Test Overwatch: Blizzards Versuch einer Shooter-Revolution

von Michael Krüger (27. Mai 2016)

Nach etlichen Beta-Phasen und großem Wirbel ist Blizzards Shooter-Experiment Overwatch nun erhältlich. Mal schauen, ob 21 Helden besser als einer sind.

Die Heldenriege von Overwatch im Überblick.Die Heldenriege von Overwatch im Überblick.

Nach langen Jahren meldet sich Blizzard wieder mit einer neuen Marke zurück - überraschenderweise fernab von Strategie und Rollenspiel. Zwei Teams aus jeweils sechs Helden, die einer Auswahl von 21 Figuren entspringen, stehen sich gegenüber. Runde um Runde kämpft ihr in einem von vier Mehrspieler-Modi um den Sieg, indem ihr Aufgaben erledigt. Die Helden teilen sich in vier Rollen auf, die bei geschickter Nutzung gemeinsam zur Hochform auflaufen. Tanks halten an der Front den Schaden ab, während offensive und defensive Kämpfer die Gegnerzahl dezimieren. Unterstützer versorgen die Gruppe mit Lebensenergie und anderen Boni.

Auch wenn einiges an dieser Beschreibung nach klassischen Mustern klingt, fühlt sich nichts in Overwatch verbraucht an. Die Varation zwischen den Spielfiguren ist beispiellos. Langeweile wurde dadurch geschickt verbannt. Die schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten der Teams bieten Runde um Runde neue Überraschungen. Kein Kampf ist verloren bis er zu Ende ist.

Die momentan etwas erschlaffte Shooter-Welt soll durch Overwatch wachgerüttelt werden. Mit Fokus auf Teamspiel und Spaß liefern die Schöpfer von Spielen wie Starcraft, World of Warcraft und Diablo 3 einen spielbaren Pixar-Film. Ein großes Versprechen - ob das gehalten wird?

Der große Unterschied heißt Team

Das Grundprinzip von Overwatch ist das gleiche wie bei den meisten Mehrspieler-Shootern: Zwei Mannschaften kämpfen um den Sieg. Doch bereits hier zeigen sich erste Eigenheiten des Helden-Shooters die ungewöhnlich sind. In Overwatch steht wirklich das Team im Vordergrund. Wie viele Gegner ihr erledigt habt, ist im Grunde zweitrangig, denn im Alleingang erreicht ihr sowieso nichts. Nur wenn ihr gemeinsam mit eurer Gruppe agiert, ist euer Vorhaben von Erfolg gekrönt.

Eine rasante Runde.Eine rasante Runde.

Ein Blick in die Statistik verdeutlicht diesen Aspekt und zeigt sogleich wie radikal Blizzard bei diesem Vorhaben vorgeht. Anstatt Tötungen (Kills) und assistierten Treffern seht ihr die Zahl der Feinde, die ihr erledigt habt. Dabei spielt es keine Rolle, wie viel Schaden ihr dem jeweiligen Feind zugefügt habt oder ob ihr den entscheidenden Treffer gelandet habt. Kills klauen? Gibt es hier nicht! Jeder, der an einer Eliminierung beteiligt war, bekommt diese auch angerechnet. Toller Nebeneffekt: Euer Durchschnitt an erledigten Feinden sieht gleich viel besser aus als in anderen Spielen und ja, das fühlt sich gut an!

Vergesst also schon einmal den ständigen Blick auf euer "Abschuss/Tod"-Verhältnis, wie ihr es aus Spielen wie Battlefield 4 oder Call of Duty - Black Ops 3 kennt. Overwatch schafft es durch kluge, teils mutige Entscheidungen den Unterschied zu machen und den Fokus auf die Kämpfe zu legen. Diese sind im Grunde kaum vorherzusehen. Klar, kennt ihr möglicherweise schon die Karte, auf der die nächste Runde stattfindet. Doch ihr habt noch keine Ahnung, welche sechs Helden aus der Auswahl von 21 Figuren gleich vor euch steht. Selbst innerhalb einer Runde bleibt alles spannend, denn jeder kann nach einem Bildschirmtod seinen Helden wechseln.

Die Abrechnung nach einem Kampf.Die Abrechnung nach einem Kampf.

