Test Star Ocean - Integrity and Faithlessness: Großes Potenzial, das Square Enix nicht abruft

von Michael Krüger (05. Juli 2016)

Sehr bekannt ist die Serie Star Ocean hierzulande nicht. Dennoch gibt es reichlich begeisterte Spieler. Mit Teil 5 beginnt nun eine neue Geschichte.

Im Bericht über den Rollenspiel-Sommermärchen 2016 habt ihr schon vom aktuellen Star Ocean und seinen durchaus vorhandenen Qualitäten erfahren. Doch es ist kein Spiel für jedermann. Erfahrt jetzt die Details, nach denen ihr euch zum Kauf oder Nichtkauf entscheiden könnt. Um was geht es bei dem japanischen Werk von Tri-Ace und Square Enix?

Lange Stille folgte auf Star Ocean - The Last Hope. Drei Spiele waren vorangegangen und vorerst fand durch den vierten Teil eine Serie voller Höhen und Tiefen ihr Ende. Nun kommt mit Star Ocean - Integrity and Faithlessness der bislang fünfte Teil und soll eine neue Ära der Serie einleiten. Anstatt die Reihe also nach Star Ocean - The Last Hope fortzusetzen, möchten die Entwickler eine neue Geschichte erzählen, dabei aber im Groben auf die Struktur der bisherigen Ableger aufbauen. So bleibt die serientypische Mischung aus direkten Kämpfen und einer Reihe von für japanische Rollenspiele (JRPG) typischen Elementen erhalten und verspricht damit das ideale Paket für langen Spielspaß. Immerhin konnten dies die ersten vier Teile im Großen und Ganzen liefern. Eine gewisse Erwartungshaltung ist also absolut in Ordnung. Zumindest auf den ersten Blick wird Star Ocean - Integrity and Faithlessness dieser auch gerecht.

Ähnlich wie in den Vorgängern wirft euch Star Ocean - Integrity and Faithlessness in eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Als moderner Ritter verteidigt ihr das Reich in dem ihr lebt, deckt dabei Geheimnisse auf und findet neue Freunde. Spielerisch erwartet euch dabei eine Menge Laufen und vor allem Kämpfe voller Schwerter, Zauber aber auch futuristischer Waffen. Ihr steuert jeweils einen Kämpfer direkt und bestimmt, welche Angriffe und Aktionen er ausführt - ein Wechsel zwischen bis zu sieben Figuren ist jederzeit möglich.

Gattungstypische Rollen fehlen nicht: Heiler agieren aus der Distanz - starke Charaktere verteidigen. Außerhalb der Gefechte verbessert ihr die Fähigkeiten und Ausrichtung eurer Truppe. Traditionelle Rollenspiel-Elemente aus Japan vermischt mit ein paar neuen Ideen - das klingt gar nicht schlecht. Das sind auch die Punkte, bei denen in Star Ocean 5 besonders bei eingefleischten Rollenspielern Freude aufkommt.

Die Handlung scheitert an der Erzählung

In der Rolle des Kriegers Fidel zieht ihr durch die königlichen Lande und trefft dabei auf allerhand bunte Begleiter. Eure Welt ist in Gefahr. Nur wenn ihr die außerirdische Bedrohung vernichtet, rettet ihr eure Liebsten. Gemeinsam deckt ihr auf, aus welchem Grund die ebenfalls menschlich anmutende Rasse eines anderen Planeten ihre Truppen in eurem Zuhause stationiert. Als wäre das nicht genug, entdeckt ihr gemeinsam mit Miki, einer Freundin aus Kindheitstagen, ein abgestürztes Raumschiff. Darin findet ihr Reilia, ein ungewöhnliches kleines Mädchen.

So sehen die meisten Handlungsabschnitte im Spiel aus, wenn ihr die Kamera nicht steuert.So sehen die meisten Handlungsabschnitte im Spiel aus, wenn ihr die Kamera nicht steuert.

Im Grunde ist die Handlung von Star Ocean - Integrity and Faithlessness spannend. Sie ist unterhaltsam und liefert euch ausreichend Motivation, eure Gegner in Stücke zu schlagen. Doch die Erzählweise verhindert, dass ihr darin aufgeht.

