Vorschau Gran Turismo Sport: Auf PS4 wagt Sony die Neuausrichtung auf Online-Motorsport

von Thomas Stuchlik (02. Juni 2016)

Sony erfolgreichste Rennserie biegt endlich in Richtung PlayStation 4 ab: Doch die neueste Episode von Gran Turismo ist nicht Teil 7, sondern ein Ableger, der sich voll auf Motorsport fokussiert.

Ein Spätankömmling erreicht endlich die PS4: Nachdem die Konkurrenz bereits zahlreiche Kilometer auf aktueller Hardware abspult, lässt sich diese Rennserie wieder Zeit. Denn Verspätungen gehören fast schon zur Tradition der Reihe. Umso schöner ist der Rahmen, in dem sich die Deutschlandpremiere von Gran Turismo Sport abspielt.

Passend zum 24-Stunden-Rennen am legendären Nürburgring zeigt Serienvater Kazunori Yamauchi sein neues Produkt. Natürlich lässt er es sich nicht nehmen, wie gewohnt auch am realen Rennen teilzunehmen. Ein Rennen, das dieses Jahr mit Platzregen, Hagel, dreistündigem Rennabbruch, knappem Sieg und massig Ausfällen aufwartete. Rennfanatiker Yamauchi errang immerhin Platz 22. Der vormalige GT-Academy-Absolvent Lucas Ordonez landete übrigens auf Platz 11.

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Rennflair in Gran Turismo Sport

Derartige Renn-Überraschungen sind im neuesten Gran Turismo jedoch Mangelware. Denn laut Machern gibt es weder dynamisches Wetter noch wechselnde Tageszeiten. Und dennoch finden sich interessante Neuerungen, um Anhänger wie Neulinge neugierig zu machen. Auch wenn es sich nicht um Gran Turismo 7 handelt, das Kenner mit gigantischem Aufwand erwarten. Die Stärken von GT Sport liegen vielmehr in Sachen Online-Rennen und Esport.

Weltmeisterlich hinterm Lenkrad

Den Kern des Spiel bildet der "Sport Mode", in dem ihr Online-Rennen bestreitet. Dieser unterteilt sich in zwei Cups für Nationen und für Hersteller. Ihr könnt also gleichermaßen für euer Land wie für eure Lieblingsmarke an den Start gehen.

Online trefft ihr euch in verschiedenen Ligen und fahrt gegeneinander.Online trefft ihr euch in verschiedenen Ligen und fahrt gegeneinander.

Damit alles so echt wie möglich abläuft, arbeitet der Entwickler Polyphony Digital mit dem Automobil-Verband FIA zusammen. So tretet ihr in einzelnen Divisionen nach Alter und Zeitregionen an, in denen monatliche Gewinner ermittelt werden. Ziel ist es, dass Fahrer desselben Niveaus gegeneinander rasen. Letztlich treten diese zu nationalen und internationalen Ausscheidungen an, damit schließlich ein Weltmeister gekürt wird. Wie im Esports-Sektor üblich werden die höchst dotierten Wettbewerbe live übertragen und kommentiert. Bereits die Weltpremiere in London einige Tage zuvor lieferte einen ersten Eindruck, wie das Ganze aussehen soll.

Das Spiel verfügt über einen Rennkalender, der kommende Veranstaltungen ankündigt. Außerdem soll es möglich sein, eine echte Rennlizenz nur durchs virtuelle Fahren zu erringen. Jedoch sind bisher nur wenige Länder dafür zugelassen - Deutschland ist bisher nicht dabei. Für Fairness in den Online-Fahrten sollen virtuelle Rennstuarts sorgen, die Punktabzüge bei Blechkontakt vergeben. Weitere Blessuren müsst ihr nicht fürchten, denn bisher gibt es noch kein Schadensmodell im Spiel.

Ritt im Grenzbereich

Das erste Probespiel am Nürburgring offenbart viele Stärken wie auch einige Schwächen in GT Sport. Das vor Ort genutzte Lenkrad (in diesem Falle ein Thrustmaster T300 RS) vermittelt dabei ein überzeugendes Fahrgefühl.

Das Fahrverhalten wirkt ausgefeilter, jedoch etwas gutmütiger im Grenzbereich.Das Fahrverhalten wirkt ausgefeilter, jedoch etwas gutmütiger im Grenzbereich.

Es scheint als wäre das Fahrverhalten im Vergleich zum Vorgänger Gran Turismo 6 deutlich überarbeitet worden. Vor allem die Reifensimulation wirkt weitaus nachvollziehbarer, fast schon wie beim Realitätsprofi Assetto Corsa. Ihr bemerkt genau, wann der eigene Wagen zu rutschen beginnt und könnt entsprechend kontern. Gerade in der unruhigen Nordschleife merkt ihr Bodenwellen und Curbs am Streckenrand deutlich.

