Bis einer weint: Pro & Contra - Spieleverschiebungen

(Kolumne)

von Spieletipps-Team (16. September 2016)

Momentan bekommt ihr es wohl wieder überall zu hören: Eigentlich soll das Spiel XY schon demnächst im Laden stehen ... aber ... der Publisher hat es verschoben. So erging es erst vor kurzem The Last Guardian, wie ihr in der News "The Last Guardian: Um mehrere Wochen verschoben" nachlesen könnt. Gerade bei The Last Guardian wahrscheinlich nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir sind ja alle froh, wenn es überhaupt nochmal kommt.

Aber auch South Park - The Fractured But Whole hat es nun erwischt: "South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe: Ubisoft gibt Verschiebung bekannt".
In der Redaktion entbrennt eine Diskussion: Sind Verschiebungen nachvollziehbar oder einfach nur nervig?

Die spieletipps-Redakteure Matthias Kreienbrink und Daniel Kirschey sind unterschiedlicher Meinung. Matthias sagt ganz klar "Nein!". Verschiebungen sind nicht in Ordnung. Daniel sieht das anders. Doch welche Meinung habt ihr?

Meinung von Matthias Kreienbrink

CONTRA

Selbstverständlich regen sich die Spieler auf! Natürlich ist kein Verständnis da, wenn ein Spiel verschoben wird, weil es noch "perfektioniert" werden muss! Doch warum den Fehler bei den Spielern suchen, wenn dieser definitiv bei den Publishern zu finden ist?

Von der Prämisse ausgehend, dass es sich um eine "Gier" der Konsumenten handelt, wenn eine Verschiebung für Aufregung sorgt, sollte die Frage nicht sein, wie der Konsument mit immer wiederkehrenden Erklärungsmustern – "das Spiel wird doch viel besser, wenn ihr noch ein halbes Jahr länger wartet" – zu besänftigen ist. Vielmehr sollte die Frage lauten, wie diese Anspruchshaltung überhaupt entstehen konnte. Und damit rücken die Publisher in den Fokus.

Ein Spiel, das drei Jahre im Vorfeld mit großem Getöse angekündigt wird, ein Spiel das, bevor die ersten Bilder gezeigt werden, schon einen umfangreichen Seasonpass hat, ein Spiel das kaum mehr ein Konzept ist, aber trotzdem an die Öffentlichkeit gezerrt wird – so ein Spiel ist ein Problem!

Es tritt eine Übersättigung ein, das Spiel scheint schon durchgespielt zu sein, bevor es überhaupt erschienen ist. Immer mehr Bilder, Trailer und Interviews, ein konstante Überreizung des Konsumenten also, sorgen dafür, dass eine plötzliche Verschiebung für Frustration sorgen. Denn wieso solltet ihr noch länger auf ein Spiel warten, von dem ihr jetzt schon das Gefühl habt, dass ihr eigentlich bereits alles gesehen habt?

Eine Lösung könnte es sein, ein Spiel wirklich erst dann anzukündigen, wenn es sich in den Endzügen der Entwicklung befindet – dann also, wenn ein Release-Termin wirklich realistisch erscheint. Das sowas durchaus gut funktionieren kann, hat Fallout 4 im letzten Jahr gezeigt. Das Spiel wurde am 3. Juni 2015 angekündigt und erschien am 10. November des gleichen Jahres. Wieso nicht immer so?

Meinung von Daniel Kirschey

PRO

Und wieder verschiebt ein Publisher das heißersehnte Spiel. Heute inzwischen eher normal als Ausnahme. Klar, nervt das Spieler. Da ist die Reaktion manchmal nicht nur ein Augenrollen. Verständlich. Doch wie unfertige Spiele aussehen, wissen wir auch alle.

In der Regel denken sich Entwickler und Publisher etwas dabei, wenn sie ein Spiel verschieben. Der Organisationsaufwand einen neuen Termin zu finden, ist zudem nicht unerheblich. Schon Monate im Voraus reservieren Spielefirmen Presswerke für die Blu-rays und Ähnliches. Das einfach zu stornieren kostet Geld. Eine Verschiebung findet nicht „einfach nur so“ statt.

Und wie viele Spiele kommen auf den Markt, bei denen sich Spieler über eine Verschiebung gefreut hätten. Warum nicht lieber ein paar Monate länger warten und dafür dann aber ein sauberes Spiel, ein ordentliches Produkt bekommen? Für 60 Euro eigentlich eine erwartbare Sache. Doch oft kommt es anders.

Gothic 3 war eine Schande, als es auf den Markt kam. Wolfenstein – The New Order verlangsamte sich innerhalb einer halben Stunde und war so fast unspielbar. Dafür gibt's dann direkt zur Veröffentlichung einen Patch im zweistelligen Gigabyte-Bereich. Doch was ist in zehn Jahren - wenn Wolfenstein – The New Order ein Retro-Spiel ist? Gibt es dann noch PSN oder Xbox Live?

Manchmal gibt es nicht einmal ein Update, das das Spiel rettet. Natürlich wäre es besser, wenn der Publisher und die Entwickler von Anfang an einen realistischen Zeitplan erstellen, Rückschläge einplanen und zum versprochenen Termin abliefern.

Aber bevor ein Spiel unfertig erscheint: Liebe Spielefirmen, nehmt euch gerne die Zeit und verkauft ein funktionierendes Spiel. Wir Spieler haben auf unfertige Produkte wirklich keine Lust mehr! Und nur Kleinkinder kreischen, wenn sie ihr Lieblingsspielzeug nicht sofort bekommen.

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