15 Jahre Gamecube von 2001 bis 2016: Delfin im falschen Körper gefangen - Frühes Requiem

(Special)

Frühes Requiem

Ausgerechnet die Nintendo-Serie, die vielleicht immer schon als die ernsthafteste erschien, vergibt Kyoto dann aber doch an einen Partner aus Übersee. Die texanischen Retro Studios sind noch fast unbekannt, als sie den Auftrag erhalten, die Metroid-Reihe wiederzubeleben – und dabei auch gleich noch in die dritte Dimension zu katapultieren, denn Samus hat das N64 nie besucht. Als die Aufgabe erledigt ist, gehören Metroid Prime und zwei Jahre später auch Teil 2 zum Besten, was je im Laufwerk des Gamecubes gelandet ist.

Nur ein weiterer dumpfer Egoshooter? Scheint so, aber trotzdem geht's in Metroid Prime nur am Rande ums Schießen - und hauptsächlich um die nur scheinbar unnachahmliche Atmosphäre von Super Metroid. Denn die Retro Studios haben sie doch in die dritte Dimension übertragen können.Nur ein weiterer dumpfer Egoshooter? Scheint so, aber trotzdem geht's in Metroid Prime nur am Rande ums Schießen - und hauptsächlich um die nur scheinbar unnachahmliche Atmosphäre von Super Metroid. Denn die Retro Studios haben sie doch in die dritte Dimension übertragen können.

Bei all diesen Lichtblicken fällt aber leider auch auf, dass die meisten dieser wichtigen und guten und heute noch bedeutenden Spiele in den Jahren 2002 und 2003 auf den Markt gekommen sind. Das hat den einfachen Grund, dass es danach bereits ziemlich zügig in Richtung Bahre für den Gamecube geht. Nichts hilft mehr. Nintendo experimentiert in der zweiten Hälfte des Gamecube-Lebenszyklus wie verzweifelt mit unkonventionellen Alternativcontrollern.

Nicht mehr zu retten

Ein Mikrofon ist dabei, das in genau drei Spielen zum Einsatz kommt, und eine sperrige Bongotrommel – ebenfalls für ganze drei Spiele. Bei insgesamt über 660 Gamecube-Spielen macht das überdeutlich, wie wenig der Konzern seinen eigenen Geräten zutraut und wie halbherzig er damit auch der Konsole selbst gegenübersteht. Aus ökonomischer Sicht – und große Unternehmen sind gut beraten, sich an diese Sicht zu halten – ist das verständlich und sinnvoll.

Der Gamecube fällt zum größten Teil in die Amtsgeschäfte von Iwata. Ihm kommt auch die Verantwortung zu, mehr oder weniger nützliche Symbiosen der beiden damaligen Nintendo-Flaggschiffe abzusegnen (rechts der Gameboy Advance, der ebenfalls 2001 erscheint).Der Gamecube fällt zum größten Teil in die Amtsgeschäfte von Iwata. Ihm kommt auch die Verantwortung zu, mehr oder weniger nützliche Symbiosen der beiden damaligen Nintendo-Flaggschiffe abzusegnen (rechts der Gameboy Advance, der ebenfalls 2001 erscheint).

Schon 2003 ist der Gamecube nicht mehr zu retten. Jeder weiß das. Und die Spieler merken, dass auch Nintendo es weiß. Unglaubwürdig und verlegen wirkt es denn auch, als das Linkkabel für die Verbindung zwischen Gamecube und Gameboy Advance angeblich noch was rausreißen soll. Die Handkonsole funktioniert dabei mitunter als Heimkonsolen-Controller mit eigenem Bildschirm (zum Beispiel bei The Legend of Zelda - Four Swords Adventures) – und ist damit dem Gamepad der Wii U recht ähnlich. Ja, mit der Wii U verbindet den Gamecube leider so einiges.

Netzpionier als Online-Muffel

Die beiden Geräte teilen ein vergleichbares Schicksal. Ähnliche Fehler in einer ganz ähnlichen Ausgangssituation führen zu ähnlich unheilvollen Kreisläufen. Während Nintendo sich im Kleinklein seiner leidlich motivierten Plastikexperimente verliert, ignorieren die Manager die Zeichen der Zeit. Die Beziehung zwischen Internet und Nintendo ist von jeher paradox, denn auch wenn das uralte Famicom schon 1988 über ein Modem online ging, zaudert Nintendo danach jedes Mal aufs Neue und laviert verdruckst, wenn die Frage nach Internet-Diensten für eine neue Konsole aufkommt.

Nur der Form halber und weil sonst wieder alle meckern, spendiert Nintendo den Spielern noch drei onlinefähige Spiele - hier Phantasy Star Online 1 & 2.Nur der Form halber und weil sonst wieder alle meckern, spendiert Nintendo den Spielern noch drei onlinefähige Spiele - hier Phantasy Star Online 1 & 2.

Yamauchi noch besänftigt die Kritiker, gefragt nach onlinefähigen Gamecube-Spielen, aber Miyamoto äußert kurz darauf offen, dass das Internet kein Selbstzweck sein dürfe und er im Augenblick keinen Sinn darin sehe, den Gamecube ans Netz anzuschließen. Letztendlich ringen sich die Entwickler – die Zahl dürfte euch inzwischen bekannt vorkommen – exakt drei Gamecube-Spiele mit Internet-Funktionen ab.

Geschichte wiederholt sich

Zwei davon sind auch noch aufgekochte Sega-Abenteuer aus der Reihe Phantasy Star Online. Erwartungsgemäß gerät der pflichtschuldige Netzausflug zu einem Reinfall, der allerdings schon beinahe untergeht im viel reißenderen Sumpf, in dem der ganze Würfel steckt.

Internetfähige Spiele gibt es für den Gamecube zwar so gut wie gar nicht. Mithilfe des Breitbandadapters dürft ihr zum Beispiel in Mario Kart - Double Dash!! aber zumindest LAN-Verbindungen nutzen.Internetfähige Spiele gibt es für den Gamecube zwar so gut wie gar nicht. Mithilfe des Breitbandadapters dürft ihr zum Beispiel in Mario Kart - Double Dash!! aber zumindest LAN-Verbindungen nutzen.

Hinzu kommt der DS. Nintendo hat den Gamecube stillschweigend längst abgeschrieben und konzentriert seine Energien auf den Nachfolger des Gameboy, der schon Ende 2004 zu haben sein soll. Hinter noch sorgfältig verschlossenen Türen ist zwar auch die Arbeit an der Wii schon vor geraumer Zeit angelaufen, aber der DS ist viel früher dran. Eine Werbekampagne ist zu formen, man muss die Vermarktung haarklein organisieren und vor allem aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Der Gamecube ist bald nur noch Mitläufer – wie das N64 eine Generation zuvor in seiner Spätphase. 2005 ist nochmal ein einigermaßen gutes Gamecube-Jahr (mit 110 erschienenen Spielen ist es gar das drittproduktivste der Konsole).

Weiter mit: Hyrule zum Abschied

Tags: Hardware   Retro  

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