Test Uncharted 4: Genau deshalb braucht ihr eine PlayStation 4

von Joachim Hesse (10. Mai 2016)

Nathan Drake jagt den größten Piratenschatz aller Zeiten. Uncharted 4 soll das Ende einer großen Ära besiegeln. Stirbt Nathan wirklich in seinem Abenteuer auf PS4?

Ob Uncharted 4 gut oder nicht gut ist, dafür braucht ihr keinen Test. Uncharted 4 - A Thief's End ist gut. Spiele mit einer solchen Serienvergangenheit gehen zum Glück selten komplett in die Hose. Die Frage, die sich euch stellt, lautet vielmehr: Lohnt es sich für euch, Uncharted 4 zu kaufen? Das wiederum lässt sich nicht für alle gleich beantworten.

Spielerisch bringt Uncharted 4 die Spielebranche jedenfalls keinen Millimeter voran. Kämpfe entscheiden sich weniger durch Geschick als durch Geduld. In die Verlegenheit wirklich die Steuerung beherrschen zu müssen, geratet ihr kaum. Wer für Schießereien die Zielhilfe auf Maximum stellt, kann das Spiel vermutlich auch mit den Zehen zu Ende bringen. Ausprobiert haben wir das allerdings nicht, dürft gerne ihr übernehmen und uns in den Kommentaren berichten.

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Die Bildschirmabenteuer in Uncharted 4

Da machen die Schießereien in Quantum Break mehr her, immerhin entwickelt ihr hier noch gewisse Kampftaktiken für die Widersacher.

Die Gegner in Uncharted verhalten sich so dumm, dass sie sich vermutlich am liebsten noch bedanken würden, wenn sie von euch im hohen Gras das Genick gebrochen bekommen. Aufmerksamkeit verdienen sie eher selten.

Wenig Schwierigkeiten

Den Schwierigkeitsgrad dürft ihr zu Spielbeginn dankenswerter Weise hochschrauben. Aus den Schusswechseln und Knöpfchendrück-Einlagen ("Quick Time Events") werden dadurch zwar keine komplexen Geschicklichkeitstest, aber vielleicht sollten zumindest erfahrene Spieler die Option in Betracht ziehen - es gibt am Ende natürlich eine Trophäe.

Das Motorrad verfolgt euch nicht mehr. Falsch machen könnt ihr bei solchen Einlagen wenig.Das Motorrad verfolgt euch nicht mehr. Falsch machen könnt ihr bei solchen Einlagen wenig.

Auch Rätsel lösen sich nahezu von selbst. Entwickler Naughty Dog schafft hier aber das Spagat, euch trotzdem ein wohliges Erfolgserlebnis zu bescheren, wenn sich mal wieder eine geheime Tür öffnet. Immerhin gebt ihr ab und zu wirklich den Löffel ab, wenn auch die einzige Konsequenz daraus ein minimaler Zeitverlust ist.

Das ist frustfrei, das ist nahezu idotensicher. Es ist das Material aus dem heutzutage Kassenschlager geschnitzt sind. Assassin's Creed oder The Order 1886 verfahren nach ähnlichen Maßgaben.

Hier weiterlesen für das "Happy End"

Na, seid ihr noch dabei? Das trifft sich gut, ansonsten würdet ihr die abolut verdiente Lobhudelei auf den Rest des Spiels verpassen. Denn in Bezug auf Erzähltiefe, Charakterdarstellung, Spannung und Optik ist Uncharted 4 nicht nur gut, es ist Weltklasse!

Rätsel sehen auf den ersten Blick komplex aus, lassen sich aber meist schnell lösen.Rätsel sehen auf den ersten Blick komplex aus, lassen sich aber meist schnell lösen.

Es existieren nur wenige Spiele mit so viel Dialog, bei denen das Gesagte nicht schnell auf den Zeiger geht. Die Zeilen wirken sehr einfühlsam und intuitiv. Bei kleinen Bemerkungen sprechen die Darsteller oft genau das aus, was ihr gerade denkt. Eine seltene, aber umso liebenswertere Eigenschaft.

Die deutsche Sprachausgabe klingt übrigens professionell und gelungen. Falls ihr natürlich Mr. Nolan North persönlich als Nathan Drake hören wollt, stellt die Konsole auf Englisch. Französisch, Holländisch und Italienisch gäbe es übrigens auch noch.

