Vorschau Prey: Es wird ein neues System Shock

von Joachim Hesse (11. August 2016)

Aha, das ist also Prey. Es wird anders als erwartet. Doch das muss ja nichts Schlechtes sein. Im Gespräch mit spieletipps offenbaren die Entwickler, weshalb der Spieler das Schicksal in der Hand hat.

"Prey wird keines dieser Spiele, bei dem sich Leute beschweren, es sei zu kurz", beantwortet Studiochef Raphael Colantonio unsere Frage nach der angestrebten Spiellänge. Gut so. Endlich verraten die Entwickler, was es mit dem neuen Prey auf sich hat. Verantwortlich für alles sind inzwischen die französischen Arkane Studios, die zuletzt mit Dishonored - Die Maske des Zorns ein exzellentes Stück Schleich-Geschichte fertiggestellt hatten.

Doch weshalb heißt es nicht Prey 2? Was für eine Art Spiel wird es? Und weshalb sieht es so unverschämt gruselig aus? Bevor Colantonio und Chef-Designer Ricardo Bare dazu Stellung beziehen, solltet ihr euch das Mysterium der Spielreihe auf der Zunge zergehen lassen.

7 von 15

Von Prey über Prey 2 zu Prey

Der Name Prey steht für Weltraum, Schießereien und Schwerkraft-Rätsel. Das Original-Spiel der Human Head Studios stammt aus dem Jahr 2006 und hat trotz einer Entstehungsgeschichte mit vielen Aufs und Abs seine Spuren im kollektiven Gedächtnis der Spielergemeinde hinterlassen. Doch irgendwie scheint ein Fluch auf dem Namen zu liegen. Mehrere Studios haben sich bereits an einem Nachfolger versucht, zuletzt sogar Todd Howard, der parallel zu The Elder Scrolls 5 - Skyrim an einer Version arbeitete. Deren Atmosphäre dieser Fassung erinnerte an die des Filmklassikers Blade Runner und setzte auf ein Kopfgeldjäger-System. Erschienen sind all diese Sachen nie. Dann kam die E3 2016 und mit ihr ein neues Prey. Schon wieder.

Auf der E3-Pressekonferenz von Bethesda flimmerte plötzlich ein Video über die Leinwand. Es wirkte ... verstörend, cool. Ein bisschen so wie Detroit, mit starken Charakteren und einer ordentlichen Prise Horror. Alles im Stil von "Täglich grüßt das Murmeltier" mit einem extrem ungesund aussehenden Hauptdarsteller namens Morgan Yu. Doch es war großteils nur ein Render-Film, der mit dem Satz endet: "Guten Morgen, Morgan! Du wirst nicht mögen, was ich dir als nächstes sagen muss". Der Aussagewert von Reklame im Privatfernsehen pendelt sich vermutlich auf einem ähnlichen Niveau ein. Erst jetzt auf der Quakecon 2016 folgten Antworten. Zum Glück waren wir für euch vor Ort in Dallas.

Verloren im Weltall

"Du musst herausfinden, weshalb du auf der Raumstation gelandet bist", erklärt Ricardo Bare, der erste, echte Spielszenen im Gepäck hat. Die Station ist das ehemalige Vorzeigeobjekt privater Weltraum-Unternehmen. "Der Spieler weiß nur, dass er Teil einer Versuchsreihe ist. Du weißt weder wie er dort hingekommen ist und warum. Dir stellen sich die Fragen: 'Wie bin ich auf die Station gekommen? Wer bin ich? Was ist hier passiert? Was haben diese Außerirdischen vor?' Denn die Außerirdischen scheinen ein Ziel zu verfolgen." Klingt doch recht spannend, oder?

Ricardo Bare (links) und Raphael Colantonio auf der Quakecon in Dallas.Ricardo Bare (links) und Raphael Colantonio auf der Quakecon in Dallas.

Tatsächlich versprüht das jetzt Gezeigte einen wohlig nostalgischen Charme in der Tradition eines System Shock. Ihr schleicht im Jahr 2035 durch die Raumstation Talos 1, einer massiven Raumstation, die um den Mond kreist.

Errichtet hat dieses Wunderwerk der Technik der Konzern Transstar. Details dazu und zu eurer Vergangenheit findet ihr nach und nach heraus. Ihr dürft auch nach Außen in die Leere des Alls, seht angedockte Raumschiffe. Der Auftrag, den die Entwickler exklusiv auf der Quakecon zeigen, lautet, einen gewissen Dr. Calvino aufzuspüren. Doch den Wissenschaftler zu finden ist nur ein Auftrag unter vielen.

"Prey ist ein Spiel mit Anteilen von Action, Rollenspiel, Adventure und einer Menge Simulations-Elementen", erklärt Bare. "Der Unterschied zu Dishonored ist, dass du in dem Spiel nicht Mission nach Mission abhakst. Alle Aufträge spielen an einem Ort, den du nach Belieben betreten und zu Orten zurückgehen kannst, bei denen sich natürlich auch mal der Kontext ändern kann. Im Grunde spielst du eine einzige Riesenmission mit Nebenaufgaben. Es ist eine ähnliche Struktur wie wir sie damals bei Arx Fatalis verwendet haben. Es ist aber kein GTA oder Skyrim. Statt 'offene Spielwelt' nennen wir das ganze 'Open Space Station'. Alles spielt in einer Raumstation und im umgebenden Weltraum. Es ist ein Weltraum-Dungeon."

