Test Dark Souls 3: Der Tod lauert in der Asche einer Welt

von Micky Auer (06. April 2016)

Seid ihr bereit zu sterben? Dann tretet ein in die düstere Welt von Dark Souls 3. Der vorläufig letzte Teil der Reihe zeigt euch, was es bedeutet, ein Videospiel zu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen.

Ihr seid Asche. Ihr seid Nichts.

Dem Grab entstiegen liegt vor euch die graue Welt. Nichts erinnert mehr an ihren einstigen Glanz. Erstickt vom grauen Staub erloschener Feuer ist das Leben geschwunden, so auch aus euch. Was einst glühte, ist nur noch ein Abbild eines Schattens, wo Licht der Welt seine Hand reichte, greift nun die kalte Klaue des Todes nach verirrten Seelen. Der Abgrund wartet darauf, den Namen Lothric aus der Existenz zu tilgen. Ihr steht vor dem schier unausweichlichen Schicksal eines Reiches und sehnt euch nach der immer dünner werdenden Flamme eines Feuers, dass längst erkaltet scheint. Die Last der Welt liegt auf euren Schultern. Doch ...

... ihr seid Nichts. Ihr seid Asche.

Willkommen in Lothric, dem Schauplatz von Dark Souls 3. Im vorläufig letzten Abenteuer der Souls-Reihe zieht Entwickler From Software zwei Dinge: Zum einen ein Resumee aus Dark Souls, Dark Souls 2, sowie den nahen Verwandten Demon's Souls und Bloodborne. Zum anderen ziehen die Japaner alle Register ihres Könnens, um den Abgesang auf die Reihe für Anhänger und Neueinsteiger unvergesslich zu machen. Dabei steht natürlich eine Befürchtung im Raum: Wird die Herausforderung, die sich Freunde der Souls-Reihe erwarten zugunsten eines breiteren Publikums verwässert?

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Dark Souls 3 - Asche, Drachen und der Tod

Fest steht: Im Vergleich zu den Serien-Vorgängern haben sich einige Dinge verändert oder sind mit bereits zuvor ausprobierten bekannten Mechaniken zusammengewachsen. Vieles bleibt so, wie ihr es kennt. Auf jeden Fall bleibt Dark Souls 3 seiner Herkunft treu. Soviel sei schon verraten: Das Spiel ist schwer. Knackschwer. Haltet schon mal eure gesammelten Seelen fest, denn der Weg, der vor euch liegt, wird euch alles abverlangen, was ihr als Erfahrung aus den bisherigen Souls-Spielen mitgenommen habt. Und falls ihr nicht mehr weiter wisst oder den einen oder anderen taktischen Rat braucht, können wir euch natürlich gerne weiterhelfen.

Lothric braucht euch

Im Mittelpunkt des Geschehens steht ihr selbst als Unentfachter. Das ist serientypisch wieder so etwas wie ein Untoter, dessen eigentliche Aufgabe es ist, still zu sein und zu sterben. Aber auf dieses Schicksal pfeift ihr als Spieler gekonnt und macht euch auf, die vier Aschefürsten zu vernichten.

Das Reich Lothric ist unter der Asche vergehender Feuer begraben.Das Reich Lothric ist unter der Asche vergehender Feuer begraben.

Allzu viel erfahrt ihr über die Vorkommnisse im Lande Lothric nicht. Dabei geht Dark Souls 3 den Weg seiner Vorgänger und erzählt die Geschichte nicht durchgehend von Anfang bis zum Ende, sondern wirft euch hier ein wenig, da ein bisschen Information zu. Oft sind es alltägliche Gebrauchsgegenstände, in deren Beschreibung sich ein Stück der Geschichte befindet.

Was auf den ersten Blick also wie eine lückenhafte und dünne Erzählweise aussieht, die keinerlei Motivation der Figuren im Spiel erahnen lässt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als geschickt und komplex aufgemachter Erzählstrang, der erst nach und nach offenbart, wie die Ereignisse zusammenhängen. Ein Konzept, das durchaus schnell scheitern kann, aber die Truppe rund um Entwicklungs-Chef Hidetaka Miyazaki hat dahingehend schon genug Übung und Erfahrung und weiß daher genau, wann, wo und wie wichtige Ereignisse in der Welt von Dark Souls beschrieben werden sollten.

