Test Dragon Quest - Builders: Ein Rollenspiel hat die richtige Abzweigung erwischt

von Micky Auer (10. Oktober 2016)

Wenn sich eine Rollenspiel-Reihe an einem anderen bekannten Genre bedient, kann das Ergebnis ein Desaster sein oder aber auf erfrischende Art und Weise funktionieren. Square Enix ist mit Dragon Quest - Builders das Wagnis eingegangen.

Dragon Quest existiert seit 1986 und gehört zu den altehrwürdigen japanischen Rollenspielreihen. Selbst wer noch nie eines der Abenteuer selbst gespielt hat, erkennt vermutlich sofort die Charaktere aus der Feder von Dragonball-Erfinder Akira Toriyama. Der zeichnet schon seit Anbeginn der Serie die bunten Helden- und Bösewichter-Figuren, die zu den Markenzeichen der Spiele gehören. Allen voran natürlich der grinsende blaue Schleim, der in jedem Spiel zu den schwächsten, aber auch witzigsten Gegnern zählt. Die Erwartungshaltung seitens der Anhängerschaft vor jedem neuen Spiel ist groß, zumal zwischen den einzelnen Episoden oft recht viel Zeit verstreicht. Anstatt einen neuen, vollwertigen Serienteil auf den Markt zu bringen, entschied sich Hersteller Square Enix für eine Melange aus einem typischen "Dragon Quest"-Universum und einem Spiel, das guten Gewissens als soziales Phänomen betrachtet werden kann: Minecraft.

Ein solches Vorhaben birgt sowohl Potenzial, als auch große Risiken. Schnell kann es passieren, dass in dieser Kombination entweder das Rollenspiel leidet, oder aber der Aufbau-Teil nur verwässert in Szene gesetzt wird. Aber es wäre nicht Dragon Quest, wenn diese Hürde nicht mit Bravour genommen worden wäre. Schließlich sind Ausflüge in andere Genres für die Serie nichts Neues. Mit Dragon Quest Swords - Die maskierte Königin versucht sich die etablierte Reihe als "Railshooter" mit Bewegungssteuerung, Dragon Quest - Heroes hingegen wandelt auf den schlachtenlastigen Spuren von Dynasty Warriors. Beide Experimente sind bestens gelungen. Wie es scheint, steckt viel Überlegung, Abwägung und Planung hinter den "Dragon Quest"-Hybriden. Stets zum Wohle des Spielers. So geschehen auch mit Dragon Quest - Builders.

Denn anstatt eines simplen Minecraft-Klons mit "Dragon Quest"-Figuren erwartet euch hier ein vollwertiges Rollenspiel, das einen frischen Aspekt bietet. Anstatt nur von Ort zu Ort zu ziehen und Horden von Gegnern zu plätten, lasst ihr die Welt aktiv entstehen, indem ihr auch als Baumeister bewährt. Schon nach kurzer Spielzeit fällt selbst dem skeptischsten Spieler auf, wie unglaublich gut den Entwicklern der Spagat zwischen einem klassischen Rollenspiel und einer kreativen Aufbausimulation gelungen ist. Dragon Quest - Builders mag auf den ersten Blick weder das eine, noch das andere sein. Stattdessen ist es zu etwas Eigenem geworden, in dem es einen wichtigen Aspekt nicht gibt: Langeweile.

Damit ihr auch gleich von Anfang an wisst, wie ihr am besten vorgeht, haben wir für euch auch schon einen Einsteiger-Guide bereitgestellt.

Die Welt steht mal wieder am Abgrund

Alefgard heißt die Welt, die ihr mit euren Baukünsten retten sollt. Wer sich bereits in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts (das klingt jetzt wirklich antik) über dunkelste Importwege ein japanisches NES-Modul von Dragon Quest besorgt hat, dem könnte der Name bekannt vorkommen. Tatsächlich handelt es sich um ein und dieselbe Welt wie im allerersten Dragon Quest. Am Ende dieses Spiels erhaltet ihr als Spieler vom üblen Dragonlord einen Vorschlag: Ihr verzichtet auf die Endkeilerei mit ihm und dürft fortan die halbe Welt regieren. Genau an diesem Punkt setzt Dragon Quest - Builders an. Nämlich geht die Geschichte davon aus, dass ihr euch auf den Handel eingelassen habt.