Auch die weiteren angespielten Kurse wie Brands Hatch und Willow Springs sind klasse befahrbar. Insgesamt 19 Kurse inklusive Schotter-Pisten für Rallye-Ausflüge sollen im fertigen Spiel dabei sein. Jedoch richtet sich GT Sport auch an Einsteiger, die das Rennfahren erst erlernen wollen. Deshalb wird das Fahrmodell vielleicht nicht ganz so knallhart auf Realismus getrimmt. Ebenso kommen zahlreiche Tutorials ins Spiel, um das gekonnte Rasen sowie jede der Rennstrecken zu lernen.

Schwankende Qualitäten

Jedoch ist die Optik noch verbesserungswürdig. Die Umgebung flimmert teilweise, was sicherlich auch an der frühen Version liegt. Fragwürdiger sind vielmehr die teils minderwertigen Details am Wegesrand. Schade auch, dass ihr (wie anfangs erwähnt) nur durch statische Umgebungen rast. Ihr bewundert somit keine schönen Sonnenuntergänge oder Regenbrüche.

Optisch wirkt GT Sport wie ein aufgepeppter Klon von Gran Turismo 6. Zumindest ist die volle HD-Auflösung mitsamt guter Kantenglättung bei 60 Bildern pro Sekunde an Bord. Laut Entwickler erreicht die bisherige Bildqualität erst 50 Prozent des fertigen Produkts, was auch immer das heißen mag. Der Motorensound dagegen gehört weiterhin zu den Problemkindern der Serie. Konkurrenten wie Project Cars liefern einfach eine weit wuchtigere und dynamischere Tonkulisse.

Erst im Foto-Modus zeigt GT Sport wie gut Rennsport aussehen kann.Erst im Foto-Modus zeigt GT Sport wie gut Rennsport aussehen kann.

Im Foto-Modus "Scapes" dagegen gibt es nichts an der Grafik auszusetzen. Hier platziert ihr beliebig eure Wagen in vorgegebene Foto-Hintergründe. Über 1.000 Szenarien von Los Angeles über Monument Valley bis zur Innenstadt Tokios stehen zur Auswahl. Wohlgemerkt sind das keine echten 3D-Hintergründe, sondern Foto-Tapeten, in die sich die 3D-Wagenmodelle perfekt einfügen. Dabei bestimmt ihr Belichtung, Blende, Fokus oder Bewegungsunschärfe, um euer Foto in hochgerechneter 4K-Auflösung auszugeben.

Im Alleingang

Übrigens seit ihr nicht nur auf Online-Rennen beschränkt, denn im Arcade-Modus tretet ihr solo gegen bis zu 19 andere Computerfahrer an. Allerdings ist der bisher bekannte Karriere-Modus nicht mehr an Bord. Stattdessen erwarten euch verschiedenste Einführungen und Fahrmissionen.

In GT Sport gibt es viele Fahrprüfungen, aber kein gewohnter Karriere-Modus.In GT Sport gibt es viele Fahrprüfungen, aber kein gewohnter Karriere-Modus.

Ebenso neu ist der Menüpunkt "Brand Central": Dieser dient als Präsentationsplattform für verschiedene Autohersteller und ihre Modelle. Hier erwerbt ihr eines der 137 Fahrzeuge und begutachtet offizielle Videos der Marken. Ebenso findet das "Museum" wieder Einzug, das bereits in Gran Turismo 5 vorhanden war. Hier informieren Kärtchen mit Bild und Text über Meilensteine der Automobilgeschichte.

Die Auto-Klassen unterteilen sich in fünf Renn-Gruppen. Diese reichen vom normalen Straßenwagen über GT3- und GT4-Vehikel bis zu LMP1-Geschossen. Dabei kommen gleichermaßen echte Modelle bekannter Marken ins Spiel wie fiktive Konzept-Wagen. Inzwischen Standard: Jedes Modell verfügt auch über ein komplettes Cockpit.

Schön, dass ihr mit dem Lack-Editor endlich auch eigene Designs auf euren Wagen zaubern könnt - ganz wie schon in Forza Motorsport oder Need for Speed. In der Präsentation spricht Yamauchi dabei auch von "Super Premium"-Wagen. Inwiefern es wie in den Vorgängern auch Premium- und Standard-Fahrzeuge gibt, bleibt offen. Kurzum schweben noch einige Fragezeichen über dem Spielsystem und der Fahrphysik, denn laut Entwicklerchef wird vieles noch verbessert. Hoffentlich schaffen die Macher ihre geplanten Verbesserungen auch bis zum Herbst.

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Tags: E-Sport   Multiplayer   Entwicklerbesuch  

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