Test Bravely Second - End Layer: Sichere Pfade verlässt man nicht

von Daniel Kirschey (09. März 2016)

Square Enix verspricht mit Bravely Second eine komplexere Geschichte als im Vorgänger und noch mehr Komfortfunktionen in den Rundenkämpfen. Es kann also nur besser werden, oder?

Bravely Default war 2013 der Rollenspiel-Überraschungserfolg für Nintendos 3D-Handheld. Wagt sich Entwickler Silicon Studio nun mit Bravely Second - End Layer einen Schritt weiter vor?

"Japanische Rollenspiele sind tot." Einige Zeit geisterte dieser Satz durch den Äther des Internets. Ähnlich wie der gute, alte Rock 'n' Roll schon gefühlt eine Million Mal gestorben ist, nur damit dann irgendein Künstler ihn wiederbeleben kann, ist auch das Genre der japanischen Rollenspiele (kurz JRPG) schon einmal zu oft über den Jordan gegangen. Damals hat Bravely Default diese Aussage als reine Floskel enttarnt. Doch nicht nur dieses Spiel. Fällt ein Blick auf angekündigte Rollenspiele, widersetzen sich einige Entwickler mit Spielen wie Nier - Automata, Star Ocean 5 - Integrity and Faithlessness und Final Fantasy 15 dem Damoklesschwert des Todes, dass angeblich seit Jahren über dem Genre hängt.

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Bravely Second - So sieht der Nachfolger von Bravely Default aus

Kein Wunder also, dass Hersteller Square Enix nach dem Überraschungserfolg im Westen Bravely Default nicht als Eintagsfliege verkommen lässt. Ein neuer Teil soll die potentiellen Käufer wiederum ansprechen und vielleicht sogar noch einige dazu gewinnen.

Zurück nach Luxendarc

Bravely Second ist ein klassischer, zweiter Teil: Statt einer neuen Welt, mit neuen Figuren und einem neuen Magiesystem bleibt in Bravely Second alles beim Alten. Schon ganz zu Anfang bekommt ihr in medias res den neuen Bösewicht präsentiert. Kaiser Verheer, begleitet von einer kleinen Fee, die durchaus an Aerie erinnert, haut in kurzer Zeit den Kavalier Yew Geneolgia, die Päpstin Agnès Oblige, den Großmarschall Braev Lee und den Dunklen Ritter Alternis Dim um. Nachdem alle am Boden liegen, wird Agnès von Kaiser Verheer entführt. Die Geschichte kann beginnen.

Die 3D-Figuren passen gut mit den gemalten Hintergründen zusammen.Die 3D-Figuren passen gut mit den gemalten Hintergründen zusammen.

Ihr übernehmt die Rolle von Yew Geneolgia und die Aufgabe ist klar: Rettet Agnès. Wie schon im ersten Teil (eine Formulierung, die vor den meisten Spielmechaniken stehen könnte) sammelt ihr weitere Gruppenmitglieder an. Kaiser Verheer hat eine Menge Pickelhauben um sich versammelt. Überhaupt sind die Stile der einzelnen Parteien deutlicher gezeichnet. Tiz und seine Kumpanen - die drei Kavaliere - sind an die Musketiere Frankreichs angelehnt. Kaiser Verheer und seine Truppen an das Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts. So heißt der Löwe des Kaisers Bismarck. Eine Dogge wäre hier wohl treffender gewesen.

Kampf und Jobs

Die vielen Gegner haben wieder eine Menge Berufe im Gepäck, die ihr von ihnen erbeuten könnt. Besiegt ihr bestimmte Feinde in Bosskämpfen, schaltet ihr den Beruf des Gegners für eure eigenen Charaktere frei. Schon im ersten Teil haben die Berufe zu einer der interessanteren Spielmechaniken gehört.

Magnolia wirft mit einer Torte ...Magnolia wirft mit einer Torte ...

Die in den kleinen Asterisken, die die Bossgegner bei sich tragen, enthaltenen Berufe lassen euch im Handumdrehen aus dem Schwarzmagier Yew einen Bischof oder einen Astrologen machen. Insgesamt soll es 30 dieser Berufe geben und jeder dieser beherbergt zehn Fertigkeiten. Euren eigenen perfekten Charakter zu erschaffen, ist also gar nicht so schwer. Verdiente Erfahrungspunkte kommen dem Beruf, den ihr gerade nutzt, zugute. Auch das kennen einige von euch schon aus dem ersten Teil. So steigt mit der Zeit nicht nur der Charakter, sondern auch der Job auf in höhere Levels auf.

Beim Kampfsystem hat sich ebenfalls nicht viel verändert. Noch immer ist es ein ausgefuchstes System, dass die traditionellen Rundenkämpfe japanischer Rollenspiele perfektioniert. Der Entwickler Silicon Studio hat an den Kämpfen so lange herumgeschraubt und poliert, bis sie die Essenz des rollenspielerischen Rundenkampfes ergeben. Die ganzen Komfortfunktionen, die der Entwickler zusätzlich noch einbaut, lassen auch Neulinge im Rundenkampf triumphieren.

