eine geschickte Professorin und nebenbei noch eine tolle Sängerin ist. Ach, und nebenbei auch sehr hübsch. Kiritos Wunsch ist es, Seven und die Gilde besser kennen zu lernen.

Spielablauf und Charaktere

Im Spiel bekommt ihr meist Aufträge, für die ihr einen Ort im Spiel aufsuchen sollt, dort jemand um die Ecke bringt und danach zu eurem Auftraggeber zurückreist. Das größte Manko dabei ist die zickige Steuerung. Nicht lange, und ihr werdet vermutlich mit der Kreistaste auf dem Kriegsfuß stehen. Mit ihr interagiert ihr mit Objekten und Personen. Auch mit Suchpunkten, die Waffen oder die Währung Yrd anzeigen. Oft reagiert die Kreistaste dabei nicht und wenn ihr aus Wut ein zweites Mal drückt, erhebt sich Kirito auf einmal elegant in die Höhe und flattert mit sich drehender Kamera davon.

Kirito und seine Cousine Leafa freuen sich auf ein neues Abenteuer.Kirito und seine Cousine Leafa freuen sich auf ein neues Abenteuer.

Kein Kirito, ohne dass er der Hahn im Korb ist. Neben ihm gibt es vielleicht noch zwei andere tapfere Männer, die aber von der holden Weiblichkeit komplett ignoriert werden. Ungewöhnlich viele Zockerinnen mischen Alfheim Online auf. Selbstverständlich ist es auch möglich, den unzähligen Damen namens Asuna, Leafa oder Sinon, Bikinis und Badetücher anzuziehen. Nur notbedürftigt wird die üppige Weiblichkeit mit dieser Kleidung verborgen.

Ob ein Bikini wirklich die beste Rüstung ist?Ob ein Bikini wirklich die beste Rüstung ist?

Im Gasthaus habt ihr die Möglichkeit, eure Spielfigur zu wechseln. So könnt ihr die Fähigkeiten eines jeden Charakters kennenlernen. Jeder einzelne von ihnen beherrscht seine eigenen Fähigkeiten und Talente. Die blauhaarige Sinon deckt etwa ihre Gegner mit einem Pfeilhagel ein.

Optisch sind die Charaktere süß und bunt animiert. Dies tröstet ein wenig über die ansonsten blassen Persönlichkeiten hinweg. Scheinbar wahllos haben die Entwickler den Helden stereotypische Charaktermerkmale zugeordnet. Sinon, Kirito und Asuna wirken so, als wäre ihnen nie etwas passiert. Nur selten wird das Thema angekratzt. Und das wirkt mitunter unglaubwürdig.

In einigen Momenten erhaltet ihr Post von euren virtuellen Freunden. In diesen berichten sie Kirito von ihren persönlichen Gefühlen, Erwartungen und Hoffnungen an das neue Online-Erlebnis. Die Texte sind schön geschrieben, geben den Charakteren aber auch nicht mehr Tiefe.

Später ist es euch möglich, über einen Editor eine eigene Spielfigur zu entwickeln. Damit könnt ihr auch im Mehrspieler-Modus antreten. Der ist nicht sehr umfangreich. Ihr kämpft dort gegen andere Spieler oder löst gemeinsam einige Kooperativ-Missionen. Eure selbsterstellten Helden werden in der Einzelspieler-Kampagne jedoch so gut wie gar nicht in die Handlung mit einbezogen und sind somit langweiliger als die vorgegebenen Akteure. Eine nette Idee, die aber unnötig ist. Mit den 20 originalen Spielcharakteren habt ihr genug Abwechslung.

Flugsteuerung im Sturzflug

Zu fliegen klingt zwar in erster Linie toll, aber auch hier hätte eine direktere Steuerung, die nicht euren Eingaben hinterher hängt, mehr Spielspaß garantiert. Klar, es macht Spaß, schnell wie ein Blitz über die Blumenfelder zu flattern. Doch zu oft verliert ihr die Kontrolle über Kirito und seinen Freunden und fliegt gegen Felsen oder stürzt gleich in den Abgrund.

Yuuki ist eine starke Kämpferin.Yuuki ist eine starke Kämpferin.

Auch nerven die grafischen Fehler. Je näher ihr einem Objekt wie einem Haus kommt, umso mehr springt euch die schwammige Textur ins Auge. Ab und zu verschwindet Kiritos Schwertspitze in einem Felsen. Und noch schlimmer, die Figuren können durch andere Charaktere hindurchlaufen.

Mit Sword Art Online - Lost Song erwartet euch jedoch ein umfangreiches Spiel. Doch die Ebene Woglinde sieht klasse aus und kleine Blumenfelder sorgen für Hingucker. Erhebt ihr euch jedoch in die Luft, sieht die Welt um euch herum recht verlassen aus: Drei Häuser stellen irgendwo eine Farm da, dort gibt es noch eine Windmühle und eine schwebende Insel, aber ansonsten ist alles nur eine riesige Grasfläche mit einem Haufen Gegnern darauf.

Gennerell birgt es aber eine Menge Spaß, durch Alfheim Online zu fliegen. Die Charaktere werden dem Anime optisch absolut gerecht und ihr erlebt somit ansprechendes Anime-Flair. Da ab und an auch Überraschungen wie Spontan-Duelle auf euch warten, könnt ihr durchaus guten Gewissens einige Spielstunden in "Lost Song" versenken.

Weiter mit:

Inhalt

  • 1. Dem Tod von der Schippe gesprungen/ Zocken in einer lustigen Runde/ Ein reiner Sturzflug
  • 2. Fakten und Wertung

Tags: Anime  

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