Test Master of Orion: Es ist ein Anfang

von Michael Krüger (26. August 2016)

Einer der ganzen großen Namen der Kategorie "4X-Strategie" taucht aus der Versenkung auf und spendiert euch passend zum Ende des Sommerlochs entspannte Stunden voller Taktik und Entscheidungen.

Vor cirka 13 Jahren verabschiedete sich die Serie mit Master of Orion 3 eher unrühmlich. Mit Wertungen um die 50 war klar, dass so schnell kein Lebenszeichen mehr von der Serie zu erwarten ist. Nun erscheint Master of Orion - von einem anderen Entwickler, der eigentlich auch in ganz anderen Spielgattungen unterwegs ist. Irgendwo ein Experiment, doch zweifellos mit Potenzial.

Zwischen 1993 und 2003 erschienen insgesamt drei Teile der "Master of Orion"-Reihe und bilden seitdem einen Teil des Fundaments einer speziellen Kategorie von Strategie-Spielen. Die Rede ist von 4X. Bezeichnend sind für diese Spiele vor allem die vier englischen Begriffe Explore, Expand, Exploit und Exterminate - also Erkunden, Expandieren, Ausbeuten und Auslöschen. Dies sind eure wesentlichen Beschäftigungen als Herrscher über euer Volk. Eine der bekanntesten aktuellen Vertreter dieser Gattung ist zweifelsohne Civilization 6. Die Konkurrenz für Master of Orion ist somit nicht zu unterschätzen.

Dieser Herausforderung stellt sich Wargaming - genauer gesagt, deren Unterstudio WG Labs. Gemeinsam mit NGD Studios soll es dieses Mal kein "Free to Play"-Spiel wie etwa World of Tanks werden. Ein Grundverständnis für große Gefechte liegt nun aber schon vor, da kann man den Spaß auch einmal hinaus in den Weltraum tragen. Master of Orion zeigt sich dabei als ambitioniertes Spiel, das durchaus das Zeug zum Rohdiamanten hat.

Grundsolides Gerüst

Wie die meisten 4X-Spiele verzichtet auch Master of Orion auf eine wirkliche Handlung. Das Spiel selbst schreibt die Geschichte und ihr zieht dabei kräftig an den Fäden. Als Anführer einer von zehn Rassen trefft ihr strategische Entscheidungen und erweitert den Einfluss eurer Spezies. Daher spielt sich das Geschehen hauptsächlich auf einer Sternenkarte ab. Ihr verwaltet im wesentlichen die Produktion eurer Kolonien, die Erforschung anderer Sternensysteme sowie militärische Angelegenheiten.

In der Detail-Ansicht verwaltet ihr die Aufgaben der Bevölkerung.In der Detail-Ansicht verwaltet ihr die Aufgaben der Bevölkerung.

Jede Runde besteht somit aus der Wahl neuer Gebäude und Schiffe sowie dem Versetzen von Einheiten. Dieser Rhythmus wird hin und wieder durch die Frage nach der nächsten Forschung oder einem diplomatischen Angebot unterbrochen. So entwickelt sich eure Zivilisation weiter und erreicht neue Ebenen der Technik. Kurzum: Die Formel entspricht in großen Teilen den Spielmechaniken der Reihe Civilization. Selbst neuere Komfort-Funktionen, wie die regelmäßigen Erinnerungen an mögliche Züge, werden in Master of Orion bedacht.

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Master of Orion Event

Jetzt könnte man natürlich darüber streiten, wie viel Civilization in Master of Orion steckt und stecken darf. Doch viel wichtiger ist doch die Frage nach den Alleinstellungsmerkmalen. Denn ganz ehrlich: Viele 4X-Spiele ähneln sich stark. Es sind andere Aspekte, die den wichtigen Unterschied ausmachen. Worin sich Master of Orion nämlich auf den ersten Blick unterscheidet, ist die Skalierung. Anstelle von Ländern und Städten hantiert ihr hier mit Planeten und Sternensystemen. So wie ihr es aus den originalen drei Teilen eventuell kennt.

Viel Militär - Wenig Freiheit

Habt ihr eine Kolonie gebaut, dreht sich alles um deren Ausbau und die Reihenfolge der Produktion. Eingeteilt in die Kategorien Forschung, Nahrung und Produktion steht euch zunächst eine übersichtliche Bevölkerung zur Verfügung. Mithilfe neuer Bauten steigert ihr die einzelnen Werte und beschleunigt sowohl das Wachstum als auch die Effizienz der Bevölkerung. Ab einer gewissen Populationsgröße verliert eine Kolonie jedoch an Spannung.

Die Sicherung eures Sternensystems kann manchmal anstrengend sein.Die Sicherung eures Sternensystems kann manchmal anstrengend sein.

Bis auf Probleme mit Umweltverschmutzung oder Angriffen durch Piraten gibt es eigentlich keine Überraschungen. So bekommen die Planeten mit der Zeit mehr den Charakter einer Werft. Denn Schiffe benötigt ihr immer. Piraten, Weltraummonster und schlecht gelaunte Gegenspieler greifen immer wieder ohne jede Vorwarnung an und zerstören Einheiten oder sogar Kolonien. Damit sie es nicht so leicht haben, werdet ihr also nicht um Militär-Einheiten herumkommen. Selbst geschicktes Blockieren von Wegen ist nicht immer zielführend.

