Test Titanfall 2: Mehr als nur ein Online-Shooter

von Michael Krüger (02. November 2016)

Die Spieler haben gerufen und Respawn Entertainment ist gefolgt. In der Fortsetzung des Studio-Debuts gibt es nun in Titanfall 2 neben einem Mehrspieler-Modus erstmals eine Kampagne - und was für eine!

Der Fokus von Titanfall, dem ersten Spiel von Respawn Entertainment, liegt ganz klar auf dem Mehrspieler-Modus. Lediglich ein paar Übungen und Spiele gegen KI-gesteuerte Gegner lassen sich hier alleine spielen. Dabei bietet die futuristische Spielwelt und die Mischung aus klassischen Shooter-Elementen mit Parcours und Mech-Anzügen eine gute Basis für spannende Erzählungen. Die berechtigte Frage ist jedoch, ob es für mehr als eine zweckdienliche Kampagne reicht. Immerhin liegt auch in Titanfall 2 ein großer Schwerpunkt auf dem Mehrspieler-Modus.

Doch bei aller Vorsicht solltet ihr euch auch bewusst machen, wer hinter Respawn Entertainment steckt. Viele der Mitarbeiter waren an der Produktion von Call of Duty 4 - Modern Warfare beteiligt, wie ihr auch im Blickpunkt: Respawn Entertainment - Von Call of Duty zu Titanfall 2 nachlesen könnt. Dass dessen Kampagne auch heute noch als wegweisend gilt, zeigt deutlich, dass es sich hier nicht um Amateure handelt. Macht euch im Einzelspieler-Modus von Titanfall 2 also auf die eine oder andere Überraschung gefasst.

Es ist auch interessant zu sehen, wie aus einer zunächst reinen Online-Marke nun eine Einzelspieler-Erfahrung entsteht. Die im ersten Teil lose erzählte Hintergrundgeschichte von expandierenden menschlichen Grenzen im Weltraum und dem Einsatz von Piloten und Titans bietet mit Sicherheit die solide Basis eines klassischen "Science Fiction"-Szenarios. Vielversprechend ist das allemal.

Hals über Kopf ins Leben eines Piloten

Dass aus John Cooper in absehbarer Zeit ein Pilot wird, hätte er selbst als letztes gedacht. Doch unvorhergesehene Umstände werfen euch bereits kurz nach eurer ersten Trainingsstunde in die Feuertaufe. Auf einem fremden Planeten stürzt ihr euch im Namen der Miliz in den Kampf gegen IMC-Truppen. Dieser Konzern ist unter anderem für die Verwüstung etlicher Menschenkolonien im Weltraum verantwortlich. Wie nicht anders zu erwarten, führt euer Kampf gegen deren Einheiten schon bald dazu, dass ihr einen eigenen Titan bekommt.

Zu Beginn der Kampagne erinnert vieles an andere Shooter.Zu Beginn der Kampagne erinnert vieles an andere Shooter.

Das ist nicht nur der Beginn eines spannenden Abenteuers, sondern auch einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Mensch und Maschine. Hier haben die Entwickler eine große Portion Hollywood großzügig auf die Handlung gepackt. Habt ihr schon ein paar Filme gesehen, in denen Roboter oder Außerirdische vorkommen, könnt ihr Teile der Handlung früh vorhersehen und erinnert euch sicher öfters einmal an berühmte Exemplare wie Optimus Prime. Natürlich darf hier die eine oder andere sentimentale Szene ebenso wenig fehlen, wie ein böser Oberschurke samt schillernder Gefährten. Diese präsentiert Titanfall 2 relativ regelmäßig in einem Stil, den ihr eventuell aus Borderlands kennt. Der Name taucht in großen Lettern auf und der Unhold nimmt seine coolste Pose ein. Gemeinsam mit einem jeweils passend gestalteten Titan auf jeden Fall nicht ohne einen gewissen charmanten Effekt.

