Vorschau Quake Champions: Keine Kompromisse, keine Rücksicht, keine Handlung

von Joachim Hesse (07. August 2016)

Mit Doom hat id Software offenbar Blut geleckt. Durch Quake Champions soll der nächste Computerspiel-Klassiker reanimiert werden. Diesmal für Mehrspieler. Und das Ding wird schnell.

"Es gibt keinen festen Erscheinungstermin. Dieses Spiel kommt erst dann auf den Markt, wenn wir damit zufrieden sind." Tim Willits, der Chef von Entwickler id Software, lässt im Gespräch mit spieletipps keinen Zweifel daran, wie sehr ihm und der gesamten Firma das neue Quake Champions am Herzen liegt. Kein Wunder, denn Quake ist im Bereich Action-Spiele, Ego-Shooter und Online-Wettkampf eine Legende. Eine Legende, bei der allerdings jede Änderung an der früheren Erfolgsformel kritischer beäugt wird als ein Schnitzel auf der Jahreshauptversammlung praktizierender Vegetarier. Der Druck ist immens.

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Eindrücke von der Quakecon 2016 in Dallas

Das Erste, was die Welt von Quake Champions daher sieht, ist ein Typ, der in der Ego-Perspektive wahnsinnig schnell im Kreis läuft. So kann man eine Präsentation vermutlich nur auf der Quakecon beginnen. Die Botschaft dahinter ist klar: Quake Champions ist Quake. Es ist schnell, es ist derb, es nimmt keine Rücksicht auf Konventionen anderer Genre-Vertreter.

Danach zeigt Willits der Besuchermenge einen "Rocketjump", einen Raketensprung. Für die jüngeren Spieler, die gerade erst zugeschaltet haben: Dabei schießt ihr mit dem Raketenwerfer vor euch auf den Boden und katapultiert eure Spielfigur mit der Druckwelle nach oben. Riskant, aber effektiv - und ebenfalls 100 Prozent dem Erbgut von Quake zugehörig. Alles was jetzt kommt, kann daran nichts mehr rütteln: Quake Champions ist Quake, so viel steht fest. Da könnte id Software sogar ein Klassensystem einführen, ohne dass das etwas an dieser Tatsache ändern würde. Tatsächlich planen die Texaner genau das.

Der Kreisläufer kehrt zurück

Nach der relativ nichtssagenden Präsentation vorgerenderter Quake-Szenen auf der Spielemesse E3, lässt id Software in Dallas auf der Hausmesse Quakecon die Katze aus dem Sack. Erstmals gibt es die Ballerei selbst zu sehen. Nicht nur als Image-Film. Tatsächlich spielen sogar zum großen Finale der Quakecon 2016 bereits einige Profispieler live eine Proberunde Quake Champions vor großem Publikum. Das sollte mal ein Fernsehsender als E-Sport-Sendung ausstrahlen. Zu sehen ist ein Team-Spielmodus, bei dem es Bonus-Punkte gibt, wenn zwei Gebiete auf der Karte kontrolliert werden. Quake lebt!

Tim Willits, der Kopf hinter Quake Champions.Tim Willits, der Kopf hinter Quake Champions.

"Quake gehört ein besonderer Platz in meinem Herzen", gesteht Willits, der bereits am Anfang seiner Karriere an der Shareware-Episode des Originals mitgearbeitet hat. Das ist lange her. Nicht nur für Willits. Auch der Markt für Spiele hat sich inzwischen gewandelt. Die alten Ballerspiele von früher sind heute längst keine Ausnahmeerscheinungen mehr und ihre zugrundeliegenden Spielmechaniken sind zum Teil neuen Ideen gewichen. Damit muss sich auch ein Quake Champions abfinden, dem die undankbare Aufgabe zukommt, einen Spagat zwischen früher und heute hinlegen zu müssen. Aber gut, irgendwie wird es id Software hoffentlich schaffen, dass es wieder Spaß bereitet, sich gegenseitig die virtuellen Kugeln in den Allerwertesten zu pumpen.