Dezente Aussetzer in der KI lassen eine feindliche Rasse auch gerne mal angreifen - ohne sonstige Anzeichen von Krieg. Als wäre das ein üblicher Brauch, verwandelt sich eure Fregatte dann zu Staub. Ein Kommentar des computergesteuerten Anführers lässt auf sich warten. Aus der Distanz betrachtet, spielt ihr eine verdrehte Variante von Mensch Ärgere Dich Nicht. Kolonien bestimmen eure Erfolgschancen im Kampf und eure Einheiten erobern Wege und Punkte auf einem Netz aus Linien und Punkten. Das macht auf jeden Fall Spaß, könnte allerdings ruhig ein wenig mehr planbar sein.

Mangel an Details

Auch wenn manche Aspekte mit viel Hingabe dargestellt werden und hier und da Details vorkommen, die andere Spiele auslassen, dürfte es schon etwas mehr sein. Da wäre zum einen die genaue Ansicht der Planeten. Hier seht ihr eure Bauten und ein paar reisende Schiffe auf der Oberfläche. Das sieht super aus, doch die Möglichkeit etwas näher heranzugehen wäre einfach schön. Auch von spielerischer Seite fehlt hier der Tiefgang. Bis auf die Entscheidung, Gebäude abzureißen, wartet hier nämlich nichts auf euch.

Alan Tudyk, bekannt aus der Serie Firefly, spricht den Berater der PsilonenAlan Tudyk, bekannt aus der Serie Firefly, spricht den Berater der Psilonen

Kommt es zu einem planetaren Angriff, seht ihr noch weniger vom Geschehen. Kämpfe auf Planeten werden nur durch kleine Explosionen dargestellt. Auch könnt ihr Bodeneinheiten nicht befehligen und so bleiben die eigentlichen Gefechte komplett im Weltall. Das ist wirklich schade, da ihr auf diese Weise Gebäude wie Marinestützpunkte, Raketentürme und Luftabwehr nie in Aktion bewundern könnt. Mehr Details wären sowohl spielerisch als auch von Seiten der Darstellung ein echter Mehrwert für Master of Orion.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Ressourcen. Credits, Arbeitskraft, Nahrung und Forschung - das sind die vier Rohstoffe um die es in Master of Orion geht. Das klingt aufgrund des Maßstabs eventuell nachvollziehbar, führt auf spielerischer Seite aber schnell zu Ermüdungserscheinungen. So gibt es mehrere Gebäude, die eure Forschung verbessern und Nahrung produzieren, die Unterschiede sind allerdings deutlich zu gering. Das zeigt sich auch in den Verhandlungen mit anderen Anführern. So richtig groß ist die Auswahl an Optionen nicht. Doch das ist nicht das größte Problem der Diplomatie-Funktion.

So toll die Darstellung der Rassen-Anführer ist, so wenig Tiefgang bieten die Interaktionen mit diesen. Es gibt zwar ein paar Glanzmomente, wie die Darstellung des hohen Rats oder bestimmte emotionale Ausraster in kritischen Situationen, doch das Element der diplomatischen Verhandlung ist schwach. Auf Vorschläge können keine Gegenangebote gemacht werden und wie bereits erwähnt, mangelt es an handelbaren Optionen. Das führt zu eher schwammigen Beziehungen, die sich meist nur dann drastisch verändern, wenn ihr auf einen irrsinnigen Vorschlag eines Gegenspielers eingeht, wie etwa ein spontanes Kriegsbündnis gegen bislang unbeteiligte Dritte.

Stärken im Kampf

In den Kämpfen hingegen gibt es nichts zu meckern. Stehen die Chancen auf einen Erfolg einigermaßen gut, dürft ihr den Kampf wahlweise selbst ausfechten beziehungsweise euch im Detail anschauen. Inwiefern euch die KI dabei hilft, entscheidet ihr. Durch euer Mausrad verwandelt sich die zweidimensionale Strategie-Ansicht in ein 3D-Schlachtfeld. Pausiert ihr das Spiel, habt ihr Zeit für neue Befehle. Hier könnt ihr sogar die Reichweite der Angriffstoleranz einstellen und eure Einheiten in verschiedene Formationen dirigieren. Das sieht super aus und je nach Größe des Gefechts steigt auch das Adrenalin.

Egal ob gegen feindliche Schiffe oder Weltraum-Monster - die Kämpfe können sich sehen lassen.Egal ob gegen feindliche Schiffe oder Weltraum-Monster - die Kämpfe können sich sehen lassen.

Wie stark eure Einheiten sind, seht ihr in der Übersicht eurer Schiffspläne. Je nach Forschungsstand stehen euch Hilfsmittel, Panzerungen und Waffen zur Verfügung, die ihr nach Lust und Laune an den Schiffen anbringen könnt. Dabei kann jedes Gehäuse nur eine maximale Anzahl an Last tragen. Mit etwas Geschick schafft ihr es, Standardschiffe deutlich zu verbessern. Das wiederum ist euren Erfolgschancen auf dem Schlachtfeld zuträglich. Um auch nach längerer Zeit Spaß daran zu haben, fehlt es aber an Tiefe. Der spürbare Effekt ist hierfür einfach zu klein. Lustig ist die Bastelei aber allemal.

Ein Höhepunkt des Spiels dagegen ist die Umsetzung der Rassen-Anführer. Alle zehn Rassen, die ihr aus der originalen Serie kennt, erstrahlen in neuem Glanz. Hintergrundgeschichten und spielerische Unterschiede beiseite, begeistert vor allem die Präsentation dieser teils skurrilen Persönlichkeiten. Ganz besonders viel Wert wurde auf die Vertonung gelegt. Bekannte Sprecher wie Mark Hamill, vielen besser bekannt als Luke Skywalker, leihen den Anführern in Master of Orion ihre Stimme. Diese passen hervorragend zur musikalischen Begleitung, die ebenfalls großartig gelungen ist.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer   Remake  

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