Test Civilization 6: Nur noch eine Runde bitte, nur noch eine Runde!

von Michael Krüger (24. Oktober 2016)

Die Tage werden langsam kürzer und das Wetter rechtfertigt ausgiebige Runden vor dem PC. Wie gut, dass ein neuer Teil der Civilization-Reihe ansteht. Oder?

Sechs Jahre ist es her, dass Civilization 5 veröffentlicht wurde. Nun steht mit Civilization 6 die erste richtige Fortsetzung ins Haus. Zwischenzeitlich erschien noch Civilization - Beyond Earth, das allerdings nicht jeden überzeugte. Im neuen Teil erwartet euch nun im Grunde mehr von allem. Mehr Möglichkeiten für den Ausbau eurer Städte sind dabei ebenso wichtig wie die Erweiterung der Religionsfunktionen und ein zusätzlicher Fortschrittsbaum.

Bei allen Neuerungen ist es den Entwicklern jedoch wichtig, dass die ursprüngliche Formel weitestgehend erhalten bleibt: Was gut war, soll natürlich auch gut bleiben. Stellt euch also erneut auf große Weltkarten ein, die in Sechsecke unterteilt sind. Diese erobert ihr mit eurer Zivilisation, indem ihr eure Bevölkerung mit Aufgaben versorgt, mit euren Ressourcen haushaltet und diplomatisch mit anderen Nationen verhandelt.

Civlization 6 verspricht nicht nur inhaltliche Weiterentwicklungen, sondern auch einen großen Umfang und eine frische Präsentation. Mehr Details sollen für mehr Leben auf der Karte, aber auch mehr Hinweise auf Statistiken geben. Wie auch schon im Vorgänger trefft ihr viele berühmte Figuren aus der Geschichte der Menschheit und entscheidet im Verlauf eurer Zivilisation über Aufstieg und Fall von so manchem Reich. Wie gut sich Civilization 6 im Detail spielt, erfahrt ihr hier.

Werdet zum Oberhaupt einer Zivilisation

Als Anführer einer von euch gewählten Nation steht ihr vor der Aufgabe eure Zivilisation an die Spitze der Welt zu führen. Der Sieg ist dabei auf mehreren Wegen erreichbar. So könnt ihr beispielsweise vor allen anderen ein Shuttle zum Mars schicken und damit einen Wissenschaftssieg erringen oder auch durch die größte militärische Macht. Neu ist die Möglichkeit durch das Verbreiten der eigenen Religion einen Sieg davon zu tragen. Egal für welchen Weg ihr euch entscheidet, er ist lang und steinig.

Jeder fängt mal klein an.Jeder fängt mal klein an.

Habt ihr bereits ein 4X-Strategiespiel oder einen Vorgänger von Civilization 6 gezockt, werdet ihr feststellen, dass es eine Menge zu erledigen gibt. Jeder eurer Städte liegt ein komplexes Wirtschaftssystem zu Grunde, das Bedürfnisse und Bestreben in Einklang bringt. Die Kunst ist es, die Beschaffenheiten der Umwelt sowie eure Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen. Wie auch schon im vorangegangen Teil schickt ihr Handwerker los, um Minen, Bauernhöfe und andere Möglichkeiten der Rohstoffgewinnung zu erhalten.

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Rundentaktik in Civilization 6

Neu sind die Bezirke. Eure Städte vergrößern sich nun nicht länger, sondern belegen ganze Felder durch Areale, die einen bestimmten Zweck erfüllen. Möchtet ihr euch beispielsweise auf Handel konzentrieren, baut ihr einen entsprechenden Bezirk. In diesem baut ihr anschließend Banken und andere passende Gebäude. Das System aus Civilization 5 wurde also nicht einfach nur übernommen, sondern sinnvoll ergänzt. Der Städtebau gewinnt an Komplexität und ermöglicht euch gleichzeitig einen ganz individuellen Weg.

Dank der neuen Bezirke vergrößert und spezialisiert ihr eure Städte.Dank der neuen Bezirke vergrößert und spezialisiert ihr eure Städte.

Dabei ist Vorausschauen gefragt. Habt ihr erst einmal ein paar Runden gespielt, kennt ihr Gebäude, Wunder und Bezirke, die im Laufe des Spiels freigeschaltet werden. Ihr wisst also zum Beispiel, dass ein bestimmtes Wunder von Regenwäldern in der Umgebung profitiert oder dass ein Bezirk nur an bestimmte Orte gebaut werden kann. Plant ihr also schon früh, eine bestimmte Richtung einzuschlagen, vermeidet ihr unnötige Umbauten an euren Städten und nutzt die Umgebung sinnvoll.

