Vorschau Final Fantasy 15: Behandlung erfolgreich

von Micky Auer (31. Oktober 2016)

Anfang August war vor allem der technische Zustand des Rollenspiels Final Fantasy 15 noch durchaus besorgniserregend. Die Entwickler brauchten mehr Zeit und beweisen nun, dass sie diese auch genutzt haben.

Quiz-Frage: Wann wurde Final Fantasy 15 zum ersten Mal als Final Fantasy Versus vorgestellt? Na, wisst ihr die Antwort? Sie lautet: Im Jahr 2006. Richtig, es ist bereits ein sattes Jahrzehnt vergangen, seit dieses Spiel, das ursprünglich exklusiv für die PlayStation 3 präsentiert wurde, zum ersten Mal interessierte Spieler auf der ganzen Welt mit Vorfreude erfüllte.

Zehn Jahre, ein Namenswechsel und eine Konsolen-Generation später sollte es am 30. September 2016 endlich soweit sei. Doch auch dahingehend wurde von Seiten des Herstellers Square Enix nochmal ein Riegel vorgeschoben. Die Entwicklung befand sich so kurz vor der geplanten Veröffentlichung in einem Stadium, die eine zeitgemäße Präsentation nicht möglich machte. Kurzerhand wurde der geplante Termin um zwei Monate nach hinten verlegt. Lange Gesichter bei den Fans, kurzes Aufatmen bei den Entwicklern. Aber mal ehrlich: Was sind schon zwei weitere Monate für Leute, die bereits ein ganzes Jahrzehnt gewartet haben?

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Neue Eindrücke aus der Welt von Final Fantasy 15

Jetzt sind es nur noch knapp vier Wochen bis zum Verkaufsstart am 29. November. Derweil verkündet Square Enix stolz, dass die Arbeiten am Spiel abgeschlossen sind und der Gold-Status erreicht wurde. So bezeichnet man in der Industrie ein Spiel, das tatsächlich fix und fertig ist und in Produktion gehen kann. Um zu beweisen, dass sich seit der Präsentation am 2. August vieles getan hat, hat uns Square Enix in die deutschen Büros in Hamburg eingeladen. Dort durften wir in Ruhe drei Stunden lang mit Noctis und seinen Freunden durch die fantastische Welt von Final Fantasy 15 streifen.

Wenn es einen Software-Hersteller gibt, der bereits im großen Stil bewiesen hat, dass er in der Lage ist, kaputte Spiele nicht nur einfach zu reparieren, sondern gleich ein wirklich gelungenes Spielerlebnis daraus zu machen, dann ist das Square Enix. Denkt an das desaströse Final Fantasy 14, das mittlerweile unter dem Namen Final Fantasy 14 - A Realm Reborn firmiert und ein rundum gelungenes und noch dazu hübsch anzusehendes MMO-Erlebnis bietet. Ob das auch im Falle von Final Fantasy 15 gelungen ist, erfahrt ihr aus den folgenden Zeilen.

Das, was war ...

Final Fantasy 15 ist vermutlich das heißeste Eisen im Feuer von Square Enix. Umso kritischer wird es von allen Seiten beäugt. Noch im Sommer dieses Jahres gab es allerdings noch ein paar heftige Aussetzer in technischer Hinsicht.

Fußmärsche sind überbewertet. Der Prinz von Welt reist gerne mal per Chocobo.Fußmärsche sind überbewertet. Der Prinz von Welt reist gerne mal per Chocobo.

Kantenglättung war im Spiel nicht zu finden. Unschöne Treppeneffekte und platte Texturen ließen sowohl Spielfiguren als auch die virtuelle Landschaft im Spiel recht unschön erscheinen. Gepaart mit monotoner Beleuchtung und platten Grafik-Effekten konnte Teil 15 der altehrwürdigen Rollenspiel-Reihe absolut nicht punkten. Hinzu kamen bis zu einsekündige Aussetzer in den Echtzeit-Kämpfen. Außerhalb der Kampfhandlungen hat sich auch öfter mal die freie Kamerasteuerung verabschiedet, die Fantasy-Boygroup rund um Prinz Noctis stolperte in Folge recht hilflos durch die Gegend.

Wichtige Funktionen, wie die Teleport-Fähigkeiten von besagtem Noctis haben teilweise gar nicht funktioniert. Zwar konntet ihr Gegner aus der Entfernung angreifen und höheren Schaden verursachen, jedoch wollte die gleiche Funktion nur äußerst holprig bis gar nicht anspringen, wenn es darum ging, einen erhöhten Punkt zu erreichen. Das ist insofern sinnvoll und äußerst wichtig, wenn ihr im Kampf kurz den taktischen Rückzug anstrebt, um Kräfte zu sammeln und in Folge den Gegner umso härter anzugreifen. Wenn ein so wichtiger Teil der Kampfmechanik nicht funktioniert, ist der gesamte Kampf nur noch ein Hauen und Stechen, das zu einem großen Teil von Glück beherrscht wird. Nicht traggbar für ein Rollenspiel, in dem gleichermaßen Ausrüstung, Charakterentwicklung und Geschick gefragt sind.