So braucht ihr nicht auf großartige Zwischensequenzen hoffen. Stattdessen unterhalten sich die Figuren im Spiel - selbst dann wenn es sich um wirklich wichtige Ereignisse handelt. Wollt ihr wissen, worum es geht, solltet ihr also ständig zuhören oder mitlesen. Da sowohl die Vertonung als auch die Texte nicht auf Deutsch verfügbar sind, kann das erst Recht zur Hürde zwischen euch und eurem Verständnis für die Handlung werden. Englisch solltet ihr beherrschen.

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Star Ocean 5 - Integrity and Faithlessness: Das Weltall ruft!

Trotzdem könnte das Ganze funktionieren, wenn denn die Kamera sich der Situation zumindest ein wenig anpassen würde. Denn gut gemeint ist die Mechanik ja. Im Grunde hilft sie nämlich dabei, die dargestellten Charaktere glaubhafter zu gestalten. Das Problem: Ihr werdet dadurch zum Kameramann. Andere Spiele zeigen, dass das besser funktionieren kann. Da ihr allerdings die gleichen Perspektiven wie im Rest des Spiels verwendet, seid ihr ständig damit beschäftigt, euren Blickwinkel zu justieren, möchtet ihr sehen, wer gerade spricht. Das führt wiederum unweigerlich dazu, dass ihr der Handlung nur bedingt folgt - zumindest wenn ihr beim Zuhören auch nette Bilder sehen möchtet. Das hätte auf jeden Fall angenehmer gelöst werden können.

Zwischen Foto und Tapete

Etwas erfreulicher ist da schon die Qualität der Darstellung. Wobei auch dieser Aspekt nicht ohne Kritik auskommt. So gibt es Momente, in denen ihr fast den Eindruck bekommt, die Umgebung wäre gefilmt worden. Hier wurden die hochauflösenden Texturen nahezu ideal eingesetzt und bieten euch ein tolles Spielgefühl. Selbst die Oberflächen von Kleidung und Zubehör wirken beizeiten realitätsnah und plastisch. In anderen Momenten hingegen habt ihr das Gefühl, in einem anderen Spiel zu sein. Versetzte Kanten erinnern an schiefe Foto-Tapeten und von Details ist auf weiter Flur nichts zu sehen. Manche Bereiche wirken geradezu klinisch rein.

In diesen Momenten überzeugt die neue Technik ohne Zweifel.In diesen Momenten überzeugt die neue Technik ohne Zweifel.

In gleichem Maß stehen sich andere Entscheidungen in der Darstellung gegenüber. Manche Feinde wirken wie futuristische Märchenfiguren und könnten ebenso einem erstklassigen Anime entspringen. Andere Gegner wirken wiederum herzlos kopiert und austauschbar. Momente des Staunens wechseln sich dadurch durchgehend mit Verwirrung und Enttäuschung ab.

Spezialpunkte für Gruppenmitglieder

Als wäre es eine Art Kredo weist auch die Spiel-Mechanik Mängel auf, obwohl die Entwickler ein paar richtig gute Ideen implementiert haben. Anstatt die Attribute eurer Helden aktiv anzupassen oder einen langen Baum voller Fähigkeiten zu bearbeiten, nutzt ihr Spezialpunkte, um neue Rollen für den Kampf zu lernen. Eingeteilt in Gruppen wächst hier euer Repertoire, aus dem ihr jedem Helden bis zu vier Eigenschaften zuweisen könnt. Eurem Heiler gebt ihr beispielsweise die Möglichkeit, häufiger den entsprechenden Zauber zu nutzen und einem Helden, der hohen Schaden verursacht, häufigere Angriffe. Dieses System vereint sowohl ein Klassen-System als auch die Möglichkeit, taktische Anweisungen zu geben.

Spaß und Frust liegen in den Kämpfen nah beieinander.Spaß und Frust liegen in den Kämpfen nah beieinander.