Ein Bruder namens Sam

"Was kann denn schon passieren?", wiegelt Sam die Situation ab. "Ich verliere eine Hand", antwortet Nate, der noch zögert, seine Hand in ein Steinloch zu stecken, das eine alte mechanische Vorrichtung in Gang setzt. "Na dann bekommst du einen Haken." Danke, Sam, sehr einfühlsam.

So sieht er aus, Nathans älterer Bruder Sam (links).So sieht er aus, Nathans älterer Bruder Sam (links).

Selbst wenn ihr die Serie beziehungsweise die Uncharted - The Nathan Drake Collection kennt, fragt ihr euch vielleicht gerade, wer dieser ominöse Sam ist. Nun, das ist der Bruder von Nate, Samuel Drake. Der taucht im vierten Teil tatsächlich zum ersten Mal auf, denn bis zu diesem Zeitpunkt hat Nate ihn für tot gehalten.

So erzählen mehrere Rückblenden, in welchem Verhältnis Nate zu seinem Bruder steht. Nach etwas Startgeplänkel im Kinderheim und in einem Gefängnis, geht das Abenteuer los. Ihr sucht den Schatz von Henry Avery und die legendäre Piratensiedlung Libertalia.

Grafik wie vom anderen Stern

Vor allem aber sieht das Spiel bei allen Aktionen besser aus als jede Teilnehmerin von Germany's Next Topmodel. Es ist kein grafischer Hungerhaken. Alleine die gelegentlichen Panorama-Ansichten wären im Urlaub diverse Postkarten wert.

Besonders das Wasser im Spiel könnte kaum besser aussehen.Besonders das Wasser im Spiel könnte kaum besser aussehen.

Naughty Dog versteht es, die Geschehnisse mit ihrem hauseigenen Grafikmotor nahezu perfekt in Szene zu setzen. Sobald im Spiel eine Oberfläche feucht wird und glänzt, klingeln in eurem Kopf irgendwelche Glöcklein, die die Künste der Programmierer lobpreisen.

Auch die Bewegungen von Nathan wirken unglaublich natürlich. Achtet mal darauf, wie er im Vorbeigehen mit seiner Hand leicht an Gegenständen oder Personen vorbeistreift!

Bitte nicht hinterfragen - es ist nicht realistisch

Bei den Bauten im Spiel noch von Siedlungen oder Ähnlichem zu sprechen, ist im Grunde unangebracht. Was die Piraten hier in der Wildnis aus dem Boden gestampft haben, wäre selbst mit Spitzenarchitekten, einer Armee aus Bauarbeitern und heutigen Technikmitteln nur schwer möglich.

Seht ihr Nate links an dem Vorsprung hängen? Bei solchen Stellen zeigt Uncharted 4 sein ganzes Können. Die Kletterei im Glockenturm ist einer der Höhepunkte des Spiels.Seht ihr Nate links an dem Vorsprung hängen? Bei solchen Stellen zeigt Uncharted 4 sein ganzes Können. Die Kletterei im Glockenturm ist einer der Höhepunkte des Spiels.

Generell solltet ihr Dinge in Uncharted besser nicht hinterfragen, wenn ihr glücklich mit dem Spiel werden wollt. Verkneift euch Gedanken wie:

  • Wieso springen die Typen lässig und im Dutzend über Abgründe, bei denen 99,9 Prozent der Menschheit den Tod beim ersten Versuch gefunden hätte?
  • Weshalb schneiden scharfe Felskanten nicht in nackte Finger?
  • Weshalb brechen so viele Dinge unter Nate zusammen?
  • Wieso funktionieren Seile nach 300 Jahren immer noch wie am ersten Tag?
  • Warum bauen Piraten die größten Prunkbauten der Menschheitsgeschichte am Arsch der Welt?
  • Wieso sind die Bösen auch immer kurz danach vor Ort, wenn Nate ein Rätsel geknackt hat?
  • Weshalb ist die Tür eines Turms von innen verriegelt, obwohl niemand drin ist?
  • Warum stehen überall Kisten auf Rädern, wenn man sie braucht?

