Test Metroid Prime - Federation Force: Kleine Füße in großen Fußstapfen

von Michael Krüger (02. September 2016)

Nach einer längeren Pause kommt mit Metroid Prime - Federation Force eine der ganz großen Nintendo-Serien zurück. Allerdings nur auf den kleinen Bildschirm und ohne Samus.

Für manche ist es sicher schwer vorstellbar: Metroid wird 30 Jahre alt. In dieser Zeit entstanden nicht nur viele tolle Spiele, sondern auch ein starker Einfluss auf Videospiele allgemein. Besonders die gelungene Verbindung von Spielwelt und Rätselmechaniken zeigt sich hierfür verantwortlich. Diese ist in jedem Spiel der Serie vorhanden, wenn auch nicht immer gleich stark ausgeprägt.

Mittlerweile liegt das bislang letzte Lebenszeichen in Form von Metroid - Other M bereits sechs Jahre zurück. Anstelle der Formel von Metroid Prime erwartet euch dort eine Art Neuinterpretation der SNES- und NES-Klassiker. Nicht jedem gefällt das, doch eindrucksvoll ist dieses Wii-Spiel allemal. Wie auch sämtliche andere Metroid-Spiele lebt es zum Großteil von der starken Protagonistin Samus Aran, die meist auf sich allein gestellt als Kopfgeldjägerin unterwegs ist.

Anstatt nun aber nach dieser Pause ein neues Spiel mit der ikonischen Heldin zu veröffentlichen und damit die Geschichte weiterzuerzählen, erwartet euch mit Metroid Prime - Federation Force recht einfache Kost: Kooperativer Shooter-Spaß für bis zu vier Spieler. Weder eine ausladende Handlung noch sonstige Bezüge zur eigentlichen Reihe stehen auf dem Programm. Anstelle eines bekannten Gesichts erwarten euch vier namenlose Soldaten. Die Spielmechaniken sollen im Vordergrund stehen und großen Spaß bringen. Eine Rechnung die jedoch nicht ganz aufgehen will.

Ein Hauch von Handlung

Abseits der Handlung, die ihr eventuell aus einem der Vorgänger kennt, zeigt Metroid Prime - Federation Force den Berufsalltag von vier gepanzerten Soldaten. Warum ihr genau hier seid und was ihr durch euer Handeln bezweckt ist im Grunde Nebensache. Viel mehr geht es darum, die Ziele von 24 Missionen zu erledigen. Diese schaltet ihr nach und nach frei. Je schneller und präziser ihr vorgeht, umso mehr Medaillen warten auf euch. Habt ihr hiervon genügend gesammelt, bekommt ihr neue Lackierungen und Mod-Plätze.

Nicht jede Bestie muss abgeknallt werden.Nicht jede Bestie muss abgeknallt werden.

Mods sind kleine Chips, die ihr in euren Kampfanzug stecken könnt. Je nach Art verbessern sie dann bestimmte Werte oder versorgen euch mit neuen Fähigkeiten. In den Missionen sind viele dieser Mod-Chips versteckt. Da ihr Einfluss auf das Spielgeschehen allerdings recht überschaubar ist und ihr maximal drei Mods aktivieren könnt, erscheinen umständliche Suchaktionen eher unattraktiv. Zwar sind manche Effekte ganz nett, doch eine richtige Sammelleidenschaft will einfach nicht entstehen.

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Metroid Prime - Federation Force: Koop-Action statt Samus Aran

Die Auswahl der Lackierungen ist ebenfalls kaum erwähnenswert. Während die neuen Motive, die ihr durch Medaillen bekommt, ganz hübsch sind, enttäuscht hier vor allem die Umsetzung der Amiibo-Designs. Acht unterschiedliche Figuren brachten hier jeweils ein und das gleiche Farbschema. Selbst berühmte Figuren wie Bowser bringen euch keine einzigartigen Muster. Warum bei einem an sich schon geringen Umfang noch weiter eingespart wird, ist ein Rätsel. Immerhin bekommt ihr die Farben des originalen Anzugs wenn ihr ein Metroid-Amiibo habt - besser als nichts.

Ideenreiche Steuerung

Eine zufriedenstellende Egoshooter-Steuerung auf dem 3DS umzusetzen, ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe. Doch wenn es jemand schafft, in diesem Bereich immer wieder mit neuen Ideen zu überraschen, dann ist das Nintendo. Zu Beginn mag euch die Steuerung von Metroid Prime - Federation Force nicht überzeugen, doch je länger ihr spielt, umso dankbarer werdet ihr sein. Dann ergibt plötzlich alles Sinn und ihr steuert euren Soldaten als hättet ihr noch nie etwas anderes gemacht.

Dank der Feinabstimmung sind unter anderem Kopfschüsse möglich.Dank der Feinabstimmung sind unter anderem Kopfschüsse möglich.

Der Trick ist der geschickte Einsatz der Schultertasten. Während die linke Taste euren Blick auf ein Ziel fixiert, aktiviert die rechte Taste die Bewegungssteuerung. Mithilfe derer könnt ihr nun eine Schwachstelle eures Ziels anvisieren. So bleibt ihr selbst in schnellen Gefechten und hektischen Situationen noch äußerst präzise. Habt ihr einen New 3DS, New 3DS XL oder ein Circle Pad Pro könnt ihr alternativ den rechten Stick für die Feinabstimmung benutzen. Das funktioniert allerdings nicht halb so gut wie die Bewegungsteuerung. Habt ihr Splatoon gespielt, könnt ihr das sicher nachvollziehen. Dort setzt Nintendo nämlich ebenfalls die Gyrosensoren als Steuerung während des Zielens ein. Und das spielt sich äußerst angenehm.

