Vorschau Robinson - The Journey: Crytek gestrandet in PlayStation VR

von Thomas Nickel (16. September 2016)

Die neue VR-Technik soll euch in neue, nie gesehene Welten entführen. Bei Crysis-Erfinder Crytek in Frankfurt nimmt man diese Absicht wörtlich ...

Laika ist das niedlichste Dino-Haustier, das man sich vorstellen kann.Laika ist das niedlichste Dino-Haustier, das man sich vorstellen kann.

Da seid ihr nun. Es ist Morgen auf dem hohen Plateau auf einem fremden Planeten voller urtümlich anmutender Tiere. Ihr habt gerade eure kleine, sichere Kapsel verlassen und seht nach dem Rechten. Die Vogelscheuche ist wieder einmal kaputt, das Wasserrad, das eigentlich für eure Energieversorgung da ist, klemmt und irgendwas stimmt auch mit der Verkabelung nicht. Das ist der Alltag eines im Weltraum gestrandeten.

Es hätte anders laufen sollen. Ihr wurdet an Bord eines gewaltigen Generationenschiffs auf der Reise einem bewohnbaren Planeten geboren. Doch etwas ging schief und und es kam zu einer Bruchlandung auf einer prähistorischen Welt. Nun seid ihr auf euch allein gestellt. Wobei, so ganz stimmt das nicht: Higgs, eine kleine, kugelförmige, schwebende Künstliche Intelligenz ist stets mit gutem Rat und sarkastischem Humor an eurer Seite. Und dann ist da noch das Tyrannosaurier-Baby Laika, das euch bei Robinson - The Journey Gesellschaft leistet. Robinson ist das erste Spiel von Crytek für die neue "PlayStation VR"-Brille. Derzeit tüfteln einige Entwickler am ersten Schwung Spiele für PS-VR.

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Die ersten Spielminuten von Robinson - The Journey

Direkt in Frankfurt, in den Büros von Crytek konnte spieletipps die aufwendig produzierte Weltraum-Robinsonade anspielen. Mit Dual Shock 4 in der Hand und PlayStation VR-Brille im Gesicht fühlt ihr euch tatsächlich schon nach kurzer Zeit wie in einer anderen Welt. Mit Kopfbewegungen seht ihr euch in der satten Natur des fremden Planeten frei um, per Analogstick bewegt sich eure Figur durch die exotische Welt. Das ist aber gerade von Entwicklerseite aus kein allzu einfaches Unterfangen, besteht doch gerade eine einem reinen VR-Projekt wie "Robinson - The Journey" die große Gefahr, dass der Spieler schon nach kurzer Zeit Schwindelgefühle, die sogenannte Motion Sickness, erlebt.

Motion Sickness - Abenteuer ohne Übelkeit

Doch hier kommt Cryteks Erfahrung mit der noch jungen Darstellungsweise zum Tragen: Seit die ersten Prototypen und Entwicklersysteme moderner VR-Brillen im Umlauf sind, experimentiert das Frankfurter Top-Studio mit der neuen Technik. Es sind Projekte wie die gelungene Klettersimulation The Climb, mit denen Crytek die Möglichkeiten und Grenzen der neuen Technik austestet, und in Robinson - The Journey kommen nun all die gemachten Erfahreungen zusammen. Die Frage, ob sich die ganzen VR-Geschichten lohnen, sollte also bald beantwortet werden können.

Auch auf dem Fernseher ist sichtbar, was ihr hinter eurer VR-Brille erblickt.Auch auf dem Fernseher ist sichtbar, was ihr hinter eurer VR-Brille erblickt.

Crytek möchte mit allen Mitteln verhindern, dass der Spieler sein Robinson-Abenteuer wegen Übelkeit abbrechen muss. Daher verzichtet das Spiel sowohl auf unnötig hektische Kamerabewegungen, freies Drehen um die eigene Achse per Analogstick ist ebenfalls nicht möglich, stattdessen orientieren sich eure Drehungen an einem festen Raster. Auch eure Laufgeschwindigkeit ist eher moderat, eine kluge Herangehensweise, insbesondere wenn man bedenkt, dass Crytek ja vor allem für furiose, pfeilschnelle Ego-Ballereien wie Crysis bekannt ist.

Natürlich kann dabei nicht garantiert werden, dass jeder Spieler ohne Probleme in die Welt von Robinson eintauchen kann. So kämpfte zum Beispiel unser Chefredakteur Onkel Jo bei einer früheren Präsentation auf der Spielemesse E3 noch mit beginnender Übelkeit. Eine VR-Brille ist eben doch nochmal ein anderes Kaliber als ein normales Abenteuer aus der Ego-Perspektive. Doch Crytek ist hier auf einem guten Weg. Man merkt, dass Robinson gezielt mit Blick auf die Stärken und Schwächen von VR entwickelt wurde.