Das kennt ihr bereits von der Serie. Selbst den Entwicklern scheint bewusst, dass das Spiel hier mehr als dick aufträgt. Anders lassen sich selbstironische Sätze wie "Wie konnte das hier niemand finden?" nicht erklären, wenn ihr mal wieder vor einem überlebensgroßen Bauwerk steht. Wie gesagt: Versucht es nicht mit Logik. Andernfalls werdet ihr damit genau so scheitern, wie Filmen mit Steven Seagal eine zweite Bedeutungsebene anzudichten.

Für solche Grafiken würden andere Entwickler töten. Naughty Dog sollte seinen Mitarbeitern besser hohe Gehälter zahlen, damit sie nicht abgeworben werden.Für solche Grafiken würden andere Entwickler töten. Naughty Dog sollte seinen Mitarbeitern besser hohe Gehälter zahlen, damit sie nicht abgeworben werden.

Uncharted 4 lebt für den Moment. Für den Augenblick, wenn nach einem Wahnsinnsturz plötzlich noch ein Brocken direkt neben euch einschlägt. Uncharted 4 ist Hollywood. Nein, es ist besser als Hollywood. Während man sich bei James Bond nur noch an den Kopf hauen kann, möchte man bei Uncharted am liebsten den Fernseher mit Popcorn bewerfen. Es ist so wunderschön.

Öfter mal was Neues

Die Entwickler versuchen das Spiel mit diversen Aktionen aufzulockern. Dabei fallen nicht nur Knopfdruck-Sequenzen und Fadenkreuz-Zielübungen auf, sondern ihr dürft auch recht unterhaltsam in zwei großen Abschnitten mit einem Geländewagen herumkurven.

Mit dem Jeep ins Gebirge - nur im Spiel kann das eine gute Idee sein.Mit dem Jeep ins Gebirge - nur im Spiel kann das eine gute Idee sein.

Die Kletterpartien hinter dem Steuer erweisen sich als fordernder für euren Gashebel, als es zunächst den Anschein macht. Wenn sich langsam der Dreck auf eurer Windschutzscheibe sammelt, wisst ihr ein ums andere Mal, warum Uncharted 4 so gut aussieht.

Zum Glück macht das Spiel auch in ruhigeren Momenten eine gute Figur. Denn ein großer Teil besteht daraus, dass ihr euch gerade mal wieder irgendwo langhangelt. Rein von der Spielmechanik her ist Rise of the Tomb Raider vermutlich das ausgeklügeltere Spiel. Ihr solltet euch das mal ansehen, wenn Square Enix es demnächst aus der Microsoft-Exklusiv-Quarantäne entlässt. Bis dahin, genießt erst mal Uncharted 4.

Mehrspieler ohne Koop bis Herbst

Weniger ruhig geht es im Mehrspieler zu. Immerhin gibt es ihn diesmal im Gegensatz zur Uncharted Collection. Euch erwarten Gefechte in "Team Deathmatch". Zur Abwechslung gibt es noch die Möglichkeit auf die Jagd nach einer Schatzkiste zu gehen oder bestimmte Zonen einzunehmen.

Mehr Spieler, mehr Spaß? Lustig sind die Mehrspieler-Gefechte allemal. Im Mittelpunkt stehen sie dennoch nicht.Mehr Spieler, mehr Spaß? Lustig sind die Mehrspieler-Gefechte allemal. Im Mittelpunkt stehen sie dennoch nicht.

Im Grunde ballert ihr dort jedes Mal andere Spieler ab, bis die Panzerfaust eine Verschnaufpause braucht. Neue Klamotten und andere Extras gibt es auch über zufällig verteilte Kisten.

Schade, dass es den angekündigten Kooperativ-Modus noch nicht gibt und ihr bis zum Herbst auf dieses Schmankerl als Download warten sollt. Immerhin wird der Spaß laut Naughty Dog kostenlos bleiben. Bereits im Sommer sollen die ersten neuen Inhalte wie neue Spielmodi folgen.

"Wir beabsichtigen den Mehrspieler-Modus von Uncharted 4 so lange frisch zu halten wie möglich", geben die Entwickler im PlayStation Blog bekannt. "Im Laufe der Zeit wird Naughty Dog gratis neue Karten, Spielmodi und Gegenstände für den Spielablauf veröffentlichen. Darunter auch einen Koop-Modus."

So weit, so gut. Aber mal ehrlich: Wegen den Online-Spielmodi kauft sich ja keiner Uncharted 4. Es ist die Einzelspieler-Kampagne.

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Tags: Onkel Jo   Singleplayer  

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