Bluääärgh! Der Dicke mit der langen Zunge führt nichts Gutes im Schilde.Bluääärgh! Der Dicke mit der langen Zunge führt nichts Gutes im Schilde.

Kurzum: Selber Schuld. Man geht mit dämonischen und mit finsterster Magie begabten Endbossen grundsätzlich keinen Handel ein. Einfach nie. Klarerweise handelte es sich um eine Falle, in der der Held des ersten Spiels sein Leben einbüßt. Als Folge davon überrennt der Dragonlord mit seinen Horden von Ungeheuern die Welt. Die Zivilisation endet, das Land wird unbewohnbar. Reizend. Höchste Zeit, dass ein neuer Held die Bühne betritt und repariert, was sein Vorgänger verbockt hat.

Die Aufgabe, die ihr zu bewältigen habt, ist eine von biblischem Ausmaß. Schließlich und endlich sollt ihr quasi im Alleingang nichts Geringeres bewerkstelligen als Alefgard wieder komplett aufzubauen und dafür sorgen, dass die Bevölkerung wieder wachsen und gedeihen kann. Das bedeutet nicht nur jede Menge Konstruktionsarbeit, sondern auch eine Unzahl von Kämpfen gegen die finsteren Horden des Dragonlord. Hiermit steht fest, dass ihr nicht irgendein dahergelaufener Architekt seid, sondern über eine einzigartige Gabe verfügt: Ihr könnt Dinge erschaffen.

Die letzten Bewohner der Welt haben nämlich vollkommen vergessen, wie man etwas erbaut. Das gesamte Wissen über den Abbau von Ressourcen, die Verarbeitung derer und letzten Endes das Errichten von Gebäuden ist einfach ausgelöscht. Warum ausgerechnet ihr der Einzige seid, der von einer anfangs noch namenlosen höheren Macht dazu auserkoren wird, die alte Welt wieder neu erstehen zu lassen, bleibt vorerst ein Geheimnis. Auf jeden Fall habt ihr die Gabe, neue Städte wörtlich aus dem Boden zu stampfen. Die anfangs kleine, jedoch stetig wachsende Kommune aus Bewohnern rekrutiert ihr aus der Wildnis der zerstörten Welt. Einige sollen gerettet werden, andere kommen einfach so zu Besuch, weil sie gehört haben, dass eine längst vergessene Gabe mit euch wieder auferstanden ist.

Es gibt viel zu tun - Packen wir's an!

Eine ganze Welt aufzubauen, die noch dazu von widernatürlichem Gezücht überrannt ist, kann keine leichte Aufgabe sein. Ist es auch nicht, aber auf jeden Fall ist es eine absolut unterhaltsame Bestimmung. Wenn ihr eines aus Minecraft gelernt habt, dann ist das der Umstand, dass alles zerstört werden kann, um Rohstoffe herzugeben. Das ist auch in Dragon Quest - Builders der Fall. Mit eurem Allzweck-Hammer macht ihr euch auf, die Welt gleichermaßen um Rohstoffe zu erleichtern, wie auch von Monstrositäten aller Art zu befreien.

Na, kennt ihr die Figur, die da im Hintergrund erbaut wurde? Es handelt sich um den grinsenden blauen Schleim, dem Maskottchen der Serie.Na, kennt ihr die Figur, die da im Hintergrund erbaut wurde? Es handelt sich um den grinsenden blauen Schleim, dem Maskottchen der Serie.

