Test Paper Mario - Color Splash: Farbig-Flaches Abenteuer

von Thomas Nickel (05. Oktober 2016)

Auf der lauschigen Insel Prisma gibt es ein großes Problem: Maskierte Unholde saugen die ganze Farbe ab! Gut, dass ihr in Paper Mario - Color Splash dem Treiben ein Ende setzen könnt.

In eine stürmischen Nacht eilen zwei vermummte Gestalten zu Marios Hütte. Die Prinzessin und ein Toad-Begleiter haben schlimme Nachrichten: Von der Insel Prisma kam ein sorgfältig gefalteter Brief - doch tatsächlich ist der Brief ein Papier-Toad! Aber eben ohne Farben und ohne jegliches Lebenszeichen. Da stimmt doch was nicht! Schnell macht sich die Truppe auf den Weg zur Insel und schon beginnt ein neues Abenteuer!

Auch die Insel scheint zunächst völlig leer. Und nicht nur das, auch der große Farbbrunnen in der Haupstadt scheint versiegt zu sein und überall fehlt es an Farbe! Doch schon nach kurzer Suche trifft Mario auf einen schwebenden, sprechenden Farbeimer, der sich als Farbian vorstellt. Auch er ist von der sich ausbreitenden Monochromität nicht so wirklich begeistert und möchte diesen Zustand gemeinsam mit Mario ändern.

Wie das gehen soll? Ganz einfach - mit ein bißchen Farbmagie wird Marios guter, alter Holzhammer schnell zum Farbhammer, und mit saftigen Schlägen prügelt er entfärbten Toads, Blumen, Mauern und Häusern wieder die Farbe ein. Aber natürlich geht das nicht ganz ohne Gegenwehr vonstatten und schon bald haben es Mario und Farbian wieder einmal mit Bowsers Schergen zu tun. Aber ist es wirklich nur Marios schuppiger Widersacher, der hinter der ganzen Sache steckt?

1 von 25

Paper Mario - Color Spash: Der große Farbhammer

Paper Mario - Color Splash ist das mittlerweile fünfte, oder vielleicht sogar fünfeinhalbste "Paper Mario"-Abenteuer, wenn ihr den Gastauftritt beim vor gar nicht so langer Zeit erschienenen Mario & Luigi - Paper Jam Bros. mitzählt. Und nicht nur das, es ist auch der erste Auftritt des flachen Mario in HD, Mal sehen, wie sich das Abenteuer so schlägt.

Mehr Abenteuer als Rollenspiel

Das N64-Abenteuer Paper Mario war 2001 fast ein reinrassiges Rollenspiel mit ein paar Rätseln und Geschicklichkeitseinlagen, auch der Gamecube-Nachfolger Paper Mario - Die Legende vom Äonentor schlug drei Jahre später in eine ganz ähnliche Kerbe. Doch schließlich bewegte Nintendo die Reihe immer mehr vom Rollenspiel-Genre weg: Schon das Wii-Spiel Super Paper Mario setzte viel mehr auf Rätsel und Geschicklichkeit, und mit dem 3DS-Abenteuer Paper Mario - Sticker Star wurden die Rollenspielelemente immer weiter gestutzt, allerdings auch zum Missfallen vieler Spieler.

Der große Ventilator macht ganz schön Wind - woanders könntet ihr den viel eher gebrauchen.Der große Ventilator macht ganz schön Wind - woanders könntet ihr den viel eher gebrauchen.

Auf den ersten Blick verfolgt Paper Mario - Color Splash diesen Weg jetzt konsequent weiter. Kämpfe werden zwar wie in einem Rollenspiel rundenbasiert geführt, aber jede Aktion wird über eine nur einmal einsetzbare Kampfkarte ausgelöst. Erfahrungspunkte im klassischen Sinne gibt es nicht - Mario wird nicht stärker und bekommt nicht mehr Lebensenergie. Das einzige, was sich durch bestandene Kämpfe erhöht ist das Fassungsvermögen von Marios Farbvorrat, und im Gegensatz zu den ersten Episoden bestreitet Mario fast stets alleine die Kämpfe. Witzige und nützliche Begleiter wie beim ersten Paper Mario gibt es hier nicht.

Stattdessen liegt der Fokus hier auf anderen Dingen, in erster Linie auf Rätseln und dem gründlichen Erforschen der Umgebung. Mal gilt es, Gegenstände zu suchen, mal sollt ihr einen starken Wind zum Verstummen bringen, mal macht euch ein Endgegner mit einer brennenden Keule das Leben schwer und mal fragt ihr euch einfach, wie ihr denn nun einen bestimmten Punkt im Level erreicht. Level? Ja, richtig gelesen! Paper Mario - Color Splash bietet keine zusammenhängende Welt, sondern teilt diese in separate Abschnitte auf, die ihr über eine Weltkarte betretet, zuvor wird euch sogar angezeigt, wieviele der begehrten Farbsterne in einem Abschnitt zu erspielen sind!

Um diese Farbsterne zu holen greift Mario auf ein reiches Aktionsrepertoire zurück. Der schnauzbärtige Held springt und schwingt den Hammer - mal mit, und mal ohne Farbe. Objekte in der Umgebung versorgen euch nach einer zärtlichen Hammermassage mit neuer Farbe. Färbt ihr ein Objekt oder ein weißes Stück Boden ein, werdet ihr dafür mit Münzen belohnt. Und manchmal dürft ihr sogar eure Umgebung zerschneiden: Auf Knopfdruck wechselt die Ansicht und ihr zieht eine Linie auf dem Berührungsbildschirm der Wii U nach - schon überquert Mario ein zuvor unpassierbares Terrain oder setzt eine spezielle Objektkarte ein.

