Test The Technomancer - Das etwas andere Bladerunner

von Stephan Petersen (28. Juni 2016)

Das französische Entwicklungsstudio Spiders schickt euch nach Mars - War Logs erneut auf den roten Planeten. Das Abenteuer heißt The Technomancer.

Die Damen und Herren des Entwicklungsstudios Spiders haben offenbar eine Vorliebe für den Mars. Nach dem Rollenspiel Mars - War Logs aus dem Jahr 2013 schicken die Franzosen den Spieler bereits zum zweiten Mal auf den roten Planeten. Das Action-Rollenspiel The Technomancer ist zwar kein direkter Nachfolger, spielt aber im selben Universum.

Die Handlung versetzt euch in die Rolle von Zachariah, der kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung als Technomancer steht. Damit wird er Mitglied einer besonderen Kaste. Die sogenannten Technomancer verfügen dank ihres genetischen Talents und kybernetischer Verbesserungen über die Fähigkeit, Elektrizität für ihre Zwecke einzusetzen. Damit sind die Technomancer gerne gesehene Verbündete im Kampf um die wertvollste Ressource auf dem Planeten: Wasser.

Seit vor langer Zeit die Verbindung zur Erde abbrach, waren die Mars-Bewohner auf sich alleine gestellt. Fortan entstand zwischen den vorherrschenden Konzernen ein Kampf um das knapp bemessene Wasser.

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The Technomancer

Für einen dieser Konzerne arbeitet Zachariah in der Stadt Abundance. Menschen werden hier sozial separiert, Mutanten als Sklaven missbraucht. Euer Arbeitgeber, die Soldaten des ASC unter ihrem Anführer Viktor, machen alles andere als einen sympathischen Eindruck. Schließlich überschlagen sich die Ereignisse. Zachariah gerät auf die Abschussliste von Antagonist Viktor höchstpersönlich und muss fliehen. Fortan nimmt er nicht nur den Kampf mit der ASC auf, sondern begibt sich auch auf die Suche nach den ersten Kolonisten, um dem Geheimnis der Technomancer auf die Spur zu kommen.

Szenario hui und kaltes Wasser

Das Szenario ist klasse. Die Suche nach den sagenumwobenen Kolonisten motiviert, wenngleich der dramaturgische Aufbau so oder ähnlich schon in anderen Spielen zu sehen war. Nicht so positiv ist hingegen die Inszenierung der Geschichte. Die Dialoge schwanken ebenso wie die Zwischensequenzen zwischen mittelmäßig und ordentlich. Das macht sich beispielsweise darin bemerkbar, wenn eigentlich spannende Ereignisse und neue Erkenntnisse relativ plump inszeniert werden.

Hier ist Zachariah als Wächter mit Nahkampfwaffe und Schild unterwegs.Hier ist Zachariah als Wächter mit Nahkampfwaffe und Schild unterwegs.

Auch die englischen Sprecher (es gibt deutsche Untertitel) haben hieran ihren Anteil. Insbesondere die Stimmen einiger Nebencharaktere sind nicht gut gewählt. Auch die Betonungen der Sprecher passen nicht immer. Schade, denn hier wurde einiges an Atmosphäre-Potenzial verschenkt.

Bezüglich der Spielmechanik werdet ihr gleich zu Beginn ins kalte Wasser geworfen. Es gibt zwar wahlweise ein Einstiegshilfe (Tutorial), dort lernt ihr aber quasi gleich die gesamte Spielmechanik kennen. Danach kommt kaum noch Unbekanntes hinzu. Wenn ihr einen Controller nutzt, aktiviert ihr mit der Schultertaste plus den Knöpfen einen der drei Kampfstile.

Als „Wächter“ hat Zachariah eine Nahkampfwaffe in der einen und ein Schild in der anderen Hand. Als „Kämpfer“ der junge Technomancer einen Stab als Waffe ein und als „Gauner" setzt er auf eine kurze Nahkampfwaffe und eine Pistole.

Wahl des Kampfstils

Während ihr mit den Knöpfen sowie der Schultertaste RT Angriffe und Defensivmanöver vollführt, aktiviert ihr mit LT plus Knopf spezielle Technomancer-Fähigkeiten, bei denen Zachariah Elektrizität einsetzt. Mit LB pausiert ihr das Geschehen und habt Zugang zur Schnellzugriffleiste. Hier könnt ihr auf den vier Knöpfen Fähigkeiten oder praktische Injektionen – etwa für die Wiederherstellung der Gesundheit – platzieren.

Im Fähigkeitenbaum verteilt ihr durch Levelaufstiege gewonnene Punkte auf die vier Bereiche Technomancer, Kämpfer, Gauner und Wächter.Im Fähigkeitenbaum verteilt ihr durch Levelaufstiege gewonnene Punkte auf die vier Bereiche Technomancer, Kämpfer, Gauner und Wächter.

Das hört sich nach viel an und das ist es zunächst auch. Gleich in den ersten Spielminuten lernt ihr die gesamte Spielmechanik kennen. Mit dem Steuerkreuz öffnet ihr zudem euer Inventar. Dort gibt es zahlreiche verschachtelte Menüs zu entdecken. Unter anderem verwaltet ihr hier die Ausrüstung - die man an Werkbänken verbessern kann - von euch und euren Gefährten. Zudem vergebt ihr die durch Levelaufstiege gewonnenen Punkte auf die „Bäume“ Fähigkeiten, Talente und Attribute.