Bei anderen Spielen fällt das oftmals nicht all zu sehr ins Gewicht. Doch in Overwatch kann ein kurzfristiger Heldenwechsel das Spiel komplett herumreißen und den Sieg in einer verloren geglaubten Partie sichern. Dank der starken Unterschiede zwischen den 21 Helden, ergeben sich schier endlose Kombinationen, zumal ein Held auch mehrmals gewählt werden kann. Die Palette ist breit und bunt. Vom geheimnsivollen Ninja, der über Dächer rennt, über den schweizer Engel mit Heilkräften bis hin zum schießwütigen Cowboy. Unikate aus so ziemlich allen Kulturen bilden eine Auswahl an Figuren, die jede für sich das Potential eines Protagonisten hat.

Helden und freischaltbare Extras - kein Ende in Sicht

Genügend Motivation für immer wieder neue Runden liefern freischaltbare Dinge, wie neue Helden-Kostüme, Avatare, Gesten oder auch Sprühdosen-Bildchen, die ihr während des Spielens auf den Wänden eurer Umgebung hinterlasst. Jeder der 21 Helden bietet 54 freischaltbare Extras. Da ihr immer nur vier Überraschungen aus einer sogenannten Loot-Box bekommt, benötigt ihr also über 280 solcher Boxen, um alles im Spiel freizuschalten. Doch neue Loot-Boxen bekommt ihr nur wenn ihr einen Rang aufsteigt. So werdet ihr mit Sicherheit eine lange Zeit spielen, da der Rhythmus neuer Inhalte scheinbar nicht enden will.

Ihr passt euren Helden euren Wünschen an.Ihr passt euren Helden euren Wünschen an.

Sollten die Extras mal ausgehen, könnt ihr euch sicher sein, dass schon bald neue Inhalte kommen. Wie Blizzard ankündigte, werden alle zukünftigen Erweiterungen, wie neue Helden, Karten oder Spielmodi komplett kostenlos sein. Auf diese Weise schnürt das kalifornische Studio mit Overwatch ein fantastisches Paket - inklusive dem Gefühl, nur einmal Geld auszugeben und dann fortwährenden Spaß zu bekommen.

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Die Helden in Overwatch

Overwatch ist Spielkunst auf Top-Niveau. Von den Helden bis hin zu den Menüs und den Karten findet ihr alles auf Hochglanz poliert vor. Der Stil erinnert an Filme von Pixar und Dreamworks. Dass das Szenario des Spiels tatsächlich toll als Animations-Film funktionieren würde, zeigen die Netz-Videos, die Blizzard zur Verfügung stellt. Diese zeigen die Geschichten und Motive mancher Charaktere. Zusammen mit digitalen Comics und Biographietexten ist das im Grunde aber alles, was ihr an Handlung zum Spiel bekommt. Doch reicht das?

Es gibt keine Kampagne

Manch einen stört es, dass Overwatch nur aus Mehrspieler-Elementen besteht und auf eine Kampagne und einen Kooperativ-Modus verzichtet. Stimmen werden laut, dass doch gerade solche charmanten Helden, wie ihr sie im Spiel findet, danach schreien, Geschichten mit ihnen in spielerischer Form zu erleben. Allerdings sprechen auch bestimmte Aspekte für die Umsetzung wie sie nun final vorliegt.

Wahl des Spiel-Modus.Wahl des Spiel-Modus.

Overwatch ist äußerst zugänglich und bietet selbst Shooter-Neulingen einen recht angenehmen Einstieg. Gäbe es nun eine Kampagne, würden manche sich eventuell noch nicht einmal an den Mehrspieler-Modus herantrauen und stattdessen nur alleine spielen. Unnötigerweise würde so aus der Idee zum Spiel nur ein Beiwerk.

Ein anderer und vor allem kritischer Aspekt ist der Entwicklungsaufwand. Seit knapp 20 Jahren erscheint mit Overwatch gerade mal die erste neue Marke von Blizzard. Die Herren lassen sich also gerne Zeit. Wer weiß, ob es noch Computer geben würde, wenn sie nun auch noch eine Kampagne programmiert hätten.

Es stellt sich die Frage, was Overwatch sein möchte und wo es bezüglich dessen steht. Es ist ähnlich Team Fortress ein Arena-Shooter mit Fokus auf Helden. Alles im Spiel wurde so fein justiert, dass es den Spielspaß maximiert und die Abwechslung durchgehend hoch bleibt. Eine kluge Entscheidung greift in die nächste und alle ergeben gemeinsam ein gelungenes Bild.

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Tags: DRM   Multiplayer  

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