Test One Piece - Burning Blood: Piratenstarke Klopperei

von Thomas Nickel (03. Juni 2016)

Ruffy, Nami, Chopper und der ganze Rest der Strohhutbande schwingen wieder die Fäuste. Wilde Massenschlägereien stehen dieses Mal allerdings nicht auf dem Programm ...

Seit Ruffy D. Monkey vor mittlerweile fast 19 Jahren das erste Mal die Gummiarme schwang, da war ziemlich klar, dass der fröhliche Anwärter auf den Thron des Piratenkönigs auch in einem Videospiel eine ziemlich gute Figur abgeben dürfte. Waren erste Anläufe wie das Gekloppe One Piece - Grand Battle auf der ersten PlayStation noch von einer ausgeprägten Mittelmäßigkeit, konnten sich die Strohhutpiraten und ihre vielen bunten Gegenspieler spätestens mit dem Mega-Erfolg One Piece - Pirate Warriors und dessen Nachfolgern beweisen.

In ihrem neuesten Auftritt lässt die wilde Truppe aber das Genre der Massenschlägereien hinter sich und kehrt ein klein wenig zu den ersten Videospiel-Gehversuchen zurück: In One Piece - Burning Blood steht das klassische Arena-Duell im Mittelpunkt. Das zeigte sich schon bei der Ankündigung von Burning Blood in Japan. Alleine oder im Team legen sich Helden und Schurken der "One Piece"-Welt miteinander an um herauszufinden, wer denn nun wirklich die Hosen anhat.

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Impressionen aus One Piece - Burning Blood

Mit freier Bewegung im Raum, flottem Charakterwechsel, spektakulären Spezialangriffen und einer furiosen Inszenierung wirkt One Piece - Burning Blood wie der feuchte Traum eines jeden Anhängers der klassischen Anime-Kampfkunst. Die Bewegungen sind überzeichnet, jeder Treffer fühlt sich satt und wuchtig an und gegen die aufs herrlichste übertriebene Action der "One Piece"-Kämpfe wirken "normale" Kampfspiele wie Tekken 6 oder Street Fighter 5 schon geradezu beschaulich!

Faust-Schere-Papier

Die Basis des Kampfsystems ist der genretypische Dreisatz. Normale Kombo-Attacken sind effektiv gegen starke Angriffe, die ihrerseits wiederum die Deckung durchbrechen, mit der man sich am effektivsten gegen die normalen Schlagkombos wert. So weit, so einfach. Aber natürlich ist das Gesamtpaket um einiges komplexer. Defensive Aktionen werden mit dem richtigen Reaktionsvermögen effektiver, aus dem Block könnt ihr auch schnell zur Seite treten, weniger offensiv agierende Gegner werden mit schweren deckungsbrechenden Manövern beharkt und natürlich nehmen auch Spezialattacken und wilde Angriffe aus der Luft eine zentrale Rolle im Kampf ein. Und von der Wirkung der Logia-Teufelsfrüchte und der Haku-Angriffe fangen wir gar nicht erst an ...

Ruffy und Ace geben ein gutes Team ab.Ruffy und Ace geben ein gutes Team ab.

Ihr tretet auch nur in Ausnahmefällen alleine an, normalerweise kämpfen hier drei gegen drei Figuren. Die Kämpfe werden dabei nicht einfach auf einer 2D-Ebene ausgetragen, sondern in großen, frei begehbaren Arenen. Kommt euch das ein wenig bekannt vor? Dann habt ihr sicherlich schon die große Anime-Prügelei J-Stars Victory VS + gespielt. Und die scheint auch die Grundlage für One Piece - Burning Blood gewesen zu sein. Zwar ist die Piratenklopperei wilder, schneller und weitaus besser inszeniert, aber die spielerischen Grundlagen sind bei beiden Spielen sehr ähnlich.

Der generelle Fokus ist hier ein anderer als bei turniertauglichen Kampfspielen wie Virtua Fighter oder BlazBlue. Die Figuren sind weniger sorgfältig ausbalanciert und manch ein Kämpfer ist tatsächlich wesentlich effektiver als seine Kollegen. Auch der virtuelle Kameramann ist eher um spektakuläre Ansichten, als um Übersicht bemüht: Die Kamera sitzt meist leicht versetzt hinter eurer Figur. Das sieht toll aus, führt aber gerade bei großen Kämpfern wie Whitebeard, Jozu oder Jinbe auch gerne mal dazu, dass der Gegner fast vollständig verdeckt wird.

Aber das sollte man dem Spiel auch nicht vorhalten, ist sein primäres Anliegen doch die mitreißende Reproduktion der gezeichneten Vorlage. Und das macht One Piece - Burning Blood wirklich hervorragend. Die Attacken haben richtig Bumms, es fühlt sich einfach gut an, wenn eure Treffer einschlagen und wenn ein besiegter Gegner quer durch die halbe Arena schliddert, dann fühlt sich das noch dazu enorm befriedigend an. Keine Frage, in Sachen Spektakel ist One Piece - Burning Blood eine Klasse für sich.

