Test Batman - A Telltale Game Series: Die komplizierte Seite des Dunklen Ritters

von Michael Krüger (09. August 2016)

Telltale schnappt sich die nächste Lizenz und dreht sie durch die hauseigenen Mühlen, um daraus einen spielbaren Film zu machen. Der Dunkle Ritter läutet dabei das düsterste Kapitel des Entwicklerstudios ein.

Es ist mal wieder soweit: Ein neues Telltale-Spiel erscheint. Nachdem die zwei Erfolgsserien Game of Thrones und The Walking Dead zu Spielen verarbeitet wurden und sich die Minecraft-Adaption Minecraft - Story Mode dem Ende nähert, dreht sich in der neuen Spielreihe alles um Batman. Im Grunde keine schlechte Mischung, die mit Sicherheit ein gewisses Potenzial birgt.

Wie auch in den bisherigen Adaptionen, soll euch eine etwas andere Perspektive gezeigt werden. Die erste Episode Reich der Schatten von Batman - A Telltale Game Series bietet euch Einblicke in die drei wesentlichen Charakterzüge des dunklen Ritters. Als Bruce Wayne kümmert ihr euch vorrangig um eure Beziehung zu eurem Butler Alfred und um Öffentlichkeitsarbeit. Nebenher versucht ihr eurem Freund Harvey Dent bei seinem Wahlkampf um das Bürgermeisteramt zu unterstützen.

Seid ihr mit Maske und Cape unterwegs, untersucht ihr Tatorte und verbindet Hinweise. Kommt es zu einer Konfrontation lasst ihr die Fäuste sprechen. Vor blutigen Schusswunden und gebrochenen Gelenken schreckt die Darstellung nicht zurück. So erlebt ihr Batman als Politiker, Detektiv und Actionheld. Drei Rollen die durchaus Potenzial haben, das allerdings kaum genutzt wird.

Telltale für Neulinge

Solltet ihr bisher kein Telltale-Spiel gesehen haben, bekommt ihr nun eine kurze Zusammenfassung der charakteristischen Merkmale. Im Wesentlichen handelt es sich bei diesen Spielen um gezeichnete Filme. Die meiste Zeit verbringt ihr mit Zusehen. Besonders Dialoge stehen im Fokus des Geschehens. Hier entscheidet ihr per Knopfdruck, wie sich der Protagonist äußert und bestimmt dadurch dezent den Verlauf der Geschichte.

Kämpfe werden stets von Eingabeaufforderungen begleitet.Kämpfe werden stets von Eingabeaufforderungen begleitet.

Hin und wieder lauft ihr mit eurer Spielfigur durch ein kleines abgestecktes Gebiet und sammelt Hinweise, kombiniert etwas oder stoßt durch die Begegnung mit einer anderen Figur erneut einen Dialog an. Wird es einmal etwas hektischer, drückt ihr schnell die eingeblendeten Knöpfe. Diese Mechanik nennt sich Quick Time Event. Während Spiele wie God of War diese nur vereinzelt verwenden, bestehen in Telltale-Spielen Action-Szenen ausschließlich aus dieser Art von Beschäftigung.

Im Grunde könnt ihr euch Spiele von Telltale also als eine Art interaktiven "Motion-Comic" vorstellen. Könnt ihr dieser meist ruhigen Gangart nicht viel abgewinnen, ist es schwer einen Zugang zu finden. Je nach Adaption passt diese Formel allerdings so gut, dass selbst Zweifler schnell begeistert sind. Im Fall von Batman ist es dann aber doch nicht so einfach.

Drei Geschichten ohne Höhen

Batman - A Telltale Game Series teilt sich grob in drei Bereiche auf. Als Bruce Wayne habt ihr es hauptsächlich mit politischen Belangen zu tun. Ihr pflegt das äußere Erscheinungsbild des reichen Junggesellen und unterstützt Bürgermeisterkandidat Harvey Dent bei seinem Wahlkampf. Gespräche und Entscheidungen über eure Aussagen stehen hier im Vordergrund. Kleine Fehler können dabei weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Doch wohin euch eine Option führen wird, ist zu keiner Zeit transparent.

Der Tod von Bruce Waynes Eltern fällt stark ins Gewicht.Der Tod von Bruce Waynes Eltern fällt stark ins Gewicht.