Immersives Erlebnis

Tatsächlich verzichtet Robinson - The Journey weitgehend auf klassische Actionelemente. Ja, es wird mal dramatisch, und ja, im schlimmsten Falle landet ihr vielleicht doch einmal in einem Sauriermagen, aber meist beansprucht Robinson eher euren flinken Geist und euren Forscherdran als schnöde Fingerfertigkeit und einen schnellen Finger am Abzug. Der Anfang ist dabei noch sehr entgegenkommend. Objekte Bewegen, Objekte kombinieren und die Gegend gründlich erkunden, so werdet ihr gekonnt ins Spiel gelockt.

Gerade das genaue Betrachen der Umgebung macht einen großen Teil des Reizes von Robinson - The Journey aus. Es gibt einfach enorm viele spannende Details. Hier wachsen spitze, blaue Pilze, dort scharrt ein Maulwurfähnliches Wesen im Boden herum, im Bach tummeln sich Fische und in dort wuchert ein wohl uralter Baum ... all das ist nicht nur gleichsam vertraut und fremdartig, durch die VR-Brille nehmt ihr eure Umgebung auch vollkommen anders wahr als bei einem normalen Spiel aus der Ego-Perspektive.

Ihr seid mittendrin, ihr geht nahe ran, ihr wollt jedes Detail erkennen. Netterweise werdet ihr dazu vom Spiel ermutigt. Denn Robinson bietet eine Scan-Funktion, die an Nintendos Metroid Prime erinnert: Jedes Tier könnt ihr mit ein wenig Fingerspitzengefühl scannen und eurer Datenbank hinzufügen. So erfahrt ihr mehr und mehr über eure geheimnisvolle Umgebung und den rätselhaften Absturz eures gigantisch am Horizont prangenden Raumschiffs.

Pascal Eggert und die Liebe zum Detail

Auf Nachfrage erklärt Pascal Eggert, der Design von Robinson - The Journey, dass dieses Erlebnis tatsächlich nur mit einer VR-Brille möglich ist: Das komplette Spielsystem mit dem starken Fokus auf korrekter Tiefenwahrnehmung lässt sich ohne die Brille nicht korrekt wiedergeben. Genau wie sich ein "normales" 3D-Abenteuer nicht so ohne Weiteres zu einem gelungenen VR-Erlebnis konvertieren lässt, so funktioniert Robinson auch nicht ohne die spezielle VR-Hardware, fügt Eggert hinzu.

Trotzdem kann Robinson eine soziale Erfahrung sein: Während der Spieler selbst seine Umgebung frei und dreidimensional durch die stylische PlayStation-VR-Brille erkennt, ist das Spielgeschehen gleichzeitig auf dem Fernseher zu sehen. Klar, die Auflösung ist auch durch die von der Brille verschlungenen Rechenleistung niedriger und auch das Bild selbst füllt einen modernen 16:9-Fernseher nicht zu voller Breite aus, trotzdem können dann auch andere Anwesende miträtseln und den Spieler mit Tipps versorgen - auch dem Klischee des mit der VR-Brille vollkommen von der Außenwelt abgeschotteten Spielers stellt sich Crytek mit diesem ehrgeizigen Projekt entschlossen entgegen.

Neben dem Eintauchen beeindruckt Robinson - The Journey auch durch die große Liebe zum Detail und zur Materie. Weltraum-Kenner grinsen bereits breit über den Namen Laika eures überraschend natürlich agierenden Baby-T-Rex, Science-Fiction-Freunde nicken anerkennend über die gründliche Recherche zum Design des Generationenschiffs: Selbst die Fahrtzeiten der Züge im Inneren des gigantischen Transporters haben die Crytek-Designer berechnet! Und natürlich spart Robinson nicht mit Anspielungen auf die Welt der Weltraumforschung, der Physik und der Science Fiction - wo sonst habt ihr einen KI-Begleiter namens Higgs? Die Entwickler sind hier mit größter Begeisterung bei der Sache, und das merkt der Spieler.

Ob man diesen Hilferuf vom Weltraum aus sieht?.Ob man diesen Hilferuf vom Weltraum aus sieht?.

Wenn Robinson - The Journey wie momentan geplant pünktlich zum Verkauf der PlayStation-VR-Brille Mitte Oktober in die Läden kommt, dann hat das Abenteuer das Zeug zur Muss-Anschaffung für die meisten VR-Brillenkäufer. Robinson ist keine kurze VR-Erfahrung und auch kein hastig zusammengeschusterter Abenteuer-Schnellschuss. Crytek baut hier mit viel Liebe zum Detail, sorgfältiger Recherche und einem klaren Bewusstsein für die Möglichkeiten und Grenzen der VR-Technik ein ausgewachsenes, forderndes Abenteuer, das einlädt, regelmäßig für ein paar Stunden komplett in eine andere Welt abzutauchen. Genau das ist es ja, was man sich von VR erhofft.

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