Test Doom - Es ist die Hölle auf Erden und ihr seid der Teufel mit der Schrotflinte

von Joachim Hesse (19. Mai 2016)

Doom. Bereits der Name ist Legende. Doom und seine Nachfolger haben das Action-Genre definiert. Doom 4 hat es da schwerer. Doch Entwickler id Software hat sich etwas einfallen lassen.

Rennen, nicht stehen bleiben. Nie stehen bleiben. Zumindest solange noch ein Gegner zuckt. Das ist die erste Lektion, die ihr im neuen Doom lernt. Seid froh, dass es spieletipps gibt - anderenfalls hätte euch das Spiel diese Erkenntnis auf brutalstmögliche Art durch die Nase ins Gehirn gerammt. Denn wer diese unausgesprochene Regel missachtet, sieht den Ladebildschirm. Schnell und dauernd. Auf Konsole lädt ein Spielstand übrigens viel zu lange - durchaus mal 30 Sekunden. Am PC flutscht das besser. Überhaupt fällt das Spiel per Maus- und Tastatur eine Ecke leichter aus als mit Pad, aber das überrascht sicher kaum jemanden.

"PC Masterrace"? Ja, irgendwo schon. Die PC-Version liefert bessere Texturen und Beleuchtung, auf Xbox One und PlayStation 4 wirkt Doom matschiger und detailärmer. Aber das Spiel holt mit der Grafik ohnehin auf allen Plattformen nicht das Letzte aus der aktuellen Hardware-Generation heraus. Es sieht nett aus und läuft flüssig. Einen Pokal für eindrucksvolle Fototapeten und einfallsreich dekorierte Umgebung gewinnt es nicht. Wer so etwas sucht, sollte besser bei Uncharted 4 oder The Witcher 3 bleiben, da eignet sich nahezu jeder Bildausschnitt als Ansichtskarten-Motiv.

Zurück auf dem Mars trefft ihr alte Bekannte: Ungeheuer.Zurück auf dem Mars trefft ihr alte Bekannte: Ungeheuer.

Dafür klatscht euch Doom während der langen Kampagne ein blutiges, virtuelles Steak links und rechts ins Gesicht. Sobald die Industrial-Musik losdonnert und sich Gegnerhorden grunzend auf euch stürzen, fühlt ihr euch wie Jason Statham im Film Crank. Der Adrenalinpegel schwillt und während ihr auf den Herzinfarkt zusteuert, produziert euer Geist nur noch einen Gedanken: "Danke, lieber Gott, dass ich dieses Meisterwerk der Action-Kunst noch erleben darf!" Denn das neue Doom ist brillant - obwohl es auf den ersten Blick beileibe nicht danach aussieht.

Doom zu lieben kostet zunächst Überwindung. So ähnlich wie einen Kerl bei der Dorfdisco zu küssen, der dem DJ ins Gesicht geschlagen hat und gleich auf die Boxen kotzt. Es ist garantiert nicht jedermanns Sache. Doom zu lieben erfordert, mental den Kern des Gemetzels freizulegen und zu akzeptieren. Denn der Anfang des Spiels präsentiert sich eher als zähe Masse und weniger als ein Shooter-Jungbrunnen.

"Willkommen bei der UAC! Jetzt seit 221 Tagen ohne Unfall", begrüßt euch ein Hologramm, das als Relikt vor den Zeiten des Unfalls dient.

Voll auf Offensive - "Oldschool" neu definiert

Irgendwie gibt Doom einen feuchten Dreck auf alles, was euch Action-Spiele in den vergangenen Jahren antrainiert haben. Eure Lebensenergie regeneriert nicht, es existiert keine echte Deckung und wer in einen Abgrund stürzt, stirbt.

Berserker-Modus aktiv: Doom setzt auf Nahkampf.Berserker-Modus aktiv: Doom setzt auf Nahkampf.

Erwartet nicht, dass euch das Spiel an die Hand nimmt und euch durch seine Levels und die Spielmechanik führt. Wer den Komfort eines Halo, Division oder gar Assassin's Creed erwartet, dem zeigt Doom genüßlich den Mittelfinger. Damit muss man erst einmal klar kommen. Sobald ihr verstanden habt, wie es tickt, macht es in eurem Kopf "klick" und ihr bekommt eine der intensivsten Action-Erfahrungen der Videospielgeschichte auf dem Silbertablett serviert.

Überraschen könnte euch, wie geschickt und nahtlos Doom den Nahkampf ins Spielgeschehen integriert. Ohne Nahkampf-Exekutionen, sogenannte Glory Kills, leidet euer Alter Ego durchgehend an Energie-Mangel. Nur wer wie Ex-Fußball-Torwart Olli Kahn in seinen besten Jahren auf den Gegner zustürmt, zieht die nötige Lebensenergie-Rationen und passenden Munitionsnachschub aus den Leichen.

Gerade diese Nahkampf-Attacken hätten furchtbar in die Hose gehen können. Etwa als Mordanimationen zum Selbstzweck, die euch im Sekundentakt aus dem Spielablauf reißen. Die Wahrheit sieht zum Glück anders aus. Gerade der Nahkampf verleiht Doom ein frisches, modernes Flair. Gleichzeitig zwingt er euch so offensiv zu spielen wie in keinem anderen Ego-Shooter. Krass wie nahtlos id Software die "Glory Kills" in den Spielfluss einbindet ohne den Ego-Shooter dabei zur Splatter-Peepshow oder zu einem Boxsport-Manager 2016 zu degradieren.

Mit der Maschinenkanone auf Revenant-Jagd.Mit der Maschinenkanone auf Revenant-Jagd.