Fähigkeiten sind die eben erwähnten Technomancer-Techniken. So kann Zachariah etwa einen Schutzschild erlernen. In jedem Zweig, Technomancer, Wächter, Kämpfer und Schurke, gibt es relativ wenige neue aktive Fähigkeiten. Schade. Bei den meisten handelt es sich um passive Verbesserungen wie etwa einem höheren Schadenswert. Auch beim Talent-Baum gibt es manches zu kritisieren: Verteilt ihr etwa einen Punkt (von dreien) auf das Talent "Charisma", so werdet ihr in den ersten Spielstunden in den Dialogen sämtliche Charaktere überreden können. Hier wäre eine feinere Abstufung sicher notwendig.

Fordernde Kämpfe

Das Talent "Tarnung" wiederum erweist sich als weitgehend überflüssig. Zwar könnt ihr in einigen Situationen an einem Gegner vorbeischleichen oder einen Tarnangriff ausführen. Meistens stehen aber Kämpfe im Vordergrund.

Bisweilen trifft Zachariah auf Bossgegner, die naturgemäß erheblich mehr einstecken und austeilen können.Bisweilen trifft Zachariah auf Bossgegner, die naturgemäß erheblich mehr einstecken und austeilen können.

Zu guter Letzt noch die Attribute: Hier vergebt ihr Punkte auf Stärke, Gewandtheit und so weiter. Diese verbessern zum einen eure Kampfwerte. Zum anderen sind sie für das Tragen von besonders guten Ausrüstungsteilen notwendig. So benötigt man etwa für eine schwere Soldatenuniform einen hohen Stärkewert.

Während eures Mars-Abenteuers erledigt ihr zahlreiche Haupt- und Nebenmissionen, die sich jedoch allesamt recht ähnlich spielen. Ihr trefft auf eine Gegnertruppe, erledigt sie, stellt euch dem nächsten Pulk Feinden und so weiter. Zwischendurch liegt Zachariah immer mal wieder im marsianischen Wüstenstaub und ihr ladet einen neuen Spielstand. Denn: Die Kämpfe sind ziemlich fordernd. Bereits auf dem zweiten der vier Schwierigkeitsgrade empfiehlt sich häufiges Speichern.

Das liegt zum einen daran, dass ihr auf unterschiedliche Feinde trefft. Von Straßenschlägern über Mars-Kreaturen und feindlichen Technomancern bis hin zu Bossgegnern benötigt ihr für jeden Kampf die richtige Taktik. Auch innerhalb der feindlichen Gruppen gibt es immer wieder unterschiedliche Gegner. So bestehen Soldatentrupps häufig aus Nah- und Fernkämpfern. Hinzu kommt, dass Zachariah auch im späteren Verlauf nicht Spiels nicht sonderlich viel einstecken kann. So kann es durchaus passieren, dass ein Technomancer oder ein schwerer Soldat einen nur leicht verletzten Zachariah mit einem Schlag niederstrecken.

Achtet auch euren Ruf

Der Einsatz der verschiedenen Kampfstile und Fähigkeiten ist nicht nur taktisch sinnvoll, sondern macht auch Spaß. Allerdings ist die Steuerung bisweilen etwas träge und schwammig. Außerhalb der Kämpfe ist das nervig, aber nicht sonderlich schlimm.

Bis zu zwei Gefährten könnt ihr an eurer Seite haben.Bis zu zwei Gefährten könnt ihr an eurer Seite haben.

So erweist es sich beispielsweise als gar nicht so leicht, Zachariah exakt über einem erledigten Gegner zu positionieren, um diesen plündern zu können. Innerhalb des Kampfes ist aber eben auch die Steuerung für manchen virtuellen Bildschirmtod verantwortlich.

Wie schon oben angedeutet kämpft ihr nicht allein. Bis zu zwei Gefährten begleiten euch während eurer Missionen. Im Kampf halten sie es so wie viele Mannschaften bei der Fußball-EM: Defensiv Top, vorne Flop. Ihr größter Verdienst liegt darin, einige Gegner zu binden. Insbesondere Fernkämpfer sind nahezu ein Totalausfall, wenn sie planlos in der Prärie herumschiessen. Übrigens habt ihr bei jedem eurer Gefährten einen bestimmten Ruf. Je nach euren Entscheidungen während der Missionen und in den Dialogen ändert sich dieser Ruf. Im schlimmsten Fall verlässt euch ein Gefährte. Aber auch Liebesbeziehungen sind möglich.

Man sieht dem Spiel zwar an, dass an manchen Ecken etwas Budget fehlt, aber insgesamt macht es optisch seine Sache anständig. Insbesondere die Lichteffekte von Zachariahs Technomancer-Fähigkeiten sehen klasse aus. Auch die Kampfanimationen überzeugen. Zudem versprühen die Schauplätze zwar durchaus dystopische Atmosphäre. Allerdings wäre mehr Abwechslung gut gewesen. Abundance besteht beispielsweise aus drei Abschnitten (Untergrund, Slums und Börse), die jeweils recht ähnlich aussehen. Zudem rennt ihr für eure Missionen stets quer über die Karte und stundenlang an derselben Levelarchitektur vorbei. Eine Schnellreise gibt es später zwischen größeren Orten, jedoch nicht innerhalb eines Schauplatzes. Etwas mehr Abwechslung gibt es indes bei der Hintergrundmusik, die stimmungsvoll und passend daherkommt.

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Tags: Science-Fiction  

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