Test Sword Art Online - Hollow Realization: Das Rollenspiel im Rollenspiel

von Dennis Michel (12. November 2016)

Mit Sword Art Online - Hollow Realization startet Entwickler Bandai Namco einen Neuanfang für all jene, die gerne eine neue japanische Rollenspiel-Reihe kennenlernen möchten und über eine PS4 oder PS Vita verfügen.

Lange Zeit war Sword Art Online (kurz: SAO) nur für eingefleischte Anhänger des Animes beziehungsweise des Mangas eine ernsthafte Option. Die Einstiegshürden in Bezug auf die Geschichte und die Charaktere waren schlichtweg zu hoch. Sword Art Online - Hollow Realization soll das nun ändern.

Wir befinden uns in naher Zukunft. Die Technik der Virtuellen Realität hat sich stets weiterentwickelt und macht es möglich, mittels einer VR-Brille komplett in ein Spiel einzutauchen. Ihr kennt den Film Matrix aus dem Jahr 1999? So könnt ihr euch den Ablauf vorstellen. Was zunächst aufregend klingt, führt in jüngster Vergangenheit jedoch zu großen Problemen. Programmierer schließen die Spieler in der virtuellen Welt ein. Wer im Spiel stirbt, der stirbt durch einen Stromschlag auch im echten Leben. Nur wer alle Hürden des Spiels meistert und den finalen Gegner in die Knie zwingt, kehrt unbeschadet in sein normales Leben zurück.

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Sword Art Online - Hollow Realization: Gefangen in der Virtuellen Realität

Genau das gelingt Kirito, der Hauptfigur des Spiels, zusammen mit seinen Freunden. Wer jetzt sagt: „Mensch, bei solch einem Spiel würde ich doch nie wieder mitmachen“, der denkt anders als die Charaktere aus dem SAO-Universum. Diese stürzen sich, scheinbar ohne groß nachzudenken, direkt in die Testphase des neuen Spiels - Sword Art Origin - und die Welt Ainground.

Entschuldige, dein Name war?

Zu Beginn habt ihr die Möglichkeit, das Aussehen Kiritos einzustellen. Keine Sorge, falls ihr mit eurer Auswahl nicht zufrieden seid: Ihr habt stets die Möglichkeit dieses zu ändern. In der Spielwelt angekommen, erfahrt ihr zunächst etwas über die grundlegenden Spielmechaniken, allen voran das Kampfsystem.

In diesen 2D-Zwischensequenzen erfahrt ihr mehr über die GeschichteIn diesen 2D-Zwischensequenzen erfahrt ihr mehr über die Geschichte

Auch hier wird deutlich, dass die Entwickler alles daran gesetzt haben, um SAO-Neulingen den Einstieg zu erleichtern. Es ist lediglich etwas unglücklich, dass die Hilfestellungen in den ersten Spielstunden sehr häufig euren Spielfluss unterbrechen und SAO-Kenner diese nicht abstellen können.

Apropos den Spielfluss unterbrechen: Ich habe selten ein Spiel gesehen, das euch so häufig in die Rolle des passiven Zuschauers versetzt. Den Großteil der Geschichte erlebt ihr durch animierte 2D-Zwischensequenzen, die auch gut und gerne mal 20 Minuten andauern. Sie sind zwar durchaus zweckmäßig, doch fehlt es ein wenig an Abwechslung hinsichtlich der Präsentation.

Trefft ihr auf eine neue Person, erzählt Kirito zunächst ihre Vorgeschichte, um SAO-Einsteigern einen besseren Überblick zu verschaffen. Das Problem hierbei ist jedoch, dass euch das Spiel zu Beginn mit solch einer enormen Zahl an Figuren überschwemmt, dass ihr als Neuling schon Buch führen solltet, um den Überblick nicht zu verlieren. Dabei zeigt sich auch, dass sich die Charaktere optisch nicht stark genug voneinander abgrenzen. Zudem sind sie zu klischeebehaftet, um einen bleibenden ersten Eindruck zu hinterlassen.

Später im Spiel habt ihr die Möglichkeit, Interaktionen während eines Gesprächs, beziehungsweise einer Verabredung, mit einer Figur durchzuführen. Dadurch verändert sich der Beziehungsstatus und ihr könnt euch näher mit den einzelnen Figuren beschäftigen. Diese Art Minispiel erinnert stark an eine der tragenden Spielmechaniken wie in Die Sims 4.

