Vorschau Hero Defense - Haunted Island: Das überzeugende Indie-Spiel aus Berlin

von Michael Krüger (13. Mai 2016)

Dieses Spiel solltet ihr euch ansehen. Auch wenn Hero Defense keinen bekannten Namen trägt, macht es Freude. Viel sogar. Der Kampf der fünf Helden bekommt jetzt sogar einen Mehrspieler-Modus.

Die Mischung aus "Tower Defense" und Rollenspiel verspricht auch im Kampf gegen Freunde viel Spaß. Davon durften wir uns bereits überzeugen. Die Spiele-Gattung "Tower Defense" enthält als Grundlage eine verteidigende Spiel-Mechanik, bei der ihr Wellen von Gegnern mithilfe von Türmen abwehrt. Mittlerweile gibt es viele Spiele, die dieses Prinzip aufnehmen und teilweise sogar modifizieren.

Nun verlässt Hero Defense - Haunted Island bald die "Early Access"-Phase und bringt eine interessante Neuerung in die Landschaft der "Tower Defense"-Spiele. Anstelle von Türmen gibt es hier nämlich Helden.

Das Spiel stammt von dem kleinen Berliner Studio Happy Tuesday. Die Rahmenhandlung besteht aus archetypischen Figuren, wie einem Dracula-Verschnitt, Zombie-Horden oder Igors, die dem Handlanger Frankensteins nachempfunden wurden. Jeder Held verfolgt ein eigenes Ziel, doch da sich die Interessen überschneiden, raufen sie sich zusammen, um gemeinsam den Bestien der Nacht den Krieg zu erklären.

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Hero Defense - Haunted Island startet den Kampf gegen das Böse

In Hero Defense - Haunted Island baut ihr keine Türme, Geschütze oder sonstige Verteidigungsmaßnahmen. Stattdessen positioniert ihr fünf gerissene Kämpfer auf der Karte. Der Clou an dieser Sache ist die Flexibilität, denn bei Bedarf könnt ihr eure Helden auf der Karte versetzen. Verbesserungen und neue Fähigkeiten würzen das Ganze mit Rollenspiel-Elementen. Doch auch ein Mehrspieler-Modus soll nun hinzukommen und für Langzeitmotivation sorgen. Höchste Zeit für eine Prognose!

Fünf Helden und jede Menge Taktik

Jede Runde in Hero Defense besteht aus mehreren Wellen, in denen jeweils eine Sorte Gegner versucht, das Ziel zu stürmen. Jeder eurer Helden verfügt über eine Affinität, die ihn gegen bestimmte Feinde deutlich stärker macht. Dargestellt wird diese Kombination durch ein eingängiges Farb-System. Doch mit dieser Abwandlung von "Schere, Stein, Papier" fängt der Spaß erst an.

Die Farben oben geben einen Hinweis auf die Wahl des Helden.Die Farben oben geben einen Hinweis auf die Wahl des Helden.

Auch die Position der Helden spielt eine wichtige Rolle - so wie es bei Spielen der Marke Tower Defense eben üblich ist. Zusätzlich könnt ihr eure Helden auf Runen-Kreise stellen, die bestimmte Fähigkeiten und Werte steigern. Neben Kreisen für alle Helden, gibt es auch spezifische, die den entsprechenden Helden um ein vieles effizienter machen, anderen Helden aber keine Boni bringen.

Was auf den ersten Blick noch überschaubar wirkt, entpuppt sich als komplexes Abenteuer. Verinnerlicht ihr erst einmal die grundlegenden Mechaniken, beginnt das eigentliche Spielgeschehen. Jede Runde ist ein dynamisches Action-Paket, das sowohl Konzentration als auch schnelle Handlungen fordert.

Die Tastatur-Belegung macht es glücklicherweise einfach, alle fünf Helden sowie zusätzliche Aktionen so gut wie blind zu steuern und euch dabei voll auf das Geschehen zu konzentrieren. Die Zahlen eins bis fünf stehen für die Helden und per Mausklick bestimmt ihr deren Position. Nur wenn die Farbe von Held und Feind übereinstimmt, ist der Angriff wirklich effizient. Ohne Taktik und vorausschauende Züge kommt ihr hier nicht allzu weit.

