Test Pokémon Tekken: Das Pokkén Tournament ist bereit zum Angriff

von Christian Detje (15. März 2016)

Das japanische Wort Tekken bedeutet Eisenfaust. Bedeutet das, dass die Pokémon im neusten Ableger Pokémon Tekken zu brutalen Haudraufs mutieren wie in Namcos Prügelspielklassiker?

Pikachu, Gengar, Machomei und Glurak vertreten die Riege der ersten Pokémon-Generation.Pikachu, Gengar, Machomei und Glurak vertreten die Riege der ersten Pokémon-Generation.

In jüngster Zeit scheint ein neues Spielerezept in Mode gekommen zu sein: Man nehme eine traditionsreiche Prügelspielserie und werfe sie in einen Topf mit einer traditionsreichen Nicht-Prügelspielserie.

Das hat vor zwei Jahren mit Hyrule Warriors (The Legend of Zelda plus Dynasty Warriors) blendend funktioniert. Das Spiel mit Zeldas sonst so erhabenem Königreich als Schauplatz zigtausendfacher Meinungsverschiedenheiten auf ziemlich engem Raum ist eines der erfolgreichsten Spiele für die Wii U (die mit Kassenschlagern wahrlich nicht gerade üppig gesegnet ist).

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Pokémon Tekken: Die Eisenfaust von Ferrum

Okay, ihr habt natürlich Recht: Dynasty Warriors ist keine Prügelspielserie im eigentlichen Sinn, sondern gehört zum Genre "Hack and Slay". Dennoch geht die Koproduktion von Bandai Namco und der Pokémon Company klar in dieselbe Richtung. Der Verdacht liegt nahe, dass Pokémon Tekken sich die hylianische Klopperei zum Vorbild genommen hat. Und warum denn auch nicht?

Viel mehr Pokémon als Tekken

Ist Pokémon Tekken (im ausland bekannt als Pokkén Tournament) nun mehr Pokémon oder mehr Tekken? Die Pokémon spielen die erste Geige. Den Tekken-Einfluss bemerkt ihr kaum. Bandai Namco hätte sein neues Machwerk durchaus auch Pokémon Battle nennen können – oder auch Pokémon Stadium 3, denn vergleicht man typische Szenen des N64-Urgesteins Pokémon Stadium von 1999 mit dem Tekken-Flirt, dann sehen sich die beiden ganz ähnlich.

Sieht nicht so viel anders aus als seinerzeit Pokémon Stadium, oder?Sieht nicht so viel anders aus als seinerzeit Pokémon Stadium, oder?

Denn Pokémon Tekken ist ein Spiel der Kampfarenen, Ungeheuer gegen Ungeheuer, Trainer gegen Trainer – im Grunde also so wie in der Hauptreihe, den Taschenmonster-Rollenspielen. Aber genau das könnt ihr von Pokémon Tekken nicht erwarten, und den Anspruch hat es auch nicht. Das Spiel ist ein schieres Prügelspiel, und wenn ihr den wirklich hilfreichen Worten eurer leutseligen Mentorin Nia lauscht, ist das auch schon der intensivste soziale Kontakt in Pokémon Tekken.

Aber mal zurück zu Tekken: Klar, die vielen kurzen und einige längere Kombinationen erinnern an die Playstation-Hausmarke in Sachen Prügelspiel. Aber das war’s dann auch schon.

Geistreiche Kampfstruktur bei Wii-Grafik

Haltet euch lieber an die kurzen Kampfmanöver (sehr simple Tastenkombinationen aus nur einem oder zwei verschiedenen Knöpfen) und versteht die sechs langen Kombos eher theoretisch, denn das Spiel reagiert da äußerst penibel auf eure Eingaben und beurteilt eure Präzision beim Tastendruck nach Zehntelsekunden. Blendet man also auch die wenigen Combos aus, die diese Bezeichnung verdienen, dann bleibt fast nur ein ziemlich reinrassiger Monsterkampf. Der sieht passabel aus, aber nicht wirklich gut – was reichlich pikant ist, nachdem der Entwickler jüngst verkündet hat, die Pokémon sähen besonders realistisch aus.

Wii-Grafik begegnet euch nicht zu jeder Zeit. Die Kampfszenen sehen aber kaum besser aus, wenn überhaupt.Wii-Grafik begegnet euch nicht zu jeder Zeit. Die Kampfszenen sehen aber kaum besser aus, wenn überhaupt.