Statt für jede Figur in jeder Runde jeweils einen Angriff auszuwählen, haut die vom Mond stammende Magnolia Arch mit ihrer Lanze gerne auch viermal zu, setzt dafür aber dann auch vier Runden aus. Damit ihr nicht jeden der vier Angriffe einzeln wählen braucht, reicht ein Druck auf die rechte Schultertaste und ihr führt beispielsweise einen Zauber viermal aus. Oder ihr bastelt euch Angriffsmuster, die eure Figuren automatisch ausführen.

Präsentation und Minispiele

Auch der zweite Teil kommt im bekannten "Chibi"-Stil (angelehnt an Manga- / Anime-Zeichnungen) daher. Das heißt, die Spielfiguren sind ein wenig deformiert: Die Köpfe sind im Vergleich zu den Füßen riesig. Einigen von euch fällt vielleicht das Wort Kopffüßler ein, mit dem früher die Spielfiguren in japanischen Rollenspielen zur SNES-Zeit bezeichnet wurden.

Einige Gegner wie diese Teufel sind ganz schön fies.Einige Gegner wie diese Teufel sind ganz schön fies.

Wieder setzt sich das Spiel aus 3D-Figuren und gezeichneten Hintergründen zusammen. Gerade die Städte sind mit Details vollgestopft, so dass ihr auf kleine Gemälde schaut, während ihr neue Ausrüstung für eure Figuren kauft und der Geschichte folgt. Die Musik ist diesmal zwar nicht vom Kopf der Band Sound Horizon Revo, kommt aber ebenfalls von einem bekannten Musiker aus Japan: Ryo von Supercell.

Wer sich ein ähnliches Minispiel wie den Aufbau der Stadt Norende in Bravely Default wünscht, dessen Wünsche hat der Entwickler erhört: Diesmal baut ihr aber die Heimatstadt von Magnolia Arch auf dem Mond auf. Bis auf die unterschiedlichen Grafiken bleibt sonst alles beim Alten. In Bravely Second könnt ihr noch zusätzlich kleine Plüschtiere in einem Minispiel bauen und diese verkaufen. Die Plüschtierwährung tauscht ihr dann gegen die Luxendarc-Währung, mit der ihr wiederum eure eigene Kasse auffüllt.

Das Spiel läuft jedoch nicht im Hintergrund, dafür aber von selbst. Ihr schaut also Yew, Edea, Magnolia und Tiz beim Basteln von Plüschtieren zu ... was wirklich unglaublich Spaß macht ... falls bei euch gerade euer WLAN ausgefallen ist, ihr auf der Toilette hockt und ihr über euer Smartphone nicht mehr 9Gag erreicht.

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Bravely Second - So sieht der Nachfolger von Bravely Default aus

Was etwas sauer aufstößt, sind die Änderungen zur originalen japanischen Version: Bei der Lokalisierung der westlichen Fassungen wurden einige Job-Kostüme "entschärft" (keine Dekolletés mehr) und das Aussehen der Tomahawk-Klasse komplett geändert: Statt eines Indianerkostüms tragen die Figuren nun ein Cowboy-Kostüm.

Bravely Default 1.5

Das ewige Geleier der Spielekritiker: "Das Spiel birgt keine Innovationen. Für den zweiten Teil hätten sich die Entwickler gerne ein paar neue Spielmechaniken einfallen lassen können." Ein Spielekritiker zockt aufgrund seiner Berufsbeschreibung wohl mehr Spiele, als ein normaler Spieler. Die subjektive Erfahrung eines Spiels ist dadurch eine andere. Und Kritiken sind immer mehr oder weniger subjektiv; das bringen Kunst und Kultur mit sich.

Gerade die Stadthintergründe sehen wundervoll aus.Gerade die Stadthintergründe sehen wundervoll aus.

Bravely Default hat 2013 einen Nerv getroffen, der offen lag und leicht gereizt werden konnte. Dafür hat es ein sehr gutes Spiel wie Bravely Default gebraucht, das in seiner Rückbesinnung auf alte Werte der Welt den Gegenbeweis als waschechtes, gelungenes japanisches Rollenspiel vorgeführt hat. Diesen Nerv trifft Bravely Second nicht mehr so genau. Zwar erzählt das Spiel eine komplexere Geschichte und einige Funktionen werten das Kampfsystem noch weiter auf, doch nun ist es schlicht kein Überraschungserfolg mehr. Bravely Second ist ein überaus gutes Spiel, schlägt jedoch nicht wie die sprichwörtliche Bombe ein. Statt weiterer Verfeinerung wäre eine Erweiterung der Spielmechaniken vielleicht sinnvoller gewesen.

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Anime  

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