Natürlich steigt der Schwierigkeitsgrad im Verlauf der Kampagne an. Damit ihr euch dennoch wehren könnt, stehen euch Verbesserungen zur Verfügung. In eurem Heimatdorf befinden sich entsprechende Gebäude in denen ihr beispielsweise neue Runen kauft und an eure Waffen anbringt oder Fähigkeitenpunkte in Verbesserungen und neue Angriffe investiert.

So werden eure Helden stetig stärker und vielseitiger. Wählbare Schwierigkeitsgrade pro Mission erzeugen einen schönen Wiederspielwert und bescheren euch das nötige Kleingeld für den Ausbau eures Dorfes oder den Kauf neuer Runen. Traut ihr euch darüber hinaus bestimmte Extra-Aufgaben zu, wie beispielsweise einen perfekten Sieg erringen, bekommt ihr noch bessere Belohnungen - oder eben eine saftige Abreibung.

Dieses Video zu Hero Defense - Haunted Island schon gesehen?

Ein Auge für Details

Nicht nur die Spielmechaniken gehen in die Tiefe, auch die Präsentation weist viele Details auf. Jeder der fünf Helden wird in einem eigenständigen Stil dargestellt. Vom klassischen Vampir-Jäger Jack, über den Totengräber Borrows bis hin zur Rockabilly-Braut Jane. Die Figuren sind charmant und bilden gemeinsam eine herrlich skurrile Gruppe, die während der Kämpfe gerne zeigt, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist.

Jack hat eine offene Rechnung mit seinem alten Herrn.Jack hat eine offene Rechnung mit seinem alten Herrn.

Jeder der Helden erzählt zudem seine eigene Geschichte. Diese Hintergrundhandlungen beschreiben im Wesentlichen, warum der jeweilige Held eine besondere Affinität gegenüber einem bestimmten Gegner-Typ hat und geben den Helden Charakter. Hier erlebt ihr sogar die eine oder andere Überraschung.

Weniger detailreich ist das Dorf. Es sieht zwar hübsch aus, doch dürfte es gerne lebendiger wirken. Auch die Verbesserungen der Gebäude sind nicht bei jeder Stufe auch wirklich sichtbar. Doch wer weiß, ob sich das bis zur finalen Veröffentlichung nicht noch ändert.

Der Fokus liegt eindeutig nicht darauf, eine große Geschichte zu erzählen, sondern auf der zugrunde liegenden Spielmechanik. Wie schon angedeutet, besteht diese aus mehr als nur dem Platzieren der Helden. Je länger ihr Hero Defense - Haunted Island spielt, umso mehr wird der Puzzle-Charakter des Spiels deutlich. Geschicktes Versetzen der Helden und Vorausplanung werden zunehmend wichtiger. Das betrifft sowohl die Aktivierung der Charaktere als auch die Reihenfolge, in denen ihr deren Verbesserungen aufladet.

Innerhalb einer Runde sammelt ihr nämlich sogenannte Orbs. Habt ihr davon eine bestimmte Menge, könnt ihr einen Helden aufladen und so die Verbesserungen auslösen, die ihr zwischen den Missionen durch sammelbare Runen festlegt. Die Meta-Ebene bietet also genügend Spielraum, um euch sowohl zwischen den Runden als auch auf dem Schlachtfeld ordentlich zu fordern und auch nach dem Spiel noch weiter über eure Taktik grübeln zu lassen.

Ungewöhnlicher Mehrspieler-Modus

In einem Spiel der Kategorie Tower Defense gegen andere Spieler anzutreten, scheint im ersten Moment nicht besonders verlockend. Bei den meisten Spielen bestehen Gefechte dieser Art daraus, dass die eine Seite verteidigt, während die andere die Gegner für die Angriffswellen bestimmt. Bei Hero Defense spielt sich das allerdings anders ab.

Euer Gegner hat noch keine Jane auf dem Feld? Dann solltet ihr ihm Igors schicken.Euer Gegner hat noch keine Jane auf dem Feld? Dann solltet ihr ihm Igors schicken.

