Test Champions of Anteria - Helden mit Potenzial

von Michael Krüger (30. August 2016)

Ohne Siedler, dafür mit einprägsamen Helden - Mit Champions of Antera erwartet euch eine recht ungewöhnliche Produktion einer ansonsten eher für Strategiespiele bekannten Schmiede. Klappt das?

Da staunten die Anhänger der Reihe Die Siedler nicht schlecht, als es vor ein paar Jahren hieß, dass die Serie nun durch RPG-Elemente erweitert wird. Aus dem Staunen wurde Frust und der Druck in Richtung Entwickler Blue Byte und Hersteller Ubisoft wurde größer. Mittlerweile hat sich der Sturm gelegt und aus Die Siedler - Königreiche von Anteria wurde Champions of Anteria. Die Arbeiten am Spiel sind also nicht für die Tonne und ihr als Spieler werdet nicht von einem Namen verwirrt.

Wie besagter Name schon vermuten lässt, dreht sich in Champions of Anteria alles um die Helden der titelgebenden Ländereien. Ihr kümmert euch zwar auch rudimentär um die Verwaltung eures Reichs, doch hauptsächlich begleitet ihr eure tapferen Krieger in den Kampf. Diese steuert ihr ähnlich wie Einheiten in Warcraft 3 - Reign of Chaos. Der Clou dabei ist, dass ihr das Spiel dabei jederzeit pausieren könnt, um taktische Entscheidungen zu treffen. Ist eine Mission erledigt, könnt ihr weiterhin den Frieden wahren oder habt im besten Fall Boden gut gemacht. Auf diesem baut ihr dann Gebäude, die wiederum Rohstoffe für die Verbesserung eurer Helden produzieren.

Da ist es auch kein Wunder, dass der Name "Die Siedler" von vielen Spielern als irreführend empfunden wurde. Immerhin fehlen in Champions of Anteria serientypische Spielmechaniken fast vollständig. Auch die geschickte Planung der Infrastruktur ist hier kein Thema. Der Anspruch ist nicht mehr, eine Variante der alten Marke zu bringen, sondern ein taktisches Rollenspiel mit dezenten Aufbau-Elementen zu kombinieren. Also sollte Champions of Anteria auch so betrachtet werden. Nun stellt sich die Frage, wie gut das funktioniert und vor allem, wie lange es Spaß macht.

Schöne Aufmachung

Die titelgebenden Länder of Anteria sind zu Beginn des Spiels in vier Fraktionen unterteilt und wollen sich auf Biegen und Brechen nicht einigen. Euer Ziel ist es, das gesamte Reich von Anteria zu kontrollieren. Hierfür nehmen eure Champions Stück für Stück freie und fremdbesetzte Landabschnitte ein, was euch Platz für neue Gebäude und regelmäßige Einnahmen beschert. Gebäude bringen euch anschließend Rohstoffe und diese wiederum investiert ihr in die Produktion von Ausrüstung, Tränken und anderen Hilfsmitteln.

Eine der Stärken des Spiels ist die Darstellung der Handlung.Eine der Stärken des Spiels ist die Darstellung der Handlung.

Zu Beginn wird die Rahmenhandlung dieser Spielmechaniken recht hübsch verpackt. Der Erzähler Bryan der Barde ist selbst Teil der Geschichte. Er ist es, der die reisenden Champions davon überzeugt, für ihr Reich zu kämpfen. In Form bewegter Konzeptzeichnungen gestaltet sich die Handlung farbenfroh und witzig. Champions of Anteria versucht nicht ernst rüberzukommen und nimmt sich selbst auch keinesfalls ernst. Das unterstreichen auch gelegentliche Sprüche der Helden.

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Champions of Anteria - Blue Byte und die Echtzeitstrategie

Habt ihr jedoch erst einmal alle fünf Champions beisammen, war es das für eine längere Zeit mit der Erzählung. Nur kleine Intro-Sequenzen neuentdeckter Feinde bringen ab hier noch Farbe ins Spiel. An kleinen Filmen, die den Einfluss eures Handelns spürbar machen, fehlt es in großen Teilen. Dabei würde das eine deutlich größere Dynamik ins Spiel bringen und euch auch nach längerer Spielzeit weiter motivieren. Doch nicht nur auf Seiten der Darstellung schleicht sich nach und nach etwas Monotonie ein.

Eine etwas außergewöhnliche Mischung

Eure Handlungen in Champions of Anteria teilen sich in zwei wesentliche Aspekte. In der Karten-Ansicht plant ihr eure nächsten Missionen. Hier verwaltet ihr auch euer Dorf. Ausgehend von einem zunächst recht ramponierten Schloss baut ihr Wohnhäuser, Wachtürme, Werkstädten und Ressourcen-Produktionen. Dabei spielt die Lage der Gebäude nur grob eine Rolle. So kann es zu Abzügen kommen, wenn ihr bestimmte Häuser innerhalb des gleichen Bezirks positioniert.

Aufbauarbeit wird nur rudimentär behandelt.Aufbauarbeit wird nur rudimentär behandelt.

Straßenplanung und andere Elemente, wie ihr sie eventuell aus Die Siedler kennt, gibt es in Champions of Anteria nicht. Ihr kümmert euch viel mehr darum, dass ausreichende Rohstoffe für die Verbesserung eurer Helden und deren Ausrüstung vorhanden sind. Neue Möglichkeiten schaltet ihr mithilfe von Ansehen frei. Diese Währung beschreibt den Ruhm eures Reichs. Auf diese Weise entsteht ein Wechsel aus Bedürfnissen. Ressourcen stärken die Champions, die dadurch neue Gebiete erschließen, die euch wiederum neue Wege ermöglichen.

