Test The King of Fighters 14: Die Rückkehr des Königs?

von Thomas Nickel (22. August 2016)

In den 90er Jahren, da kämpften Neo-Geologen alljährlich um die Krone des King of Fighters. Jetzt ist der Kampfspiel-Veteran nach jahrelanger Pause mit King of Fighters 14 wieder da!

Erinnert sich noch jemand an SNK und das Neo Geo? Der Ferrari unter den Konsolen war in den 90er Jahren für den gewöhnlichen Wald- und Wiesenspieler unerschwinglich, bot dafür aber grafische Qualität, bei der Konkurrenten wie Segas Mega Drive oder das Super Nintendo nicht annähernd mithalten konnten - nirgendwo gab es bessere Ballereien und selbst zu PlayStation-Zeiten war das Neo Geo noch das Maß aller Dinge in Sachen 2D-Kampfspiele. Fatal Fury, Samurai Shodown, The Last Blade und natürlich das SNK-Kronjuwel, The King of Fighters versetzten die Spieler Jahr um Jahr in Entzücken.

Doch dann wurden die Zeiten hart: Nach mehreren komplizierten Verkäufen zog sich der ehemalige 2D-Gigant fast komplett aus dem Spielegeschäft zurück und versuchte sein Glück mit Pachinko-Glücksspielautomaten - so ähnlich, wie es gerade bei Konami der Fall ist. Doch auch das lief nicht so richtig und schließlich besann sich SNK auf seine wahren Stärken zurück und widmet sich nun wieder mit voller Kraft dem edlen Bildschirm-Zweikampf. Den Anfang mach die neueste Episode The King of Fighters 14.

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Königlich Prügeln bei The King of Fighters 14

Sechs Jahre nach der letzten Episode, dem auf PS3, Xbox 360 und sogar PC erschienenen 2D-Prügler The King of Fighters 13, gehen jetzt 50 Figuren, darunter zahlreiche komplett neue Gesichter, an den Start und Serienkenner schlucken erstmal schwer: The King of Fighters 14 ist die erste reguläre Serienepisode, die komplett in Polygongrafik daherkommt! Zwar wagte SNK mit The King of Fighters - Maximum Impact und dessen Nachfolger The King of Fighters - Maximum Impact 2 ein paar polygonale Gehversuche auf PS2, aber mit den famosen 2D-Episoden konnten diese Experimente nie ganz mithalten.

The King of Fighters 14 ist jetzt also der lang erwartete Nachfolger der kultigen 2D-Klopperei und tritt somit ein großes Erbe an, ist die Serie doch seit jeher für hohen spielerischen Anspruch, stil- und geschmackvolle Präsentation, blitzsaubere Technik und hervorragend ausbalancierte Charaktere bekannt!

Antonov bittet zum Schlagabtausch

Antonov heißt der neue Organisator des namensgebenden Turniers und obwohl der blonde Zigarrenraucher ziemlich gefährlich aussieht, hat er doch das Herz am rechten Fleck. So stellen sich schließlich 48 Kämpferinnen und Kämpfer dem Ruf: In Dreierteams wird gekämpft, bis alle drei Figuren eines Teams keuchend im Staub der Arena liegen. Trotz Polygongrafik wird dabei auf große Experimente verzichtet: Bewegungen in die Tiefe des Raums á la Tekken 7 gibt es ebensowenig wie wilde "Tag Team"-Aktionen: Ihr legt die Reihenfolge euer Figuren vor dem Kampf fest und eine neue Figur schwingt erst dann die Fäuste, wenn ihr Vorgänger besiegt ist.

Ralf und Leona messen ihre Kräfte auf dem Flugzeugträger.Ralf und Leona messen ihre Kräfte auf dem Flugzeugträger.