Im schlimmsten Fall kam es sogar dazu, dass sich das Spiel komplett aufgehängt hat. Ein Unding für eine Serie, die auch dafür bekannt ist, dass sie keine schweren Spielfehler enthält. Figuren, die da von links und rechts ins Bild fliegen, weil das Programm mit der Berechnung nicht hinterherkommt, machen das Gesamtbild auch nicht attraktiver. Aber wie gesagt: Das war Anfang August. Jetzt, Ende Oktober, hat sich vieles geändert. Perfekt ist nichts auf dieser Welt, so auch nicht Final Fantasy 15. Doch nach dem aktuellen Stand der Dinge ist das Spiel nun von einem Kaliber, das in der Lage ist, ganz weit vorne mitzuspielen.

Das, was ist ...

Die gute Nachricht vorweg: Die schlimmsten technischen Probleme scheinen allesamt behoben zu sein. In den drei Stunden, die wir jüngst mit dem Spiel verbringen durften, gab es nicht einen Fehler zu entdecken, der die Qualität des Spielablaufs mindert oder gar dafür sorgt, dass das Spiel abstürzt. Gut gemacht, Square Enix! Es kommt aber noch besser: Durch die Behebung von Fehlern kann sich erst jetzt das fertige Kampfsystem in seiner vollen Pracht präsentieren. Und das ist ein Punkt, der eine nähere Betrachtung verdient.

Gladiolus in Aktion! Der Kampfablauf in Final Fantasy 15 macht fast alles richtig.Gladiolus in Aktion! Der Kampfablauf in Final Fantasy 15 macht fast alles richtig.

Eines der wichtigsten Standbeine eines ordentlichen Rollenspiels ist die Kampfmechanik. Nichts ist schlimmer als langweilige, sperrige und monotone Kampfabläufe. Die Kämpfe in Final Fantasy 15 bilden die absolute Antithese dazu. Rundenbasierte Kämpfe gehören der Vergangenheit an und die Verantwortlichen stellen ein actiongeladenes Kampfsystem in Echtzeit zur Verfügung. Dabei haben sich die Designer viele Gedanken gemacht und diese auch sinnvoll umgesetzt. Aufgrund der Behebung der technischen Probleme sind die Kämpfe im Spiel nun nicht mehr nur eine Ansammlung von gut gemeinten Ideen, sondern präsentieren sich als brillante Herangehensweise an das Thema "Echzeit-Kämpfe".

Ihr steuert Prinz Noctis, die Hauptfigur der Geschichte. Im Kampf stehen euch seine drei Freunde Gladiolus, Ignis und Prompto stets zur Seite. Sie agieren grundsätzlich eigenständig und automatisch. Wenn ihr jedoch im Kampfverlauf eine spezielle Leiste durch gelungene Aktionen füllt, könnt ihr auch Spezialanfgriffe durch die drei Jungs initiieren. Dazu gehören brachiale Attacken, die besonders große Gegner umwerfen, flinke Angriffe mit Schusswaffen und eine besonders fiese Aktion, die alle Gegner trifft und sie aufweicht.

Ihr schlagt nicht nur auf die Gegnerhorden ein. Blocken und Ausweichen sind ebenso von großer Bedeutung, zumal ihr euch so besondere Angriffe wie Konter und Attacken von hinten verdient. Die bereits erwähnte Teleportationsfähigkeit von Noctis ist ebenfalls von großer Bedeutung und verleiht dem Kampf trotz all der Dynamik eine taktische Note. Nur, wenn ihr das Terrain kennt und wisst, wohin ihr euch zurückziehen könnt, werdet ihr den Kampf meistern. Sollte kein Rückzugspunkt vorhanden sein, könnt ihr immer noch hinter einem Felsen oder einem anderen großen Objekt in Deckung gehen. Ganz klassisch, ohne magisches Funkengewitter.

Nicht zu vergessen: Der Einsatz von Magie. In den weitläufigen Landschaften findet ihr magische Erzadern. Geht bloß an keiner vorbei! Denn nur so kommt ihr an mächtige magische Angriffe. Um diese nutzen zu können, braucht ihr aber leere Flakons. Je mehr ihr davon findet, durch desto mehr Diversität zeichnet sich euer Zauber-Arsenal aus. Die abgebauten Essenzen verarbeitet ihr zu magischen Angriffen, die es ordentlich in sich haben, jedoch nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen. Die Balance ist hierdurch gegeben und ihr müsst nach wie vor auf Planung und Geschick achten, um siegreich zu bleiben. Nur wenn ihr die so mächtige Magie sinnvoll und gezielt einsetzt, ergibt sich im Zusammenspiel mit den "normalen" Angriffen eine effektive Strategie.

