Test Hero Defense - Haunted Island mit verrückter Idee: Turmverteidigung ohne Türme

von Marcus Heckler (01. Juni 2016)

In der Regel sind Spiele der Kategorie „Tower Defense“ eher statisch. Hero Defense - Haunted Island verzichtet auf Türme und bringt mit seinem Spielkonzept frischen Wind in das Genre. Mit Helden zum Rundensieg.Mit Helden zum Rundensieg.

Helden statt Türme, das ist die Devise von Hero Defense - Haunted Island. Die Verkaufsversion steht mittlerweile auf Steam zum Download bereit, eine mobile Fassung soll voraussichtlich Ende des Jahres folgen. Die Entwickler des Berliner Indie-Studios Happy Tuesday bedienen sich in ihrer etwas anderen „Tower Defense“-Variante bekannter Elemente des Genres, mischen Rollenspielcharaktere unter und würzen das Ganze mit einer dynamischen Spielmechanik. Daraus entstanden ist ein unterhaltsames Taktikspiel, bei dem schnelle Entscheidungen und gute Reaktionen eine wichtige Rolle spielen.

Bei der sogenannten Tower Defense baut ihr in der Regel geschickt Türme entlang eines Weges und haltet damit Welle um Welle von Gegnern auf. So jedenfalls verlaufen traditionelle Spiele des Genres, wie zum Beispiel Defense Grid 2. Normalerweise bleibt euch nach dem Platzieren der Türme nicht mehr zu tun als zuzusehen, ob ihr die richtigen Türme an den richtigen Ort gebaut habt.

Hero Defense verzichtet auf die gewohnten Alleen aus Türmen. Im Mittelpunkt des Spiels stehen fünf skurrile Helden, die ihr auf der Karte per Mausklick von einer Bedrohung zur nächsten jagen. Die allgemeine Spielmechanik ist stark an die klassischen Turmverteidigungen angelehnt. Auch in Hero Defense folgen Wellen von Gegnern einem vorbestimmten Weg. Erreichen die kleinen Widersacher ihren Zielpunkt auf der Karte ist das Spiel verloren. Typisch für das Genre ist auch, dass die Gegner stur ihrem Weg folgen, ohne dabei den Verteidigern Schaden zuzufügen. Austeilen dürfen nur die Helden.

1 von 32

Hero Defense - Haunted Island startet den Kampf gegen das Böse

Besiegte Feinde hinterlassen Gold und kleine blaue Kugeln, Orbs genannt. Beides investiert ihr in die Fähigkeiten eurer Streiter. Die gesammelten Orbs nutzt ihr, um eure Helden im laufenden Spiel zu verbessern, danach verfallen die Vorteile wieder und ihr beginnt die nächste Runde wieder bei Null. Die Goldmünzen tauscht ihr gegen langfristige Aufwertungen. Einen dritten Rohstoff stellen die Diamanten dar, die ihr für besondere Verbesserungen benötigt.

Helden statt Türmen

Mit Armbrust, Scnhauzbart und Ledermantel bewaffnet, geht der Vampirjäger Jack Sanders auf die Jagd nach Graf Nekrosis. Der Vampirfürst terrorisiert mit seinen untoten Horden eine kleine Stadt auf einer namenlosen Insel. Auf seiner Reise über das nebelverhangene Eiland stößt der passionierte Einzelgänger auf den Totengräber Barrows, das Waisenmädchen Sam Hain, die reanimierte Jane Doe und den grimmigen Wylde Halbblut. Jack hängt seine Karriere als Einzelgänger schnell an den Nagel und stellt fest, dass seine neuen Weggefährten nützliche Verbündete abgeben.

Im Mittelpunkt von Hero Defense - Haunted Island stehen die fünf Helden.Im Mittelpunkt von Hero Defense - Haunted Island stehen die fünf Helden.