Dass id Software zu solchen Kunststücken absolut in der Lage ist, haben die Texaner kürzlich eindrucksvoll mit dem Neustart der Doom-Serie bewiesen. Ein gutes Vorzeichen für das neue Quake also?

Zeit für Helden?

Die Sache mit den Helden beziehungsweise "Champions" funktioniert nach dem bekannten "Stein, Schere, Papier"-Prinzip. "Es gibt immer einen Helden, der einen anderen Helden auf eine bestimmte Art besonders gut kontern kann", erklärt Willits. Scalebear, einer der bereits vorgestellten Champions, beherrscht etwa den Stierangriff (Bullrush). Dabei stampft er in vollem Lauf seine Gegner nieder, die ihm im Weg stehen. Ihr seht die Attacke übrigens in dem zur Quakecon veröffentlichten Video (etwa bei Minute 0:48):

Spielt ihr mit der blauhaarigen und flinken Nyx, könnt ihr euch vor dem Angriff wegteleportieren und dem bulligen Scalebound unsichtbar in den Rücken fallen. Spielt jemand Visor, sieht er Nyx hingegen jederzeit durch seinen Röntgenblick. "Wir hoffen mit diesem Konter-Spielprinzip eine strategische Tiefe zu erzeugen, die fesselt", so Willits.

Welchen Helden ihr später wählt, hängt vermutlich auch damit zusammen, ob ihr einen bestimmten Vorgängerteil der Serie besonders mochtet. Punker Anarki mit seinem schwebenden Hoverboard orientiert sich durch seine Luftkontrolle etwa an Quake World, während die Bewegungen in der Luft von Ranger an Quake 3 Arena erinnern.

Die Arenen versprechen viele Abschüsse.Die Arenen versprechen viele Abschüsse.

Keiner der Helden bringt dabei eigene Spezialwaffen mit ins Spiel. Es existieren weder vorgefertigte Konfigurationen noch ist die Zahl der Waffen limitiert, die ihr tragen könnt. Wollt ihr einen Raketenwerfer nutzen, müsst ihr ihn auf der Karte aufsammeln. Auf das Timing kommt es an. Ganz wie früher also.

Beta mit Ansage

Aktuell plant id Software zunächst mit etwa zwölf Helden. Also weder ein Overwatch, noch ein Team Fortress, auch wenn die Idee diesen Vorbildern schon nahe kommt. Die Zahl der Champions ist außerdem nicht in Stein gemeisselt. "Die Beta-Phase des Spiel wird lang", kündigt Willits an. "Richtig lang. Wir ergänzen dabei immer wieder neue Figuren. Sollte sich herausstellen, dass ein Held keinen Spaß bringt, werfen wir ihn wieder raus."

Dicke Waffen, dicke Rüstung: Der "Ranger" ist ein Sinnbild für Quake.Dicke Waffen, dicke Rüstung: Der "Ranger" ist ein Sinnbild für Quake.

Ihr sollt die Fähigkeiten eurer Helden auch verbessern können. Wie genau, überlegt id Software zur Zeit selbst noch. Denn auf keinen Fall soll das den Wettbewerbsgedanken ad absurdum führen, beteuert Willits: "Wir wollen die Spieler ihren Fortschritt spüren lassen, wissen aber, dass wir dabei sehr vorsichtig agieren müssen." Hilfreich wird in diesem Zusammenhang sicher ebenfalls die lange Beta-Phase und die enge Zusammenarbeit mit derzeit aktiven "Pro Gamern", die id Software anstrebt.

"Pure speed, pure skill, pure FPS" (Pure Geschwindigkeit, pure Geschicklichkeit, purer Ego-Shooter) verspricht das neue Video zu Quake Champions. Egal, was am Ende dabei herauskommt, dieser Ansatz wirkt vielversprechend. "Es ist ein Arena-Shooter für Mehrspieler, der nur für PC erscheint. Ich liebe an dem Spiel seinen klar abgesteckten Fokus", gesteht Willits uns im Gespräch. Das passende Wort zum Sonntag.

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Tags: Onkel Jo   Quakecon   E-Sport  

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