Test Homefront 2 - The Revolution: Umstrittener Freiheitskampf in den Ruinen Philadelphias

von Stephan Petersen (21. Mai 2016)

Groß angepriesen, jedoch mit Skepsis betrachtet, betritt Homefront - The Revolution die Bühne. Wir haben uns für euch in den Kampf um die Freiheit gestürzt und ein Resümee gezogen.

In den Straßen Philadelphias herrscht die KVA mit eiserner Hand.In den Straßen Philadelphias herrscht die KVA mit eiserner Hand.

Mittlerweile ist Homefront - The Revolution für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Das ist alles andere als selbstverständlich. Zwar stand bereits früh fest, dass es zum wenig erfolgreichen Vorgänger Homefront aus dem Jahr 2011 einen Nachfolger geben sollte. Doch die Entwicklungsgeschichte mit Pleiten, Aufkäufen und Herstellerwechseln war ziemlich steinig.

Ähnlich holprig – wahlweise hier bitte mit "schwachsinnig" ergänzen - ist die Hintergrundgeschichte von Homefront - The Revolution. Nachdem Nordkorea in Asien auf Expansionskurs gegangen ist und die Vereinigten Staaten wirtschaftlich darnieder liegen, nutzen die Kommunisten die Gunst der Stunde. Mit EMP-Bomben schalten sie das technisch hochgerüstete nordamerikanische Militär aus und erobern die Weltmacht. Die Geschichte von Homefront - The Revolution spielt vier Jahre nach diesen Ereignissen und zwei Jahre nach dem Vorgänger Homefront.

Der Anführer des Widerstands in Philadelphia wird von den Kommunisten gefangengenommen. Fortan ist es eure Aufgabe, ihn zu befreien und gleichzeitig die Geburtsstätte der amerikanischen Verfassung von den nordkoreanischen Besatzern und ihren Kollaborateuren zu befreien. Die offene Spielwelt von Philadelphia ist in mehrere Zonen unterteilt, die ihr mittels Tunnel und Schnellreise erreicht. Die Zonen wiederum unterteilen sich in grüne, gelbe und rote.

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Homefront - The Revolution: So spielt sich der Ego-Shooter

In den grünen Zonen leben nordkoreanische Besatzer und amerikanische Kollaborateure ein einigermaßen geregeltes Leben. In den gelben Zonen vegetiert die einheimische Bevölkerung in heruntergekommenen Häusern vor sich hin und wird streng von der Koreanischen Volksarmee (KVA) überwacht. Die roten Zonen sind hingegen offene Kriegsgebiete, in denen Rebellen und KVA sich gegenseitig Feuer unterm Hintern machen. Dört könnt ihr euch angesichts erhöhter Rebellenpräsenz weitgehend gefahrlos bewegen.

Sabotage und Widerstandskampf in den Ruinen Philadelphias

Euer Ziel ist es, ganz Philadelphia in eine rote Zone zu verwandeln, also die Bevölkerung zum Widerstandskampf anzustacheln. Dazu muss der "Herzen und Gedanken"-Balken 100 Prozent erreichen. Das schafft ihr, indem ihr beispielsweise gefangene Bürger befreit, KVA-Offiziere eliminiert oder nordkoreanische Gerätschaften sabotiert. Der Fortschritt zeigt sich dann auch optisch: Bürger sprühen Freiheitsparolen auf Wände, beschädigen KVA-Eigentum und begehren gegen KVA-Soldaten auf.

Wenn ihr den "Herzen und Gedanken"-Balken durch Sabotageakte auf 100 Prozent bringt, revoltiert die Bevölkerung gegen die Besatzer.Wenn ihr den "Herzen und Gedanken"-Balken durch Sabotageakte auf 100 Prozent bringt, revoltiert die Bevölkerung gegen die Besatzer.

Zudem könnt ihr Nebenmissionen erledigen. Das sind zum einen Aufgaben, die ihr in Rebellen-Stützpunkten an schwarzen Brettern findet. So sollt ihr beispielsweise Scharfschützen ausschalten oder mit eurem Smartphone Polizeireviere fotografieren. Als Belohnung erhaltet ihr Dollars, die ihr in Ausrüstung investieren dürft. Zum anderen erobert ihr Festungen, alte Fabriken, verlassene Kirchen und so weiter. Dies läuft meistens nach demselben Schema ab: Ihr sollt etwas de- oder aktivieren – teilweise müsst ihr hierfür ein simples (und immer gleiches) Minispiel absolvieren.

Diese Orte dienen danach als Stützpunkte der Rebellen. Als Belohnung erhaltet ihr sogenannte KVA-Punkte. Diese sind neben den Dollars die zweite Währung im Spiel. Mit Dollars kauft ihr euch beispielsweise neue Waffen oder Verbesserungen für euer Alter Ego. Bei Letzteren handelt es sich zum Beispiel um eine Tarnweste, um nicht so schnell gesehen zu werden, oder eine Magazintasche für mehr Munition. Die KVA-Punkte wiederum dürft ihr in Waffen-Verbesserungen und technische Helferlein investieren.

Gegen eine strohdumme Übermacht

Die Stützpunkte dienen nicht nur zur Aufrüstung, sondern auch als Wiedereinstiegspunkte. Blasen die Nordkoreaner eurem Alter Ego das virtuelle Lebenslicht aus, so findet ihr euch wenige Augenblicke später am nächstgelegenen Wiedereinstiegspunkt. Es ist also sinnvoll, beim Erledigen einer Hauptmission, die am anderen Ende einer Zonenkarte ist, einen Stützpunkt in der Nähe zu haben. Alternativ könnt ihr euch aber auch mit einem Motorrad schnell über die Karte bewegen.