Steine, Erde, Pflanzen, Holz - nichts ist vor eurem Hammer sicher. So gut wie alles kann zerklopft und zu brauchbaren Rohstoffen verarbeitet werden. Das Spiel folgt auch in seinem Aufbau-Teil einer gewissen Rollenspiel-Grundlage. Verarbeitet ihr anfangs noch so bescheidene Materialien wie Holz und Stoffetzen, sucht ihr schon bald nach höherwertigen Ausgangsstoffen. Stoff weicht Leder, Eisen wird von Stahl abgelöst. Das erlaubt nicht nur bessere und komplexere Bauten, sondern sorgt dafür, dass ihr auch im Kampf euren Gegnern nicht mehr nur einen einzelnen Lebenspunkt pro Schlag abzieht. Auch euer Hammer profitiert von den erbeuteten Materialien.

Das Kampfgeschehen selbst löst sich vom Prozedere der Hauptreihe und findet in Echtzeit statt. Dreh- und Angelpunkt ist auch hier der Einsatz eures Hammers. Trotz aller ursprünglichen Simplizität gewinnt der Kampfablauf jedoch ebenso von euren Künsten als Baumeister. Das zeigt sich speziell in den Boss-Kämpfen. Ausweichen und Draufklopfen führt hier nicht zum Erfolg. Stattdessen sollt ihr geschickt eure Schaffenskraft einsetzen, um zu verhindern, dass Bosse eure mühsam aufgebauten Städte einebnen. Beobachtet die hübsch animierten Angriffsmuster eurer Gegner, bringt sie zu Fall und beharkt ihre Schwachpunkte.

1 von 13

Die Welt von Dragon Quest - Builders

Rollenspielkämpfe und Aufbaumechanik gehen gekonnt Hand in Hand. Eines profitiert vom anderen. So kann zum Beispiel eine verbesserte Wirbelattacke nicht nur im Kampf für mehr Schaden beim Gegner sorgen, sondern auch beim Abbau ein schnelleres und effizienteres Vorgehen ermöglichen. Die Schrittgeschwindigkeit, in der ihr die Welt erforscht, passt hervorragend zu euren Aufgaben. Wenn ihr mit den vorhandenen Rohstoffen alle möglichen Bauwerke und Maschinen errichtet habt, seid ihr aufgrund der damit verbundenen Kämpfe oft stark genug, um ein neues Gebiet zu erforschen. Dort erwarten euch wiederum neue Gegner und auch neues Material. Schritt für Schritt erweitert ihr so das Universum und freut euch darüber, Alefgard wieder ein Stück weiter aufgebaut zu haben.

Sowohl die Kampfmeachnik als auch die Befehle für den Bau erweisen sich als erstaunlich intuitiv und praxisorientiert. Ihr habt viele Möglichkeiten, auf die Welt einzuwirken, jedoch werdet ihr niemals mit einem Überangebot an Optionen erschlagen. Die zahlreichen Nebenaktivitäten, wie zum Beispiel die Zubereitung von stärkendem Essen, werden euch sogar von den Bewohnern eurer restaurierten Städte nach und nach abgenommen. Somit könnt ihr euch auf die Hauptaufgaben konzentrieren und seid nicht gezwungen, jeden noch so kleinen Aspekt zu verwalten.

Hübsch anzusehen, aber nicht bahnbrechend

Die Perfektion von Dragon Quest - Builders findet sich in der Ausgewogenheit aller wichtigen Spielelemente. Die Geschichte ist zwar typische Fantasy-Kost, die Dialoge verfügen aber über ausreichend Humor und die eine oder andere anzügliche Bemerkung, um das gesamte Gefüge einen großen Schritt weit von ausgetretenen Weltenretter-Fantasien zu entfernen. Dabei gelingt es den Geschichtenerzählern von Square Enix, eine spannende Reise zu schildern, deren Ausgang gar nicht mal so klar ist, wie es am Anfang erscheinen mag. Eine höchste willkommene und erfrischende Abwechslung vom gerne als "episch" bezeichneten Heldenkampf in Rollenspielen. Die optische und akustische Umgebung passen sich dieser Leichtigkeit an.

Die Grafik im Spiel erweist sich als einfach, aber hübsch und zweckdienlich.Die Grafik im Spiel erweist sich als einfach, aber hübsch und zweckdienlich.

