Vorschau E3 2016 Deus Ex - Mankind Divided: Square Enix malt ein düsteres Gemälde

von Micky Auer (12. Juni 2016)

Fünf Jahre sind seit dem letzten Einsatz von Adam Jensen vergangen. Jetzt kehrt der augmentierte Held in Deus Ex - Mankind Divided in eine Zukunft zurück, in der Mensch nicht mehr gleich Mensch ist.

Die Zukunft: Dank fortschreitender Technik ist es möglich, menschliche Körperteile durch kybernetische Implantate und Prothesen zu ersetzen. Augen, die Fotos schießen, so gut wie nie ermüdende Beine, kräftige Arme, verbesserte Sinneswahrnehmungen - nichts scheint unmöglich zu sein. Was ursprünglich eine Möglichkeit für Menschen mit Amputationen oder Behinderung gedacht war, wird schon bald zum Lifestyle-Trend und findet den Einzug in die Gesellschaft, ähnlich wie kosmetische Operationen. Nur in noch größerem Umfang.

Was aber passiert, wenn die technischen Teile aufgrund des ständigen Bedarfs von Verbesserungen über eine Online-Anbindung vefügen und somit Opfer eines gezielten Hacker-Angriffs werden? Was, wenn sich Menschen körperlich verbessern, um diese Überlegenheit für kriminelle Aktionen einzusetzen? Wie reagiert die nichtaugmentierte Bevölkerung auf die potenzielle Bedrohung, die plötzlich von augmentierten Freunden, Nachbarn oder gar Familienmitgliedern und Partnern ausgehen könnte?

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Deus Ex - Mankind Divided

Diese Fragen und die möglichen Antworten darauf bilden die Ausgangsbasis für Deus Ex - Mankind Divided. Hersteller Square Enix und die Entwickler von Eidos Montreal führen ihre dystopische Zukunftsvision einer von Konzernen beherrschten Gesellschaft weiter und verknüpfen die Erzählung mit Geschehnissen, die in der realen Welt eine traurige Kerbe in der Geschichte der Menschheit hinterlassen haben. Seit unserem Studiobesuch bei den Machern von Deus Ex - Mankind Divided und dem dazugehörigen Video ist Einiges passiert.

Einen Vorgeschmack auf die wenig freudvolle und nicht mehr allzu ferne fiktive Zukunft durften wir für euch beim Anspielen in London einholen. Der Probeeinsatz führt ins exotische Dubai, wo sich Adam durch ein noch im Bau befindliches Luxus-Hotel schleicht, hackt und mitunter auch schießt.

Die mechanische Apartheit

Kleine Rückblende: Am Ende von Deus Ex - Human Revolution erlitten augmentierte Menschen auf der ganzen Welt extreme psychotische Wahnvorstellungen. Viele verloren die Kontrolle über sich selbst und griffen ihre Mitmenschen an. Dies führte zum gewaltsamen Tod von Millionen von Menschen, Hunderttausende wurden verletzt oder verstümmelt. Zwei Jahre später, im Jahr 2029, hat sich die Gesellschaft noch nicht von den grauenvollen Vorfällen erholt. Der Hass auf augmentierte Menschen ist noch frisch. Und mittendrin steht ihr als Adam Jensen, dessen Körper über mehr mechanische Bestandteile als natürlich gewachsene verfügt.

Augmentierte Menschen werden mit Argwohn betrachtet und sehen sich oft Feindseligkeiten ausgesetzt.Augmentierte Menschen werden mit Argwohn betrachtet und sehen sich oft Feindseligkeiten ausgesetzt.

Mankind Divided wirkt ein ganzes Stück düsterer und bedrohlicher auf den Spieler, als das von stromlinienförmiger Design-Eleganz gezeichnete Human Revolution. Die "menschliche Revolution" mündet in eine "geteilte Menschheit", wie die Untertitel der beiden Spiele unmissverständlich vermitteln. Ausgangspunkt ist eine Debatte der Vereinten Nationen. Ziel der Gespräche ist der Beschluss extremer Maßnahmen gegen die Spannungen nach dem schrecklichen Vorfall. Augmentierungen, die zu viel Stärke und Macht verleihen, sollen abgeschwächt oder gänzlich entfernt werden. Wer sich dagegen wehrt, landet per Gesetzesbeschluss im Konzentrationslager. Es entsteht die mechanische Apartheid, in der Menschen mit technischen Verbesserungen als Gefahr gelten und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Die zentrale Figur des Abenteuers, Adam Jensen, ist nicht mehr der Mann, der er einst war. Sein Versuch die Welt zu retten hat diese nur noch weiter gespalten. Er ist nun ein Mitglied der Task Force 29, eine Anti-Terror-Einheit, die weltweit agiert. Auf den ersten Blick ist es Jensens Aufgabe, Terroristen zur Strecke zu bringen. Das Ziel, das er aber tatsächlich verfolgt, ist ein gänzlich anderes: Er möchte die Personen zur Strecke bringen, die für all den Schlamassel verantwortlich sind. Die Leute, die immer noch unbescholten an der Macht sind und im Geheimen die Fäden in der Hand halten. Jensen sucht nach Antworten und ist geradezu besessen davon, die Welt wieder zu dem Ort zu machen, der sie sein sollte. Nicht unbedeutend ist dabei seine Suche nach Vergebung für sein unabsichtliches Mitwirken an der Katastrophe.

