Vorschau Call of Duty - Modern Warfare Remastered angespielt: Es geht auch ohne Superkräfte

von Ulrich Wimmeroth (23. September 2016)

Falls ihr keine Lust auf Supersoldaten mit Jetpacks und Strahlenkanonen habt, könnte die "Remastered Version" von CoD - Modern Warfare das Richtige für euch sein. spieletipps hat sie vorab ausprobiert.

Die Grafik wurde für die Remastered-version komplett überarbeitet.Die Grafik wurde für die Remastered-version komplett überarbeitet.

Wenn im November mit Call of Duty - Infinite Warfare das inzwischen alljährliche Serien-Update in Form eines neuen Teils ansteht, gibt es neben Weltraumschlachten, Robotern und futuristischen Kampfanzügen einen spannenden Bonus für Anhänger von eher bodenständigem Kriegsgeschehen. Das unter Fans als eines der besten CoD-Spiele angesehene Call of Duty 4 - Modern Warfare, bekommt eine optische Hochglanzpolitur und liegt als Call of Duty - Modern Warfare Remastered vorerst exklusiv Infinite Warfare bei.

Zumindest in den angekündigten Legacy, Legacy Pro und "Digital Deluxe"-Editionen, die gegenüber der Standard-Version etwa 20 bis 40 Euro teurer sind, wenn man die aktuellen Amazon-Preise für Infinite Warfare zu Rate zieht. Wir haben den Mehrspieler-Modus der Remastered-Version auf der Spieler-Veranstaltung Call of Duty XP in Los Angeles bereits spielen können und uns mit den zuständigen Entwicklern von Raven Software darüber unterhalten.

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Call of Duty - Modern Warfare Remastered

Laut einer Pressemitteilung von Activison wird dasselbe Spielerlebnis und dieselben Spielmodi wie in dem Baller-Klassiker von 2007 geboten. Das bedeutet aber auch, das dieselben Schnitte und Kürzungen in der Neuauflage von Modern Warfare vorhanden sind wie seinerzeit im deutschen Original. Mehr Informationen zu dem leidlichen Thema findet ihr im letzten Abschnitt "Da fehlt doch wieder was" des Artikels .

Es geht auch ohne große Sprünge

Seit einigen Jahren hat sich die Handlung der Call of Duty-Serie aus dem Zweiten Weltkrieg in die Zukunft verlagert. Spiele wie Call of Duty - Advanced Warfare oder Call of Duty - Black Ops 3 offerieren ein futuristisches Waffenarsenal und die Spielmechanik des beliebten Mehrspielermodus liefert ausschließlich Supersoldaten die meterhoch in die Luft springen und an Wänden entlang laufen können. Der Begeisterungssturm der Spieler nach der Ankündigung von Battlefield 1 zeigt aber, dass auch bodenständige Szenarien eine große Gefolgschaft haben.

Genau diesen gnadenlosen Kampf von Bodentruppen bietet Modern Warfare, ohne den Einsatz von technischem Schnick-Schnack wie Energieschutzschilder und Kampfroboter. Schon nach den ersten paar Minuten im schmutzigen Häuserkampf auf der Mehrspielerkarte Crash war die Begeisterung sofort wieder da. Der Modus Domination, bei dem es darum geht, Kontrollpunkte einzunehmen und zu halten, präsentiert sich hart und schnell: Von Deckung zu Deckung hetzten, immer auf der Hut vor Scharfschützen, die sich in den Ruinen verschanzt haben und geduldig auf ihre Gelegenheit zum Abschuss warten.

Jeder Sprint ist fast körperlich zu spüren, ein Sprung über eine Mauer wirkt wie eine echte Anstrengung und benötigt Zeit. Gefühlt ist mehr strategisches Können und Übersicht gefordert, als bei den hektischen Schusswechseln der jüngsten CoD-Spiele. Dass dieses Gefühl mehr als eine nostalgische Verklärtheit ist, bestätigt die Atmosphäre in unserem Anspielraum. Es wurde von den Anwesenden gebrüllt und geflucht, wenn eine Aktion daneben ging und nach einem unerwarteten Treffer auf die Wiederbelebung gewartet werden musste.