Ein Reich voller Details

In Civilization 6 ist die Weltkarte weit mehr als nur eine Art taktische Ansicht. Sie bietet euch mehr und vor allem noch nachvollziehbarere Optionen als es die Vorgänger vermochten. Habt ihr zum Beispiel ein Feld auf dem Seide abgebaut werden kann, könnt ihr zunächst den Regenwald darauf abholen, um eure Produktion voranzutreiben. Anschließend könnt ihr dann eine Plantage bauen, in der Seide abgebaut wird. Dabei handelt es sich um eines von vielen Luxusgütern, die ihr verwenden könnt, um Handel zu betreiben.

Händler reisen zwischen den Städten, um Waren zu tauschen.Händler reisen zwischen den Städten, um Waren zu tauschen.

Auch die Art des Handelns hat sich verändert. Je nachdem wie viele Handelsbezirke ihr habt und wie viele Gebäude darin platziert sind, steht euch eine bestimmte Anzahl an Händlern zur Verfügung. Diese schickt ihr zu eigenen oder fremden Städten, um euch Nahrung, Produktivität und andere Ressourcen zu beschaffen. Während ihrer Reisen erstellen sie automatisch Wege, die wiederum die Effizienz steigern. Handelt ihr gerne, blickt ihr schnell auf ein ganzes Netzwerk aus Handelsrouten.

Ist euch das nicht genug, kontaktiert ihr Anführer fremder Nationen. Auch hier hat Entwickler Firaxis bestehende Stärken ausgebaut. In einem übersichtlich gestalteten Menü verhandelt ihr über einmalige wie regelmäßige Zahlungen, Lieferungen von Luxusgütern oder auch politischen Belangen, wie einer offiziellen Freundschaft oder einem gemeinsamen Krieg. Die Anführer, die euch dabei gegenüberstehen, sind charismatisch und witzig animiert. Dank der gelungenen Vertonung hört ihr jede dieser teilweise bekannten Persönlichkeiten in ihrer eigenen Sprache. Ja, es kann euch schon nachdenklich stimmen, wenn Gandhi seine Enttäuschung über eure Kriegstaten kundtut.

Neben dem Oberhaupt von Indien warten zum Beispiel auch Teddy Roosevelt oder Kleopatra auf euch. Neben diesen wichtigen Menschen begegnen euch sogenannte große Persönlichkeiten. Wann immer ihr einen bestimmten Wert in einer Kategorie überschreitet, zieht ihr eine solche Erscheinung an. Dann kann es sein, dass ihr Leonardo Da Vinci oder Nikola Tesla rekrutieren könnt, um Boni auf die Weiterentwicklung eines Bezirks, einer Einheit oder Stadt zu erhalten. Habt ihr genug Geld könnt ihr den ein oder anderen Prominenten auch damit überzeugen.

Langlebigkeit dank Vielseitigkeit

Selbst nach stundenlangem Spielen ist es äußerst interessant das Zusammenspiel aller Faktoren zu betrachten. Jedes Gebäude, jeder Bezirk und jede Einheit dienen einem bestimmten Zweck, der euch auf lange Sicht betrachtet den Sieg bringen könnte. Daraus ergibt sich eine große spielerische Freiheit, aber auch große Unterhaltung. Die Spielwelt ist nämlich dynamischer denn je. Eure Bauten sind nicht einfach nur statische Symbole. Sie zeigen euch genau, was sich an einer Stelle befindet und in welchem Zustand es sich befindet. Überall bewegen sich kleine Details, die den Eindruck einer lebendigen Spielwelt weiter unterstreichen.

Irgendwie süß dieses Ruhrgebiet.Irgendwie süß dieses Ruhrgebiet.

Einer der Höhepunkte in Sachen Darstellung sind die Wunder. Solltet ihr verpassen, die einzelnen Bauphasen zu beobachten, seht ihr bei der Fertigstellung einen Zeitraffer. Dabei erlebt ihr dann in einem kurzen Film, wie der Eiffelturm, die hängenden Gärten oder die Oper von Sydney innerhalb eines Augenblicks entstehen. Selbst wenn ihr es nicht auf einen Kultursieg abgesehen habt, bei dem ihr mehr Kulturpunkte als eure Rivalen erzielt, werdet ihr vermutlich immer wieder ein Wunder bauen - einfach nur, damit es kein anderer hat.

Wie eingangs schon erwähnt, könnt ihr in Civilization 6 auch auf Religion setzen. Hierfür stehen euch weitreichende Werkzeuge und eine ganz eigene Ressource in Form von Glauben zur Verfügung. Durch den Bau von Heiligenstätten errichtet ihr Bezirke und in diesen wiederum Tempel und andere religiöse Einrichtungen. Apostel und Missionare verbreiten eure Religion, die ihr bei Bedarf auch selbst basteln könnt, sollte euch keine der real existierenden Möglichkeiten zusagen. Dabei helfen euch neue Anhänger nicht nur dabei, eurem Sieg näher zu kommen. Je größer eure Religion nämlich ist, umso mehr Boni dürft ihr auswählen.

