Test Vergleichstest Fifa 17 gegen PES 2017: Dieses Jahr gibt es wieder einen knappen Sieger

von Olaf Bleich (22. September 2016)

Das Derby Borussia Dortmund gegen FC Bayern München ist meist spannend. Spannender ist nur die Frage: Fifa 17 oder Pro Evolution Soccer 2017? spieletipps hat beide Fußball-Riesen getestet und wagt den Vergleich.

Links Fifa, rechts PES.Links Fifa, rechts PES.

Fußball lebt von Emotionen und Rivalitäten. Ganz egal, ob beim Classico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona oder dem Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 - der direkte Vergleich sorgt immer wieder für ordentlich Feuer unter dem Stadiondach. Auf dem virtuellen Rasen ist das nicht anders. Seit Jahren dominiert die Fifa-Serie von EA Sports die Verkaufscharts, Pro Evolution Soccer von Konami erfreut sich dagegen bei einer eingeschworenen Anhängerschaft großer Beliebtheit. Mal hatte in der Vergangenheit die eine Serie die Nase vorne, mal die andere.

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FIFA 17 gegen PES 2017 - Der Vergleich

In diesem Jahr scheint das Duell knapper denn je auszufallen: PES 2016 machte bereits Boden gut und PES 2017 optimiert die geschärften Spielabläufe. Fifa 17 auf der anderen Seite setzt auf die aus Battlefield 4 bekannte Frostbite-Grafiktechnik und die Fußballergeschichte "The Journey". Wer entscheidet den Vergleich für sich? Wir stellen beide finalen Testversionen gegenüber.

Kampagne - 1:0 für Fifa

Die große Überraschung: Die einzig größere Innovation kommt diesmal von EA Sports. Mit "The Journey" stellen die Entwickler eine waschechte Kampagne auf die Beine. Hier übernehmt ihr das junge Ausnahmetalent Alex Hunter, der in der englischen Premier League Fuß fassen und seinem Vater und seinem Großvater nacheifern will. Die Handlung wird in hübschen Zwischensequenzen und mit englischer Sprachausgabe erzählt. Das erzeugt zu Beginn eine starke Atmosphäre und saugt einen sogleich in das Geschehen hinein.

Nachdem ihr euch in Probetrainings bewiesen habt, geht es weiter ins Profilager. Dort flacht der Spannungsbogen leicht ab. Stattdessen bestimmen Trainingseinheiten mit Hilfe der sogenannten Skill-Games und Ligaspiele das Geschehen. Dadurch entstehen kleine Längen, die das rudimentäre Rollenspielsystem samt Stufenaufstiegen und Talenten nicht vollends auffängt. Gegen Ende der Saison fängt sich The Journey wieder und greift das bestimmende Motiv der Rivalität zweier Freunde wieder auf. Die Kampagne ist nicht perfekt, bildet aber einen guten Start in Fifa 17. Eine vergleichbare Option fehlt bei Pro Evolution Soccer völlig.

Routine bei Team und Karriere - 2:0 für Fifa 17

Doch abseits von The Journey gibt es in diesem Jahr kaum Überraschungen. Fifa 17 und PES 2017 setzen auf die bekannten Spielmodi der vergangenen Jahre und feilen dort die letzten Kanten ab. Beide Fußballsimulationen besitzen einen Sammelkartenmodus, in dem ihr eure eigene Traummannschaft aufbaut. In Fifa 17 ist es Ultimate Team, in PES 2017 Myclub. Obwohl Konami deutlich im Vergleich zum Vorgänger nachbessert, hat das bewährte Ultimate Team von EA Sports die Nase vorn. Das liegt zunächst an der stimmigeren und moderneren Präsentation, zum anderen aber auch an der besseren Handhabung. Der Ultimate-Team-Modus wurde nun um die so genannten Team-Challenges ergänzt. Dort könnt ihr unliebsame oder überflüssige Karten gegen Belohnungen eintauschen. Das verhindert das ständige Verkaufen der erst kürzlich gewonnenen Karten.