Dieses Video zu Deus Ex - Mankind Divided schon gesehen?

Ursache und Wirkung

Wie bereits im Vorgänger besteht der Spielablauf aus Action-Sequenzen, die allerdings eher darauf bauen, Augmentierungen einzusetzen als sich per Waffengewalt den Weg zum Ziel zu bahnen. Die Möglichkeit besteht zwar, jedoch merkt ihr schon nach wenigen Schritten, dass dies nur der letzte Ausweg sein sollte. Das Spiel will, dass ihr schleicht und im Geheimen agiert und nicht in Rambo-Manier alles und jeden niedermäht. Dieses Prinzip wurde bereits im Vorgänger angewendet. Bis auf Boss-Kämpfe war es schon da möglich, das gesamte Spiel samt Nebenmissionen durchzuspielen, ohne auch nur ein virtuelles Lebenslicht auszublasen.

Selbstverständlich befinden sich in eurem Arsenal durchschlagkräftige High-Tech-Waffen.Selbstverständlich befinden sich in eurem Arsenal durchschlagkräftige High-Tech-Waffen.

Dabei werdet ihr ständig besser, denn ihr erhaltet verbesserte Augmentierungen, neue Fähigkeiten und allerlei technische Helfer, die euch auch in den schwierigsten Situationen aus der Patsche helfen sollen. Bei der Wahl von "Upgrades" solltet ihr aber mit Bedacht vorgehen. Denn ihr könnt Adam in verschiedene Richtungen entwickeln, die jeweils einen bestimmten Spielstil unterstützen. Ihr wollt trotz aller Heimlichkeit lieber doch den brachialen Weg wählen? Dann nützen euch verbesserte Hacker-Fähigkeiten, mit denen ihr zum Beispiel Überwachungskameras ausschaltet, recht wenig.

Apropos Rollenspiel: Square Enix verspricht, dass die Entscheidungen, die ihr im Verlauf des Spiels trefft, direkte Auswirkungen auf den Ausgang der Geschichte haben sollen. Wie sich das gestalten soll, kann aufgrund der gespielten Demo nicht gesagt werden. Ob euch gänzlich andere Szenarien erwarten, die Erzählung eine überraschende Wendung aufgrund eurer Entscheidungen nimmt oder ihr auf neue Feinde und Verbündete trefft, ist noch fraglich. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht bloß eine PR-Parole ist, die letzten Endes ein rotes, ein grünes und ein blaues Ende beschreibt. (Wer die "Mass Effect"-Trilogie gespielt hat, weiß, wovon hier die Rede ist.)

Auf jeden Fall äußern die Entwickler, dass eure Aktionen und Entscheidungen ein bedeutungsvolle Konsequenzen nach sich ziehen werden. Vor allem dann, wenn ihr euch Augmentierungen auf dem neu hinzugekommenen Schwarzmarkt besorgt. Die sollen euch Fähigkeiten verleihen, die ihr auf legalem Weg nicht bekommen könnt. Nun, wir werden uns an diese Worte erinnern, sobald wir das fertige Spiel auf Herz und Nieren geprüft haben.

Deus Ex 2.0

Im Jahr 2016 darf der geneigte Spieler schon erwarten, dass ein Spiel in der Größenordnung von Deus Ex - Mankind Divided auch zeitgemäß aussieht und all die hübschen Grafik-Effekte auf den Bildschirm zaubert, zu denen die aktuelle Konsolengeneration und PCs fähig sind. Wie aber erledigt man als Entwickler diesen Schritt, ohne das Risiko einzugehen, ein vollkommen neues Universum zu erschaffen, das von Kennern des Vorgängers nicht mehr erkannt wird?

In Sachen optischer Gestaltung entfernt sich das Spiel von seinem etablierten Auftritt in Schwarz und Gold ein wenig.In Sachen optischer Gestaltung entfernt sich das Spiel von seinem etablierten Auftritt in Schwarz und Gold ein wenig.

Wie auch immer die Antwort darauf lauten mag, Eidos Montreal ist dieses Vorhaben mit Bravour gelungen. Während Human Revolution seine optische Identität aus den Design-Farben Schwarz und Gold zieht, weicht Mankind Divided von diesem Pfad ab, ohne der grundsätzlichen Gestaltung untreu zu werden. Die Umgebungen, die ihr durchstreift, sind vielfältiger und vertrauen auf eine größere Farbpalette als der Vorgänger. Dabei wird das Spiel niemals von Farben überladen. Stets behält es sein unterkühlt-technisches Gesicht und stellt keinen unnatürlichen Bruch zu der bereits etablierten Spielwelt dar. Grafikeffekte wie Partikel und Beleuchtung werden stilvoll eingesetzt und tragen tatsächlich dazu bei, die Geschichte und das Geschehen zu unterstützen, ohne aus reinem Selbstzweck oder Effekthascherei vorhanden zu sein.