Innerhalb der Missionen erwarten euch Kämpfe gegen Welltraumpiraten, außerirdische Pflanzen und Tiere, aber auch riesige Ungeheuer. Eure Aufgaben variieren, ähneln sich im Ablauf allerdings. Zwischen Zerstören und Einsammeln stechen Aufgaben hervor, die von euch das Einfangen von Bestien verlangen. Hier erwarten euch besonders in der Gruppe spannende Momente. Ebenfalls eine tolle Idee sind Schlüssel, die auf Türen geschossen werden und Kugeln die durch geschicktes Anschießen über Hindernisse bewegt werden. Auch wenn nicht die große Nintendo-Kreativbombe platzt, gibt es zumindest ein paar Höhepunkte.

Dezente Metroid-Momente

Ähnlich verhält es sich bei der Gestaltung. Diese ist von Seiten der Inspiration grob an Metroid Prime angelegt und verhilft dadurch dem Spiel zum entsprechenden Namenszusatz. Neben den Kampfanzügen, in denen ihr unterwegs seid, erinnern beispielsweise Teile der Gegner oder bestimmte Formen an die originale Serie. Angenehm dabei ist die Variation der Planeten und Einrichtungen. Von eisigen Bergen bis hin zu lavagefüllten Höhlen ist so ziemlich alles vertreten, was irgendwie in das Universum von Metroid passt. Die Schauplätze sind durch die Bank hübsch gestaltet, wenn sie auch ohne allzu viele Details auskommen müssen.

Bis auf einzelne Hinweise erinnert wenig an die Serie.Bis auf einzelne Hinweise erinnert wenig an die Serie.

Da die Protagonisten ohne Gesicht auskommen und selbst die Missionshintergründe von einem Sprecher mit Helm vermittelt werden, wirkt Metroid Prime - Federation Force alles in allem dennoch eher blass. Graue Anzüge mit einfarbigen Visieren ersetzen einfach keine Titelfigur mit Charakter. Hier hätten es gerne ein paar einprägsame Figuren sein dürfen. Selbst die Darstellung des eigenen Miis im Kampfanzug, wie es in der Minispielsammlung Nintendoland der Fall ist, hätte schon große Auswirkungen auf das Spielgefühl gehabt.

So zeigen sich die vier spielbaren Soldaten selbst in der Kommunikation kantenlos. Mehr als eine Texteinblendung und ein beherzt erklingendes "Gut Gemacht!" bekommt ihr von Mitspielern nämlich nicht zu sehen oder zu hören. Dieser Umstand nimmt dem Spiel viel an Emotion und reduziert es großteils auf die Spielmechanik und den damit verbundenen Spaß. Dass dieser vorhanden ist, steht außer Frage. Er wäre jedoch sicher größer wenn das Drumherum eine stärkere Bindung zu euch als Spieler zulassen würde.

Hauptsache gemeinsam Spaß

Ein wesentlicher Aspekt von Metroid Prime - Federation Force ist ganz klar der kooperative Spaß. Und in der Tat liegt hier auch eine der Stärken des Spiels. Da die Missionsziele nicht allzu komplex sind, verständigt ihr euch auch wunderbar via selbst wählbarer Chatbefehle mit anderen Spielern. Sämtliche Karten sind so gestaltet, dass ihr sie alleine aber auch gemeinsam mit anderen spielen könnt. Seid ihr in einer Gruppe unterwegs, müsst ihr zwangsläufig zusammenarbeiten, um das Ziel zu erreichen. So kann es sein, dass ein Spieler eine Schlucht überquert und anschließend ein Brücke für seine Mitspieler bauen muss.

In der Gruppe ist der Spaß am größten.In der Gruppe ist der Spaß am größten.

Die Kämpfe gegen feindliche Einheiten und besonders gegen Bossgegner machen in einer Gruppe gleich noch einmal so viel Spaß. Da sich die ausgerüsteten Gegenstände oft unterscheiden, entstehen hier teilweise aus einer Laune heraus abgefahrene Taktiken. In diesem Fall profitiert das Spiel von den recht einfach gehaltenen Wegen und Aufgaben. Zu viel Komplexität könnte das Zusammenspiel mit anderen auch behindern, da die Kommunikationsmöglichkeiten minimalistisch sind.

Möchtet ihr lieber gegen andere antreten anstatt auf der gleichen Seite zu kämpfen, könnt ihr den Modus Blast Ball auspacken. Dieser ist übrigens separat auch als Metroid Prime - Blast Ball kostenlos im Nintendo eShop erhältlich. Hier kommen die wesentlichen Spielmechaniken auf eine etwas andere Art zum Einsatz. Ähnlich wie hin und wieder in den Koop-Missionen habt ihr hier eine Kugel vor euch, die ihr durch geschicktes Anschießen bewegen könnt. In diesem speziellen Fall soll die Kugel am besten in das gegnerische Tor. Ihr spielt also eine Art Fußball mit Kanonen.

Das klingt nicht nur spaßig, das ist es auch. Hier zeigt sich zum einen, dass die zu Beginn eventuell gewöhnungsbedürftige Steuerung, durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Habt ihr einmal Feuer gefangen, gibt es so schnell kein Halten mehr. Besonders gegen Freunde im lokalen Verbund ist es ein gelungenes Team-Spiel, dass die eine oder andere Stunde Abendprogramm bedienen kann. Ein paar mehr Anpassungsmöglichkeiten der Spielmodi und Spielfiguren wären dennoch toll.

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Inhalt

  • 1. Metroid Prime - Federation Force: Kleine Füße in großen Fußstapfen
  • 2. Meinung und Wertung

Tags: Amiibo   Koop-Modus   Science-Fiction  

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