Jeder der fünf ungewöhnlichen Helden hat einen Grund für den Kampf gegen das Böse. Die Geschichten um die tapferen Streiter entfalten sich im Verlauf der Solo-Kampagne. Die Dialoge zwischen den Charakteren sind auf Englisch vertont und deutsch untertitelt. Der Totengräber und ehemalige Priester Barrows ist beispielsweise auf der Suche nach seiner Frau Eliza, die von Knochenbrecher O'Malley entführt wurde. Der untote Verbrecherboss und seine Untergebenen sind wandelnde Skelette. Als Konsequenz ist Barrows spezialisiert in der Bekämpfung der wandelnden Klappergestelle. Und hier kommt ein wichtiges Element ins Spiel. Den Helden stehen fünf Widersacher und ihre Horden von Gefolgsleuten gegenüber, was jeden Charakter für einen bestimmten Gegnertyp besonders effektiv macht.

Die fünf Gefährten unterscheiden sich in mehr als nur dem Aussehen und ihrer Spezialisierung auf Feindgruppen. Ähnlich wie in einem Rollenspiel, verfügt jeder Held über eigene Stärken, Schwächen und Fähigkeiten. Dabei unterscheidet Hero Defense in Kategorien wie, Schaden, Angriffstempo, Reichweite und Gehtempo. Während Totengräber Barrows eher langsam über die Karte schlurft und bedächtig über eine große Reichweite Weihwasser verteilt, sprintet die untote Rockerbraut Jane Doe über das Spielfeld und drischt mit ihrem Baseball-Schläger auf Gegner ein.

Die Fähigkeiten verbessert ihr mit Hilfe von Talentpunkten, die ihr über Erfahrungspunkte im Verlauf des Spiels verdient. Ein übersichtlicher Talentbaum hilft euch bei der Weiterentwicklung eurer Helden. Im Verlauf des Spiels schaltet ihr auf diese Weise auch spezielle Fähigkeiten frei.

Der Talentbaum gibt euch eine Übersicht über die Fähigkeiten eurer HeldenDer Talentbaum gibt euch eine Übersicht über die Fähigkeiten eurer Helden

Die kleine Sam Hain ("Samhain" ist übrigens die irisch-keltische Bezeichnung für "Halloween") wirft beispielsweise gerne brennende Kürbisse auf ihre Feinde. Mit den richtig eingesetzten Talentpunkten verbessert ihr die feurigen Wurfgeschosse, so dass sie ihre Ziele in Brand stecken, den Explosionsradius erhöhen oder Feinde verfluchen, was euch mehr Gold einbringt. In den Spielrunden kombiniert ihr die Fähigkeiten eurer Helden und macht sie so zu einer schlagkräftigen Truppe. Das ist auch notwendig, denn die Gegner haben einige Tricks im Ärmel.

Temporeiche Ungeheuerjagd vor einseitiger Kulisse

Die Insel von Hero Defense ist in 14 Spielregionen sowie das Stadtgebiet unterteilt. Die Schauplätze bieten rein optisch wenig Abwechslung. Die Insel ist von einer mal mehr, mal weniger bewaldeten Grünfläche bewachsen, die von Nebelschwaden durchzogen ist.

Über das Spielfeld ziehen sich verschlunge Pfade, die ihr mit euren Helden verteidigt.Über das Spielfeld ziehen sich verschlunge Pfade, die ihr mit euren Helden verteidigt.

Dabei eröffnen die Regionen vom Namen her Möglichkeiten zu abwechslungsreichen Spielfeldern. Trotzdem führen die Minen eure Helden nicht unter Tage und das Gebiet Sessellift verzichtet auf eine Schneelandschaft. Erst spät in der Kampagne, wenn ihr euch dem Schloss des Grafen nähert, ändert sich die Umgebung merklich und Wald und Wiesen weichen finsteren Gemäuern.

Dafür bieten die Regionen taktische Vielfalt und eigene Herausforderungen durch den Aufbau der Spielfelder und die Gegnerhorden. Wie schon erwähnt gibt es fünf verschiedene Kreaturentypen: Vampire, Skelette, Zombies, Werwölfe und Igors. Letztere sind am besten mit Frankensteins Kreatur vergleichbar. Die Widersacher greifen auf eine Auswahl an Spezialfähigkeiten zurück, die ihnen etwas mehr Biss verleihen. Vampire sind beispielsweise nicht gleich Vampire. Manche Gruppen von Blutsaugern tragen zusätzliche Panzerung, heilen mit der Zeit Lebensenergie oder sprinten eine kurze Strecke, wenn sie Schaden erleiden. Richtig anstrengend wird es wenn eure Gegner mehrere Fähigkeiten gleichzeitig besitzen.