Verbündete gibt es wie gewohnt nur wenige, die sind schon allein aufgrund ihres seltenen Auftretens mit wichtigen Funktionen verknüpft. Level-Aufstieg, Handel, Schmieden ... ohne diese Angebote werdet ihr in Lothric nicht lange überleben. Daher haltet euch eure Verbündeten warm und achtet darauf, sie nicht versehentlich mit Schwert oder Zauber zu treffen. Denn wer in Dark Souls 3 stirbt, der bleibt tot. Außer ihr selbst.

Eine kleine aber auf Dauer durchaus feine Änderung: Im Feuerband-Schrein, dem zentralen Gebiet des Spiels, findet ihr eine Händlerin, die euch überschüssigen Kram abkauft. Das funktioniert schneller als in Dark Souls 1 und ihr müsst nicht ewig nach dem entsprechenden Händler suchen wie in Dark Souls 2. Vielen Dank dafür!

Der Hauptinhalt des Spielgeschehens bleibt nahezu unverändert. Ihr vollführt schwierige Kämpfe in Echtzeit, sammelt Seelen und neue Ausrüstungsgegenstände. Seelen bleiben nach wie vor das Hauptzahlungsmittel. für nahezu alles. Am wichtigsten sind sie jedoch für euren Levelaufstieg. Scheidet ihr im Kampf dahin, habt ihr einmal (EINMAL!) die Gelegenheit, eure dadurch verlorenen Seelen wieder einzusammeln. Scheitert ihr auf dem Weg dorthin, sind sie jedoch für immer verloren.

Neues, Altes, Bewährtes

Vieles von dem, was euch in Dark Souls 3 an Umgebungen, Spiel- und Kampfmechaniken erwartet, kennt ihr bereits aus anderen Spielen der Reihe. Das hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile. Besagte Nachteile empfinden zumindest jene Spieler als solche, die eine schon beinahe philosophisch anmutende Frage mit "Ja" beantworten.

Die Frage lautet: "Stört es euch, wenn ein neues Spiel auf ähnliche Versatzstücke setzt, die es bereits zuvor in der Reihe gab?" Um es klarzustellen: Nichts in Dark Souls 3 ist komplett wiederverwertet. Die gesamte Welt ist neu gestaltet, Gegner, Waffen und Kampfgeschehen fühlen sich frisch genug an, um ihre Daseinsberechtigung aufrecht zu erhalten. Dennoch gibt es ausgesprochen viele Elemente, die dem passionierten Souls-Helden bekannt vorkommen werden.

Als erstes fällt vor allem die Spielgeschwindigkeit ins Auge. Die Gegner und Spieler agieren wesentlich flinker, eure Feinde sind schneller und aggressiver. Blocken, Ausweichen und Parieren eurerseits sind wichtiger denn je zuvor. Hier hat sich das Team eindeutig an Bloodborne bedient. Zusätzlich spendiert Entwickler From Software eurer Spielfigur eine neue Fähigkeit: Jede Waffe verfügt nun über eine Spezialfertigkeit, die ihr - sofern ihr sie in der linken Hand haltet - zielführend einsetzen könnt. Doch Vorsicht: Solche Fähigkeiten dauern mitunter etwas länger in der Ausführung und verbrauchen Fokus-Energie (dazu später mehr). Insgesamt ist die Herausforderung in den Kämpfen deutlich gestiegen und lässt zum Beispiel Dark Souls 2 dagegen teilweise wie einen Kuschelkurs wirken.

