Test Quantum Break: Durchgespielt an einem Tag

von Joachim Hesse (01. April 2016)

Lange hat es gedauert. Doch nun schickt Entwickler Remedy sein neues Spiel Quantum Break ins Rennen um die Actionspiel-Krone. Mit Geschwistern wie Max Payne und Alan Wake verfügt es über gute Gene.

Quantum Break ist das ideale Spiel für Teilzeit-Sofa-Kartoffeln. Oder Familienväter. Jedenfalls für erwachsene Menschen, die nicht pausenlos vor den Fernseher hocken (können). Menschen, die gute Unterhaltung ohne Stress und Kopfzerbrechen suchen. Anschalten, abschalten. Pause machen, weiterspielen. Häppchenweise eben. Wenn ihr Alan Wake mochtet, dürfte euch Quantum Break gefallen, denn es nähert sich dem Charakter einer Fernseh-Episode noch weiter an - mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen.

In der Verfolgerperspektive lauft, springt und ballert ihr euch durch eine optisch ansprechend präsentierte Geschichte um Zeitreisen, Macht und Intrigen. Dem finnischen Studio Remedy gelingt dabei erneut das Kunststück, fordernde Action mit fesselnder Handlung zu verzahnen. Sofern ihr nicht alle Eventualitäten gesehen haben wollt, flimmert auch nach einem langen Zockertag der Abspann über den Schirm.

"It's gonna take a lot to drag me away from you", dudelt es aus dem virtuellen Radio. "There's nothing that a hundred men or more could ever do ..." Africa, der 1982er-Klassiker von Toto. „Mein Auto, meine Musik. So läuft das“, stellt Beth Wilder fest und braust mit ihren Passagieren davon. Im Menü könnt ihr die urheberrechtlich geschützte Musik deaktivieren. Ein Zugeständnis an die Generation Youtube. Aber ein schlaues. Es entschärft den dort tobenden Machtkampf mit der Rechteverwertungsgesellschaft Gema und verhindert, dass Videos zu Quantum Break gesperrt werden.

Superkrieger Jack Joyce manipuliert die Zeit.Superkrieger Jack Joyce manipuliert die Zeit.

Aber zurück zu Beth Wilder. Beth ist eine der Figuren, auf die euer Alter Ego Jack Joyce im Spiel trifft. Sie arbeitet für den Konzern Monarch Solutions. Und schon steckt ihr mitten in einer verstrickten Affäre. Wer spricht die Wahrheit? Wer lügt? Wie weit könnt ihr euch überhaupt selbst vertrauen? Was sich am Ende als richtig oder falsch erweist, offenbart sich nicht auf dem Silbertablett. Die Hintergründe des Spiels stünden jeder Hollywood-Geschichte gut zu Gesicht.

Wie eine Staffel Akte X

So gesehen wirkt es passend, zwischen die fünf Spielabschnitte gleich noch vier Folgen einer Fernsehserie zum Spiel zu packen. Die dauern jeweils etwa 25 Minuten und spinnen die Geschichte aus Sicht eurer Gegenspieler und der Nebenfiguren weiter. Quasi als Verschnaufpause für den Spieler. Mehr Details stehen bereits in der Vorschau „Quantum Break - Das neue Max Payne ist endlich spielbar“.

So sehen die Entscheidungen an Knotenpunkten aus. Ihr bekommt jeweils noch eine kleine Erklärung bevor ihr entgültig wählt.So sehen die Entscheidungen an Knotenpunkten aus. Ihr bekommt jeweils noch eine kleine Erklärung bevor ihr entgültig wählt.

Für das Geschehen selbst erweist sich die Zusatzhandlung als unnötig, aber unterhaltsam. Den Wind, den Remedy im Vorfeld um diese dialoglastigen Einschübe gemacht hat, rechtfertigen die Videos jedoch kaum.

So dürft ihr vor jeder Serien-Episode an einem Knotenpunkt grob entscheiden, wie die Handlung weitergeht. Kleine Extraszenen bekommt zu Gesicht, wer sich im Spiel die Mühe macht und in den Spielarealen Notizen, E-Mails und anderen Hinweise aufklaubt. Erwartet hier generell keine Riesenunterschiede. Egal wie ihr euch entscheidet, was ihr auch findet: Die Grundzüge der Filmchen bleiben nahezu identisch.

