Virtual Reality: Lohnen sich Oculus Rift, HTC Vive, PlayStation VR und Holo Lens?

(Kolumne)

von Joachim Hesse (02. März 2016)

Die Spielewelt diskutiert über „Virtual Reality“. Ab nächstem Monat trudeln die ersten ernstzunehmenden 3D-Brillen ein. Aber für wen? Onkel Jo sagt seine Meinung.

Onkel Jo: "Es ist wie mein Leben."Onkel Jo: "Es ist wie mein Leben."

Meine Damen und Herren, es ist soweit! Oculus Rift, HTC Vive, PlayStation VR, Holo Lens und jede Menge kleinerer VR-Produktionen klopfen an die Tür. Ab Ende März liefert Oculus die ersten 3D-Brillen der Serienproduktion aus, HTC Vive soll Anfang April folgen. Die Zukunft beginnt. Die Frage, die ich mir stelle, lautet: Brauche ich das? Meine ganz persönliche Antwort: Nein. Oder doch?

Tatsächlich habe ich die virtuelle Realität herbeigesehnt wie ein Pokémon-Trainer sein erstes gefangenes Pokémon. Seit Jahren. Ich habe in den 90ern die ersten VR-Geräte mit Polygon-Grafik in der Spielhalle getestet. Ich zähle zu einem der drei Trotteln weltweit, die sich einen Virtual Boy von Nintendo gekauft haben. Ich wollte „Virtual Reality“ so wie es mir die Sternenflottenoffiziere im Holodeck von Raumschiff Enterprise vorlebten! Ich wäre der vermutlich sogar Erste, der sich dafür mit einem Chip zum Cyborg operieren lässt! Was ist nicht wollte: Mir beknackte Riesenbrillen an den Kopf schnallen, nach deren Gebrauch ich mich fühle als wäre ich zwei Stunden auf dem Jahrmarkt Karussell gefahren.

Auf der Spielemesse E3 im Rollstuhl von The Walking Dead. Mir wurde schlecht.Auf der Spielemesse E3 im Rollstuhl von The Walking Dead. Mir wurde schlecht.

Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass genau das gerade passiert. Mit dem Zusatz, dass der Kram noch ein enormes Loch in den Geldbeutel reißt. Wer kann sich es denn leisten, einen aktuellen Gaming-Rechner (1500+ Euro) ins Wohnzimmer zu stellen und dann noch 600 Euro für die 3D-Brille Oculus Rift oder 900+ Euro für HTC Vive auszugeben? Otto-Normal-Zocker sicher nicht. Holo Lens kostet Entwickler aktuell über 2.700 Euro, das wird voraussichtlich ebenfalls kein Flohmarkt-Schnapper. Auch für den voraussichtlichen Preis für PlayStation VR könnte man sich auch gleich noch eine neue Konsole ins Regal stellen.

Als Zielgruppe bleiben also in der Hauptsache reiche Nerds und verwöhnte Kinder. Vielen Dank. Da kann ich mir ja die möglichen Spiele ausmalen ... Der größte Kassenschlager dürfte demnach eine virtuelle Gummipuppe werden, für die man noch einen Penis-Controller (400 Euro) anschließen kann. Wohl dem, der dabei nicht mit Facebook-Milliardär Mark Zuckerberg in einer Messehalle sitzt. Habt ihr das Foto gesehen, das Herr Zuckerberg neulich hochgeladen hat? Bitte sehr, das ist die Zukunft, wenn es nach ihm geht:

Es würde mich nicht wundern, wenn er gerade so grinst, weil er sich vorstellt, wie er mit Edding schweinische Botschaften auf die Stirn seiner Jünger malt. Aber wieso wirken die Geräte wie VR-Melkmaschinen, die wie im Film Matrix die Lebenskraft aus ihren Wirten saugen? Muss ich mich nachher auch noch für eine rote oder blaue Pille entscheiden? Bei Raumschiff Enterprise sah das irgendwie cooler aus.

Tatsächlich gefällt es mir nicht, von der Umwelt komplett abgeschnitten zu sein durch so eine Brille. Da finde ich den "Augmented Reality"-Ansatz von Holo Lens attraktiver - spannende Spiele scheinen mit dem Miniausschnitt des virtuellen Fensters aber noch in weiter Ferne. Generell habe ich bisher in der Hauptsache nur Demos gesehen. Willenserklärungen von dem, was möglich wäre. Doch wer soll die Spiele entwickeln, wenn die potenzielle Abnehmergruppe kleiner ist als die Schnittmenge zwischen Dragon Ball und Call of Duty?

Ich lasse mich ja gerne überraschen. Kauft ruhig alle die neuen Geräte, damit finanziert ihr dem Rest vielleicht in ein paar Jahren ein Produkt, das alle überzeugt. Für mich persönlich zeichnet sich momentan allerdings noch wenig ab, weshalb ich mich im Jahr 2016 in diese Art der künstlichen Realität stürzen möchte. Konsolenspieler bleiben (bis auf PlayStation VR) ohnehin von der Entwicklung ausgeschlossen und selbst der PC-spielende Rest muss Weltraumsimulationen wie Eve VR, Elite Dangerous oder Star Citizen schon sehr lieben, um so viel in die Grafik zu investieren. Andererseits hat mich auf der Gamescom 2015 HTC Vive schon beeindruckt. Hmmm ...

Am Ende macht vermutlich McDonald's mit ihrer Frittenfett-Brille "Happy Goggles" das Rennen. Traurige Welt. Wenn doch wenigstens endlich mal jemand den Kälteschlaf zur Marktreife bringen würde. Dann könnte ich mich für 100 Jahre einfrieren lassen und danach mal schauen, was abgeht.

"Wo ist der nächste Stern?" -"Hinten Links beim Ketchup-Fleck!""Wo ist der nächste Stern?" -"Hinten Links beim Ketchup-Fleck!"

Wie seht ihr das? Beteiligt euch an unserer Umfrage, eure Meinung interessiert mich!

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Tags: Hardware   Oculus Rift   Virtual Reality   Onkel Jo  

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