Test Assassin's Creed Chronicles: India macht Hoffnung auf eine gute Trilogie

von Michael Krüger (12. Januar 2016)

Kurz nachdem Ubisoft bekannt gab, dass es dieses Jahr erstmals seit Jahren kein neues Assassin's Creed im Herbst gibt, erscheint zumindest ein kleines Lebenszeichen: Assassin's Creed Chronicles - India.

Die Idee, die Assassin's Creed Chronicles zugrunde liegt, ist nicht schlecht. Drei Spiele zeigen die Abenteuer der Auftragskiller im Kampf gegen die Templer aus einer neuen Sicht und in bisher ungenutzten Szenarien.

Im April 2015 erschien mit China der erste Teil der geplanten Trilogie. Dieser überzeugte jedoch keinesfalls jeden. Der Grund hierfür waren die teilweise anstrengende Spielmechanik und oft unfair schwierige Karten-Abschnitte. Die Hoffnung ist nun, dass die Entwickler aus den Fehlern gelernt haben und sich mit India steigern.

Klassische Einflüsse Indiens

Herrschten im Vorgänger bunte Striche chinesischer Pinsel vor, sind es nun Mandalas und indische Symbole. Diese unterstreichen den erneut malerischen Stil des Spiels und betonen den Schauplatz des Abenteuers. Neben den gestalterischen Hinweisen, verdeutlichen auch Elefanten in klassischer Tracht, sowie eingesperrte Tiger und die zur Kolonialzeit vielerorts in Indien gesehenen Briten, dass ihr in Indien unterwegs seid.

Bei solchen Bildern kann man das Curry beinahe riechen.Bei solchen Bildern kann man das Curry beinahe riechen.

Es ist die Version eines Indiens aus Märchen. Diese passt super zur Idee des Spiels und macht aus der Geschichte ein Abenteuer aus 1.001 Nacht. Die für Holi-Feste typischen Farbkleckse zeigen euch hier und da den Weg und hat etwas ein auffälliges buntes Muster, ist es vermutlich ein Relief, auf dem ihr klettern könnt.

Optisch bekommt ihr die volle Ladung eines zauberhaften Indiens ab, was auf der akustischen Seite offenbar versäumt wurde. Anstatt sich auf die Kommentare umher stehender Wachen zu konzentrieren, hätte es der Stimmung allerdings gut getan, wenn die Szenen durch pulsierende Tabla- und Sitar-Klänge untermalt worden wären.

Dieses Video zu AC - Chronicles schon gesehen?

Prince of Persia wäre neidisch

Ein wertvoller Edelstein, gemeine Schurken, einstürzende Tempel und eine hübsche Prinzessin - Das könnte ebenso die Beschreibung eines Spiels der Serie Prince of Persia sein. Da diese wie kürzlich durchsickerte von Ubisoft wohl nicht fortgesetzt wird, vermag dieses Spiel euren Durst nach orientalischen Märchen zu stillen. Und das sogar in einem ähnlichen Stil wie das erste Prince of Persia.

Der Weg zu eurem Schatz ist alles andere als leicht.Der Weg zu eurem Schatz ist alles andere als leicht.

Obwohl euer übergeordnetes Ziel natürlich die Vernichtung der Templer oder zumindest das durchkreuzen ihrer Pläne ist, steht die Liebesgeschichte zwischen Protagonist Arbaaz und seiner angebeteten Prinzessin Pyara im Vordergrund.

Die Tempel werden von einheimischen Soldaten sowie britischer Besatzung kontrolliert und so bleibt euch auf eurem Weg zur Rettung eurer Liebsten nichts anderes übrig, als euch zwischen den Fronten zu bewegen und zu hoffen, nicht ins Kreuzfeuer zu geraten. Dabei begegnen euch sogar übernatürliche Elemente, die wiederum erneut an den persischen Prinzen erinnern.

Das Einmaleins der Assassinen-Kunst

Auch wenn ihr euren Helden von der Seite seht und euch durch zweidimensionale Welten bewegt, habt ihr Zugriff auf das gesamte Repertoire, das ihr auch aus anderen Spielen der Serie gewohnt seid. Gut, vielleicht nicht alle, aber zumindest genügend, um euch auf unterschiedlichen Wegen zur Wehr zusetzen.

Im Gegensatz zu den großen Brüdern, geht es in den Chronicles-Spielen mehr darum, möglichst ungesehen ans Ziel zu kommen. Nur so bekommt ihr die höchste Punktzahl beim Abschluss der aktuellen Sequenz. Je mehr Punkte ihr erreicht, umso mehr Verbesserungen bekommt ihr. Der Fokus liegt hier also mehr auf der Taktik als auf der Geschichte.

Habt ihr einen Abschnitt geschafft, seht ihr direkt eure Leistung.Habt ihr einen Abschnitt geschafft, seht ihr direkt eure Leistung.

Damit ihr möglichst ungesehen durch die Gebiete kommt, stehen euch im Grunde die gleichen Werkzeuge zur Verfügung, die ihr aus dem Vorgänger kennt. Die Begriffe mögen nicht immer gleich sein, der Effekt ist allerdings identisch. So habt ihr Lärmpfeile, um Gegner an eine bestimmte Stelle zu locken, vernebelt mit Rauchgranaten die Sicht eurer Feinde oder kappt mit Hilfe von Chakrams Seile, die zum Beispiel Lampen halten. Habt ihr keine Munition, könnt ihr pfeifen, was einen ähnlichen Effekt wie die Lärmpfeile hat.