Eine weitere gute Idee sind die Spezial-Angriffe, die ihr wiederum durch das Sammeln von Büchern freischaltet und verbessert. Zusammen mit den Rollen und der gattungstypischen Ausrüstung bekommt ihr eine solide Basis, die euch genügend Spielraum für eure Vorlieben lässt. Die Kämpfe laufen recht schnell, bieten euch allerdings wenig Abwechslung. Hier treffen gute auf schlechte Einfälle der Entwickler.

Die Rush-Leiste bietet im Grunde ein interessantes Element, das euch aufgrund eurer Leistung entweder dauerhaft belohnt oder aber für den Verzicht auf die Belohnung, einen verheerenden Angriff ausführen lässt. Das ist spielerisch nicht schlecht, doch führt es in der Ausführung zu Frust. Denn nur für erfolgreiche Konter bekommt ihr den beliebten Bonus auf eure Spezialpunkte. Doch Konter sind unglaublich selten. Das liegt nicht an den Gelegenheiten, sondern daran, dass nur wenige Gegner einen Konter zulassen.

Habt ihr mindestens ein Feld der Rush-Leiste gefüllt, entfesselt ihr aufwändige Angriffe.Habt ihr mindestens ein Feld der Rush-Leiste gefüllt, entfesselt ihr aufwändige Angriffe.

Die häufigsten Angriffe durchbrechen bereits euren Block und sorgen so dafür, dass eure Rush-Leiste sinkt. Ihr verliert also eher wertvolle Boni anstatt welche zu gewinnen, solltet ihr etwas taktischer spielen wollen. Das wiederum führt schnell dazu, dass ihr ausschließlich Spezialattacken verwendet. Immerhin dringen zumindest diese irgendwie zu jedem Gegner durch und füllen ohne Risiko eure Rush-Leiste. Dadurch entsteht letztendlich ein monotones Gefühl während der Kämpfe. Selbst die Möglichkeit, jederzeit zwischen den bis zu sieben Charakteren wechseln zu können, reißt das nicht raus. Der eigentliche Spaß bleibt also das Aufrüsten der Fähigkeiten und Rollen.

Im Kern zu schwach

Hinzu kommt eine künstliche Intelligenz, die alles andere als zeitgemäß ist. Je nach Gegnertyp scheint es maximal zwei bis drei Verhaltensweisen zu geben. In besonders schlimmen Fällen agieren eure Gegner gar nicht mehr. Dann stehen sie gefühlte Minuten herum und warten brav darauf, von euch vermöbelt zu werden. Gekrönt werden diese Aussetzer von schlechten Skripten. Bereits innerhalb der ersten Stunden des Spiels werdet ihr vermutlich in eine Situation kommen, in der ihr lange auf den gleichen Haufen Feinde einprügelt bis ihr merkt, dass ihr eigentlich einfach nur weglaufen müsstet. Solche Momente reißen euch aus dem inzwischen schon recht dünn gewordenen Vergnügen.

Gegen diesen Gegner könnt ihr stundenlang kämpfen, denn er taucht immer wieder auf nachdem er besiegt wurde.Gegen diesen Gegner könnt ihr stundenlang kämpfen, denn er taucht immer wieder auf nachdem er besiegt wurde.

Monotonie ist in Star Ocean - Integrity and Faithlessness scheinbar allgegenwärtig. Selbst der Aufbau der Aufgaben ist ermüdend. Egal ob Haupt- oder Nebenmission - Ihr lauft von einem Ort zum anderen und haut ein paar Gegner aus den Latschen. Dazwischen bewegt ihr euch durch lange und leere Gebiete, die so wenig Variation bieten, dass ihr euch auch gerne einmal verlauft.

Da ist es besonders ärgerlich, wenn eure nächste Aufgabe euch zu einem Ort "westlich eines östlichen Ortes" schickt, ihr aber die Namen nicht auf der Karte findet. Ihr lauft also einfach mal auf gut Glück und versucht euch zumindest für eine bestimmte Zeit einen Überblick zu verschaffen. Ein wenig mehr Komfort darf es dann doch sein - wenn schon alles so trist ist.

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