Aber spielerisch zeigt sich Pokémon Tekken zumindest durchdacht und auch recht unterhaltsam. Dass es durchdacht ist, seht ihr schon an den Feinheiten, die im Ringkampf die Spannung erhöhen, weil jede von ihnen zum entscheidenden Zünglein an der Waage werden kann, das euch den Sieg bringt. Trotzdem überfrachtet es die Partien nicht mit einer unnützen Flut aus Anzeigen und Reglern.

Die Entscheidung fällt im Nahkampf

Das hervorstechende Element von Pokémon Tekken ist der Wechsel zwischen Feld- und Duellphase, den ihr durch bestimmte Kampfaktionen herbeiführen könnt und der euch strategische Vorteile verschafft, wenn ihr ihn geschickt einsetzt. Die Kamera schwenkt am Beginn der Duellphase aus der Totalen in die Nahaufnahme. Habt ihr euch eben noch frei durch die Arena bewegt, ist euer Spielraum jetzt nur noch zweidimensional wie in Super Smash Bros.

Spektakuläre Zwischensequenzen mit guter Grafik gibt es leider nur selten.Spektakuläre Zwischensequenzen mit guter Grafik gibt es leider nur selten.

Die Duellphase ist der emotional aufgeladene Nahkampf von Pokémon Tekken. Die meisten Scharmützel entscheiden sich hier, denn die Kontrahenten sind in dieser Phase des Kampfes viel mächtiger als beim eher entspannten Feldgeplänkel. Während des gesamten Schlagabtausches füllen sich zudem zwei Skalen, die für euch ziemlich wichtig sind. Das Resonanzmeter steigt an, sowohl wenn ihr Schaden austeilt als auch wenn ihr Treffer kassiert. Ist die Anzeige im roten Bereich, wartet ein titanischer Angriff auf seine Entfesselung.

Pokémon ex machina

Ungefähr genauso häufig dürft ihr euch einen Verbündeten zu Hilfe rufen. Kämpfe bestehen aus zwei Runden, und vor jeder Runde legt ihr fest, welches Pokémon euch mit seinen speziellen Fähigkeiten unterstützt, sobald sich die Helferleiste automatisch gefüllt hat.

Die minimalistische Handlung in der Kampagne erschöpft sich in Standbildern der Trainer.Die minimalistische Handlung in der Kampagne erschöpft sich in Standbildern der Trainer.

Jedes dieser 30 Helfer-Pokémon gehört allerdings einem Zweierteam an, das ihr wiederum vor dem Kampf festlegt. Das bedeutet, dass ihr euch zwischen den beiden Runden nur noch zwischen zwei Helfern entscheiden könnt, vor der ersten Runde aber zwischen theoretisch 15 Teams. Am Anfang stehen euch davon jedoch nur drei zur Wahl; alle anderen spielt ihr durch bestimmte Leistungen frei.

Euren Kämpfer mögt ihr vielleicht nach Sympathie auswählen – die Wahl eurer Helferpokémon indes sollte auf strategischen Überlegungen fußen. Ist euer Gegner besonders schnell, dann entscheidet euch lieber für einen Saboteur, ein Pokémon, das die Bewegungen des Feindes stört. Ist es ein Kraftprotz, dann nehmt einen Verstärker mit, der euch im Notfall heilen kann.

Weniger ist nicht immer mehr

Die 30 Helfer-Pokémon steuert ihr nicht selbst. Spielbar sind gerade mal 16 Monster (14 davon von Anfang an). Die verteilen sich zwar auf alle Editionen von Rot/Blau bis X/Y, aber bei einer Ahnengalerie aus mittlerweile 722 Pokémon ist 16 eine vergleichsweise erbärmliche Zahl. Dabei sind die klassischen Sympathieträger wie Pikachu oder Glurak, aber auch so ausstrahlungsarme Typen wie der lebende Kronleuchter Skelabra.

Was aussieht wie ein Kampf auf freier Straße, ist in Wirklichkeit doch eine ganz normale Arena.Was aussieht wie ein Kampf auf freier Straße, ist in Wirklichkeit doch eine ganz normale Arena.

Um so viel Zurückhaltung in Sachen Staraufgebot zu rechtfertigen, müsste Pokémon Tekken schon eine wechselvolle Geschichte in der Kampagne in petto haben und grafisch verdammt gut aussehen. Aber wie gesagt ist beides nicht der Fall.

Die Kampagne besteht fast ausschließlich aus den Kämpfen – von einem Rang zum nächsten, von einer Liga in die nächsthöhere. Am Ende jeder der vier Ligen kommt es zu einem Turnier, gefolgt von einer Rangprüfung, bei der ihr gegen den Ligameister antretet. Das sind dann, so kann man sagen, die Bosskämpfe von Pokémon Tekken.

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Tags: Amiibo   Anime  

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