Test Tyranny - Fakten und Wertung

Fakten:

  • Rollenspiel
  • weitgehend vorgegebene Rolle
  • ihr werdet in die Welt hineingeworfen
  • Bösewichte haben schon gesiegt
  • Zaubersprüche setzen sich aus Sigillen und Art der Anwendung zusammen
  • Werte steigern sich durch die Anwendung dieser
  • ungefähr 25 Stunden Spielzeit
  • hoher Wiederspielwert
  • viele Entscheidungsmöglichkeiten
  • seit 10. November erhältlich für PC und Mac

Meinung von Daniel Kirschey

Ja, ich gestehe es: Ich spiele zu 90 Prozent in Rollenspielen den Guten. Ich helfe kleinen Kindern, die ihren Teddy verloren haben und befreie gefangene Elfen. Deshalb ist für mich Tyranny – wie beschrieben – unangenehm. Aber: Auf eine angenehme Weise.

Das klingt etwas merkwürdig, trifft den Punkt aber ganz gut. Denn statt – wie schon tausendmal zuvor – ein und dieselbe Rolle zu spielen, die ich in fast jedem Rollenspiel automatisch spiele, zwingt mir Tyranny eine Rolle auf. Ich kann zwar entscheiden, wie ich zu einem Schicksalsbinder geworden bin, aber nicht, ob ich überhaupt einer sein will.

Das erscheint erst einmal negativ. Doch darin liegt auch der Reiz des Spiels. Denn wollt und könnt ihr die Rolle des Richters und Henkers eines bösen Oberherren spielen und auch ausfüllen, oder seid ihr zu "gut" dafür? Hier zeigt sich die spielerische Größe von Tyranny, die es aus dem Massenmarkt hervorhebt.

Tyranny erinnert mich an meine "Pen & Paper"-Zeit. In der habe ich meinen Charakter nicht während des Spielens geformt, sondern mir am Anfang überlegt, wie ich ihn spielen will. Manchmal hat ein Spielleiter mir auch einen bestimmten Charakter vorgeschlagen.

Tyranny ist dieser Spielleiter. Das ganze Spiel erinnert dadurch mehr an eine wirkliche Rollenspielrunde und bietet etwas, was es schon seit einiger Zeit (außer vielleicht die Witcher-Reihe – aber Ausnahmen bestätigen die Regel) nicht mehr gegeben hat. Ich spiele wirklich eine Rolle. Somit handelt es sich hier um ein echtes Rollenspiel, und das ist gekonnt umgesetzt und spielt sich fantastisch

Die Rollenspielerfahrung beschränkt sich nicht nur darauf, dass ich ein paar Punkte in meine Attribute und Fähigkeitenbäume verteile und dann statt der bösen oder zynischen Antwort die gute wähle und der strahlende Held bin. Nein, ich spiele eine Rolle und plötzlich erwische ich mich, der fast immer nur Gutes in Spielen tut, dabei, wie ich einen Händler zum Tode verurteile.

Womöglich hätte er mir Rabatt gegeben und mir später als Geldquelle gut gedient, aber das ist egal. Ich bin der Richter, ich bin der Henker und es ergibt einfach Sinn, dass ich die Regeln von Kyros durchsetze und den Händler bestrafe. Denn das ist meine Rolle, mein Beruf, meine Berufung ... oder?

83

meint: Intensives Rollenspiel-Erlebnis in einer ungewöhnlichen und grausamen Welt voller schwerer Entscheidungen.

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Tags: Fantasy   Retro  

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