Im Gegensatz zu PES 2017, ist Chelse in FIFA 17 mit allen Daten vertreten.Im Gegensatz zu PES 2017, ist Chelse in FIFA 17 mit allen Daten vertreten.

Daneben konkurrieren der Karrieremodus von Fifa und die Meisterliga von PES miteinander. Auch hier marschiert EA Sports aufgrund der schöneren Aufmachung und der besseren Benutzerführung voran. Konamis Fußballsimulation steuert sich oftmals zu verkopft und umständlich, bietet dafür aber mehr Möglichkeiten. Daneben besitzen beide Spiele umfangreiche Online-Optionen, Ligen und Turniere. Bei Fifa sind zudem erneut die Damen am Start. Allerdings rücken sie spürbar in den Hintergrund und verstecken sich in den Turnieroptionen. Beide Spiele werden zudem durch Online-Aktualisierungen auf dem Laufenden gehalten und mit Kader-Ergänzungen und Werteanpassungen versehen.

Die leidige Lizenzthematik - 3:0 für Fifa 17

Die größte Stärke der Fifa-Spiele bleibt die Präsentation und die Atmosphäre. Grundlage dafür ist das gigantische Lizenzpaket. Dort gibt es nahezu alles, was sich das Fan-Herz wünscht: Von der Ersten und Zweiten Bundesliga, bis hin zur Premier League und zu Exoten aus Japaner oder Mexiko. Diese Authentizität untermauert das Spiel mit einer tollen Präsentation und einer gelungenen Inszenierung in den Stadien. Dank zusätzlicher Lichteffekte und Details wie beispielsweise Pfützen bei Regenspielen entsteht so ein im Vergleich zum Vorjahr runderes Bild.

Die Torhüter agieren in PES 2017 besser, leisten sich aber weiterhin Fehler.Die Torhüter agieren in PES 2017 besser, leisten sich aber weiterhin Fehler.

Konami arbeitete ebenfalls merklich an der Darstellung der Spiele. Speziell die Gesichter der Stars sehen klasse aus und die Animationen überraschen immer wieder. Erst kürzlich bestätigte man, dass PES 2017 auch die Playstation 4 Pro unterstützen wird. Es könnte spannend werden zu sehen, inwiefern das Fußballspiel von mehr Leistung und einer höheren Aufösung profitiert. Vielleicht haben dann die Entwickler ausreichend Ressourcen, um die hässlichen Pixel-Zuschauer auszubessern.

Fifa gegen Pro Evolution Soccer: Beide Fußballsimulationen haben ihre Qualitäten.Fifa gegen Pro Evolution Soccer: Beide Fußballsimulationen haben ihre Qualitäten.

Umso ärgerlicher, dass PES 2017 einmal mehr über die Lizenzen stolpert. Wenn im Champions-League-Modus plötzlich Clubs wie Real Madrid, der FC Bayern München oder Juventus Turin durch Fantasienamen ersetzt werden, sinkt die Fußball-Begeisterung in den Keller. Zwar sind die prominentesten Spieler dank der Nationalmannschaften irgendwie mit an Bord, dennoch fällt etwa das Fehlen der Bundesliga störend auf. Auch die Inszenierung ist nicht so rund und gelungen wie in Fifa 17. Zwar sind die Spielermodelle hübscher und detailreicher, die gesamte Darstellung wirkt aber weitaus weniger modern und speziell die Menüs sollten dringend überarbeitet werden.

Deppen am Mikro - kein Punktgewinn

Eine Schwäche teilen sich aber Fifa und PES in diesem Jahr: Die schlechte Einbindung der deutschen Kommentatoren. Hansi Küpper und Marco Hagemann besitzen in Pro Evolution Soccer schlichtweg zu wenig Dialogzeilen. Dadurch wiederholen sie sich gerade in Langzeitmodi wie der Meisterliga ständig.