Die glorreichen 44

Die Figurenauswahl kann sich wieder einmal sehen lassen; 44 Kämpfer sind hier mit von der Partie. Darunter natürlich Ruffy, Zoro, Nami, Chopper, Sanji, Franky und der ganze Rest der Strohhut-Bande. Aber das ist natürlich bei weitem nicht alles; auch Figuren wie Boa Hancock, Kuzan, X-Drake, Sabo, Ace, Enel, Sir Crocodile, Marco, Bartholomäus Bär und Vizeadmiral Smoker sind mit von der Partie - eigentlich sollte jeder One-Piece-Kenner hier seine Lieblingsfigur finden.

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One Piece - Burning Blood: Alle spielbaren Charaktere

Und sollte ausgerechnet euer Liebling nicht unter den spielbaren Recken und Reckinnen sein, dann werft einfach einen Blick auf die Unterstützungsfiguren - die sind sogar noch zahlreicher als die eigentlichen Kämpfer und greifen euch auf Knopfdruck im Kampf unter die Arme. Unterstützung könnt ihr ohnehin gebrauchen - egal, ob ihr online oder auf der Couch gegen menschliche Mitspieler antretet, oder euch an die Geschichte wagt. Und daran wagen solltet ihr euch auf jeden Fall, wird hier doch ein Großteil der spielbaren Figuren freigeschaltet. Allerdings könnt ihr das auch über erspieltes Geld tun, ihr müsst also nicht erst vier Stunden lang der Handlung folgen, bis endlich eure Lieblingsfigur zur Verfügung steht.

Hier überrascht One Piece - Burning Blood: Der Story-Modus behandelt ausschließlich die dramatische Marineford-Geschichte um Ruffys Bruder Ace - und das auch gleich aus vier Perspektiven. Ihr folgt der Handlung Kampf für Kampf, erledigt auch manch eine optionale Nebenmission und erlebt das ganze Drama dieses Kapitels noch einmal. Allerdings freut das dann vor allem Kenner der Materie. Wer One Piece nicht wirklich gut kennt, wer mit den Zusammenhängen nicht vertraut ist oder schlicht und ergreifend die etwa 500 TV-Folgen vor der Marineford-Story nicht gesehen hat, der wird nichts verstehen.

Nami haut nicht nur kräftig drauf, sie bringt auch ordentlich Sex-Appeal ins Spiel.Nami haut nicht nur kräftig drauf, sie bringt auch ordentlich Sex-Appeal ins Spiel.

Erläuterungen und Erklärungen sind hier Fehlanzeige. Die Geschichte beginnt ohne eine nennenswerte Einführung - Kenner mag das nicht stören, aber Spieler ohne entsprechende Vorkenntnisse werden leider so überhaupt nicht abgeholt, und das ist eine durchaus bedauernswerte Sache. Klar, niemand verlangt, dass diese Spiele-Umsetzung schon wieder die Geschichte ganz von Anfang an erzählt, aber ein wenig hätte man schon an die Neulinge denken können.

Online-Hauereien

Habt ihr euch warmgeprügelt und die Systeme verinnerlicht, wird es Zeit für den Kampf gegen menschliche Gegenspieler. Natürlich dürft ihr direkt gemeinsam auf der Couch die Fäuste schwingen, aber auch für Online-Kämpfer wird so einiges geboten. Zum einen tretet ihr einfach gegen andere Spieler an - je nach Präferenz mit oder ohne Ranglisten. Oder aber, ihr schließt euch einer Piratenfraktion an und kämpft um Gebiete. Man darf gespannt sein, wie dieser Modus bei den Spielern ankommt!

Whitebeard und sein Rivale Blackbeard treffen sich in der Arena.Whitebeard und sein Rivale Blackbeard treffen sich in der Arena.

Kein Zweifel herrscht dagegen über die optischen und akustischen Qualitäten von One Piece - Burning Blood. Kurz gesagt: Die Kämpfe sehen einfach fantastisch aus. Die Animationen sind wuchtig und die Figuren strotzen trotz Animestil nur so vor Details: Ein schicker Schraffur-Effekt gibt dem Spiel sein ganz eigenes Aussehen irgendwo zwischen der TV-Serie und Eiichiro Odas Manga-Vorbild. Auch die Effekte und Hintergründe punkten: Es kracht, es blitzt, Explosionen erschüttern den Bildschirm und im Hintergrund seht ihr die jubelnden Piratenmassen, die eurem wilden Treiben ungläubig folgen.

Akustisch setzt One Piece - Burning Blood auf den japanischen Originalton. Klar, eine Synchronisation mit den Sprechern der Serie wäre schön gewesen, aber sind wir mal ehrlich: niemand schreit so herrlich emotional und ausdrucksstark wie die japanischen Originalstimmen. Ihr seht also, One Piece - Burning Blood ist ein großer, knallbunter und ziemlich wilder Prügel-Cocktail für eingefleischte One-Pieceologen. Wer mit Ruffys Abenteuern nicht so vertraut ist, der wird hier sicher auch seinen Spaß haben, aber vor dem Prügelgenuss wäre der Konsum von Manga oder Anime durchaus angeraten.

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