Um den Schwierigkeitsgrad weiter zu erhöhen, schlängeln sich meist zwei bis drei Pfade durch die Landschaft, über die sich eure Gegner ihren Weg zum Ziel bahnen. Eure Helden sind dadurch die meiste Zeit damit beschäftigt von einer Position zur Nächsten zu eilen, was dem Spiel Tempo verleiht. Behaltet ihr nicht jederzeit die einzelnen Marschroute im Blick, wandern die Untoten und Werwölfe ungehindert ihrem Ziel entgegen. Zur Unterstützung eurer Helden, stehen an stratgisch wichtigen Punkten Schreine, die beispielsweise den Schaden des Charakters erhöhen, der den Schrein besetzt. Ist euch der Ansturm der Gegner zu viel baut ihr einfach weitere Schreine an festgelegten Punkten auf der Karte. Für den Bau benötigt ihr allerdings Diamanten, die ihr nur selten im Spiel bekommt.

Eine Übersicht zeigt euch die Stärken und Schwächen der Gegner.Eine Übersicht zeigt euch die Stärken und Schwächen der Gegner.

Die Spielregionen spielt ihr schrittweise in vier Schwierigkeitsgraden durch. Zusätzlich steht es euch frei besondere Herausforderungen anzunehmen, bei denen ihr etwa eine Karte nur mit einem Helden bestreitet. Damit erhöht ihr den Schwierigkeitsgrad weiter, bekommt jedoch eine Belohnung in Form von Gold und anderen Vorteilen in Aussicht gestellt.

Die vier Gebäude der Stadt

Zwischen den einzelnen Spielrunden lädt die Stadt zu einer Verschnaufpause ein. Hier plant ihr eure nächsten Schritte und rüstet eure Helden für zukünftige Kämpfe aus. Zu Beginn der Einzelspielerkampagne liegt der beschauliche Ort allerdings in Schutt und Asche. Den Wiederaufbau des Küstenstädchens finanziert ihr mit dem in den Kämpfen verdienten Gold.

In der Stadt rüstet ihr eure Helden aus und bereitet euch auf den nächsten Kampf vor.In der Stadt rüstet ihr eure Helden aus und bereitet euch auf den nächsten Kampf vor.

Vier Gebäude gilt es erst wiederzuerrichten und dann auszubauen. Die Maßnahme lohnt sich. So ermöglicht euch die Akademie beispielweise erst den Zugriff auf die Talente der Helden. Ein Aufrüsten der Lehranstalt bringt zudem einen Bonus von 20 Prozent pro Gebäudeverbesserung auf die aus Kämpfen gewonnenen Erfahrungspunkte. Zusammen mit der Akademie dient die Schmiede eurer langfristigen Planung. Während ihr in der Akademie an eurem Talentbaum feilt, rüstet ihr in der Schmiede die Waffen eurer Helden mit Runen aus. Die verbessern die Kampfwerte eurer Charaktere oder erhöhen die Chancen auf mehr Gold oder Orbs durch besiegte Gegner.

Die Reihenfolge, in der ihr die Runensteine auf die Sockel eurer Waffen verteilt, spielt dabei eine wichtige Rolle. Jeder Stein wird im Spiel erst durch den Einsatz von Orbs nacheinander freigeschaltet. Eine geschickte Verteilung der Runen auf die Waffen eurer Helden beeinflusst damit den Verlauf der einzelnen Spielrunden.

Die Runen kauft ihr entweder in der Schmiede oder verdient sie durch gewonnene Spiele. Die Mystischen Symbole erhaltet ihr in fünf Stärkestufen. Mit der Schmiedefähigkeit Verschmelzen wertet ihr Runen gleichen Typs auf. Vier Runen der ersten Stufe verschmelzen zu einer Rune der Stufe zwei. Jede weitere Stufe kostet zwei Runen mehr. Das Runensystem erinnert etwas an die Funktionen der Edelsteine für Waffensockel aus Diablo 3, wenn auch in einer viel einfacheren Form.

In der Schmiede sammelt und verbessert ihr Runen, die ihr in eure Waffen setzt.In der Schmiede sammelt und verbessert ihr Runen, die ihr in eure Waffen setzt.