Die zweite Lektion des Spiels lautet daher: Ohne Nahkampf geht nichts! Schießt eure Gegner am besten mit Schrotflinte, Plasmagewehr oder Raketenwerfer sturmreif bis sie blau und orange leuchten und dann gebt ihnen den Rest. Ihr müsst die Feinde aus nächster Nähe zermalmen, ihre virtuellen Därme über den Bildschirm verteilen und ihnen die Augen aus dem Schädel quetschen! Andernfalls bekommt ihr keine frische Lebensenergie und seid schneller Geschichte als ein Nachtisch in der Nähe von Reiner Calmund.

Zur Not hilft auch die Kettensäge oder die Überwaffe BFG über das Gröbste hinweg. Ach ja: Das Spiel ist freigegeben ab 18 Jahren. Hätten wir vermutlich gar nicht mehr erwähnen brauchen.

Einmal in die Hölle und wieder zurück

"Du schreitest ewig durch die Schattenreiche, kämpfst gegen das Böse, wo andere versagen. Möge der Durst nach Rache nie versiegen, möge das Blut auf deinem Schwert niemals trocknen - und mögen wir dich nie wieder brauchen." Die Kampagne des neuen Doom beginnt mit einem markigen Zitat.

Ein freudiges Widersehen mit eurem Kampfanzug am Anfang der Kampagne. Wie es dazu kam, erzählt euch das Spiel nach und nach.Ein freudiges Widersehen mit eurem Kampfanzug am Anfang der Kampagne. Wie es dazu kam, erzählt euch das Spiel nach und nach.

Aber natürlich brauchen sie euch wieder. Und wie! Erneut überfallen Dämonen die Welt und ihr seid die letzte Barriere zwischen Sieg und Niederlage der Menschheit. Wobei eure Rolle zunächst einmal gar nicht so klar ausfällt. Letztendlich ist die Geschichte aber auch Nebensache - id Software hätte sie auch komplett in den deutschen Text der Nachladebildschirme packen können. Ihr befindet euch auf einer Mars-Kolonie und aus einem Portal zwischen den Welten schwappen Dämonen vor eure Schießeisen. Die Ballerei beginnt ohne Umschweife, zwei Sekunden nachdem ihr auf "Start" drückt.

Damit ihr nicht an einer Überdosis Doom sterbt, folgt jeder Ballereinlage, bei der ihr ein Gegnernest aushebt, eine mehr oder minder lange Phase der Erforschung. Mithilfe der Karte orientiert ihr euch auf den zum Teil ausufernden und mehrere Ebenen umfassenden Kapitelabschnitten. Dort gibt es fast wie in Metroid oder Turrican 2 jede Menge zu erforschen. Ihr dürft zwar auch den kurzen Weg gehen, nur die nötigsten Schlüsselkarten einsacken und baldmöglichst das eingezeichnete Ziel aufsuchen, doch das raubt euch einen gehörigen Aspekt des Spielspaßes.

Mithilfe der Karte orientiert ihr euch und versucht geheime Ecken zu enttarnen.Mithilfe der Karte orientiert ihr euch und versucht geheime Ecken zu enttarnen.

Doom vereint nahezu perfekt das Prinzip von Jäger und Sammler. Wer Dämonen gejagt hat, genießt es durchaus auch Runen, Hologramme, Marken und Extrawaffen zu sammeln und sich über die zahlreichen "Easter Eggs" scheckig zu lachen. Ein Kopf im Klo, eine Dhovakiin-Leiche als Hommage an Skyrim, ein Minispiel im Lazarus-Komplex, ein Hebel, der ein Retro-Doom-Level öffnet ... Doom wirkt teilweise wie ein großes, buntes Überraschungsei. Die Balance zwischen Action- und Ruhephasen gelingt id Software dabei fantastisch.

Das Drumherum: Mehrspieler und Snapmap

Ein Mehrspieler-Modus existiert auch. Im Gegensatz zur Kampagne könnt ihr den aber im Grunde ignorieren. Bislang zumindest, denn anders als die Einzelspieler-Gefechte wirkt dieser Teil des Spiels doch etwas hölzern. Nicht ganz zwei handvoll (neun) Arena-Karten und sechs Spielmodi erwarten euch. Nett ist zum Beispiel "Freeze Tag", wo ihr Gegner einfriert, die dann von Team-Kameraden aufgetaut werden können. Die Mannschaft, die als Erste komplett schockgefrostet ist, verliert.

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Der vierte Teil von Doom ist da

Eure Waffen rüstet ihr vor Spielbeginn aus, im Mehrspieler selbst finden sich nur drei zeitweise erscheinende Spezialwaffen (Gauss-Gewehr, Kettensäge, BFG 9000) oder ein Super-Extra, durch das ihr euch in einen Dämon verwandelt.

Alles durchaus ansprechend und auch unterhaltsamer als nach dem Beta-Test zu erwarten war, aber letztendlich belanglos. Deswegen braucht ihr das Spiel nicht kaufen - das Quake- oder alte Doom-Gefühl schwappt hier nur bedingt über.

Doom ... das Schlachtfeld wartet.Doom ... das Schlachtfeld wartet.

Ähnliches gilt für den Snapmap-Editor. Damit könnt ihr interessante Spielkarten selbst erstellen. Mit ein paar Klicks und auch per Pad an der Konsole. Doch um anspruchsvolle Karten zu basteln, erfordert es am Ende natürlich trotzdem eine Menge Fummelarbeit. Die richtigen Versatzstücke heraussuchen, Gegner platzieren, testen ... das hat mit "Spiel" nicht mehr viel zu tun. Aber hoffentlich finden ein paar Bastler Gefallen daran, dann erwarten euch in Zukunft ähnlich wie bei Trials Fusion ein paar ordentliche Bonus-Inhalte. Fast wie früher.

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Tags: Deathmatch   Horror   Onkel Jo   Uncut  

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