Das Land Lothric, das ihr erforscht, erinnert dann wiederum an die typischen Areale aus älteren Souls-Spielen. Massive Burgen und Festungen, steinige Pfade, finstere Höhlen, düstere Wälder und ähnliches. Kritiker sagen, dass hier wenig Inspiration am Werk war. Andere werden finden, dass sich die Gestaltung der Umgebung angenehm vertraut anfühlt. Ihren Zweck erfüllen die einzelnen Abschnitte allemal: Sie dienen als Arena für schwierige Kämpfe. Nur, wer sich mit der Umgebung vertraut macht, kann diese eventuell zu seinem Vorteil nutzen. Ob neu oder alt sei dahingestellt, Gedanken haben sich die Entwickler beim Aufbau der Welt auf jeden Fall gemacht.

Nicht nur rohe Waffengewalt, auch mächtige Magie steht euch im Kampf zur Verfügung.Nicht nur rohe Waffengewalt, auch mächtige Magie steht euch im Kampf zur Verfügung.

Das Magie-System wurde ein wenig abgespeckt. Die Sparte "Hexerei" aus Dark Souls 2 gibt es nicht mehr. Stattdessen bleiben die aus Teil 1 bekannten drei Hauptmagievarianten bestehen: Zauberei, Wunder und Pyromantie. Auch dahingehend gibt es eine (alte) Neuerung: Die Anzahl der Zauber, die ihr wirken könnt, richtet sich nicht wie bisher an einer vorbestimmten Anwendungszahl aus, stattdessen gibt es nun eine zusätzliche blaue Leiste (neben Lebensenergie und Ausdauer). Diese kennt ihr vielleicht schon aus Demon's Souls. In Dark Souls 3 heißt der Wert für Magie "Fokus" und kann durch eine spezielle neue Estus-Flasche aufgefüllt werden. Bei einem Schmied könnt ihr auch die Anzahl der Estus-Flaschen auf Magie- und Lebensenergie-Wiederherstellung aufteilen, wie es euch beliebt.

Die Musikbegleitung ist gewohnt zurückhaltend. Lediglich bei Bosskämpfen und im Feuerband-Schrein erklingen schwere, melodische Stücke. Die wirken allesamt sofort einprägsamer und tragender als die musikalische Untermalung der Vorgänger. Vor allem die Moll-gestimmte Bratsche im Feuerband-Schrein wird schnell zum ständigen Begleiter auf eurer gefahrvollen Reise und spendet beim Zuhören sowohl Trost, als auch die Gewissheit, in einem sterbenden Land zu sein. Komposition und Umsetzung gehören in ihrer stimmungsvollen Präsentation zu den schöneren Momenten in der Welt der Videospiele.

Ein Wort zu den Bossen

Es ist eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass in einem Videospiel am Ende eines Abschnittes ein Bosskampf auf euch wartet. Der Boss sollte sich in Gestaltung und Angriffsweise an dem zuvor gespielten Abschnitt orientieren. Er sollte groß, gefährlich und schwer zu bekämpfen sein. Der Kampf sollte euch unvergesslich bleiben. In all diesen Punkten erhält Dark Souls 3 die Bestnote.

Das ist einer der zu Recht gefürchteten Bosse.Das ist einer der zu Recht gefürchteten Bosse.

Speziell in Dark Souls 2 gab es im Endeffekt zu viele Bosskämpfe. Noch dazu wirkten die entsprechenden Haupt-Gegner oft leicht uninspiriert. Wer das Spiel kennt: Wie viele große Ritter in schwerer Rüstung habt ihr im Laufe des Spiels bezwungen? Auch waren die Boss-Kämpfe oft nicht der Abschluss eines mit tödlichen Herausforderungen gespickten Abschnitts. Ihr fandet sie manchmal quasi am Wegesrand und sie stellten nicht unbedingt immer den Höhepunkt eines Levels dar.

Das ist jetzt wieder ganz anders und erinnert im Aufbau an die Boss-Verteilung von Demon's Souls. Bosse sind also wieder das, was sie sein sollten: Schwierige, bildschirmfüllende, mit gigantischen Waffen hantierende Mistviecher, die euch das virtuelle Leben schon aus reiner Berufsehre schwer machen. Hier betritt die Souls-Reihe auch neues Terrain und lässt zu, dass sich Boss-Gegner mitten im Kampf transformieren. Das erfordert neue strategische Herangehensweisen von euch.