In erster Linie baut The King of Fighters 14 darauf, das Spielgefühl der 2D-Episoden in die neue Polygonwelt zu übertragen. Hohe Spielgeschwindigkeit, furiose Spezialattacken und viele Sprungangriffe zeichnen die Prügelei aus. Neben eurem Lebensbalken achtet ihr auch auf die Superleiste: Füllt die sich, verpasst ihr dem Feind bei korrekter Eingabe durchschlagende Superangriffe. Wer nur auf defensives Vorgehen setzt, der muss aufpassen: Eine separate Blockleiste leer sich zunehmend, wenn ihr gegnerische Angriffe abwehrt und ist sie leer, durchbricht der Feind eure Deckung und ihr seid seinen Attacken schutzlos ausgeliefert.

Unter den 50 spielbaren Figuren sollte sich für jede Spielernatur die richtige finden lassen. Kämper wie Kyo Kusanagi oder Terry Bogard sind ausgeglichen und sind auf Distanz ebenso effektiv wie im Nahkampf. Andere, wie "Kung Fu"-Opa Tung Fu Rue machen geringe Reichweite mit durchschlagenden Aktionen und hoher Geschwindigkeit wett, die sexy Mexikanerin Angel geht am liebsten in den Nahkampf und setzt euch mit schmerzhaften Griffen zu, und während der koreanische Hüne Choi mit seiner durchschlagenden Eisenkugel ausholt, hat ihm die kleine Muimui schon eine ganze Schlagkombo verpasst.

Wo andere Klopper auf Recycling setzen und sich Figuren oft grundlegende Angriffe oder Animationsmuster teilen müssen, da kommen die Helden und Schurken von The King of Fighters 14 enorm abwechslungsreich daher. Zwar werden die meisten Angriffe über die klassischen Viertel- und Halbkreisbewegungen ausgelöst, trotzdem hat jede Figur ihr ganz eigenes, spannendes Angriffs- und Bewegungsrepertoire. Alleine das Durchprobieren all der coolen, fiesen, schrillen, witzigen Handkantenhelden ist schon ein abendfüllendes Vergnügen.

PS3 oder PS4?

Spielerisch punktet der neue König der Kämpfer, technisch kommt er allerdings etwas zwiespältig daher. Die Animationen sind schnell, das Spiel läuft durchgehend mit sauberen 60 Bildern pro Sekunde und die Steuerung flutscht, grafisch wäre allerdings oft etwas mehr drin gewesen. Wo das kommende Tekken 7 auf wuchtige "Unreal Engine 4"-Grafik setzt und Capcoms Street Fighter 5 mit spannenden Tusche-Effekten punktet, da wirkt The King of Fighters 14 im direkten Vergleich ein wenig bieder.

Andy und Mai beweisen: Was sich liebt, das schlägt sich. Oder so.Andy und Mai beweisen: Was sich liebt, das schlägt sich. Oder so.

SNK leistet sich an keiner stelle eklatante Ausrutscher; die Figuren sind sauber modelliert und animiert, die Hintergründe punktet in Sachen Detailgrad und Farbwahl und die Effekte haben einen ordentlichen Bumms. Aber es fehlt einfach ein wenig der letzte Schmiss - eben das, was die besten Pixel-Episoden der Reihe so großartig gemacht hat. Wo früher Massen von Pixelfiguren die Kämpfer anfeuerten, da stehen jetzt kleine Grüppchen, und die charmanten, verspielten Details, die einen guten Kampfspiel-Hintergrund ausmachen, die kommen hier nur selten zum Vorschein.

Das macht The King of Fighters 14 jetzt bei weitem nicht zu einem hässlichen Spiel. Aber eben auch nicht zu einem grafisch besonders herausragenden Erlebnis. Das klingt hart, aber man muss sich eben vor Augen halten, dass es hier um SNK geht - einen Hersteller, der früher quasi ein Synonym für herausragende Präsentation und eben all diese liebevollen Details war. Was hier geboten wird ist durchaus hübsch, aber auch ein gutes Stück hinter den Fähigkeiten der PS4 zurück, selbst manche PS3-Prügler boten da grafisch mehr.