Im Grunde könnt ihr den Mehrspieler-Modus mit dem von Tetris vergleichen. Auf einer gespiegelten Karte kämpft ihr und euer Gegner - jeder für sich - gegen nahende Feinde. Wer zuerst eine Welle besiegt hat, darf eine von drei zufälligen Bestrafungen für sein Gegenüber wählen. So weit so gut. Was zunächst recht simpel klingt, hat es faustdick hinter den Ohren.

So seid ihr einerseits schwer damit beschäftigt, möglichst effizient eure Ressourcen für die rapide Vernichtung der Wellen aufzubringen. Andererseits wacht ein Auge stets auf der gegnerischen Seite und die dort aktiven Helden. Nur wenn ihr Bestrafungen für euren Kontrahenten auswählt, gegen die er nicht vorbereitet ist, trefft ihr ihn da wo es weh tut. Immerhin kann es auch vorkommen, dass ihr ihm in die Hand spielt und sich so das Blatt wendet. Und seid ihr erst einmal hinten und werdet bestraft, dann ist es schwierig, das Ruder noch einmal herumzureißen.

Die Strafen treiben euch oft an den Rand der Verzweiflung.Die Strafen treiben euch oft an den Rand der Verzweiflung.

Seid ihr besonders aufmerksam und flink, positioniert ihr einen eurer Helden am Rand der Karte und klaut eurem Kontrahenten Eliminierungen. So habt ihr schneller genügend Orbs für neue Verbesserungen parat. Gleichzeitig helft ihr allerdings eurem Gegenüber, seine Welle schneller zu beenden. Nur wenn ihr geschickt die Vor- und Nachteile einer Aktion abwägt, seid ihr auf dem sicheren Weg zum Ziel. Und steht euer Gegner erst einmal richtig schön unter Druck, dann klaut ihr ihm einfach das Gold, das nach jeder Welle als Belohnung lockt, um nach dem Kampf euer Dorf weiter auszubauen. Dieses, sowie der Fortschritt eurer Helden, ist übrigens unabhängig von der Einzelspieler-Kampagne.

Die Art und Weise, wie Spielbegegnungen zustande kommen, ist ziemlich clever. Auf Grund der absolvierten Spiele und errungenen Siege, ermittelt das Spiel eine Art Wert für jeden Spieler. Dieser führt dazu, dass ihr ausschließlich gegen ebenbürtige Kontrahenten antretet. Außerdem sorgt dieser steigende Wert dafür, dass ihr immer wieder auf neuen Karten spielt. So wird das Spiel nicht langweilig, da ihr maximal vier bis fünf Runden auf der gleichen Karte verbringt, bevor sich diese ändert und ihr euch umstellen müsst.

Ambitionierte Pläne

Für die Zukunft haben die Entwickler Happy Tuesday noch einiges vor. So soll der Mehrspieler-Modus in Staffeln erscheinen. Hier warten am Ende möglicherweise Belohnungen, wie ein Übertrag bestimmter Werte in die nächste Staffel. Auch eigene Bestenlisten für Freunde sind ein Thema. Da sich Hero Defense - Haunted Island aktuell noch in der "Early Access"-Phase befindet, ist hier noch nichts final entschieden.

Damit ihr erkennt, dass ihr im Mehrspieler-Modus seid, erscheint das Dorf in einem anderen Licht.Damit ihr erkennt, dass ihr im Mehrspieler-Modus seid, erscheint das Dorf in einem anderen Licht.

Auch nach der Veröffentlichung von Hero Defense soll sich aber noch Einiges tun. An Ideenreichtum mangelt es dem Indie-Studio nicht. Trotz der langen Entwicklungszeit von fünf Jahren wollen sie nicht aufhören, ihr Spiel weiter zu verbessern und zu verfeinern. Hero Defense soll dynamisch bleiben und sich an den Wünschen der Spieler orientieren, zu denen natürlich auch die Entwickler selbst gehören, die gerne und viel selbst spielen.

Fest steht, dass die Kampagne bis zur Veröffentlichung noch einmal komplett überarbeitet wird. Ziel dabei ist es, die Lernkurve so zu gestalten, dass neue Spieler einen schnellen Einstieg finden und sie so auch besser auf ihre ersten Mehrspieler-Runden vorbereitet sind.

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Tags: Indie   Steam  

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