Der wichtigste Punkt ist natürlich nach wie vor die Spielbarkeit. Und die funktioniert bisher auf einem hohen Niveau. Wie bereits erwähnt baut der aktive Anteil des Spiels auf eine heimliche Vorgehensweise. Alles in der Dubai-Demo ist darauf ausgerichtet, entsprechende Fähigkeiten zu unterstützen. Deckungen sind strategisch platziert, Laufwege von Wachen sind gut im Blick des Spielers, ihr plant Hinterhalte, nutzt blinde Flecken und tote Winkel in der Überwachung und schleicht euch Schritt für Schritt ans Ziel.

Sollte eure Deckung auffliegen, müsst ihr euch mit Waffengewalt euren Weg ans Ziel erkämpfen. Und da zeigt sich tatsächlich die weniger gelungene Seite von Deus Ex - Mankind Divided: Im Angesicht zahlreich vorhandener und hochkarätiger Shooter-Prominenz erweist sich Adam Jensen als eher lahme Ente. Nicht gänzlich lahm, wohlgemerkt, aber auch nicht als strahlender Stern am Shooter-Himmel. Die Steuerung ist zu langsam, die Handhabung der Waffen wirkt hakelig. Es ist nicht unmöglich eine Schießerei zu meistern, aber schön ist es nicht.

Beim Probespielen fängt der Kollege einen Bildschirm weiter plötzlich an zu fluchen, weil er von den Feinden entdeckt wurde. Ein Blick über seine Schulter offenbart, dass selbst ein erfahrener Bildschirmkrieger mit einer Situation überfordert sein kann, die irgendwie einfach nicht ins Spiel passen will. Das ist merkbar, spürbar und mitunter sogar frustrierend. Wie bereits erwähnt: Das Spiel WILL einfach, dass ihr es so spielt, wie es in den kreativen Köpfen der Entwickler Gestalt angenommen hat. Weicht ihr von dieser Idee ab, erschwert ihr euch das Vorankommen.

Neuer Spielmodus: Breach

Als gänzlich vom Hauptspiel losgelösten Modus befindet sich Breach auf dem Datenträger. Unterwegs seid ihr dabei in einer völlig virtuellen Umgebung, und zwar auf den Servern einer Bank in der Tschechischen Republik. Die "Palisade Bank Corporation" ist das weltweit größte Datenarchiv für die Reichen und Mächtigen. Was ihr ausgerechnet dort wollt? Natürlich Daten und Informationen, die in den richtigen (oder falschen) Händen zu mächtigen Waffen werden.

In Breach betätigt ihr euch als Datendieb.In Breach betätigt ihr euch als Datendieb.

Was ein gestandener Hacker ist, der empfindet die Hochsicherheitsmaßnahmen der Datenbänke natürlich als Einladung zum Einbruch, also zum namensgebenden Breach. Dank neuraler Subnet-Technik sind die Zeiten endloser Code-Zeilen vorbei. Hacking ist nun nicht unbedingt ein Sport für die Massen, aber gestaltet sich als wesentlich zugänglicher als zum Beispiel heutzutage. Das hat zur Folge, dass eine neue Generation von Hackern entsteht: Die Ripper.

Die enigmatische ShadowChild zählt dabei zur Welt-Elite unter den Rippers. Sie will den Hack des Jahrhunderst vollziehen. Was bietet sich da besser an als die renommierten Datenspeicher der Palisade Bank Corporation? Wenn ihr dies gelingt, gilt sie nicht nur als die beste Hackerin der Welt, sie kann auch ihren Rachefeldzug gegen den Mann zu Ende bringen, der auf alle Ripper ein Kopfgeld ausgesetzt hat. Dabei handelt es sich um Masaaki Oshiro, niemand anderen als den Kopf von Palisade.

Breach präsentiert sich als Puzzle-Shooter, in dem ihr eure Fähigkeiten mit guter Planung und schnellen Reaktionen kombinieren sollt. Genau der Punkt, der im Hauptspiel eigentlich als verpönt gilt, ist in Breach ein wichtiger Bestandteil des Spielkonzepts. Die Rede ist von schnellen und akkuraten Schusswechseln. Glücklicherweise funktioniert hier die Shooter-Mechanik wesentlich besser als in Mankind Divided. Wenn ihr nach Abwechslung sucht, ohne die Welt von Deus Ex gänzlich hinter euch zu lassen, ist Breach eine durchaus unterhaltsame Option.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer   E3 2016  

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