Die beiden übrigen Gebäude sind weniger bedeutend für die Entwicklung eurer Strategien. In der Bank tauscht ihr Gold gegen Diamanten ein und im Rathaus befinden sich die Archive, in denen ihr einen Überblick sowie Hintergrundinformationen zu Helden, Schurken und den Schreinen erhaltet.

Mehrspielermodus mit Hindernissen

Je nachdem wie gut ihr spielt, stellt ihr nach etwa acht bis zehn Stunden Graf Nekrosis zum finalen Kampf. Danach warten die Regionen noch in höheren Schwierigkeitsgraden auf euch und das Endlosspiel, in dem ihr gegen 999 Gegnerwellen antretet. Oder ihr versucht euer Glück im Mehrspielermodus.

Im Mehrspieler-Modus macht ihr euch mit Bestrafungen gegenseitig das Leben schwer.Im Mehrspieler-Modus macht ihr euch mit Bestrafungen gegenseitig das Leben schwer.

Die Stadt ist auch im Mehrspielermodus zu finden und euer erster Anlaufpunkt. Wie im Einzelspiel verteilt ihr Runen und Talentpunkte unter den Helden, baut Stadtgebäude aus und bereitet euch auf den Wettkampf mit anderen Spielern vor. Was direkt auffällt ist, dass ihr nirgends eine Option oder einen Menüpunkt findet, der euch ermöglicht Freunde oder andere Spieler zu einer Partie einzuladen.

Stattdessen bleibt euch nichts anderes übrig als zu warten, bis euch das Spiel einen menschlichen Gegner zuordnet, der in etwa eurem Spielerrang entspricht. Das wirkt arg unflexibel und nimmt euch die Möglichkeit einfach mal spontan mit Freunden eine Runde zu spielen. Nach mehr oder weniger langem Warten landet ihr mit eurem zufällig gewählten Spieler in einem Wartebildschirm, der euch etwa zehn Sekunden Zeit lässt das Spiel anzunehmen oder zu verlassen.

Die Karte wählt ihr übrigens auch nicht selbst, das Spiel teilt euch ein Spielfeld zu. Die Arena besteht im Grunde aus zwei gespiegelten Spielfeldern auf denen ihr getrennt von eurem Mitspieler Wellen von Gegnern bekämpft. Der eigentliche Wettstreit ist ein Kampf um Reaktionsvermögen und gutes Timing. Beendet ihr eine Welle vor eurem Gegner, wählt ihr eine von drei Bestrafungen. Zur Wahl stehen drei zufällig erstellte Gegnertypen, welche die aktuelle Welle eures Gegenspielers unterstützen. Seid ihr hingegen zu langsam, bestraft euch euer Gegner.

Abgesehen von den Bestrafungen gibt es wenig Berührungspunkte mit euren Gegenspielern. Zwei kleine Fähnchen zeigen, wer gerade die Nase vorn hat. Haltet ihr den Wellen länger stand als euer Gegner, gewinnt ihr das Spiel. Zur Belohnung gibt es Gold, Diamenten und Runen. Außerdem belohnt euch das Spiel mit Rangpunkten, die den Fortschritt eurer Mehrspielerkarriere anzeigen. Der Startbildschirm von Hero Defense - Haunted Island verspricht in Zukunft weitere Mehrspielerveranstaltungen und -kampagnen. Es bleibt zu hoffen, dass auf diese Weise etwas mehr Abwechslung und Entscheidungsfreiheit ins Spiel kommt.

Weiter mit:

Inhalt

Tags: Indie   Multiplayer   Singleplayer   Steam  

Kommentare anzeigen

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Mit Resident Evil 7 - Biohazard will Capcom den Begriff Horror für Spiele neu definieren. Auch für die (...) mehr

Weitere Artikel

Letzte Inhalte zum Spiel

Ausprobiert: Mit dem Nacon PS4 Revolution Pro Controller erscheint ein Luxus-Pad für PS4

Ausprobiert: Mit dem Nacon PS4 Revolution Pro Controller erscheint ein Luxus-Pad für PS4

Nacon bringt in den nächsten Tagen für die PlayStation 4 den Revolution Pro Controller für 110 Euro auf (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Hero Defense - Haunted Island (Übersicht)