Grafisch orientiert sich das Aufbau-Rollenspiel der anderen Art ganz klar an Minecraft. Die Klötzchenoptik ist dabei nicht sonderlich Aufsehen erregend, sehr wohl aber zweckdienlich. Wenn ihr nämlich beim "Fantasy-Terraforming" erst so richtig loslegt, wollt ihr auch auf den ersten Blick wissen, wo und was ihr verarbeiten könnt. Auf den ersten Blick sieht Alefgard ein wenig monoton aus, was aber auch der zerstörerischen Vorgeschichte geschuldet ist. Spätestens, wenn ihr die ersten Gegner verkloppt habt, entfaltet Dragon Quest - Builders den für die Hauptserie so typischen Charme. Manchen Gegnern könnt ihr einfach nicht böse sein ... obwohl ihr ihnen letztendlich doch das Fell über die Ohren zieht. Zudem kommt ein Tag- und Nacht-Zyklus ins Spiel. Solltet ihr nachts nicht in den sicheren Mauern eurer Stadt Schäfchen zählen, erwarten euch unter dem dunklen Himmel von Alefgard mitunter auch andere Gefahren als die, die ihr von euren Streifzügen bei Tageslicht gewohnt seid.

Grafisch handelt es sich hierbei um ein Spiel, das nicht unbedingt eine PlayStation 4 braucht. Es wäre ebensogut auf einer PlayStation 3 machbar gewesen. Es geht aber hier gar nicht um eine optische Bombast-Präsentation, die euch hinter jeder Ecke mit digitalen Effekten und monumentalen Zwischensequenzen umhaut. Tatsächlich wäre das sogar hinderlich. Die klare und teilweise reduziert gehaltene Darstellung ist vermutlich das Ergebnis vieler Besprechungen und Experimente seitens der Entwickler. Das Ergebnis wird keinen Grafik-Preis erhalten, ist aber die beste Lösung, die für diese Art von Spiel angestrebt werden konnte. Nur um sicherzugehen: Hässlich ist die Grafik von Dragon Quest - Builders keinesfalls. Wer sich jedoch die für Square Enix übliche Grafik-Überladung erwartet, der wartet umsonst.

Eure Ohren freuen sich derweil über eingängige, symphonische Melodien, die mal tragend - mal beschwingt die Handlung unterstreichen. Das entspricht den bisherigen Musikbegleitungen, die Serienanhänger von "Dragon Quest"-Spielen erwarten und auch in diesem Fall bekommen. Ganz bestimmte und überaus charakteristische Ton-Effekte, die längst nicht mehr zeitgemäß sind, gibt es ebenfalls. Das ist kein Beinbruch, sondern tatsächlich ein Gewinn! So wie das ikonische Geklimper in Zelda-Spielen, wenn Link ein Rätsel löst, gehören auch bestimmte Klänge zu Dragon Quest. Ganz egal, wie modern die Hardware wird, dieses Standbein verbindet die lange und rumhreiche Geschichte der Reihe mit der Gegenwart. Eine Reihe, übrigens, die sich mit Dragon Quest - Builders gerne einen weiteren Stern an die Brust heften darf.

Weiter mit:

Inhalt

Tags: Fantasy   Singleplayer  

Kommentare anzeigen

PS4: Mit diesen 10 Tipps holt ihr mehr aus der PlayStation 4 von Sony

PS4: Mit diesen 10 Tipps holt ihr mehr aus der PlayStation 4 von Sony

Mittlerweile hat es sich die PlayStation 4 in vielen Wohnzimmern gemütlich gemacht. Wie ihr noch mehr aus eurem (...) mehr

Weitere Artikel

Overwatch: Blizzard kündigt Weihnachts-Event im Dezember an

Overwatch: Blizzard kündigt Weihnachts-Event im Dezember an

Kurz vor dem anstehenden Fest der Liebe hat Entwickler Blizzard ein spezielles Weihnachts-Event für seinen Helden- (...) mehr

Weitere News

Gewinnspiel

Adventskalender Tür 7: Sound-Paket von Creative
Jetzt mitmachen!

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Dragon Quest - Builders (Übersicht)