Vorschau Total War - Warhammer: Passt wie Ork auf Eimer

von Michael Förtsch (23. März 2016)

Mit Total War - Warhammer findet endlich zusammen, was zusammen gehört. Denn die Fantasy-Schlachtplatte mischt das steife Strategie-Urgestein kräftig auf. Vor allem die Vampire haben dabei echt Biss!

Eigentlich dürfte es niemanden verwundern, dass Total War - Warhammer gerade mit grünhäutigen Rabauken, bärtigen Zwergen, militanten Imperien-Heinis und modrigen Vampiren abhängt. Schließlich feiert die Strategie-Reihe diesen Juni ihren 16. Geburtstag und ist damit im besten Rebellenalter. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie zu rauchen anfängt, Wodka in die Schule schmuggelt und Nacktbilder von sich auf Snapchat postet. Eigentlich müsste man da jetzt also so etwas wie „Ach herrje, Kindchen, Mama und Papa machen sich echt große Sorgen!“ jammern, sie ohne Abendessen ins Bett schicken und hoffen, dass das nur so eine Phase ist.

Wenn man sich aber so anschaut, was rauskommt, wenn Total War und Warhammer gemeinsam einen drauf machen, kann man nur hoffen, dass die Phase noch anhält. Tatsächlich dreht das überzogene "Table Top"-Universum die Strategie- und Taktik-Saga echt durch die Mangel. Wobei natürlich der klassische Mix aus Runden-Taktik auf einer Weltkarte und Echtzeitschlachten erhalten bleibt. Dabei standen sich bisher allerdings nur historisch akkurate Römer-, Japaner- und Hunnen-Heere gegenüber, die trotz ihrer eigenen Fähigkeiten doch alle irgendwie gleich waren. Weil, naja, sind halt alles Menschen. Nun allerdings wuchten sich Fantasy-Rassen die Schlachtfelder entlang, die Eigenheiten und Gewichtungen mitbringen, die zu unterschiedlichen Spielweisen zwingen.

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Total War - Warhammer: Jetzt gibt's Fantasy-Keile

Nein, wir haben die Orks nicht eben fett genannt! Vielmehr sind die Grünhäute etwa die perfekten Aggressoren und Nahkämpfer. Heißt: Sie entwickeln sich über den Feldzug kaum, sind aber dafür stark, flink und stecken eine Menge ein. Die Zwerge halten dagegen die Abwehr hoch. Sie sind langsam und wuchtig aber hauen Angreifer mit immer neuen Kanonen und Flammenwerfern weg. Das Imperium der Menschen geht dagegen den Mittelweg. Es spielt sich fast wie Napoleons Streitmacht, wenn diese Dampfpanzer und Zauberer gehabt hätte. Gänzlich eigen sind dagegen die Vampirfürsten. Eben deren Kampagne haben wir nun eine Weile anspielen dürfen.

Der alabasterweiße Führer

Der Oberlangzahn in unserem Dienste ist Manfred von Carstein. Er ist der Rassenführer der Vampire und einer von zwei legendären Lords, die jede Fraktion vorzuweisen hat. Zusätzlich ist er seines Zeichens mächtiger Magier, Möchtegern-Fürst von Sylvania und Inhaber eines weißen Teints, um den ihn selbst ein Schneemann beneiden würde. Das Interessante: Über den knapp 100 Stunden langen Feldzug kann er, wie auch die anderen legendären Helden im Spiel, wie ein Rollenspielcharakter aufgelevelt werden. Er lernt neue Zauber und Fähigkeiten und kann in speziellen „Quest“-Schlachten mit Relikten - wie dem Schwert der unheiligen Macht oder einem Zombie-Drachen - ausgerüstet werden.

Die Echtzeitschlachten sind in Total War - Warhammer interessanter als zuvor. Denn endlich spielen sich die Heere tatsächlich unterschiedlich.Die Echtzeitschlachten sind in Total War - Warhammer interessanter als zuvor. Denn endlich spielen sich die Heere tatsächlich unterschiedlich.

Doch bevor's soweit ist, muss erstmal von seinem Schloss Drakenhof aus das restliche Sylvania unter seine Kontrolle kommen. Denn nicht jeder kann den bleichen Herren leiden und anerkennen. So wird auf der Weltkarte umgeschaut und das Kaff Eschen als Eroberungsziel auserkoren. Aber dafür braucht's eine Armee. Die kann Carstein nicht, wie seine Konkurrenz, nur rekrutieren. Nein, er belebt auch die Toten und zieht so aus dem Boden mehrere Gruppen von Skelett-Kriegern und Zombies empor. Und die stehen wenig später schon vor den Mauern der Stadt. Denn das hier ist eine Belagerung!