Alle Hilfsmittel kommen zum im Spiel gleichermaßen zum Einsatz und erschaffen gemeinsam mit der Umgebung eine nette Auswahl an Möglichkeiten. Es wäre vermutlich zu viel, würde man von grenzenloser Freiheit sprechen, doch zumindest findet ihr für euren bevorzugten Spielstil immer einen passenden Weg.

Der Schwierigkeitsgrad ist knackig. Für den ersten Durchlauf habt ihr nur den Härtegrad Normal. Rechnet nicht damit, dass ihr so einfach durch das Spiel gleitet. Besonders wenn ihr versucht, ungesehen und nicht tödlich durchzukommen, werdet ihr häufig auf Granit beißen. Auch wenn das weniger frustrierend als im Vorgänger ist, werdet ihr an manchen Stellen das Gefühl haben, dass nicht ihr, sondern das Spiel Schuld an eurem Versagen ist.

Das liegt zum einen an der Trägheit der Steuerung und zum anderen an teilweise unsauberen Kanten, an denen ihr nicht eure gewohnte Aktion ausüben könnt. Zwar ist eine Verbesserung zum Vorgänger spürbar, optimal ist es allerdings noch nicht.

10 von 33

Assassin's Creed Chronicles: China, Indien und Russland

Habt ihr den Dreh erst einmal raus und wisst, an welchen Stellen ihr besonders Acht geben müsst, packt euch schnell der Ehrgeiz und ihr rast durch manche Abschnitte nur noch so durch. Ein paar der Erinnerungssequenzen erfordern dieses Durchrennen sogar von euch. Das macht richtig Laune und schraubt das Adrenalin zusätzlich nach oben.

Nach der Geschichte nicht viel zu tun

Nach cirka vier Stunden in zehn Erinnerungssequenzen ist die Handlung abgeschlossen. Dann stehen euch Neues Spiel Plus und Neues Spiel Plus Schwer zur Verfügung. Hier könnt ihr mit den bisher gewonnenen Verbesserungen erneut die Geschichte spielen und kassiert dabei die doppelte Punktzahl, was euch bei Erfolg noch mehr Verbesserungen bringt. Möchtet ihr euch lieber an etwas anderem messen, könnt ihr auf die Herausforderungsräume zurückgreifen.

Ein neuer Durchlauf ist zwar verlockend, doch ein schwacher Trost für die kurze Spielzeit.Ein neuer Durchlauf ist zwar verlockend, doch ein schwacher Trost für die kurze Spielzeit.

In stilisierten Spielwelten, die durch den Animus inspiriert wurden, stellt ihr euch abstrakten Aufgaben und sammelt Assassinen-Abzeichen um neue Räume freizuschalten. Das macht Spaß - zumindest für eine halbe Stunde. Nach nur sechs solcher Herausforderungen ist der Spaß nämlich schon wieder vorbei. Das ist wirklich schade, denn eigentlich hätten diese Rätsel das Zeug dazu, euch länger zu unterhalten. Warum die Entwickler nicht ein paar mehr eingebaut haben, bleibt wohl ein Geheimnis.

Der Modus "Neues Spiel Plus" kann diese verpasste Chance nicht wieder gut machen. Etwa vier Stunden Handlung und sechs Herausforderungen bleiben daher ein sparsamer Umfang. Es mag nicht unzureichend oder ungenügend sein, doch wäre mehr einfach schön gewesen. Immerhin ist der Wunsch danach ein gutes Zeichen dafür, dass das Spiel Spaß macht.

Das Gesamtpaket

Nun ist also der zweite Teil von Assassin's Creed Chronicles verfügbar und wie kürzlich bekannt gegeben wurde, endet die Reihe mit dem Teil Russia am 9. Februar 2016. Ab dann sollen alle drei Spiele digital und auf Disc als Trilogie erhältlich sein.

Ob diese Sammlung mit zusätzlichen Inhalten versehen sein wird, ist bislang unbekannt. Preislich macht der Einzelkauf keinen Unterschied. Solltet ihr Spiele lieber physisch kaufen, lohnt sich der Kauf der Sammlung für PS4 oder Xbox One wiederum schon.

Die Handlung von Russia wird um 1918 wie der Titel vermuten lässt in Russland spielen. Hier bewegt ihr euch erneut zwischen den Fronten der Assassinen und Templer und begegnet dabei einer hübschen Prinzessin. Welche spielerischen Eigenheiten dieser Teil mit sich bringen wird, wurde noch nicht verraten. Fest steht aber, dass es hier deutlich düsterer zugeht, da ihr euch durch eine monochrome Welt bewegt, die vom Stil her an The Saboteur erinnert.

Ab Februar ist das Trio komplett.Ab Februar ist das Trio komplett.

Zusätzliche Inhalte für die Spiele sind nicht erhältlich. Zumindest wenn ihr in den Online-Läden der Plattformen nachschaut, findet ihr nichts außer die Spiele selbst. Lediglich über Ubisofts eigenen Dienst Ubisoft Club könnt ihr eure Uplay-Punkte gegen alternative Kostüme und Waffen eintauschen. Nach der Masse an Mikrotransaktionen für etwa Trials Frontier ist das schon beinahe ein Wunder.

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Tags: DLC  

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