Hinzu kommt eine Vielzahl an Waffen (die ihr übrigens im Kampf auf Knopfdruck wechseln könnt), Ausrüstungsgegenständen und Fähigkeitenbäumen mit unzähligen aktiven und passiven Erweiterungen. Abwechslung wird groß geschrieben und neben der Erkundung der Welt und dem Erfahren der Geschichte von Final Fantasy 15 werdet ihr hauptsächlich damit beschäftigt sein, eure Ausrüstung zu verbessern und den Kampf zu meistern. Glücklicherweise ist das rundum gelungen und bietet einen hohen Unterhaltungswert.

Das, was vielleicht sein wird ...

So ganz rund, wie es laufen könnte, läuft es aber in der gezeigten Version noch immer nicht. In beengten Kampfarealen verhakt sich die Kamera gerne mal in einer Wand und ihr verliert komplett den Überblick. Selbst in freieren Gebieten kann es vorkommen, dass Bäume und Buschwerk euch die Sicht auf das Geschehen nehmen. Nachjustieren der Kamera hilft da nur bedingt, weil schon nach Sekunden wieder eine ungünstige Perspektive die Oberhand gewinnt.

Kein Final ohne Fantasy: Im Angesicht dieser ätherischen Gestalten versinkt ihr schnell in der virtuellen Welt.Kein Final ohne Fantasy: Im Angesicht dieser ätherischen Gestalten versinkt ihr schnell in der virtuellen Welt.

Ebenfalls noch nicht gänzlich bereinigt ist die Darstellung der Figuren im Spiel, speziell wenn es um Haare geht. Das mag nichtig klingen, doch bedenkt, dass die Charaktere oft im Fokus des Geschehens stehen. In Gesprächen wechselt die Kameraperspekte und zeigt Gesichter in Großaufnahme. Es stört schon gewaltig, wenn die sonst so liebevoll und filigran gestalteten Spielfiguren von einem Texturengewusel um den Kopf herum verunstaltet werden. Und das im ganzen Spiel, das euch zig Stunden begleiten wird.

Flackernde Schatten an besonders großen Objekten fallen zwar auf, sind aber nicht weiter störend, zumal das "Pop Up"-Problem so gut wie nicht mehr existent ist. Soll heißen: Wenn ihr die Gegend erforscht, tauchen nicht plötzlich irgendwelche Objekte aus dem Nichts auf. Die Weitsicht und damit die Immersion in die fantastische Spielwelt wird dadurch nicht mehr getrübt. Dennoch: Im Angesicht von solchen Grafik-Perlen wie Uncharted 4 ist bewiesen, dass es durchaus noch ein Stück besser geht.

An Übersetzung und deutscher Synchro wird sich wohl nicht mehr viel ändern, denn das würde aufwändige Arbeiten bedeuten, die auch entsprechend viel Zeit voraussetzen. Beide Bereiche sind durchaus in Ordnung, aber auch hier gibt es ein wenig Verbesserungspotenzial. Mehr Informationen speziell dazu erfahrt ihr in der Vorschau: "Final Fantasy 15: Endlich auf der Zielgeraden ... oder doch nicht?" Übrigens: Zum Zeitpunkt unseres Anspieltermins trudelte eine neue Version bei Square Enix ein, die uns aber noch nicht zugänglich gemacht werden konnte. Es kann gut sein, dass viele der hier genannten Kritikpunkte nicht mehr relevant sind. Näheres dazu erfahrt ihr spätestens in unserem Test, den wir natürlich demnächst veröffentlichen werden.

Liebend gerne würden wir euch noch mehr Details zur Geschichte verraten. Jedoch wird dies aus zwei Gründen nicht geschehen. Zum einen, weil wir euch garantiert nicht den Spaß durch "Spoiler" verderben wollen, zum anderen, weil uns Square Enix sonst das Fell über die Ohren zieht. Beides wollen wir nicht. Was jedoch bekannt ist und auch kommuniziert werden darf, erfahrt ihr ebenfalls aus der oben genannten Vorschau.

Zu guter Letzt verrät Square Enix noch, dass Final Fantasy 15 voraussichtlich vier kostenpflichtige Zusatzinhalten bekommen soll. Die ersten drei Episoden beschäftigen sich eingehender mit Gladiolus, Ignis und Prompto, der vierte DLC soll dann die Gefährten wieder zusammenführen. Dieser DLC hört aktuell auf den Namen "Comrades" (Kameraden) und soll sogar über einen Mehrspieler-Modus für bis zu vier Spieler verfügen. Langweilig wird es wohl so schnell nicht in der immer wundervoller werdenden Welt von Final Fantasy 15.

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Multiplayer   DLC  

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