"Ich würde die E3 abschaffen" - eine persönliche Betrachtung

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (18. Juni 2016)

Die E3 bombadiert uns jedes Jahr wieder mit Neuankündigungen, Trailern, Demos, Präsentationen, Orchestern, Cosplay und natürlich jeder Menge Zahlen. Braucht ihr das? Social-Media-Redakteur Matthias Kreienbrink teilt seine Gedanken.

Gerade erst ist die diesjährige Spielemesse E3 zu Ende gegangen. Und was gab es? Spiele! Jede Menge Spiele, viel zu viele Spiele! Könntet ihr jetzt, so aus dem Stand, aufzählen, welche Spiele die großen Entwickler gezeigt haben? Falls ja, was gab es denn von den mittelgroßen bis kleinen Studios? Eben, ihr werdet es wahrscheinlich nicht wissen.

Und das ist ein Problem. Schaut euch doch noch mal die "PC Gaming"-Show an. In den knapp 100 Minuten wurden den Zuschauern 25 Spiele um die Ohren gehauen, und das in einer Frequenz, die an eine Minigun aus Doom erinnert. Kaum war das Interesse für ein Spiel geweckt, der Trailer gerade mal eine Sekunde zu Ende, da wurde einem direkt der nächste Titel vor die Füße geworfen. Keine Möglichkeit des Innehaltens - wer mal für fünf Minuten austreten musste, hat direkt zehn neue Spiele verpasst.

Ähnlich sah es auch bei Sony aus. Zwar waren die 60 Minuten sehr unterhaltsam, gerade, weil auf lästige Interviews, Showeinlagen oder PR-Gerede verzichtet wurde. Dennoch ist es auch hier die Fülle an Spielen, die irgendwie ebenso stören kann. Sicherlich besteht genügend Zeit, sich im Laufe der Wochen ausführlich über jedes einzelne davon zu informieren, das einen wirklich interessiert. Doch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man von der Hälfte gar nichts erfährt - weil sie bei keiner der großen Konferenzen liefen. Gerade die Studios, die nicht im Rampenlicht stehen, haben es auf so einer gigantischen Messe schwer, Gehör zu finden - besonders dann, wenn sie nicht das Budget eines Ubisoft oder Microsoft haben.

Stellt euch also vor, ihr wärt dieser Hund. Das Ziel des Parkours ist das Spiel, das euch eigentlich interessiert. Doch leider werden euch auf dem Weg dahin jede Menge anderer Spiele in den Weg geworfen.

Nintendo macht es anders

Die Sony-Konferenz und "PC Gaming"-Show waren also, trotz all der tollen Spiele, die gezeigt wurden, auch irgendwie überfordernd. Nun zu Nintendo. Sicherlich ist es auch dem Umstand geschuldet, dass der japanische Traditionskonzern momentan keine anderen Spiele zu zeigen hat. Doch war es dennoch eine gute Idee, sich auf zwei Spiele, The Legend of Zelda - Breath of the Wild und Pokémon, zu konzentrieren. Ausgiebig konnte Nintendo euch so zeigen, was die beiden neuen Titel ganz besonders macht und wieso ihr euch diese unbedingt merken solltet.

Das Ergebnis scheint Nintendo ja auch Recht zu geben, denn zumindest Zelda war nach den Konferenzen das Spiel, über das in den Sozialen Medien am meisten geredet wurde.

Was für ein Spektakel!

Wofür ist die Electronic Entertainment Expo, neben den vielen, vielen Spielen, noch bekannt? Richtig, für Spektakel, Lautstärke, Brimborium und natürlich jede Menge PR. Beispiel Microsoft. Neben 1,5 neuen Konsolen und einem blutigen Controller im Stile von Gears of War 4 wurde auch hier einiges an Spielen gezeigt. Doch vor fast jedem Spiel wurde erstmal ein Mensch auf die Bühne gezerrt, um euch von tollen Exklusivereinbarungen, ganz speziellen DLCs - natürlich nur, wenn ihr JETZT vorbestellt - zu erzählen, oder davon, wie viele Menschen jetzt schon Minecraft gekauft haben. Sea of Thieves wurde nicht einfach nur gezeigt - nein, es mussten zusätzlich noch Spieler eingeblendet werden, die sich gar nicht mehr eingekriegt haben, so toll fanden sie das Spiel angeblich. Was für eine Show. Dagegen ist selbst Ubisofts Pressekonferenz fast schon harmlos, die direkt mit einer ekstatischen Tanznummer begann.

Eine Spielwelt ohne Endboss E3

Jetzt fragt ihr euch sicher, was denn die Alternative wäre, was soll statt der E3 kommen? Eine Antwort könnte sein: Entspannung. Statt, dass sich die komplette Industrie jedes Jahr auf diese vier Tage konzentriert und dann alles rausballert was sie zu bieten hat, als wäre der Konsument ein Endboss, der mit Dauerbeschuss besiegt werden müsste, könnte man die Spielvorstellungen einfach ganz bequem über das Jahr verteilen. Das wäre dann sicherlich sehr viel weniger spektakulär. Auch würde der Spaß ausbleiben, vor der E3 zu mutmaßen, was wohl gezeigt werden könnte. Die wildesten Gerüchte, die ja einen großen Teil der E3-Freude ausmachen, würden sicherlich einigen fehlen. Dafür bestünde dann aber die Möglichkeit, dass man das gesamte Jahr überrascht werden könnte, mit unerwarteten Ankündigungen - und diesen dann auch, sowohl medial als auch persönlich, die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen.

Was meint ihr, ist die Electronic Entertainment Expo ein Fluch oder ein Segen?

Tags: E3 2016  

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