Das Sprinten von Haus zu Haus, das Ausschalten von campierenden Schützen durch eine Wand hindurch, wenn man endlich den "Full Metal Jacket"-Aufsatz für sein Maschinengewehr AK47 erwerben konnte oder genügend Punkte erzielt hat um einen Harrier Strike auszulösen: Das bewährte Geballere hat Laune gemacht. Eine schöne Alternative zu den schier allmächtigen Supersoldaten mit ihren Combat Rigs genannten Kampfanzügen aus Infinite Warfare. Schön: Es werden alle 16 Mehrspielerkarten geliefert, zehn gleich zum Starttermin und sechs können Ende des Jahres kostenlos heruntergeladen werden.

Dieses Video zu CoD - Infinite Warfare schon gesehen?

Neue Grafik, neuer Sound

Raven Software (Soldier of Fortune 2, Wolfenstein) hatte die Aufgabe, dem ursprünglich von Infinity Wards entwickelten und 2007 veröffentlichten Klassiker eine zeitgemäße Optik zu verpassen. Tatsächlich überzeugt es durchaus, was es bislang von der Einzelspielerkampagne (die allerdings noch nicht spielbar war) und dem Mehrspielermodus zu sehen gab. Die akribisch überarbeiteten Grafiken in HD-Auflösung bieten deutlich mehr Details und schicke Texturen, wirken eher wie aus einem neuen Spiel der Reihe. In der Bildergalerie seht ihr einige Bilder zum Versionsvergleich. Schaut euch doch mal selber an, wie gut ein neun Jahr altes Spiel aussehen kann.

So sah Captain McMillian 2007 im Original noch aus.So sah Captain McMillian 2007 im Original noch aus.

"Wir haben nichts weggelassen und nur wenig hinzugefügt", erklärt uns David Pellas, Studioboss bei Raven Software, gegenüber spieletipps. "Um eine flüssige Bewegung zu erreichen, haben wir hier und da einige Animationen hinzugefügt. Zum Beispiel beim Überspringen eines Hindernisses. Bislang lief die Spielfigur auf eine Mauer zu, stoppte kurz ab und kletterte dann hinüber, das haben wir mit ein paar zusätzlich eingefügten Animationen einfach glaubhafter gestaltet. Ansonsten haben wir jede Grafik in der Kampagne und im Mehrspielermodus unverändert gelassen, nur eben ist jetzt alles hübsch anzusehen."

Captain McMillan von der britischen Spezialeinheit SAS im Tarnmodus.Captain McMillan von der britischen Spezialeinheit SAS im Tarnmodus.

Aber mit der Grafik alleine ist es bei einer Komplettrenovierung nicht getan. Ein wichtiger Aspekt für das Gesamterlebnis ist der Sound. In zeitaufwändiger Arbeit wurden die alten Einkanal-Klänge der Waffen und Explosionen aufgearbeitet und für den aktuellen 7.1-Surround-Sound vorbereitet. Das Ergebnis ist ein satter Klang der Schüsse, wuchtige und bassbestimmte Explosionen und das gut erkennbare Surren von Kugeln und Schrapnells. Ein weiterer Vorteil: Durch die Surround-Optimierung ist auch die Richtungsortung von Feinden vernünftig möglich.

Schwachstellen bereinigt

Zeitgemäße Optik, aber keine Änderungen am Spielerlebnis, war die Aussage. Eine wichtige Änderung gibt es aber doch noch zu vermelden. Bekannte Exploits, also das Ausnutzen von Schwachstellen der Programmierung, wurden beseitigt. So konnte man zuvor auf einigen Karte des Mehrspielermodus einfach das Spielareal verlassen und an einer anderen, normalerweise gar nicht zugängigen, Stelle wieder auftauchen.