Frank Buschmann und Wolff Fuß in Fifa 17 wiederum klingen eingespielter, dafür wurden ihre Sprüche aber schlechter abgemischt. Die Kommentare scheinen bei Fifa teils wie aus dem Zusammenhang gerissen und wieder neu zusammengesetzt. Nicht zuletzt Buschis emotionale Art zu sprechen sorgt dabei für unfreiwillige für Lacher. In einem Moment analysiert er das Geschehen noch sachlich, nur um dann aus heiterem Himmel ins Mikro zu brüllen.

Luftkämpfe funktionieren in PES 2017 deutlich besser als in Fifa 17.Luftkämpfe funktionieren in PES 2017 deutlich besser als in Fifa 17.

In puncto Stadion-Atmospähre gefällt Fifa 17 mit Schlachtgesängen und allerlei Tammtamm einen Tick besser. Pro Evolution Soccer ist aber ebenfalls dicht dahinter und bietet speziell bei Torchancen die dynamischeren Zuschauer, die Schüsse mit einem lauten "Oooh" quittieren.

Auf dem Platz - 3:4 für Pro Evo in der Nachspielzeit

Doch in Fußballsimulationen ist bekanntlich entscheidend, was auf dem Platz passiert. Dort liefert Konami mit PES 2017 souveräner ab als EA Sports mit Fifa 17. Hauptgrund dafür ist in erster Linie die dynamischere Mitspieler-Intelligenz. In Pro Evolution Soccer herrscht mehr Bewegung im Spiel. Kaum habt ihr den Ball erobert, bieten sich andere Kicker sofort an. Bei Fifa dagegen wurde zwar spürbar an den Laufwegen der Stürmer und Flügelflitzer gearbeitet, im Mittelfeld aber lässt man euch gelegentlich verhungern. Dadurch werdet ihr vermehrt zu Dribblings greifen müssen, um Raumgewinn zu erzielen.

Beim Abschluss gewinnt PES 2017.Beim Abschluss gewinnt PES 2017.

Dazu wurden die Flanken in Fifa 17 entkräftet. Es fällt nun deutlich schwerer, Kopfballtore zu erzielen. Pro Evolution Soccer spielt sich insgesamt variantenreicher und so gehören Flanken ebenfalls zum Standardrepertoire. Die Defensive ist in beiden Titel gut aufgestellt. Jedoch wirkt das Zweikampfverhalten in PES 2017 natürlicher. Größere Verteidiger drängen kleine Akteure einfach ab. Das funktioniert prima - selbst im Luftkampf. In Fifa 17 erscheint gerade das Abschirmen des Leders ein wenig unbeholfen und nicht selten entstehen dadurch merkwürdige Foul-Situationen.

Schwächen zeigt PES 2017 vor allem bei den Torhütern, die im Test das Leder gerne mal nach vorne abprallen ließen. Außerdem blieben Spieler nach Zweikämpfen oder abgegebenen Schüssen gerne mal für Sekundenbruchteile wie abgewurzelt stehen. An den Reaktionszeiten muss Konami somit noch arbeiten. Schön dagegen ist die Einbindung neuer taktischer Funktionen. Mit vier erweiterten Strategien könnt ihr nun direkt Einfluss auf das Spiel nehmen. Veränderungen wie Gegenpresse oder offensive Außenspieler machen dank der bärenstarken Computer-Mitspieler häufig den Unterschied. FifaA 17 bietet derlei taktische Finessen leider nicht, baut dafür aber neue Standardsituationen in das Spiel ein. Bei Elfmeter kontrolliert ihr den Spieler und seinen Laufweg nun direkt. Bei Eckbällen visiert ihr direkt euer Ziel an. Beide Varianten gefallen, erfordern aber eine gewisse Einarbeitung.

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