Neben den Zombies und Gerippen reihen sich auch Todeswölfe und Fledermausschwärme – allerdings echt fiese – auf, die rekrutiert wurden. Die Taktik für den Angriff? Simpel. Die schlurfenden Postmortalen werden in breiter Front vorausgeschickt, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Währendessen greifen die Skelette mehrere Punkte der Mauer an und stürmen über Leitern hinauf. Die Fledermäuse greifen die Verteidiger an und Todeswölfe werden auf die dicken Tore gehetzt. Ein beeindruckender Anblick. Vor allem aus der Nahansicht, die ein chaotisches Getümmel auf den Mauern zeigt. Wahnsinn, wie detailreich alles ist. Schrammen und Kratzer sind auf den Rüstungen erkennbar. Wuchtig wirken die Prankenschläge der Wölfe und die Zombies herrlich ungelenk.

Die Weltkarte in Total War - Warhammer sieht einfach großartig aus. Berge, Felder, Wälder sind herrlich detailliert. Im Hintergrund lässt sich dann und wann dichter Rauch oder das Nordlicht erspähen.Die Weltkarte in Total War - Warhammer sieht einfach großartig aus. Berge, Felder, Wälder sind herrlich detailliert. Im Hintergrund lässt sich dann und wann dichter Rauch oder das Nordlicht erspähen.

Während des Geschlachtes bleibt Manfred erstmal zurück. Aus der Ferne unterstützt er jedoch mit Zaubern wie Spirit Leach (frei übersetzt "Geistsauger"), die dem Feindvolk die Lebensenergie aussaugen. Allerdings fühlen sich diese frühen Sprüche ungenau und irgendwie machtlos an. Als dann aber die Tore bersten und alle Truppen auf die Ringstraße fluten, zieht Manfred nach, um selbst zuzulangen. Wobei das nicht so einfach ist.

Das Dirigieren der Truppen in der Stadt ist ein Graus. Sie stehen sich gegenseitig im Weg, bleiben hängen. Fast wie bei der Eröffnung eines neuen Elektromarktes. Selbst die KI hat Probleme, wie sich im Kreis drehende Verteidigungstruppen zeigen. Der Sieg ist dennoch unser – und damit Eschen, das entweder besetzt, besetzt und geplündert, ausgebeutet oder niedergebrannt werden kann.

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Die Korruption zum Ruhm

Es folgt Geplänkel auf Geplänkel und alsbald stehen neben den anfangs kargen Truppen nun meterhohe Gruftschecken, die bei der Schlacht von Hel Fenn gleich mehrere Schwertkrieger des Imerpiums mit einem Schlag aufmischen. Nur Bogenschützen und andere Fernkämpfer sucht ihr vergebens – denn die bleiben den Untoten vorenthalten. Dafür lässt von Carstein nun inmitten einer Schaar Armbrustschützen zahlreiche Untote aus dem Boden emporsteigen. Und wenn dann später auch Sensen-Geister und eine Schwarze Kutsche zwergischen Flammenkanonen oder Ork-Horden und Trollen entgegenrauschen, wird's richtig heftig.

Jede Fraktion im Hauptspiel hat zwei legendäre Helden, die nicht draufgehen können. Rekrutierte Helden können wie sie Heere führen, aber auch sterben.Jede Fraktion im Hauptspiel hat zwei legendäre Helden, die nicht draufgehen können. Rekrutierte Helden können wie sie Heere führen, aber auch sterben.

Mit jeder Eroberung in den 52 Provinzen mit ihren 140 Regionen zieht der Vampirfürst auch eine "Aura" der Korruption hinter sich her, fast wie der Schleimboden der Zerg aus Starcraft. Nur dort können die Truppen ihre ganze Stärke ausspielen. Das zwingt zur Vorsicht und Gelassenheit. Ganz anders als etwa bei den Orks, die, wenn sie sich nicht häufig genug prügeln, gegenseitig an die Gurgel gehen. Schlachten die Grünhäute hingegen regelmäßig, laden sie eine "Fightyness"-Anzeige auf, die, wenn gefüllt, sie einen Kriegsschrei ausrufen lässt und eine KI-gesteuerte Armee an die Seite stellt. Auch da unterscheiden sich die Fraktionen also.

Alles neu!

Ein Vorteil der Vampirfürsten liegt darin, dass sie mit wiederbelebten Toten Armeen ohne Moral und Angst erschaffen können.Ein Vorteil der Vampirfürsten liegt darin, dass sie mit wiederbelebten Toten Armeen ohne Moral und Angst erschaffen können.

Zumindest beim Anspielen macht Total War - Warhammer eine mehr als gute Figur. Das hier ist keinesfalls nur eine Fantasy-Mod für das bekannte Strategie-Epos, sondern erfindet die letztlich doch etwas eingeschlafene Serie zum Teil sogar neu. Denn nun haben die Fraktionen selbst für echte Könner richtig Reiz und dürften überraschen und fordern. Klar, Zauberei und einige KI-Macken gibt's. Aber das darf sicher verziehen werden. Nur eines trübt die Kriegerei wirklich: Die fiese Chaos-Fraktion. Denn die ist zwar im Spiel enthalten. Aber erst durch einen kostenpflichtigen Download-Inhalt wird sie auch spielbar. Buh!

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Entwicklerbesuch  

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