Das Spieltempo von Prey scheint eher bedächtig und kann laut den Entwicklern vom Spieler bestimmt werden. Es gibt Schleich- und Rollenspielelemente, es ist nicht wie in Doom, dass ihr die ganze Zeit herumlauft und auf alles schießt. Am Anfang gestaltet sich die Geschichte laut Bare recht klar. Nach einer Weile öffnet sie sich weiter. Es gibt Aufgaben und Inhalte, die ihr erledigen könnt, wann immer ihr wollt. Doch es gibt auch Ereignisse, die nur ab einem bestimmten Punkt ausgelöst werden können und danach nicht mehr verfügbar sind. Es hängt auch davon ab, wie ihr handelt und euch entscheidet.

Das Ende bleibt offen

Wenn ihr beginnt, das Mysterium aufzudecken, sind die meisten Personen auf der Raumstation bereits tot. Jedoch nicht alle. Das Unglück ist gerade erst passiert. Mitunter trefft ihr daher Überlebende.

In der Schwerelosigkeit lauert auch nur der Tod.In der Schwerelosigkeit lauert auch nur der Tod.

In solchen Situationen habt ihr die Wahl zu helfen, vielleicht sogar euch helfen zu lassen oder die Person will euch aufhalten. "Wie du dich verhältst, wirkt sich stark auf die Endphase des Spiels aus", verrät Colantonio. Es soll definitiv unterschiedliche Enden geben. Vielleicht gelingt euch die Flucht, vielleicht verursacht ihr aber auch den Untergang der Menschheit, wer weiß ...

Auf der Suche nach der Wahrheit und im Kampf ums Überleben nutzt ihr die Werkzeuge und Geräte, die ihr an Bord findet. Die kombiniert ihr auch untereinander, gerne auch mal mit Alien-Technik, Stichwort: "Bewusstseinsverändernde Fähigkeiten", Neuromods.

Der Spieler verwandelt sich in einen Becher

"Es gibt viele Wege ein Problem zu lösen", stellt Colantonio fest. "Waffen sind einer davon. Allerdings sind Waffen rar." Sammelt daher fleißig Blaupausen, dann könnt ihr schnell in sogenannten Fabricatoren neue Waffen erschaffen.

Phantome der außerirdischen Lebensform "Typhon" jagen euch.Phantome der außerirdischen Lebensform "Typhon" jagen euch.

Das Publikum der Quakecon in Dallas bekommt bereits ein paar außergewöhnliche Beispiele zu Gesicht. Die "Gloo Cannon", eine Klebekanone, zum Beispiel. Die feuert Glibber, mit dem ihr undichte Stellen einer brennenden Leitung verklebt. Danach kommt ihr unbeschadet an der vormaligen Feuerstelle vorbei.

Noch außergewöhnlicher ist die Fähigkeit "Mimic". So steht ihr in einem Raum, aus dem es nur durch einen schmalen Sichtschlitz an einem Tresen weitergeht. Dafür müsstet ihr allerdings ungefähr fünf Jahre lang weniger Kalorien zu euch nehmen als ein Supermodel. Doch Morgan Yu kennt Alternativen. Ihr verwandelt euch kurzerhand in einen Becher und kullert durch den Schlitz. Ernsthaft: in einen Becher! Kombiniert mit einem kinetischen Schub könnt ihr euch als Becher auch auf eine höhergelegene Plattform katapultieren. Prey möchte offenbar Spieler belohnen, die gerne über den Tellerrand der üblichen Standard-Mechaniken hinaus denken.

Von Prey bleibt nur ein Name

Colantonio scheint von seinem Ansatz überzeugt. "Wir gestalten Prey in der Tradition von Deus Ex, System Shock, Bioshock oder Thief. Wir lieben diese Art von Spielen. Bei Prey handelt es sich um ein Action-Spiel aus der Ego-Perspektive, das einige Rollenspiel-Elemente besitzt. Der Spieler kann Werkzeuge und Mechaniken auf interessanten Wegen kombinieren und so die Rätsel auf die Weise lösen, wie er es gerne möchte. Der Spieler kann Entscheidungen treffen, die den Ausgang der Geschichte und das Schicksal der Charaktere im Spiel beeinflussen."

Der friedliche Schein trügt.Der friedliche Schein trügt.

Im Geiste der genannten Vorbilder gibt es auch Audio-Nachrichten, die ihr findet. Die präsentieren sich jedoch ein bisschen lebendiger als gewohnt. "Es sind keine Log- oder Tagebücher", führt Bare aus. "Der Spieler kommt nur Momente nach dem Unglück in die Raumstation. Wenn du das Kommunikations-Gerät von jemand anderem findest, kannst du das letzte Gespräch anhören, das diese Person geführt hat. Es ist ein Gespräch zwischen zwei kürzlich Verstorbenen." So erzählt das Spiel auch seine Geschichte. Notizen und Gespräche statt Zwischensequenzen.

Bleibt noch eine Frage: Weshalb heißt dieses Spiel Prey? Es existieren weder Charaktere noch Ereignisse, die mit dem früheren Prey verbunden sind. Auch treibt ihr keine Kopfgelder ein wie zuletzt für Teil 2 angedacht. Die einzige Gemeinsamkeit der Spiele ist das Wort an sich und die Idee eines „Science Fiction“-Spiels mit Außerirdischen, bei dem es zu überleben und zu fliehen gilt. Colantonio erklärt die Wahl des Namens pragmatisch: "Das übergeordnete Konzept von Prey passt zu unserer Vorstellung. Prey ist ein verflixt guter Name, der für das geeignet ist, was wir entwickeln. Es ist eine Marke." Nun denn ...

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Tags: Quakecon   Entwicklerbesuch   Onkel Jo   Science-Fiction  

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