Stützpunkte dienen als Rückzugspunkt, zur Verbesserung der Ausrüstung sowie der Auffrischung der Vorräte.Stützpunkte dienen als Rückzugspunkt, zur Verbesserung der Ausrüstung sowie der Auffrischung der Vorräte.

Befreit ihr die Zonen und schaltet neue Stützpunkte frei, findet ihr zunehmend blau markierte Widerstandskämpfer. Diese könnt ihr anwerben, so dass sie euch fortan folgen und sich am Kampf gegen die KVA beteiligen. Besonders gut machen sie das nicht, ziehen aber immerhin das feindliche Feuer auf sich. Ohnehin ist die künstliche Intelligenz nicht sonderlich gelungen. Patrouillierende Drohnen fliegen gegen Brückengeländer und explodieren, angeworbene Widerstandskämpfer, die ihr übrigens nicht befehligen könnt, blockieren euch – vor allem in Häuserruinen - den Weg und KVA-Soldaten stehen in der virtuellen Nahrungskette nur wenige Stufen über Moorhühnern.

Dennoch solltet ihr nicht im "Chuck Norris"-Stil vorgehen. Denn zum einen hat die KVA mit Drohnen, Kampfwagen und hochgerüsteten Kämpfern wie Schrotflinten-Soldaten und MG-Schützen allerlei Feuerkraft. Zum anderen hält euer Alter Ego nicht allzu viel aus. Subtiles Vorgehen ist aber auch nur selten notwendig. Zwar könntet ihr vorsichtig durch die Ruinen Philadelphias schleichen und dabei die technischen Helferlein für Hinterhalte einsetzen, doch großer Vorteil entsteht euch dadurch keiner.

Rennen, schießen, heilen, sabotieren, fertig

In der Regel ist aber folgendes Vorgehen am effektivsten: Rebellen anwerben und als Kanonenfutter mitnehmen, Tür zum feindlichen Stützpunkt mit Rohrbombe aufsprengen, die ersten Gegner links und rechts ausschalten, Spritze in den Arm hauen, um die Gesundheit wieder aufzufüllen und zum Ziel rennen.

In einigen Missionen müsst ihr es mit der KVA-Übermacht aufnehmen. Allgemein ist es aber effektiver, mehr zu rennen als zu kämpfen.In einigen Missionen müsst ihr es mit der KVA-Übermacht aufnehmen. Allgemein ist es aber effektiver, mehr zu rennen als zu kämpfen.

Da die Benutzeroberfläche genretypisch so bunt wie ein Weihnachtsbaum blinkt und auch das Ziel anzeigt, ist dieses schnell gefunden. Dann rasch einen Sender manipulieren, ein Ventil aufdrehen oder ähnliches und der Stützpunkt gehört euch. Übriggebliebene Gegner verschwinden nämlich sofort und müssen nicht ausgeschaltet werden. So spielt sich Homefront: The Revolution trotz der unterschiedlichen Zonen über weite Strecken doch stets ähnlich.

Leises Vorgehen ist nicht wirklich notwendig. Werdet ihr beispielsweise in der grünen Zone bei einem Sabotageakt erwischt, rennt ihr wie ein geölter Blitz davon, versteckt euch im nächsten Müllcontainer, wartet ein paar Sekunden und könnt weitermachen. Sprich: Wer rennt, der gewinnt.

Solide Inszenierung

Ähnlich monoton plätschert die Geschichte dahin. Hier wird die übliche „Militär-Standardkost“ um Tapferkeit, Verrat, Opfer und ganz viel Explosionen geboten. Etwas besser weiß die durchaus gelungene Atmosphäre in den Zonen Philadelphias zu überzeugen. Drohnen patrouillieren, KVA-Soldaten drangsalieren Bürger und Menschen durchsuchen den Müll nach Verwertbarem oder betteln um etwas Geld. Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Überwachung durch ein totalitäres Regime wird toll auf den Bildschirm transportiert.

Optisch ist Homefront - The Revolution solide - ebenso wie die Spielmechanik und die Hintergrundgeschichte.Optisch ist Homefront - The Revolution solide - ebenso wie die Spielmechanik und die Hintergrundgeschichte.

Auch grafisch sieht das schick aus. Die Zonen unterscheiden sich optisch merklich. Die Zwischensequenzen, Explosionen und Lichteffekte sowie Hauptcharaktere sind gelungen. Weniger gefallen hingegen die Rebellen-Klonkrieger oder gelegentlicher Texturmatsch und die doch recht ähnlich aussehenden grau-braunen Ruinen. Wer hier Philadelphia wiederentdeckt, der muss ein echter Kenner der Stadt sein. Auch sind während des Tests der PC-Version einige technische Fehler unschön aufgefallen. Laut Entwickler soll diese ein „Day-One-Patch“ am Tag der Veröffentlichung beseitigen.

Neben der Einzelspieler-Kampagne wartet Homefront - The Revolution mit einem Kooperativ-Modus auf. Hier dürfen sich bis zu vier Spieler gemeinsam in den Kampf gegen die nordkoreanischen Besatzer werfen. In den mehrstufigen Missionen werden dann wie im Hauptspiel Stützpunkte überfallen, Sender ausgeschaltet oder Patrouillen überfallen. Nett: Jeder Spieler wählt eine Klasse und kann später Erfahrungspunkte investieren, um seine Fähigkeiten zu verbessern und sich zu spezialisieren. Das ist insgesamt ganz spaßig. Eventuell wäre es aber sinnvoller gewesen, auf den Mehrspieler-Modus zu verzichten und den Fokus auf die Einzelspieler-Kampagne zu setzen, um diese abwechslungsreicher zu gestalten und dort mehr Qualität zu haben.

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Tags: Open World   Multiplayer   Singleplayer  

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