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Titanfall 2

Trotz eben genannter Ambitionen, hier und da etwas Charakter aufzutragen, bleiben Emotionen abseits des Nervenkitzels allerdings fast aus. Für wirklich packende Gefühle sind die Figuren im Spiel zu flach und ihre Darstellung nicht glaubwürdig genug. Das liegt zum einen an ihrer technischen Umsetzung und den daraus resultierenden steifen Gesichtern, zum anderen daran, dass die Handlung zwischen den spielbaren Momenten nicht viel Raum lässt. So verpasst Titanfall 2 öfters einmal die Gelegenheit, eine Figur an euch zu binden oder euch mit tiefgreifender Motivation zu versorgen. Die Auftritte anderer menschlicher Charaktere sind für große Gefühle einfach zu kurz.

Die richtigen Hebel

Interessanterweise nimmt dieser Umstand der Kampagne nichts von ihrem Unterhaltungswert. Diese stützt sich zuverlässig auf die Spielmechaniken sowie die Gestaltung der Umgebung. Innerhalb einer Spielzeit von cirka sechs bis acht Stunden bewegt ihr euch durch dichte Wälder, düstere Fabriken oder auch über bewegliche Plattformen und menschliche Einrichtungen. Kein Kapitel gleicht dem nächsten und auch spielerisch hält Titanfall 2 so manche Überraschung bereit - wohlgemerkt stets im Einklang mit der Welt um euch herum.

Die Spielwelt ist abwechslungsreich und überrascht euch immer wieder mit kreativen Ideen.Die Spielwelt ist abwechslungsreich und überrascht euch immer wieder mit kreativen Ideen.

So seid ihr zu Beginn beispielsweise in einem Dschungel und versucht eine Batterie für euren Titan zu bekommen. Da ihr zuvor nie als Pilot gearbeitet habt, muss sich das System eures Anzugs erst anpassen, wodurch nicht sofort alle Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Ihr bewegt euch also zunächst wie ein gewöhnlicher Soldat durch das Gelände. Nach und nach erhaltet ihr dann die Zusatzfähigkeiten wie beispielsweise den Doppelsprung. Auf diese Weise ermöglicht das Spiel euch weitere Wege und begrenzt die Welt zeitweise plausibel.

Ein Lob geht an dieser Stelle also nicht nur an diejenigen, die sich für die Gestaltung der Spielwelt verantwortlich zeigen, sondern auch an die Entwickler, die für deren Aufbau sorgen. Form und Funktion gehen Hand in Hand und ergeben eine gelungene Bühne für die Fähigkeiten eures Charakters. Diese bringen eine angemessene Portion Kreativität auf das Schlachtfeld. Und trotz des teilweise hohen Tempos bleibt alles flüssig. Titanfall 2 sieht super aus und klingt auch ausgezeichnet. Jede der Waffen hat ihr eigenes Schussgefühl und einen charakteristischen Klang. Beides resultiert in einer starken Treffer-Rückmeldung.

Licht- und Wetter-Effekte sorgen oftmals für eine dichte Atmosphäre.Licht- und Wetter-Effekte sorgen oftmals für eine dichte Atmosphäre.

Ihr könnt Titanfall 2 sicher von Zeit zu Zeit wie einen beliebigen anderen Shooter spielen. Euch hinter der Deckung zu verstecken und in kontrollierten Stößen das Feuer eurer Gegner zu erwidern ist allerdings nicht halb so spaßig wie die Umgebung zu nutzen. Kaum ist euch dieser Umstand bewusst und die ersten Manöver sind gemeistert, gibt es kein Halten mehr. Plötzlich wird jede Kampfsituation zu einer Mischung aus Puzzle und Shooter. Es ist so, wie es der Einspieler zu Beginn der Kampagne verlauten lässt: "Ein Pilot sieht die Welt mit anderen Augen."

