Wie viel Spoiler darf es sein? Onkel Jo untersucht den Geheimnisverrat

(Kolumne)

von Joachim Hesse (12. Mai 2016)

ACHTUNG, SPOILER! In der folgenden Kolumne lest ihr möglicherweise Dinge, die ihr lieber nicht gewusst hättet. Wir haben euch gewarnt!

Mieser Spoiler: Jobacca erschießt Han Solo in Star Wars.Mieser Spoiler: Jobacca erschießt Han Solo in Star Wars.

Unter meinem Test zu Uncharted 4 steht ein Hinweis, der mich nachdenklich gemacht hat. Schließlich möchte ich, dass ihr zufrieden seid. Dort beklagt eine Leserin, dass die Angabe der Kapitelanzahl ein Spoiler sei. Empfindet ihr das auch so?

Leserkommentar unter dem Test von Uncharted 4.Leserkommentar unter dem Test von Uncharted 4.

Den Gedankengang verstehe ich. Doch ist er auch gerechtfertigt? Zunächst einmal eine kurze Definition. Was ist ein Spoiler? Spoiler finden sich nicht nur an den Hecks protziger Autos, sondern auch in den Medien. Hier kennzeichnet der Begriff eine Information, die dazu geeignet ist, den Genuss am vollständigen Werk zu verderben. Dass Han Solo in Star Wars Episode 7 stirbt, wäre zum Beispiel für manche ein sogenannter Spoiler. Den Film hat doch inzwischen jeder Interessierte gesehen, oder? Nicht? Oops.

Der erste Spoiler, an den ich mich persönlich erinnere, ereilte mich in der Schule. Im Deutschunterricht bekam ich einen Roman von Friedrich Dürrenmatt in die Hand gedrückt, der einen einen Mord behandelt. Als ich die erste Seite aufschlug, stand dort handschriftlich der Satz "Tschanz ist der Mörder". Mitschüler können so grausam sein. Es gibt nichts Langweiligeres als einen Krimi, dessen Lösung man bereits kennt - ich habe das Buch nie fertig gelesen.

Spoiler im Berufsleben

In meinem Beruf als Redakteur habe ich täglich mit Spoilern zu tun. Ich erfahre von Entwicklern Dinge über Spiele, die ich aber bitte nicht ausplaudern soll. Ich lese Vertraulichkeitsvereinbarungen, die mir verraten, was ich anderen keinesfalls offenbaren darf. Ich spiele Vorabversionen, die mir Teile der Handlung verraten ... und so weiter. Meine Aufgabe besteht zu einem Teil auch darin abzuwägen, welche Information davon für euch relevant ist, welche nicht und welche euch später den Spaß am Spiel vermiesen würde.

General Totenkopf im Spiel Wolfenstein - The New Order.General Totenkopf im Spiel Wolfenstein - The New Order.

Ich habe beispielsweise bei meinem Test von Wolfenstein - The New Order überlegt, ob ich darin ein Foto nach dem Endkampf mit General Totenkopf zeige - siehe Bild oben. Ich habe mich letzlich dagegen entschieden. Schweren Herzens, denn das Bild an sich gefällt mir gut. Aber ich dachte damals, dass es euch zu viel von der Geschichte preisgibt.

In der späteren Analyse des Geschehens in Wolfenstein fand ich das Bild wiederum passend und habe es dort auch verwendet (siehe Bericht "Wolfenstein - The New Order: Auf dem Weg zu Wolfenstein 2"). Es kommt also auch auf die Gelegenheit und den Zeitpunkt an. Die Spoiler-Angst sollte meiner Meinung nach Grenzen haben.

Es existieren Grenzen

Es stimmt: In Zeiten des Internet läuft der moderne Konsument an jeder Ecke Gefahr, etwas verraten zu bekommen, das er lieber selbst herausgefunden hätte. Manchmal erscheint mir das wie das letzte Abenteuer, das das Medienzeitalter noch zu bieten hat. Zudem wird Handlung bei vielen Spielen wichtiger, was Spoiler im Spielebereich leichter macht.