Denn gerade, wenn ihr die Bewegungs- und Angriffsmuster eines Gegners zu kennen glaubt, schmeißt der euer Taktik-Konstrukt über den Haufen und fährt gänzlich neue Geschütze auf. Das kann euch übrigens auch im normalen Spielablauf passieren. Beispiel: Eine Gruppe von dürren Gestalten betet ein zerschlissenes Symbol an. Im Normalfall sind das vollkommen wehrlose Kreaturen, die ihr nacheinander mit eurer Klinge bekanntmacht. Doch plötzlich bricht aus einer der Gestalten schwarze Asche hervor und sie verwandelt sich in ein riesiges Ungetüm, das euch mit unberechenbaren Angriffen in zwei, drei Treffern dem Erdboden gleichmacht.

Um es mit den bekannten Worten einer anderen berühmten Spielereihe zu sagen: Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt.

Neue Generation ohne neue Technik

Zum Zeitpunkt dieses Tests gibt es noch einige technische Ungereimtheiten, die Dark Souls 3 zwar keineswegs unspielbar machen, die aber das ansonsten flüssige Erlebenis etwas holpern lassen. Hersteller Bandai Namco hat jedoch schon angekündigt, die letzten Schnitzer per Aktualisierung auszubügeln, daher wollen wir die momentan vorhandenen Fehler zwar erwähnen, lassen sie aber nicht in den Gesamteindruck einfließen. Im Auge behalten werden wir sie auf jeden Fall und nach der Veröffentlichung des Patches auch nochmal darüber berichten.

Mit zwei Säbeln und der Wirbelattacke trefft ihr mehrere Gegner auf einmal.Mit zwei Säbeln und der Wirbelattacke trefft ihr mehrere Gegner auf einmal.

Grundsätzlich ist Dark Souls 3 ein optisch ansprechendes und stilistisch beeindruckendes Spiel geworden. Die Grafik vermittelt gekonnt die Atmosphäre eines sterbenden Landes, in dem ihr als Unentfachter die düstersten Winkel durchkämmt, um mächtige Artefakte zu finden und noch viel mächtigere Gegner zu bezwingen. Farbgebung und Lichteinfall lassen den Eindruck von Größe und Verlassenheit entstehen. Die zurückhaltende Farbpalette unterstreicht diese Wirkung. Allerdings sieht das bisher Gesehene auch nicht unbedingt so aus, als bräuchte es für seine Verwirklichung die Rechenleistung der aktuellen Konsolengeneration. Mit wenigen Abstrichen wäre Dark Souls 3 auch auf der PS3 oder Xbox 360 möglich.

Umso mehr fallen dann die oben erwähnten Schnitzer auf. An einigen Stellen im Spiel kommt es wiederholt zu einer spürbaren Verlangsamung und einem Einbruch der Bildwierholungsrate. Hin und wieder seht ihr auch große weiße Flächen an Stellen aufblitzen, an denen sich eigentlich Texturen befinden sollten. Meist geschieht dies, wenn ihr in einem Raum steht, euch umdreht und durch einen Torbogen in den Raum dahinter blickt. Solche Elemente werden im Normalfall aus der Grafikberechnung herausgenommen, wenn sie nicht gerade in diesem Moment auf dem Bildschirm dargestellt werden. Da hinkt der Grafik-Prozessor ein wenig nach.

Was zurzeit noch gänzlich fehlt, ist der Online-Modus, eines der wichtigsten Elemente in Dark Souls. Die Server sind noch nicht am Start, daher lässt sich zu feindlichen Angriffen anderer Spieler und Online-Hilfestellungen noch nichts sagen. Auch die technische Leistung dahingehend ist noch eine Frage, die aktuell niemand beantworten kann. Wir reichen das aber nach, sobald alle Funktionen laufen und das Land Lothric nicht mehr nur auf die lokale Konsole beschränkt ist.

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Koop-Modus  

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