The King of Fighters: Ein Tribut an den ewig Zweiten

(Special)

von Micky Auer (13. November 2016)

Seit nunmehr 22 Jahren Kämpfen zahlreiche exotisch wirkende Gestalten um den Titel des "Königs der Kämpfer". Zeit für uns mit euch einen Blick auf die bewegte Vergangenheit einer Serie zu werfen, die stets die zweite Geige spielte.

Im Reich der Prügelspiel-Anhänger ist es schon beinahe eine Glaubensfrage: Street Fighter oder The King of Fighters? Spätestens seit der Umsetzung von Street Fighter 2 von Hersteller Capcom für das weit verbreitete Super Nintendo Entertainment System und später für das Mega Drive von Sega sind die Recken rund um Ryu, Chun-Li und Zangief ein popkulturelles Phänomen geworden. Das Spiel ist mit verantwortlich für die Etablierung bestimmter Eingaben auf dem Controller, die auch außerhalb von Prügelspielen Verwendung finden. Wenn jemand sagt: "Mach einen Hadoken!", wissen die meisten sofort, dass ein Viertelkreis von unten nach vorne, gefolgt von einem Schklagknopf gemeint ist. Das ist der Popularität von Street Fighter geschuldet.

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Ein Tribut an The King of Fighters

Weniger verbreitet war von Anfang an das Konkurrenz-Geklopfe The King of Fighters (kurz KoF) von SNK, das mit The King of Fighters 94 seinen Einstand feierte. Ebenso wie Street Fighter erlebte KoF seine Geburt in den Spielhallen, wurde es doch ursprünglich für SNKs Neo Geo MVS Arcade-Hardware entwickelt. Diese Basis ermöglichte zwar eine originalgetreue Umsetzung für die überaus starke Heimkonsole Neo Geo, jedoch erreicht sie so abseits der Spielhallen nicht viele Käufer. Denn das Neo Geo lag preislich weit über den damals populären Konsolen SNES von Nintendo und Mega Drive von Sega. Die auf Modulen basierenden Spiele für das Neo Geo schlugen jeweils nochmals heftig zu Buche, kostete doch im Durchschnitt ein Spiel so viel wie eine komplette Konsole der Konkurrenz.

Kurzum: Während Street Fighter 2 seinen weltweiten Siegeszug antrat, blieb The King of Fighters 94 nur wenigen, gut betuchten Konsumenten und Sammlern vorbehalten. Durch die so bedingte unterschiedlich starke Popularität mag schnell der Eindruck entstehen, dass The King of Fighters einerseits nur eine Kopie von Street Fighter darstellt, andererseits in spielerischer Hinsicht mit dem Konkurrenten nicht mithalten kann. Das ist ein Irrtum, denn KoF hat einiges zu bieten, was im "Street Fighter"-Lager nicht zu finden ist.

Eigenständigkeit macht den Unterschied

The King of Fighters fängt schon im ersten Teil der Reihe damit an, das bekannte Duell-Prinzip zu verändern. In den Kämpfen treten nicht bloß zwei Gegner in bunten Arenen gegeneinander an, sondern gleich zwei Teams, bestehend aus jeweils drei Kämpfern. Das stellt eine gewisse Herausforderung für den Spieler dar, denn anstatt nur einen Charakter bis ins Detail zu studieren und zu meistern, ist es hier sinnvoll, ein Dreier-Team aufzubauen und im Kampf effektiv einzusetzen.

Brust raus! Mai setzt Terry mit schlagkräftigen Argumenten zu.Brust raus! Mai setzt Terry mit schlagkräftigen Argumenten zu.

In späteren Folgen der KoF-Reihe wechseln die Entwickler zwischen den Dreier-Teams und Solo-Kämpfern. Manchmal kommt sogar ein viertes Team-Mitglied hinzu, dass als sogenannter Striker fungiert. Das soll weiter unten noch genauer erläutert werden. Hinzu kommen noch bisher ungewohnte Manöver wie Ausweichrollen und Verhöhnungen des Gegners, sowie eine klare Unterscheidung zwischen weiten und flachen Sprüngen, die im Kampf einen entscheidenden taktischen Vorteil gewähren können.