Aber die Anzahl der Kapitel ... ehrlich? Ist das nicht fast so, sich bei einem Buch darüber zu beschweren, dass man dessen Seitenzahl kennt? Das geht mir zu weit. Jetzt unbhängig vom aktuellen Beispiel: Wann genau sind Zocker solche Mimosen geworden? Manche Spoiler-Beschwerde erscheint mir ein bisschen arg "Mimimi".

Wer gar nichts über ein Spiel von anderen erfahren will, dürfte im Grunde nie darüber reden. Denn jede Information ist eine Information. Selbst Meinungen enthalten Informationen, die sich Spieler auch selbst erschließen könnten. So würde ein Artikel völlig frei von Spoilern aussehen. Nur diese Haltung wäre konsequent, aber vermutlich auch den schlimmsten Spoiler-Gegnern zu radikal. Schließlich beschäftigt man sich doch gerne mit Sachen, die einem Spaß machen. Wer über Spiele nicht mehr redet, schränkt die Freude gehörig ein, die man damit haben kann. Und was genau verdirbt den Spaß am Rest? Wo verläuft die Grenze?

Ich persönlich informiere mich gerne über Spiele und gerade bei einem Test erwarte ich auch ein paar grundlegende Dinge über ein Spiel zu erfahren. Ich will wissen, was mich bei der Handlung grob erwartet, welche Länder ich bereise, welche Ungeheuer auf mich warten. Das heißt ja wie gesagt nicht, dass im Test steht, wie der Endgegner stirbt.

Außerdem will sich nicht jeder Spieler alle Information selbst erarbeiten. Weshalb lesen so viele Menschen Berichte in Magazinen wie spieletipps oder sehen sich auf Youtube Let's Plays an? Weil sie sich gerne die Arbeit von anderen abnehmen lassen. Von Menschen wie mir.

Sag deine Meinung und gestalte spieletipps mit!

Wichtig ist in meinen Augen, wo ich die Grenze ziehe zwischen einer interessanten Information und einer Information, die mir ein Spiel vergrätzt. Markante Schock-Momente in Spielen, möchte ich zum Beispiel auch nicht unbedingt so explizit in einem Test erfahren; aber wenn erwähnt würde, dass es dies oder jenes im Spiel gibt, hätte ich damit kein Problem. Es braucht Fingerspitzengefühl.

Spoiler oder wertvolle Info? In Uncharted 4 gibt euch Entwickler Naughty Dog kurz die Gelegenheit, den Action-Oldie Crash Bandicoot zu spielen.Spoiler oder wertvolle Info? In Uncharted 4 gibt euch Entwickler Naughty Dog kurz die Gelegenheit, den Action-Oldie Crash Bandicoot zu spielen.

Ich verlasse mich dabei auf meine persönliche Einschätzung. Durch Kommentare wie dem eingangs erwähnten Kapitel-Problem bei Uncharted 4 justiere ich mein persönliches Spoiler-Radar aber gerne auch neu. Für mich ist es nach reiflicher Überlegung kein Spoiler, die Anzahl der Kapitel zu nennen. Aber vielleicht liege ich mit dieser Meinung ja daneben. Eine gewisse Selbstkontrolle schadet daher nicht.

Also Butter bei die Spiele und Frage an euch: Findet ihr, dass die im Test erwähnte Anzahl der Kapitel ein Spoiler ist, der den Spaß verdirbt, das Spiel zu beenden?

Was empfindet ihr generell als Spoiler, den ihr in einem Text über ein Spiel nicht erfahren wollt? Hat euch vielleicht sogar schon mal jemand durch eine Info den Spielspaß verdorben? Wenn ich zum Beispiel verrate, dass sich das Spiel Crash Bandicoot als eine Art "Easter Egg" in Uncharted 4 befindet - interessanter Fakt für euch oder vermiest es das Spiel? Wo liegt eure persönliche Grenze für Spoiler? Nennt bitte Beispiele!

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Tags: Politik   Onkel Jo  

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