Vorschau Halo Wars 2: Ein Besuch bei den Entwicklern in Redmond

von Björn Rohwer (19. Oktober 2016)

Besuch bei 343 Industries. Wir verraten euch, ob mit Halo Wars 2 Strategie-Geschichte geschrieben oder nur Hearthstone ein weiteres Mal kopiert wird.

Mitten im Stadtzentrum von Redmond, zwischen Kino-Leuchtreklamen und überdimensionalen Einkaufszentren, herrscht Krieg. Seit einigen Monaten hat der Halo-Entwickler 343 Industries hier seinen neuen Sitz – jetzt präsentiert das Studio die Zentrale stolz der Presse und spieletipps war dabei. Die Führung durch das hauseigene Museum und das Mittagessen in Filmkulissen waren aber nur Beiwerk. Eigentlich wurden wir als neue Kommandanten rekrutiert, denn Halo Wars ist zurück!

343 Industries tritt dabei in große Fußstapfen. Damals bewiesen die Ensemble Studios mit Halo Wars, dass sich Echtzeitstrategie auf Konsolen nicht immer beschnitten anfühlen muss. Die Altmeister hinter der "Age Of Empires"-Reihe verabschiedeten sich 2009 mit einer Aufgabe für zukünftige Studios: „Hier habt ihr ein Konzept für gelungene Konsolen-Strategie – macht etwas draus!“

1 von 11

Halo Wars 2: Zu Besuch bei 343 Industries

Erst nach sieben Jahren traut sich jetzt Creative Assembly gemeinsam mit 343 Industries an eine Fortsetzung. Für Studiochefin Bonnie Ross der perfekte Partner: „Bei Halo ist das Universum der Star. Da waren wir froh, dass wir mit Creative Assembly nicht nur Strategieexperten, sondern auch eingefleischte Halo-Fans gefunden haben!“

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes

Mit Halo Wars 2 soll die Serie nun deutlich näher an das Universum der Shooter-Serie rücken. Während der Vorgänger erst im Nachhinein sein Halo-Kleid bekam, wird das zweite Halo Wars von Beginn an auf die große Spielwelt maßgeschneidert. Für eine spannende Geschichte bedienen sich 343 Industries und Creative Assembly dabei eines alten Hochzeitmottos – zumindest fast: man nehme etwas Altes, etwas Neues und etwas Geliehenes – nur blaue Elemente fehlen in der Schlacht um die Installation 00.

Von hölzernen Animationen zu Bodycapturing: Auch grafisch hat sich die Spirit of Fire entwickelt.Von hölzernen Animationen zu Bodycapturing: Auch grafisch hat sich die Spirit of Fire entwickelt.

Diese gigantische Geburtsstätte der namensgebenden Halos ist eines der großen verbindenden Elemente mit der Hauptserie. Seitdem ihr in blinder Zerstörungswut in Halo 3 die außerirdische Arche zerstört habt, sind einige Jahre vergangen – jetzt ist sie bereit, wieder zum Kriegsschauplatz zu werden.

Ebenfalls altbekannt sind die Spirit of Fire und ihre Mannschaft. Am Ende des ersten Halo Wars, kurz vor den Ereignissen von Halo - Combat Evolved, fielen Captain Cutter, Professorin Anders und Co. in einen tiefen Cryo-Schlaf und erwachen nun 28 Jahre und einen bitteren Krieg mit den Covenants später.

Mit dem Klassiker unter den Filmkniffen wollen 343 Industries und Creative Assembly auch Halo-Neulinge in die großen Weiten des Universums einführen. Die gesamte Mannschaft hat fast drei Jahrzehnte alles von technischen bis zu geschichtlichen Entwicklungen verpasst und bekommt so jeden Aspekt der Spielwelt nochmals erklärt. Diese Aufgabe übernimmt ein komplett neuer Charakter – die Künstliche Intelligenz Isabel.

Eine K.I. zum Pferdestehlen

Isabel ist in jeder Hinsicht das Gegenstück zu noblen Kommando-K.I.s wie Serena. Eigentlich ist sie für die Logistik in der UNSC zuständig und dementsprechend auch rauer und wärmer programmiert. In den vorgestellten Sequenzen zeigt Isabel sich als mal eigenwillig, aber auch mal als absolut ängstliche K.I. – sie ist nicht für den Krieg programmiert und muss sich so wie eine echte Person im Laufe des Spiels immer weiterentwickeln und über sich hinauswachsen. Alleine durch ihre Kenntnis der letzten Jahre ist sie der Spirit of Fire aber schon ab dem ersten Moment eine große Hilfe im Kampf gegen die „Banished“.