Doch nicht nur die Parcours-Tricks erweitern die Shooter-Mechaniken. Titanfall 2 überrascht euch immer wieder mit neuen Herausforderungen und Spiel-Elementen. Welche genau auf euch warten, solltet ihr besser selbst herausfinden, da der Effekt am besten ist, wenn ihr nicht damit rechnet. Seid euch sicher: Besonders eines der Spielelemente wird euch unvorbereitet treffen und wertet die Qualität der Kampagne um ein gutes Stück auf.

Spannende Unterhaltung auch online

Die spielerischen und audiovisuellen Stärken von Titanfall 2 funktionieren auch im Mehrspieler-Modus. Viel mehr noch sind sie zum Großteil dafür verantwortlich, dass dieser so kurzweilig ist. Habt ihr den Vorgänger gespielt, kennt ihr den Unterschied zu anderen Shootern. Inszenierung und Aufbau der Mehrspieler-Gefechte fühlen sich dynamisch an und bringen Qualitäten der Einzelspieler-Erfahrung ins Geschehen ein.

Die Mehrspieler-Gefechte verlangen eurem Können als Piloten alles ab.Die Mehrspieler-Gefechte verlangen eurem Können als Piloten alles ab.

Computergesteuerte Verbündete und Gegner füllen das Schlachtfeld und sorgen so einerseits für das Gefühl gigantischer Kämpfe und andererseits für einen angenehmen Einstieg für Neulinge. Da sich die KI leichter besiegen lässt als menschliche Feinde, bekommt ihr so als Anfänger schnell erste Erfolgserlebnisse. Hinzu kommen Missionsziele, die über einfaches Halten von Punkten hinaus gehen. Spielt ihr beispielsweise den Modus Kopfgeld, bringt ihr für Eliminierungen erhaltene Moneten immer wieder zu einem Bankautomaten. Werdet ihr unterwegs abgemurkst, verliert ihr an euren Gegner die Hälfte eures Guthabens. Besonders viel Geld bekommt ihr, wenn ihr KI-gesteuerte Titans ausschaltet. Ein irres Treiben, dass aufgrund des hohen Tempos kaum Zeit zum Atmen lässt.

Dass die Geschwindigkeit auf diesem hohen Niveau funktioniert, liegt vor allem daran, dass sich Titanfall 2 äußerst flüssig spielt. Habt ihr den Dreh heraus, gehen alle eure Aktionen angenehm ineinander über. Lange Kombinationen aus Sprüngen, Rutschen, Spezialfähigkeiten und überraschenden Abschüssen treiben euer Adrenalin nach oben und belohnen euch für clever gewählte Wege und schnelles Handeln. Je besser ihr das beherrscht, umso schneller läuft der Zähler für euren Titan ab und ihr könnt ihn herbeirufen.

Sitzt ihr hier am Steuer, entschleunigt sich das Geschehen und die Maßstäbe verändern sich. Durch die sogenannten Loadouts der Titans, spielt sich kein Exemplar gleich. Aufeinandertreffen geübter Spieler ähneln einer Partie Schere-Stein-Papier. Abhängig von eurem und dem Modell eures Gegners wägt ihr durchgehend Trefferchancen und Abwehrmaßnahmen ab. Gleichzeitig sind die Piloten auf beiden Seiten mit einem ganz eigenen Spiel beschäftigt. Gelingt es euch nämlich, auf einen gegnerischen Titan zu springen, entfernt ihr eine seiner Batterien. Diese könnt ihr anschließend einem verbündeten Blechkamerad geben und dadurch wiederum seine Energie auffüllen während ihr dem Gegner Schaden zugefügt habt. Anders als im Vorgänger regenerieren die Titans nämlich keine Energie. Auf diese Weise ist es Respawn Entertainment gelungen, eine weitere spannende Taktik-Komponente ins Spiel zu bringen, die euch möglicherweise auf den ersten Blick gar nicht bewusst ist.

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Tags: Multiplayer   Singleplayer   Science-Fiction  

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