Test Hitman: Das erste Häppchen von Teil 6 lässt Luft nach oben

von Michael Krüger (10. März 2016)

Agent 47 ist wieder bereit für neue Missionen. Diese liefern die Entwickler allerdings häppchenweise. Ob das gut geht, erfahrt ihr in diesem Test.

Über drei Jahre ist es nun her, dass ihr euch in der Rolle als Agent 47 in Hitman - Absolution um diverse Auftragsmorde kümmern durftet. Lediglich Hitman GO, ein kleiner Ableger in Puzzle-Form, stillte in dieser Zeit euren Durst nach wohl durchdachten, virtuellen Attentaten.

Nun erscheint Teil 6 von Hitman und eröffnet euch abermals die Welt des stoischen Auftragmörders mit der roten Krawatte. Die Portionierung des Spiels ist allerdings etwas ungewöhnlich. Doch dazu später mehr.

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Hitman - Der sechste Teil der Serie erscheint in Episoden

In Hitman erhaltet ihr vor jeder Mission Informationen zu eurer Zielperson oder auch mehreren Zielpersonen. Wie ihr diese beseitigt, liegt bei euch. Die Möglichkeiten innerhalb des Gebiets sind vielseitig und lassen eurer Kreativität großen Spielraum. Ihr schlüpft in Verkleidungen, taucht in der Menge unter und erschafft ungewöhnliche Gelegenheiten. Absolviert ihr Herausforderungen schaltet ihr neue Wege und Werkzeuge frei. Auf diese Weise bleibt eine Mission auch nach mehrmaligem Spielen interessant.

Ein Spielplatz für Auftragsmörder

Kaum habt ihr eure ersten Ziele erledigt, seht ihr die Welt mit den Augen eines Assassinen. Anstatt einer netten Bootsfahrt auf einem Party-Schiff seht ihr einen ernst zu nehmenden Auftrag.

Eure erste Mission führt euch zu einer Modenschau.Eure erste Mission führt euch zu einer Modenschau.

Anstelle von Sicherheitsbeamten und Crew-Mitgliedern seht ihr an ihnen potenzielle Verkleidungsmöglichkeiten, die euch in abgesperrte Bereiche bringen. Wo andere die Aussicht genießen, seht ihr die Möglichkeit einen Unfall zu inszenieren. Hier hatte die Serie schon immer ihre Stärke und diese entfaltet sich in Hitman in vollem Umfang.

Der Kern der Spielmechanik von Hitman besteht im Wesentlichen daraus, dass ihr sowohl die Spielwelt als auch die Bewegungsmuster und Gewohnheiten der Spielfiguren studiert. Erst wenn ihr diese komplett verinnerlicht, erkennt ihr alle Gelegenheiten und bewegt euch wie ein Geist durch das Missionsgebiet. Ein guter Auftragsmörder wird weder wahrgenommen noch erkannt. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Verkleidet ihr euch beispielsweise als ein Mitarbeiter des Service-Personals, kann es immer noch vorkommen, dass ihr erkannt werdet. Das kann passieren, weil ihr unerlaubt ein für euch unzugängliches Gebiet betretet und dabei gesehen werdet oder aber auch weil ein Vorgesetzter eure Tarnung durchschaut. Hier ist schnelles Handeln gefragt. Gibt es keine Zeugen, erledigt ihr euer Gegenüber schnell und lautlos. Ist dies keine Option, bleibt euch die Flucht oder das Laden eines Spielstandes. Letzteres drängt sich als zentrale Mechanik auf, was aber Segen und Fluch zugleich ist.

Manche Herausforderungen haben nichts mit Morden zu tun.Manche Herausforderungen haben nichts mit Morden zu tun.

Es ist schon praktisch, dass ihr zu jeder Zeit speichern könnt. Besonders, wenn ihr es gerade geschafft habt, eine spezielle Verkleidung zu ergattern, ist es ratsam einen Speicherpunkt anzulegen. Auf diese Weise könnt ihr weitere Optionen testen, ohne den Weg zu diesem Punkt erneut auf euch nehmen zu müssen. Ganz so komfortabel ist dieses System in der Praxis allerdings doch nicht.