Irgendwoher kennt ihr diese Waffen der Banished doch …Irgendwoher kennt ihr diese Waffen der Banished doch …

Diese komplett neue Fraktion sind es, die sich etwas geliehen haben – oder vielleicht doch eher gestohlen. Eigentlich als dümmliches Kanonenfutter gedacht, konnten sie sich erst von den Convenants losreißen und dann auch noch von deren Untergang profitieren. Umlackiert und mit Stacheln versehen benutzen sie die alten Waffen. „Die Spieler sind an Gefährte wie Wraiths oder Banshees gewöhnt – die Banished geben uns die Möglichkeit, diese beliebten Elemente weiter zu nutzen, ohne dabei einfach die Covenants 2.0 zu erfinden“, erklärt der Hauptautor des Spiels Kevin Grace die Hintergründe der neuen Fraktion. Ergänzt wird ihr Arsenal aber auch mit allerlei eigenen Erfindungen und Ideen.

Ideen? Brutes? Ja! Auch eine blindes Huhn findet mal ein Korn oder genauer: eine eigentlich einfach gestrickte Rasse birgt Genies. Für die Banished ist es Atriox – ein außergewöhnlicher Brute, der fast im Alleingang seine Rasse von den Covenants befreite. Er soll als langfristiger Antagonist etabliert werden – Dan Ayoub, seines Zeichens ausführender Produzent, verriet, dass ihr euch auch in der Zukunft auf weitere Auftritt von Atriox im Halo-Universum freuen dürft. Jetzt, da der gemeinsame Feind besiegt ist, scheinen sich die Banished und die UNSC als neue Erzfeinde gefunden zu haben.

Schere-Stein-Papier mit Panzern

Auf den ersten Blick hat sich durch den neuen Gegner aber kaum etwas geändert – aus spielerischer Sicht kein schlechtes Fazit! Anstatt mit Creative Assembly das Rad nochmals neu erfinden zu wollen oder gar auf ein Total War - Halo zuzusteuern, basiert Halo Wars 2 ganz klar auf dem gelungenen ersten Teil. Wie gewohnt schickt ihr eure Truppen über Befehle mit den Sticks und zwei Gamepad-Tasten durch die Schlachten. Es dauert einen Moment, bis die Steuerung wirklich in Fleisch und Blut übergeht – ohne Maus ist die Echtzeitstrategie fast ein anderes Genre.

Auch die Anzeigen auf dem Bildschirm beschränken sich auf das Nötigste.Auch die Anzeigen auf dem Bildschirm beschränken sich auf das Nötigste.

Die am PC gewohnte Flut von Stärken und Statuswerten wird ebenfalls abgespeckt – zwei Ressourcen und eine auf wenige Gebäude begrenzte Basis reichen hier vollkommen, um eine schlagkräftige Truppe auf das Feld zu schicken. Hauptsache am Ende bleibt alles übersichtlich! Dabei hilft auch ein einfaches „Schere-Stein-Papier“-Prinzip, das die verschiedenen Einheiten untereinander ausbalanciert.

Immer noch total einsteigerfreundlich, aber etwas umfangreicher wird die Schlacht auf dem PC. Erstmals geht die Halo-Serie mit Halo Wars 2 auch auf Heimcomputer. Da diese Premiere beeindrucken soll, ist die PC-Version tatsächlich nicht nur eine reine Portierung der Konsolenversion. Die obligatorisch komplett andere Steuerung verändert das Spielgefühl drastisch und lässt euch zusätzlich an mehr als vier verschiedenen Brennpunkten auf der Karte kämpfen.

Dank der bunten Halo-Optik bleibt der Überblick erhalten.Dank der bunten Halo-Optik bleibt der Überblick erhalten.

Die Eckdaten haben aber beide Versionen gemein. 13 Kapitel mit kinoreifen Zwischensequenzen stehen auf der einen Seite – die drei klassischeren Multiplayer-Modi Deathmatch, Dominion und Stronghold auf der anderen. Bis hierhin fehlt aber der große Aha-Moment. Das Spiel setzt so nahtlos an dem ersten Teil an, dass es sich fast wie ein Halo Wars 1.5 anfühlt. Wirklich außergewöhnlich und bereits seit der Ankündigung mit viel Geheimniskrämerei verbunden ist dann aber der Blitz-Modus.