Beispielweise fand sich auf der Karte "Backlot" im zweiten Stock eines Gebäudes eine zerstörte Treppe. Durch einen Programmierfehler war es möglich drüber zu springen und über das nächste Stockwerk einen Ort zu ereichen, der einen Überblick über das ganze Areal erlaubte. Wer diesen sogenannten Exploit nutzte, konnte sich so in aller Gemütsruhe seine Gegner aussuchen und zur Strecke bringen. Das funktioniert nun nicht mehr.

Die Mechaniken des Mehrspielermodus wurden nicht verändert, lediglich Schwachstellen der Programmierung ausgebügelt.Die Mechaniken des Mehrspielermodus wurden nicht verändert, lediglich Schwachstellen der Programmierung ausgebügelt.

Geblieben sind aber die sogenannten Skill-Jumps. Wenn es ein Spieler schafft, sich durch reine Geschicklichkeit und Können in eine bessere Position als seine Gegner zu bringen, so soll das auch weiterhin honoriert werden. Wenn ihr also Call of Duty 4 gesuchtet habt und jede Ecke der Karten in- und auswendig kennt, könnt ihr das Wissen auch in der Remastered weiterhin gut gebrauchen.

Deutsche Version - da fehlt doch wieder etwas

Wie wir euch bereits vor ein Tagen in der News Call of Duty - Modern Warfare Remastered: In Deutschland wohl erneut zensiert berichteten, wird auch die HD-Neuauflage des Klassikers ohne den Arcade-Modus auskommen, bei dem es Punkte für das Töten von Gegner gibt. Zusätzlich haben die Entwickler in der 11. Mission "One Shot, One Kill" etwas Pixelblut entfernt. Die neue "Remastered"-Version wird also wie die Ursprungsfassung von 2007, voraussichtlich in Deutschland nur geschnitten erscheinen.

Warum? Weil im Erscheinungsjahr 2007 nur unter den erwähnten Schnittauflagen eine Altersfreigabe ab 18 Jahren von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) erteilt wurde. Zusätzlich landete im Jahr 2009 die unzensierte Importversion sogar auf dem Index, der berüchtigten Liste der jugendgefährdenden Medien. Somit darf das unzenzierte Spiel nicht frei beworben und nur noch unter der Ladentheke gehandelt werden. Eine Zuwiderhandlung führt zu empfindlichen Geldstrafen.

In der Kampagne ist nur ein einziger Schnitt vorgenommen und die Darstellung von Blut entfernt worden.In der Kampagne ist nur ein einziger Schnitt vorgenommen und die Darstellung von Blut entfernt worden.

Herausgeber Activision könnte einen Antrag auf vorzeitige Streichung von der Liste stellen. Diesen Weg sind bereits Hersteller wie Capcom mit Resident Evil 2 und 3 oder auch Bethesda mit Doom 1 und 2 gegangen. Die Möglichkeit einen solchen Antrag zu stellen geht nach zehn Jahren. Das Ganze wäre vermutlich im Fall von Modern Warfare auch von Erfolg gekrönt, immerhin sind Spiele mit derberen Gewaltdarstellungen wie beispielsweise Mortal Kombat X oder das wenig zimperliche Dishonored - Die Maske des Zorns von einem Indexeintrag verschont geblieben. Aber wenn ihr mal nachrechnet: Es sind gerade mal erst sieben Jahre seit der Indizierung vergangen.

Laut Auskunft von Activison wurde eine Listenstreichung bei der BPjM, der zuständigen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, dennoch beantragt, aber abgelehnt. Es hätte also ein neues Prüfverfahren mit ungewissem Ausgang statt finden müssen, um die Inhalte von den Jugendschützern neu bewerten zu lassen. Das Ergebnis hätte durchaus auch eine erneute Indizierung sein können. Das Geld will sich Activision sparen und stattdessen 2019 den nächsten Versuch starten.

Wenn ihr mehr zu dem Thema Verbot und Indizierung von Computerspielen erfahren möchtet, legen wir euch unsere dreiteilige Serie Schnitte in Videospielen ans Herz:

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Tags: Entwicklerbesuch   Indizierung   Remake  

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