Startet ihr eine Mission, schickt ihr drei eurer fünf Helden in den Kampf. Die Ziele variieren von Eskortieren über Einnehmen bis hin zu Retten. Im Wesentlichen laufen sie allerdings alle auf ähnliche Kämpfe hinaus. Kommt es zum Gefecht, pausiert ihr das Spiel nach Belieben und gebt euren Champions Befehle. Während gewöhnliche Attacken von der KI übernommen werden, entscheidet ihr vor allem über die Position, das Ziel und den Einsatz von Spezialattacken eines jeden Heldens.

Schere, Stein, Papier, Echse, Spock

Eine entscheidende Rolle spielen dabei die fünf Elemente Feuer, Wasser, Blitz, Natur und Metall. Angeordnet in einem Kreis schlägt hier eines das andere, was zu einer simplen Art "Schere, Stein, Papier"-Prinzip führt. Greift Feuer beispielsweise Metall an, verursacht es kritischen Schaden. Gegen Wasser wiederum reicht es gerade einmal für Streifschaden. Dadurch ist es äußerst wichtig, nicht nur genau zu planen, welche Champions ihr in das jeweilige Gebiet mitnehmt, sondern auch wen sie jeweils angreifen.

Die Kraft der Elemente ist nicht zu unterschätzen und entscheidet schnell über Sieg und Niederlage.Die Kraft der Elemente ist nicht zu unterschätzen und entscheidet schnell über Sieg und Niederlage.

Je nachdem wie weit sich euer Reich vergrößert, steigt ihr in Stufen auf. Diese schalten neue Fähigkeiten für eure Champions frei. Dank dieser bekommt der taktische Aspekt der Gefechte mehr Tiefgang. So können manche Helden die Elemente von Mitstreitern oder Feinden ändern oder verheerende Schäden anrichten. Reicht das nicht aus, baut ihr Fallen auf oder schickt kleine Roboter in den Kampf. Solche Hilfsmittel baut ihr vorher allerdings im Dorf.

Die Mischung aus Strategie und Action ist gut gelungen und die Kämpfe machen zumindest in den ersten Stunden jede Menge Spaß. Irgendwann jedoch ergibt sich eine gewisse Monotonie. Ihr findet einen routinierten Ablauf und verfahrt Kampf um Kampf nach diesem. Viel Variation gibt es dann nicht mehr. Die Angriffe oder Zauber mögen sich eventuell unterscheiden, doch der Ablauf eurer Aktionen bleibt nahezu der Gleiche.

Hier zeigt sich das Hauptproblem von Champions of Anteria. Die ersten Stunden sind abwechslungsreich und verfügen über eine angenehme Dynamik. Doch dann wird der Rhythmus aus Aktionen zu einer gleichbleibenden Schwingung und bietet keine Überraschungen mehr. Hier wurden eindeutig ein paar Chancen verpasst. Boss-Kämpfe sind beispielsweise so gut wie gar nicht vorhanden. Ist ein Gegner einmal besonders stark, unterscheidet er sich dennoch kaum von gewöhnlichen Feinden. Dabei wäre das eine prima Gelegenheit für ein paar besondere Momente im Spiel.

Diese kommen eindeutig zu kurz. Da wird einerseits jede Fraktion mit einem Video vorgestellt, doch anschließend gibt es in weiten Teilen keine charismatischen Gegner. Weder feindliche Champions noch Anführer erledigen diese Aufgabe. Dadurch geht die Unterhaltung und somit auch die Motivation über die Zeit verloren. Ohne Höhepunkte verkommen die Spielmechaniken wiederum immer mehr zu einem Trott. Das ist besonders deshalb schade, weil die Basis vielversprechend ist und gerade zu Beginn viel Spaß macht. Mit etwas mehr Feinschliff und Arbeit am Detail könnte Champions of Anteria euch nämlich ohne weiteres 20 Stunden und mehr unterhalten.

Trostpflaster für Spieler

Neben all dieser Kritik gibt es aber auch ein paar nette Dinge, die ihr über Champions of Anteria wissen solltet. So wurde auf Grund der Rückmeldungen durch Spieler nicht nur der Name und die Ausrichtung geändert, sondern auch auf Online-Zwang und Mikrotransaktionen verzichtet. Letzteres dürfte auch damit zusammenhängen, dass Champions of Anteria nicht über einen Mehrspieler-Modus verfügt. Da die einzelnen Phasen der Spielzüge recht lange dauert, wäre eine Umsetzung auch schwierig vorstellbar.

Über zu wenig Schwierigkeitsgrade könnt ihr euch nicht beschweren.Über zu wenig Schwierigkeitsgrade könnt ihr euch nicht beschweren.

Liegt euch das Spiel und ihr habt Lust auf mehr könnt ihr euer Glück in höheren Schwierigkeitsgraden versuchen. Die höchste der drei Forderungsstufen erhaltet ihr allerdings nur durch den Ubisoft Club. Darf es dennoch etwas mehr sein, aktiviert ihr den Modus "Ironman Extrem". Hier wird jeder Fehlschlag hart bestraft und Scheitern führt endgültig zu einer Niederlage. Je nachdem wie gerne ihr also Champions of Anteria spielt, lohnen sich auch mehrere Durchläufe.

Der Preis des Spiels ist sicher auch eine nette Geste gegenüber den Spielern. Immerhin kostet Champions of Anteria gerade einmal cirka 30 Euro. Wie viel ihr von einem Spiel dieses Preissegments allerdings erwartet, hängt ganz von euch selbst ab.

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Tags: Fantasy   Singleplayer  

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