Angel verpasst Boxer Nelson eine klatschende Ohrfeige.Angel verpasst Boxer Nelson eine klatschende Ohrfeige.

Natürlich ist das auch eine Frage des Stils: SNK entschied sich bei den Figuren dieser Episode des King of Fighters für eine eher nüchterne Präsentation, ohne allzusehr überzeichnete Proportionen oder Gesichtsausdrücke - da haben die Figuren der letzten Inkarnationen von Street Fighter schon mehr Mimik und Ausstrahlung. Andererseits sind aber gerade Figuren wie Ninja-Maid Mai Shiranui, Gigolo Robert Garcia und natürlich der coole Kyo einfach echte Kampfspiel-Ikonen, deren Charme auch bei einer eher nüchternen Darstellung noch durchkommt. Und soll es dann dochmal etwas mehr Wahnsinn sein, dann bleiben euch immer noch durchgeknallte Kämpferinnen wie Fashion-Monster Sylvie Paula Paula, die eindeutig von der japanischen Pop- und Modeikone Kyary Pamyu Pamyu inspiriert sind.

Prügel-Vielfalt

Während The King of Fighters 14 in Sachen Präsentation etwas schwächelt, führt die SNK-Klopperei gerade den Capcom-Konkurrenten Street Fighter 5 in anderer Hinsicht ordentlich vor: In Sachen Umfang und spielerischer Vielfalt werden Ryu, Chun-Li und Co. hier regelrecht deklassiert. Das bezieht sich einerseits auf die Anzahl der Figuren, aber andererseits auch auf die Spielmodi. Während Street Fighter 5 die Spieler monatelang auf einen letzten Endes eher enttäuschenden Storymodus warten lies, ist im "King of Fighters"-Paket alles von Anfang an dabei.

Nakoruru wagt einen Abstecher aus dem "Samurai Shodown"-Universum.Nakoruru wagt einen Abstecher aus dem "Samurai Shodown"-Universum.

Zwar reißt der Storymodus keine Bäume aus, aber er bietet eben genau das, was sich Solisten von Capcoms Konkurrenz seit Monaten wünschen: Eine Reihe von Kämpfen, ein paar Zwischensequenzen, ein dramatischer Bosskampf und schließlich ein individueller Abspann. Dazu kommen noch die üblichen Mehrspielermodi, ein virtuelles Trainingszentrum, ein Herausforderungesmodus und eine Online-Modus. Auch ein Punkt für Download-Extras befindet sich bereits im Menü, aber zum Glück verzichtet SNK auf die etwas fragwürdigen Mechaniken mit Mikro-Transaktionen oder einer Spielwährung, mit der neue Figuren und andere Extras mühsam freigespielt werden müssen - die 48 regulären Figuren stehen von Anfang an zur Verfügung und die beiden Bosse sind nach einmaligem Durchspielen ebenfalls mit von der Partie.

Das alles macht den aktuellen King of Fighters zu einem ziemlich dicken Prügel-Paket und einem guten Auftakt für SNKs hoffentlich glorreiche Rückkehr an die Konsolenfront. Für die üblichen 60 Euro bekommt ihr jede Menge Inhalt mit viel Langzeitmotivation: The King of Fighters ist definitiv nicht einfach nur ein Lückenbüßer bis zum 2017 erscheinenden Kampfspiel-Monster Tekken 7. Allerdings sollten sich wirklich ehrgeizige Bildschirmkämpfer auf gewisse Folgekosten einstellen: Zwar lässt sich The King of Fighters 14 auch mit einem handelsüblichen Gamepad recht ordentlich spielen, mit einem guten Arcade-Stick wie dem feinen Real Arcade Pro 4 Kai aus dem Hause Hori fühlt sich die Hauerei aber gleich nochmal so gut an.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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