Halo League of Hearth Wars 2

„Der Blitz-Modus wird die Echtzeit-Strategie revolutionieren!“ Fast gebetsmühlenartig wiederholt der ausführende Produzent Dan Ayoub diese Phrase in jedem Interview. Mehr wollte er aber nicht verraten – bis jetzt! Nach knapp drei Spielstunden mit dem neuen Modus zeigt sich tatsächlich die versprochene Revolution – zumindest eine schleichende Revolution. Während die anderen Multiplayer-Modi grundsätzlich alle auf demselben Prinzip beruhen, ist der Blitz-Modus quasi ein Spiel im Spiel.

Habt ihr keine Energie, könnt ihr auch keine Karten mehr spielen.Habt ihr keine Energie, könnt ihr auch keine Karten mehr spielen.

Im ersten Moment erscheinen die einzelnen Elemente total bekannt. Entweder gegen den Computer oder gegen echte Spieler tretet ihr in kurzen Kämpfen mit den typischen "Halo Wars"-Einheiten an. Ziel ist es, möglichst viele der drei Basen auf dem Feld möglichst lange zu halten und Energiekristalle zu sammeln, um neue Truppen erstellen zu können – so weit so unspektakulär. Das klassische Prinzip wird dann aber mit den beiden Trend-Genres Nummer 1 in den Mixer gesteckt – Kartenspiele und MOBAs.

Eure Truppen und Spezialfähigkeiten könnt ihr nämlich nicht einfach frei einsetzen – hier wird ganz modern aus einem Kartenstapel gezogen. Jeder Spieler legt sich zwölf Karten parat, aus denen er dann vier Stück auf der Hand hat – diese Einheiten oder Aktionen können dann für die ausgewiesenen Ressourcen auf das Feld gebracht werden. Welche Karten euch zur Verfügung stehen, hängt wiederum von eurem Anführer ab. Ganz dem Spiel entsprechend könnt ihr mit Captain Cutter auf komplett andere Angriffe und Einheiten zurückgreifen, als der Banished-Kommandant Atriox. Zum Start sollen sechs dieser Anführer bereitstehen – weitere folgen als DLC. Der Schauplatz eures Kampfes erinnert wiederum an League of Legends und Konsorten. Über eine Mini-Karte behaltet ihr die Schritte eurer Gegner auf verschiedenen Pfaden im Auge. Alles zielt hier darauf, dass eine Partie möglichst schnell und möglichst actionreich ist.

Entweder geht es in typischer Halo-Manier im Firefight-Modus gegen endlose Gegnerhorden oder im PvP gegen anderen Spieler. Ihr solltet definitiv mit dem Firefight-Modus einsteigen – hier werdet ihr nicht nur für das neue Konzept erwärmt, sondern lernt auch die verschiedenen Karten kennen. Erscheint das Ziehen aus vier zufällig auftauchenden Karten zunächst platt, zeigt sich nach einigen Runden mit den Standard-Decks die Tiefe.

Neue Karten gibt es per Booster-Pack – mehr als zwölft dürft ihr pro Runde aber nicht nutzen.Neue Karten gibt es per Booster-Pack – mehr als zwölft dürft ihr pro Runde aber nicht nutzen.

„Wir haben uns überlegt, wie wir Echtzeitstrategie noch einstiegerfreundlicher gestalten können. Der beste Weg war es, manche Entscheidungen einfach aus dem Spielgeschehen herauszunehmen“, verrät der Verantwortliche für die Gestaltung des Blitz-Modus Oli Smith. Da ihr vor der Partie nicht genau wisst, welcher Gegner euch erwartet, müssen eure Karten vielseitig und gleichzeitig von den Kosten ausbalanciert sein – je nachdem wie tief ihr in das Spiel einsteigt, eine knifflige Aufgabe. Wie gut dieses Kombinieren von Karten über Wochen und Monate funktioniert, konnte in knapp drei Spielstunden selbstverständlich nicht überprüft werden. Wie gut der umfangreiche Einblick in Halo Wars 2 bisher klappt, erfahrt ihr aber auf der folgenden Seite.

Weiter mit:

Inhalt

Tags: Entwicklerbesuch   Multiplayer   Singleplayer  

Kommentare anzeigen

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Resident Evil 7: Krasses Horror- und Splatter-Comeback von Capcom

Mit Resident Evil 7 - Biohazard will Capcom den Begriff Horror für Spiele neu definieren. Auch für die (...) mehr

Weitere Artikel

Call of Duty - Modern Warfare: Remastered-Version erhält sechs neue Karten

Call of Duty - Modern Warfare: Remastered-Version erhält sechs neue Karten

Die Remastered-Version von Call of Duty - Modern Warfare bekommt am 13. Dezember 2016 sechs neue Multiplayer-Karten nac (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Halo Wars 2 (Übersicht)