Ein zwar augenscheinlicher, jedoch oft unterschätzter Vorteil von KoF ist der Umstand, dass seine geistigen Väter in der Lage sind, korrekt zu zählen. Was soll das bedeuten? Nun, ursprünglich sollte jedes Jahr ein neues KoF auf den Markt kommen, das auch entsprechend die Jahreszahl im Titel trägt (KoF 94, KoF 95, KoF 96 und so weiter). Erst in späteren Jahren, als aufgrund von firmenpolitischen Umständen und technischer Anforderungen eine jährliche Veröffentlichung nicht mehr möglich war, gingen die Verantwortlichen zu einer klassischen Nummerierung über, beginnend mit The King of Fighters 11, das auch tatsächlich das elfte Spiel der Reihe ist. Damit verbunden sind stets neue Figuren, Grafiken, musikalische Begleitung, Hintergrundgeschichten und Spielmechaniken. Jedes Spiel ist tatsächlich eine echte Fortsetzung.

Zum Vergleich: Bevor Capcom gelernt hat, dass nach 2 im Normalfall 3 kommt, brachte das japanische Software-Haus satte sieben Fassungen von Stret Fighter 2 auf den Markt (alle Umsetzungen mit einbezogen ergeben stolze 30 Versionen des Spiels). Viel hat sich dabei nie verändert. Mal hier ein paar neue Kämpfer, mal da eine neue Attacke, zum Schluss hin schlicht und ergreifend das Original-Spiel in HD-Grafik. Mit der gleichen Anzahl von Spielen durchwandert da KoF die Editionen von 1994 bis 2000 und präsentiert jede Iteration als eigenständige und anders aussehende Produktion.

Während sich die "Street Fighter"-Reihe durch eine weiterhin fragwürdige Veröffentlichungspolitik seitens Capcom berechtiger Kritik ausgesetzt sieht, hält The King of Fighters brav an dem Konzept fest, dass jedes neue Spiel der Reihe auch wirklich ein neues Spiel sein soll. Und siehe da: 2016 erscheint mit The King of Fighters 14 ein neuer Teil, der wieder vieles anders macht. Ein "The King of Fighters Hyper Fighting Turbo EX Plus Alpha Reloaded HD Remix Arcade Revival Edition" gibt es nicht und wird es hoffentlich auch nie geben.

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Wer sind die und warum verdreschen sie sich?

Die Charaktere im Kämpferfeld von The King of Fighters sind nicht allesamt extra für diese Reihe ersonnen worden. Stattdessen bedient sich SNK aus dem reichhaltigen Figurenangebot aus älteren Spielen wie Fatal Fury, Art of Fighting, Ikari Warriors und Psycho Soldier.

Der absurd muskulöse Opa Tung sollte nicht unterschätzt werden.Der absurd muskulöse Opa Tung sollte nicht unterschätzt werden.

Zu keinem Zeitpunkt soll diese "recyclete" Herkunft verschleiert werden. Im Gegenteil! Schaut ihr ganz genau hin, erkennt ihr zum Beispiel auf der Mütze von Blondschopf Terry Bogard ganz klar das Logo von "Fatal Fury", sozusagen der Name seines Heimatspiels. Der Kämpfer Ryo hingegen ist eine klare Parodie auf Capcoms Heldenduo Ryu und Ken, ähnelt er doch sowohl im Namen, seinem Äußeren und seiner Kleidung den beiden Vorzeigekämpfern aus Street Fighter 2.

Es gibt nicht wenige Spieler, denen ist eine Hintergrundgeschichte in einem Prügelspiel vollkommen schnuppe. Dann wiederum gibt es eine große Anzahl von Prügel-Aspiranten, die zumindest gerne eine Rahmenhandlung hätten, die eine gewisse Motivation für die einzelnen Figuren vorgibt. Individuelle Abspänne sind in diesem Zug ebenso gerne gesehen. KoF macht gleich beides. Da gibt es Handlungsbögen, die sich über mehrere Spiele spannen, dann wiederum gibt es reine "Fun-Matches" in der Serie, die gänzlich ohne Hintergrundgeschichte auskommen. Etwas inkonsistent, jedoch hängt die Qualität der Spielmechanik nicht davon ab.

Im Folgenden erhaltet ihr eine Übersicht über die einzelnen Spiele, die jeweiligen Sagas, zu denen sie gehören und den Werdegang der oft zu Unrecht links liegen gelassenen Reihe von 1994 bis heute.

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