Kampf mit Karten

Um Karten und den Berührungsbildschirm dreht sich auch das ganze Kampfsystem. Wie ein klassisches Rollenspiel schaltet auch Paper Mario - Color Splash in einen separaten Kampfbildschirm um, wenn ihr einen Gegner berührt. Beginnt ihr den Kampf mit einem Hammerschlag oder einem Sprung auf den Kopf, habt ihr dann sogar gleich eine Gratis-Attacke. Die ist wertvoll, denn jeder weitere Angriff kostet kostbare Ressourcen in Form von Karten.

Hier gibt Mario den Gegnern im wahrsten Sinne des Wortes Saures.Hier gibt Mario den Gegnern im wahrsten Sinne des Wortes Saures.

Nur über diese setzt ihr normale Hüpfer und Mehrfachsprünge, Hammerhiebe, Feuerblumen oder Heilpilze ein. Bis zu 99 Karten dürft ihr mit euch herumtragen, und wollt ihr einen besonders effektiven Angriff starten, dann färbt ihr die gewünschten Karten mit euren Vorräten ein. Auch ein wenig Geschicklichkeit ist nötig: Mit dem richtigen Zeitgefühl macht ihr aus einem einfachen Sprung gleich einen Multi-Hüpfer oder schwingt den Hammer besonders effektiv.

Zu Beginn des Abenteuers wirkt das alles allerdings arg umständlich. Ihr wählt eure Karten ausschließlich über den Berührungsbildschirm aus. Das wiederum bedarf einiger Aktionen! Auswählen, platzieren, einfärben, bestätigen und schließlich auf den eigentlichen Kampfbildschirm hochschnipsen ... Für einen simplen Hüpfer ist das ein ziemlich großer Aufwand und bremst die Kämpfe in der ersten Spielstunde ziemlich aus. Doch dieses Problem bessert sich, sobalt ihr mehr Kartenslots bekommt: Dann setzt ihr gleich mehrere Aktionen pro Kampfrunde ein und die Bedienung wird nicht nur effizienter, die Kämpfe werden auch taktischer.

Iggy Koopa stellt sich euch als Boss in den Weg. Am Grad der Färbung seht ihr, wieviel Energie ein Gegner noch hat.Iggy Koopa stellt sich euch als Boss in den Weg. Am Grad der Färbung seht ihr, wieviel Energie ein Gegner noch hat.

Auch um die Begrenztheit der Karten müsst ihr euch keine Sorgen machen. Fast jede Aktion belohnt euch mit einer weiteren Karte für euer Deck und in der Hauptstadt stockt ihr immer mal wieder euren Vorrat an Basisaktionen auf. Deswegen ist es auch keine gute Idee, Karten zu horten. Wer eine zu Beginn besonders effektive Attacke immer wieder aufspart der stellt fest, dass er ein paar Stunden später ohnehin schon viel mächtigere Angriffe zur Verfügung hat, während die sorgsam gehütete Karte vor einer Stunde sicherlich gute Dienste geleistet hätte.

Papier-Power

Über Karten und Kampfsystem kann man diskutieren, ein Volltreffer ist dagegen die Präsentation von Paper Mario - Color Splash. Als erster Serienteil in HD überzeugt Color Splash auf der ganzen Linie. Jedes Objekt wirkt wie liebevoll aus Papier oder Karton gefaltet, die Farbwahl ist stilsicher wie man es von Nintendo gewohnt ist und nicht ein Grafikfehler stört den Gesamteindruck. Vor allem spezielle, fotorealistisch dargestellte Objekte, sogenannte Dingse, überraschen immer wieder mit urkomischen Sequenzen und herrlicher Detailgenauigkeit.

Erst wenn das Haus wieder eingefärbt ist, könnt ihr die Türe öffnen.Erst wenn das Haus wieder eingefärbt ist, könnt ihr die Türe öffnen.

Auch die Musik ist ein Volltreffer. Die eingängigen Melodien werden fast durchgehend von echten, analogen Instrumenten eingespielt und ergänzen den handgemachten Grafikstil somit perfekt, und ehe ihr es euch verseht, pfeift ihr den einen oder anderen Ohrwurm auch nach dem Ausschalten eurer Wii U noch vor euch hin. Auf Sprachausgabe wird dafür wie immer verzichtet, die Nintendo-typisch ziemlich witzigen Texte werden ausschließlich in Textform kommuniziert.

Eine Sache überrascht dennoch: Paper Mario - Color Splash ist eines der wenigen Nintendo-Spiele, die offenbar komplett auf Amiibo-Unterstützung verzichten - bedenkt man, wie viele Amiibo mittlerweile auf dem Markt sind, und wie stark die auch von großen Spielen wie Mario Kart 8 und The Legend of Zelda - Twilight Princess unterstützt werden, überrascht diese Auslassung doch ein wenig! Dem Spielspaß tut's aber trotzdem keinen Abbruch.

Weiter mit:

Inhalt

Kommentare anzeigen

Final Fantasy 15: Behandlung erfolgreich

Final Fantasy 15: Behandlung erfolgreich

Anfang August war vor allem der technische Zustand des Rollenspiels Final Fantasy 15 noch durchaus besorgniserregend. (...) mehr

Weitere Artikel

Releases in KW 49: Das erscheint vom 5. Dezember bis 11. Dezember 2016

Releases in KW 49: Das erscheint vom 5. Dezember bis 11. Dezember 2016

So lange wartet ihr schon, endlich ist es soweit. In der kommenden Woche erscheint das seit vor vielen Jahren angek&uum (...) mehr

Weitere News

Gewinnspiel

Adventskalender Tür 4: COD-Paket von Activision
Jetzt mitmachen!

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Paper Mario - Color Splash (Übersicht)