5 befriedigende Endsequenzen: Der Lohn des Spielers, wenn er die Welt gerettet hat - Odin Sphere, Heavy Rain

(Special)

Nummer 4: Odin Sphere

Das 2008 erschienene Action-Rollenspiel Odin Sphere von Entwickler Vanillaware füllte auf der PlayStation 2 eher eine Nische aus. Ohne große Vermarktungs-Kampagne fand die an nordische Mythologie angelehnte Geschichte den Weg in heimische Verkaufsregale. Dennoch hat sich das Spiel zu einem durchaus beachtlichen Erfolg entwickelt. Das liegt einerseits am gut durchdachten Rollenspielsystem, andererseits an dem für Vanillaware typischen 2D-Grafikstil, der von märchenhaft (Muramasa - The Demon Blade) bis zu kontrovers (Dragon's Crown) reicht.

Erfolgreich genug, auf jeden Fall, um mit Odin Sphere - Leifthrasir eine Neuauflage für PS3, PS4 und PS Vita an den Start zu bringen. Es gibt aber noch einen wichtigen Punkt, der für den Erfolg verantwortlich sein könnte. Dabei handelt es sich um die Erzählstruktur, die in sich geschlossen ein kleines Meisterwerk darstellt und nicht nur in einer, sondern gleich in fünf verschiedenen befriedigenden Endsequenzen gipfelt.

In Odin Sphere spielt ihr die Abenteuer von fünf verschiedenen Charakteren in beliebiger Reihenfolge. Ihr könnt, wenn ihr wollt, nach jedem Kapitel den Charakter wechseln und ein neues Abenteuer beginnen. Am Anfang scheint es so, als würden diese fünf Figuren nur zufällig zur selben Zeit durch die Geschichte stolpern. Dabei hat jeder sein eigenes Ziel vor Augen. Dann jedoch kommt es zu kurzen Begegnungen bis zu schicksalshaften Überschneidungen in den einzelnen Geschichten. Habt ihr den Haupterzählstrang aller Figuren erkundet, öffnen sich weitere Kapitel, die teilweise zeitversetzt stattfinden.

Seid ihr am Ende angekommen, löst sich jede dieser Geschichten auf ihre eigene Weise auf und beeinflusst damit auch die Erzählstränge aller anderen Charaktere. Das alles wird niemals unübersichtlich, verwirrend oder lückenhaft, im Gegenteil! Eine einzelne Endsequenz wäre sicherlich auch in Ordnung gewesen, könnte aber niemals die gesamte Tragweite der Ereignisse in gut portionierten Häppchen präsentieren, wie es fünf gleichermaßen schöne wie befriedigende Endsequenzen schaffen. Dafür zollen wir den kreativen Köpfen bei Vanillaware großen Respekt.

Wenn ihr das alles erst verdaut habt, folgt jedoch noch eine kurze, stille und zusammenfassende Endsequenz. Ihr beginnt das Abenteuer in der Rolle eines jungen Mädchens, das ein dickes Buch findet. Alle Kapitel, die ihr selbst spielen könnt, sind Geschichten aus diesem Buch. Nachdem alles erzählt wurde, klappt das Mädchen das Buch zu und erst ab diesem Punkt ist das wahre Ende erreicht. Es entsteht das Gefühl, als hättet ihr gerade einen dicken Wälzer voller Sagen, Märchen und abenteuerlicher Geschichten gelesen und seid direkt in sie hineingezogen worden. Mit dem geschlossenen Buch seid ihr wieder zurück in der Realität angekommen und euch bleibt die wohltuende Erinnerung an ein spannendes Abenteuer, das ihr nicht nur gelesen oder gespielt, sondern tatsächlich erlebt habt.

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Nummer 5: Heavy Rain

Entwickler Quantic Dream schuf mit Heavy Rain ein interaktives Abenteuer, dass gekonnt eine Brücke zwischen passivem filmischen Geschehen und aktivem Eingreifen ins Spiel schlägt. Perfekt ist das Spiel nicht. Die "Panzer-Steuerung" der Figuren wirkt umständlich, manche Dialoge ziehen sich ein wenig zu sehr in die Länge, die allseits gehassten "Quick Time Events" (also im richtigen Moment auf den richtigen Knopf drücken) machen einen großen Teil des Spielablaufes aus.

Das alles macht aber die spannende Inszenierung rund um mysteriöse Mordfälle und einen Serienmörder wett. Ihr steuert mehrere Figuren, deren Geschichten allesamt ineinander übergreifen. Mal seid ihr als vom Schicksal gebeutelter Vater auf der Suche nach eurem entführten Sohn, dann versucht ihr als Ex-Polizist dem Mörder auf die Spur zu kommen, ihr überwindet als cleverer FBI-Agent eine schwere Drogenabhängigkeit und erlebt auch die beklemmenden Albträume einer Reporterin, die ihre eigenen Nachforschungen vorantreibt.

All diese Erzählstränge verbinden sich und führen auf ein Ende hin, das ihr durch eure Handlungen selbst bestimmt. Denn wenn ihr nur husch-husch durchs Spiel rast, den direkten Weg von A nach B wählt und lediglich die Hauptziele jedes Kapitels vor Augen habt, erwartet euch das Gegenteil einer befriedigenden Endsequenz: Ein mitunter für alle Beteiligten grausames Ende.

Seid ihr jedoch in eurer Forschungsarbeit und Recherche aufmerksam und genau, könnt ihr mit viel Vorsicht und Fleiß zu einer Endsequenz gelangen, die alle zuvor erlittenen Qualen verblassen lässt. Vor allem das Schicksal von Ethan Mars, der zentralen Figur im Geschehen, hat ein solches befriedigendes Ende verdient. Schließlich setzt er für die Rettung seines Sohnes mehrfach sein Leben aufs Spiel, wird von Elektroschocks gegrillt und muss sich sogar selbst verstümmeln. Die letzte Aufgabe, die er erfüllen muss, soll sogar seinen Tod zur Folge haben. Doch wenn ihr vorher genau gespielt und alle Hinweise gesammelt habt, könnt ihr dem perfiden Plan des Serienmörders ein Schnippchen schlagen und euren Sohn trotzdem retten.

Gelingen euch auch die besten Lösungswege fast aller anderen Figuren, beginnt Ethan ein neues Leben, das er sich auch redlich verdient hat. Und ihr, die ihr an seiner Seite mitgelitten habt, habt es euch erst recht verdient. Auch wird die Geschichte der Nebenfigur Lauren Winter auf befriedigende Weise zu Ende geführt. Denn gelingt es euch, den Mörder zu überführen, steht sie an seinem Grab und verleiht ihrem Hass auf ihn gekonnt und wortgewaltig Ausdruck. Schließlich hat er sich ihr Vertrauen erschlichen, war jedoch die ganze Zeit über niemand anderes als der Mörder ihres Sohnes. Die Frau steht vor dem Grab und hat endlich die Genugtuung, nach der sie sich so lange gesehnt hat. Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird (Altes klingonisches Sprichwort).

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Tags: Fantasy   Retro   Singleplayer  

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