Als Batman seid ihr entweder auf der investigativen Seite unterwegs oder stürzt euch in die Action. Untersucht ihr eine Szene, verknüpft ihr Hinweise, um mit Batmans spezieller Infrarotsicht das Geschehen zu rekonstruieren. Kommt es zu einer Konfrontation, lasst ihr die Fäuste sprechen. Diese nutzt Batman ebenfalls, um an Informationen zu gelangen. Wie viel Gewalt ihr während einer Folter anwenden wollt, ist euch überlassen.

In den vielen Jahren, in denen es den Superhelden Batman bisher gibt, hat er schon einige Abenteuer erlebt. Die Reihe der Superschurken, die Batman bekämpft, ist lang und ihre Pläne oft durchtrieben und abgrundtief böse. Begleitet werden die Dramen zu jeder Zeit von Batmans inneren Kämpfen. Der Verlust seiner Eltern ist ein immer wiederkehrendes Trauma, das seinem Handeln den Anstoß gibt.

Auch vor Folter schreckt der Dunkle Ritter nicht zurück.Auch vor Folter schreckt der Dunkle Ritter nicht zurück.

Da dieses Thema schon oft behandelt wurde, zeigt es spätestens jetzt erste Ermüdungserscheinungen. Episode 1 von Batman - A Telltale Game Series erzählt eine Batman-Geschichte die generischer nicht sein könnte. Ein Kampf gegen Catwoman, politische Spiele mit Mafia und Polizei und ein ums andere Mal die schmerzliche Erinnerungen an Batmans Vergangenheit. O.K., wir haben es verstanden: Batmans Eltern sind tot ... BUHU!

Emotionen: Fehlanzeige

Das mittlerweile breitgetretene und eher farblose Thema wird dummerweise nicht sonderlich spannend vorgetragen. Die Dialoge werden langsam gesprochen und geizen mit packenden Emotionen. Alles wirkt starr und monoton. Da kommt es schon einmal vor, dass ihr gedankenverloren auf den Bildschirm schaut und ganz vergesst, dass ihr gerade eine Dialog-Option wählen solltet. So viel Langeweile hat Batman nicht verdient. Zumal in den vergangen Jahren grandiose Spiele rund um den dunklen Ritter erschienen sind.

Nur wenige Dialoge sind wirklich spannend.Nur wenige Dialoge sind wirklich spannend.

Durch das Fehlen ernstzunehmender Emotionen geht auch ein Großteil der Motivation flöten. Ohne den richtigen Antrieb scheint es fast belanglos, ob ihr die richtigen Knöpfe drückt. Klar, die Action-Szenen treiben hier und da etwas das Adrenalin nach oben, doch fühlt ihr euch zu keiner Zeit wirklich in das Geschehen eingebunden. Gemessen an anderen Telltale-Spielen schneidet Batman schwach ab, geht es darum euch in seinen Bann zu ziehen.

So verhält es sich auch mit dem Rätsel-Segmenten. Ihr sucht den Bildschirm nach anklickbaren Symbolen ab und kombiniert dann jeweils zwei eurer Funde. Gefällt euch diese Art von Spielmechanik werdet ihr vermutlich auch mit Wimmelbild-Spielen Spaß haben. Auch hier konnte Telltale schon einmal mehr überzeugen. Gerade die witzigen Rätsel in Minecraft - Story Mode stehen als positives Beispiel im Kontrast zu dem, was euch Batman - A Telltale Game Series liefert.

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Batman - A Telltale Game Series gibt Batman-Nachhilfe

Eine Idee ist dann allerdings doch noch gut. Die neue Option Crowdplay erlaubt euren Zuschauern vor dem heimischen TV am Geschehen teilzunehmen. Steht beispielsweise die Frage im Raum, wie ihr antworten sollt, können eure Zuseher per App abstimmen. So erlebt ihr die Geschichte gemeinsam. Bei einem Spiel, das für eine Person konzipiert wurde, findet diese neue Mechanik vermutlich nur bedingt Anklang, doch eine nette Idee ist es allemal.

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Inhalt

  • 1. Batman - A Telltale Game Series: Die komplizierte Seite des dunklen Ritters
  • 2. Meinung und Wertung

Tags: Episoden   Singleplayer  

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