Kultur und Politik 2.0

Ein ähnliches System liegt der Politik zugrunde. Auch diese wurde runderneuert und bietet nun mehr Tiefgang als zuvor. Neben Fortschritt in der Forschung, in dem ihr wie in den Vorgängern neue Baumöglichkeiten freischaltet, habt ihr in Civilization 6 den neuen Baum der kulturellen Ausrichtung. Je weiter ihr in diesem voranschreitet, umso mehr wählbare Boni könnt ihr in eure Regierung packen. Wie viele ihr jeweils aus Militär, Handel und Entwicklung verwenden könnt, hängt dabei von der Regierungsform ab. So bekommt ihr auch hier mehr Freiheit in der Entwicklung eurer Zivilisation und könnt schon früh entscheiden, auf welche Ausrichtung hier hinarbeiten möchtet. Eine willkommene Neuerung, die den andauernden Rhythmus aus Aktionen auf jeden Fall bereichert.

Kleopatra ist sichtlich erfreut, euch kennenzulernen.Kleopatra ist sichtlich erfreut, euch kennenzulernen.

Ein weiterer positiver Effekt ist die fast natürliche Entwicklung diplomatischer Beziehungen. Da ihr durch den Baum für kulturelle Ausrichtungen erst nach und nach politische Optionen freischaltet, könnt ihr innerhalb der ersten Runden noch gar keine Abkommen schließen. So bleibt euer Spielraum im politischen Bereich immer dem aktuellen Zeitalter angemessen. Was in den Vorgängern noch recht automatisch eintrat, ist nun Teil eures Handelns und beruht auf euren Entscheidungen. Wollt ihr beispielsweise gerne eine kommunistische Nation anführen, könnt ihr euch genau darauf einstellen und erhaltet im Gegenzug auch alle Optionen, die historisch auf dem Weg dieser Entwicklung liegen.

Sowohl der Technikbaum der Forschung als auch der Forschrittsbaum der Ausrichtung profitieren von einer weiteren Verbesserung. Jedes Element auf den beiden Freischaltungsbäumen verfügt über eine Sonderkondition. So kann es sein, dass ihr beispielsweise durch das Eliminieren eines Barbaren eine solche Anforderung erfüllt und dadurch die Forschungszeit halbiert. Diese Zusatzziele nennen sich "Heureka"-Moment. Ihr überlegt also oft nicht nur, ob sich der Bau eines bestimmten Gebäudes lohnt, sondern auch, ob es eventuell euren Fortschritt beschleunigt. Dadurch wird das gesamte System deutlich dynamischer. Obendrein bekommt ihr bei jedem dieser "Heureka"-Momente noch eine passende Erklärung, warum eine bestimmte Entwicklung nun eher verfügbar ist - quasi ein Hauch von Geschichtsunterricht.

Kommt es zu einem Kampf zählt jede Einheit.Kommt es zu einem Kampf zählt jede Einheit.

Kommt es zu Kämpfen trotz aller diplomatischer Bemühungen oder einfach weil ihr Lust auf Krieg habt, warten ebenfalls ein paar Neuerungen auf euch. Hier vereint Civilization 6 Spielmechaniken beider Vorgänger und ergänzt diese. So könnt ihr beispielsweise Einheiten wieder befördern, aber auch miteinander zu Korps und Armeen verbinden. Voraussetzung hierfür sind natürlich entsprechende Entwicklungen in der Forschung und passende Gebäude. Auch wenn das Militär-System nicht runderneuert wurde, profitiert es von vielen anderen Neuerungen. Ihr könnt beispielsweise mit Glauben auch militärische Einheiten kaufen, wenn eure religiöse Ausrichtung und eure Bauweise es zulassen. Auch politische Effekte auf den Bau und Unterhalt eurer Einheiten sind möglich.

Natürlich könnt ihr eure Kräfte auch mit anderen Spielern messen. Hierfür stehen euch die bewährten Modi aus Civilization 5 zur Verfügung. Das Finden von Spielern war in den ersten Tagen noch etwas holprig, was allerdings vermutlich an der Anbindung an Steam lag. Seid ihr erst einmal in einem Spiel läuft alles wie geschmiert und ihr könnt beweisen, was ihr in euren Runden im Einzelspieler-Modus gelernt habt. Etwas Ausdauer ist natürlich gefragt, da der Kampf gegen andere Spieler euch ein deutlich höheres Maß an Konzentration abverlangt. Umso belohnender ist dafür der Sieg.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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