Die Ladezeiten machen euch nämlich einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Mit Wartezeiten von bis zu mehreren Minuten ist der Ärger riesig, sollte einmal etwas schief gehen. Immerhin sitzt ihr anschließend entnervt vor einem roten Bildschirm und wartet darauf, dass der Zähler wieder auf 100 Prozent steht. So gerne ihr vermutlich mehrere Szenarien testen würdet, so mühsam ist dieses Unterfangen durch die Ladezeiten. Dieser Umstand nimmt dem Spiel viel Schwung an einer der wichtigsten Stellen.

Dieses Video zu Hitman schon gesehen?

Dünne Handlung

Zu Beginn des Spiels erfahrt ihr wie Agent 47 vor 20 Jahren zu dem wurde, der er heute ist. In einer geheimen Einrichtung wird er einer Reihe Tests unterzogen, in denen geprüft wird, ob er das Zeug zum Killer hat. Hier bekommt ihr anhand eines simulierten Auftrags einen Vorgeschmack auf die Spielmechanik. Euer Ziel befindet sich auf einem Schiff und soll möglichst leise und unauffällig eliminiert werden. Das könntet ihr aus der Beta-Fassung von Hitman schon kennen.

Für eure Übungsmission scheuen eure Auftraggeber keine Kosten.Für eure Übungsmission scheuen eure Auftraggeber keine Kosten.

Habt ihr den Auftrag erledigt, dürft ihr wahlweise weitere Möglichkeiten und Gelegenheiten für diesen Mord ausprobieren oder zu eurem nächsten Ziel aufbrechen. In diesem wartet ein russischer Schachprofi auf euch. Auch hier stehen euch zahlreiche Wege zur Verfügung, die euch zu eurem Attentatsziel führen.

Die Missionen werden durch Zwischensequenzen lose verknüpft. Erwartet keine Handlung, wie ihr sie beispielsweise aus Hitman - Absolution gewohnt seid. Mehr als ein Versuch, eine Geschichte zu erzählen, sind die Videos nämlich nicht. Schnell wird klar, dass sich der neueste Teil der Serie fast ausschließlich auf die Spielmechanik konzentriert. Sowohl diese als auch die Geschichte bekommt ihr allerdings nur in kleinen Häppchen serviert.

Spiel auf Raten

Wie bereits erwähnt ist die Aufteilung des neuesten Hitman-Ablegers etwas seltsam. Anstatt ein vollständiges Spiel zu kaufen, bekommt ihr aktuell lediglich einen Ausschnitt. Das Angebot hierfür wurde so geschneidert, dass ihr wahlweise erst einmal den aktuell verfügbaren Inhalt erwerbt oder aber gleich das ganze Paket kauft und damit Geld spart.

Nach ein paar Versuchen, dürft ihr auch an anderen Orten eine Mission starten.Nach ein paar Versuchen, dürft ihr auch an anderen Orten eine Mission starten.

So oder so bekommt ihr zunächst nur zwei Übungsmissionen und euren ersten richtigen Auftrag. Über das Jahr 2016 sollen sechs weitere Missionen erscheinen. Kauft ihr alles einzeln, kommt ihr so auf einen Gesamtpreis von cirka 75 Euro. Entscheidet ihr euch direkt für die volle Packung, werden cirka 60 Euro im Voraus fällig. Diese Praxis der Vorab-Finanzierung hat Onkel Jo auch schon in Bezug auf Street Fighter 5 beanstandet.

Egal für welche Variante ihr euch entscheidet - die Entscheidung, ob sich die später einmal neun Missionen - Übungen mitgerechnet - für euch lohnen, steht und fällt mit einer Frage: Seid ihr bereit, eine Aufgabe mehrmals anzugehen? Der Kern des Spiels konzentriert sich nämlich komplett darauf, dass ihr alle Möglichkeiten eines Auftrags ausschöpft. In der Mission in Paris gibt euch das Spiel zum Beispiel optionale Unteraufgaben in diesem Stil vor:

  • Erschlagen Sie Viktor Novikov mit einem Lautsprecher
  • Ertränken Sie Dalia Margolis
  • Verlassen Sie Paris mit Baron Larins Schnellboot
  • Töten Sie ein Ziel mit einem tödlichen Gift

Zusätzlich könnt ihr selbst Aufgaben erstellen und damit eure Freunde und den Rest der Welt herausfordern. Seid ihr auf der Suche nach einer durchgehenden Geschichte, werdet ihr mit diesem Paket vermutlich nicht glücklich.

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Tags: Online-Zwang   DLC   Episoden  

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