Langeweile abseits der Geschichte

Doch was passiert eigentlich in der Welt von Ainground, wenn ihr nicht gerade den Gesprächen eurer Gefährten in der frei begehbaren Stadt lauscht, die als Ausgangspunkt dient? Wie in einem Rollenspiel üblich, ist es eure Aufgabe euch zu verbessern, Gegenstände einzusammeln und auf dem Weg allerhand Feinden den Hintern zu versohlen.

Im Kampf spielt sich auf dem Bildschirm so allerhand ab.Im Kampf spielt sich auf dem Bildschirm so allerhand ab.

Dafür nehmt ihr Aufgaben an, die an einer Anzeigetafel in der Stadt auf euch warten. Wer jetzt epische Questreihen im Stile eines The Witcher 3 erwartet, der wird mit voller Wucht in den Einheitsbrei längst vergessener Zeiten katapultiert.

„Herr Ober, ich hätte gerne zehn Killerwespen und drei Hörner eines wilden Stiers. Ach, und wenn sie schon dabei sind, dann bringen sie das Ganze doch gleich für meine fünfzig Kollegen aus dem Kegelverein mit.“

Was wie ein Scherz klingt, ist in SAO – Hollow Realization die bittere Realität. Die Aufgaben sind äußerst simpel gehalten und bedienen sich an altbekannten Schemata: Sammelt X Beeren, tötet Y Feinde und geht zurück in die Stadt, um euch die wohlverdiente Belohnung an der Aufgabentafel abzuholen. Es geht sogar so weit, dass ihr irgendwann überhaupt nicht mehr realisiert, wann eine der 100 angesammelten Aufgaben abgeschlossen ist.

Doch habt ihr euch erst einmal durch die Aufgaben gekämpft, so belohnt euch das Spiel stets mit verbesserten Waffen und coolen Rüstungsteilen, die ihr auch in der offenen Welt finden könnt. Eure Kleidung, sofern ihr sie wechselt, macht sich nach dem Anlegen sofort optisch bemerkbar. So seid ihr nicht dazu gezwungen, das ganze Spiel über in einem schwarzen Mantel herumzulaufen.

Es fehlt der Feinschliff

Aber gut, wenn die Welt, in der ihr eure Aufgaben erledigt, einen abwechslungsreichen Anstrich hat, das Kampfsystem Spaß macht und die Verbesserung eures Charakters befriedigt, dann sind die eintönigen Aufgaben doch zu verschmerzen, richtig?

Was hat es nur mit diesem mysteriösen Mädchen auf sich?Was hat es nur mit diesem mysteriösen Mädchen auf sich?

Richtig! Allerdings trifft keiner dieser Punkte voll zu. Grafisch haut euch das Spiel nicht aus den Latschen. Es ist nicht hässlich, für ein Spiel aus dem Jahr 2016 auf der PlayStation 4 sieht es jedoch eher dürftig aus. Hinzu kommt, dass die Welt unglaublich generisch wirkt, sprich, eine Graslandschaft gleicht der nächsten.

„Aber hey, die Kämpfe sind bestimmt abwechslungsreich und machen Spaß!“.

Das Echtzeit-Kampfsystem bietet auf den ersten Blick tatsächlich einiges. Ihr führt Kombos aus, die ihr mit euren Begleitern kombinieren könnt. Ihr bearbeitet eure Feinde mit einer großen Auswahl an Spezialfähigkeiten und gebt Kampfbefehle an eure Freunde. Was in der Theorie gut klingt, artet aber meist in eine Kreistasten-Orgie aus, die gelegentlich durch Drücken der Dreieckstaste ein Ende findet.

Bleibt noch das Genre-typische Aufleveln eures Helden, ein entscheidender Punkt in einem jeden Rollenspiel. Entscheidend ist hier die Frage, ob der Stufenaufstieg motiviert und Spaß macht. In SAO geschieht dies jedoch beiläufig und dient als Gradmesser dafür, mit welchen Monstern ihr euch messen und mit welchen ihr euch besser nicht anlegen solltet.

Positiv fällt jedoch auf, dass ihr die durch den Level-Aufstieg gewonnenen, Fähigkeiten individuell eurem Charakter zuweisen könnt, um so euren Kampfstil zu beeinflussen. Dieser wird zudem durch eure Waffenwahl weiter verfeinert. Kämpft ihr beispielsweise ausschließlich mit einem Knüppel, so schalten sich nach und nach neue Waffen-Fähigkeiten für diesen frei.

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Tags: Singleplayer   Anime  

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