Lieber ohne Fernsehprogramm

Die Schauspieler liefern eine ordentliche Leistung, dennoch gewinnt das Spiel dadurch keinen Deut an Fahrt. Selbst die gewählten Kameraperspektiven des Spiels treffen dichter ans Schwarze als die reinen Filmszenen.

Das ist Paul Serene (gespielt von Aidan Gillen) aus der Realfilm-Serie.Das ist Paul Serene (gespielt von Aidan Gillen) aus der Realfilm-Serie.

Es existiert ein spürbarer Bruch zwischen Spiel und Film. Nicht nur, weil gefilmte Gesichter natürlicher aussehen als durch Computergrafik berechnete, sondern auch wegen der Dynamik der Szenen. Das Spiel selbst glänzt mit Perspektiven und Kampfeinlagen, die die Filme vermissen lassen. Ein "Tatort" bleibt eben ein "Tatort", selbst wenn Til Schweiger mitspielt und er im Kino läuft.

Dramaturgisch bleiben die Spielabschnitte somit deutlich besser im Gedächtnis hängen als die vier Zwischenfilme. Insofern erwartet mit den Filmfolgen einen netten Bonus und nicht, dass hier auf magische Art und Weise Serie und Spiel verschmelzen, denn das passiert nicht.

Letztendlich stört es jedoch wenig, dass das Ganze nicht aus einem Guss ist. Interessant bleibt, ob diesen Weg in Zukunft auch noch andere Spiele beschreiten. Alan Wake, Defiance und nun auch Quantum Break liefern gelungene, innovative Ansätze zum Umgang mit den zwei Medien. Und falls sich die „Virtual Reality“-Brillen trotz angebrachter Skepsis durchsetzen, könnte euch da in Zukunft noch Bahnbrechendes erwarten.

Zeitspiel

Nachdem ihr nun den von Remedy gewählten Rahmen kennt, wird es Zeit, mehr zum Spielablauf zu verraten. Wie schon erwähnt, geht es um Zeit und wie sie sich manipulieren lässt. Im Spiel hat es tatsächlich jemand geschafft, eine Zeitmaschine zu konstruieren. Allerdings funktioniert die nicht ohne gewisse Macken.

Diese Gegner lassen euch schwitzen, könnt ihr sie nicht einfach frontal abballern.Diese Gegner lassen euch schwitzen, könnt ihr sie nicht einfach frontal abballern.

"Eine Explosion ist schlecht für die Zeit", versucht Wissenschaftler William Joyce die Situation zu erklären. Will ist der ältere Bruder des Hauptdarstellers Jack. "Wenn die Zeit ein Ei ist, dann ist dieses Ei jetzt zerbrochen. Das Zeitei ist am Arsch." "Was? Wieso geht es denn jetzt um Eier?", erwidert Jack. Jack Joyce, so heißt der Kerl, den ihr spielt. Sein Aussehen leiht ihm Shawn Ashmore, den ihr vielleicht als Iceman aus den "X-Men"-Filmen kennt. Auch in Quantum Break bekommt ihr Superkräfte: Ihr beherrscht die Zeit.

30 von 48

Quantum Break - Das neue Spiel von Remedy, den Machern von Max Payne und Alan Wake

Per Tastendruck friert ihr Gegner ein oder huscht wie der Hauptdarsteller der Fernsehserie Flash durch die Gegend. Die Kräfte baut ihr im Lauf des Abenteuers aus, indem ihr Punkte auf einen Fertigkeitenbaum verteilt. Falls Actionspielern nun ein kalter Schauer über den Rücken läuft, sorgt euch nicht! Diese Rollenspiel-Komponente ist ebenso Beiwerk wie die äußerst simplen Rätsel. Das Spiel besteht in der Hauptsache aus drei Elementen:

  1. die Gegend ablaufen
  2. Dialogen zuhören
  3. Feuergefechte überleben

Ähnliche Zutaten also wie The Order 1886 (siehe Test), das mit famoser Grafik und wenig Interaktion auf sich aufmerksam macht. Zum Glück bremst Remedy das Spielgeschehen nicht so ungeschickt aus wie der Sony-Kollege. Höhepunkt sind bei Quantum Break eindeutig die Schießereien. Dank Zeitlupe & Co. wirken die wie eine spielbare Version von Matrix. In den hinteren Episoden legt das Spiel zudem einige grandiose Baller-Sequenzen nach. Euch erwartet ein würdiges Finale!

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Tags: Onkel Jo   Singleplayer  

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