Test Dishonored 2: Die Steampunk-Fantasie entwickelt sich weiter

von Michael Krüger (16. November 2016)

Leichen liegen im Straßengraben. Aus ihren Bäuchen ragen Blutfliegen-Nester empor. Willkommen zurück in einer düsteren Welt voll okkulter Magie und rollenden Köpfen.

Nach einem aufregenden ersten Teil steht nun Dishonored 2 - Das Vermächtnis der Maske in den Regalen und verspricht erneut spannende Unterhaltung gespickt mit Schleichwegen durch eine reichhaltige Spielwelt. Habt ihr Lust auf das gewisse Extra, schaut euch die Limited Edition an. In Uffruppe #195: Onkel Jo verabschiedet die Collector's Edition von Dishonored 2 wird diese für euch ausgepackt.

Dishonored 2 führt euch wie schon sein Vorgänger in eine düstere und fiktive Spielwelt im Steampunk-Gewand. Aus den dreckigsten Gassen bahnt ihr euch euren Weg an die Spitze des Adels. Wie blutig euer Weg dorthin ist, bestimmt ihr selbst. Das gesamte Spiel lässt sich auch ohne einen einzigen Mord von euch durchspielen. Daraus resultiert kreative Freiheit bei der Wahl eures Vorgehens.

Jedes Kapitel besteht aus einem abgegrenzten Areal, innerhalb dessen ihr euch fast ausnahmslos bewegen könnt. Durch geschickte Interaktion mit der Umgebung und das Eintauchen in die Spielwelt, lüftet ihr Geheimnisse und entdeckt immer wieder neue Möglichkeiten und Wege. Diese sind stets dynamisch und über weite Strecken miteinander verknüpft.

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Dishonored 1 und Dishonored 2 - Eindrücke aus der Steampunk-Welt

Dishonored - Die Maske des Zorns begeisterte die Kritiker und gehört dank der aufgemotzten Definitive Edition nun auch auf PS4 und Xbox One zu den großen Vertretern im Action-Genre. Teil 2 verspricht nun mehr Variation in der Spielmechanik und der Darstellung, sowie frischen Wind durch einen zweiten spielbaren Charakter und eine Geschichte von Meuchelmorden und weitreichenden Entscheidungen.

Erneuter Ärger und düstere Aussichten

Seit den Ereignissen des ersten Teils sind ungefähr 21 Jahre vergangen. Hauptfigur Corvo Attano ist mittlerweile in der Rolle eines Vaters. Gemeinsam mit Dunwalls Kaiserin Jessamine Kaldwin zeugte er Emily. Diese sitzt nun auf dem Thron, da ihre Mutter bereits verstarb. Ausgerechnet an deren Todestag kommt es bei den Feierlichkeiten zu einem Zwischenfall. Ehe ihr es euch verseht, befindet ihr euch im Exil, in dem ihr nur knapp einer Einlieferung ins Gefängnis entgeht.

So sollte ein Familientreffen nicht laufen.So sollte ein Familientreffen nicht laufen.

Delilah, angeblich die Schwester der ehemaligen Kaiserin, beansprucht den Thron für sich und stürzt das Königreich mithilfe morbider Riten in finstere Zeiten. Ihre Kräfte hängen wie auch eure mit dem Outsider zusammen, einer mystischen Figur, die ihr eventuell noch aus dem ersten Teil kennt. Dank des Herzens, das er euch schenkt, erhaltet ihr übernatürliche Fähigkeiten. Diese braucht ihr auch unbedingt, da manche Gegner ebenfalls über paranormale Angriffe verfügen. Die Abschnitte im abstrakten Nichts, in denen ihr den Outlander trefft, sind im Grunde gleich wie im Vorgänger. Dunkle verschobene Steinscherben geben euch einen Weg vor und führen euch durch Dioramen vergangener Ereignisse.

Der allgemeine Ton in Dishonored 2 gleicht ebenfalls dem aus dem ersten Teil, auch wenn es euch in den Süden nach Karnaca verschlägt, wo häufiger die Sonne scheint. Die Straßen sind abgeriegelt und Ausgehsperren werden verhängt. Nur wenige Gebiete des Kaiserreichs sind neutral und können ohne Aufsehen zu erregen von euch erkundet werden. Glücklicherweise kommt ihr bei der verbündeten Megan Foster auf ihrem Schiff Dreadful Whale unter. Von hier aus plant ihr weitere Schritte und brecht zu neuen Missionen auf. Ähnlich wie es mit dem Hafen in Dishonored gelöst wurde.

Die Geschichte an sich ist relativ knapp gehalten. Euer Ziel ist natürlich Delilah und euer Weg dorthin bahnt sich durch die Reihen ihrer Untergebenen. Für die nötigen Ecken und Kanten sorgen die Details der Handlung. Die meisten Ziele lassen sich auf komplett unterschiedliche Arten erledigen. Dabei werden euch nicht einfach nur andere Möglichkeiten aufgezeigt. Denn nur wenn ihr euch auf die Spielwelt einlasst und genau hinseht und hinhört, werdet ihr manche Wege finden.

Auch Handlungen abseits der eigentlichen Erzählung fließen immer wieder in das Geschehen ein. Diese ergänzen den Rahmen und formen daraus eine lebendige Welt, in der alles eng miteinander verwoben ist. So lassen sich manche Rätsel nur lösen, wenn ihr einer Reihe von Hinweisen folgt und diese clever kombiniert. Ähnlich wie im Vorgänger entsteht daraus eine intensive Immersion. Das Spiel saugt euch in sich auf und schafft es, die Faszination der ersten Stunden konstant aufrecht zu erhalten.

Eine Mission - Viele Wege

Die Handlung ist spielerisch in eine Reihe von Kapiteln unterteilt, die ihr der Reihe nach erlebt. Am Ende jeder Mission steht in der Regel eine Person, die ihr aufsucht. Zwischen euch und eurem Ziel liegen etliche Wege. Wie ihr den von euch gewählten beschreitet, bestimmt ihr selbst. Ihr könnt einerseits die Gegend leise erkunden und euch unbemerkt bewegen, oder ihr findet Passagen abseits jedes Gegners. Anderseits steht es euch frei, Feinde zu eliminieren oder sie zu betäuben. Eure Entscheidungen bestimmen am Ende unter anderem wie hoch euer Chaos-Faktor ist.

Auch eure Hauptziele verfügen über mehrere Lösungswege.Auch eure Hauptziele verfügen über mehrere Lösungswege.

Seid ihr mordlustig und hinterlasst hohe Leichenberge, reagiert eure Umwelt entsprechend darauf. Plakate warnen dann die Zivilbevölkerung vor euch und versprechen ein Kopfgeld. Die Straßen sind dunkler und mehr Ratten und Blutfliegen macht sich breit. Klebt der Tod erst einmal an euch, greifen euch Passanten und Ungeziefer auch hin und wieder an. Geht ihr allerdings friedfertig vor, verschont jedes Leben und verschreckt keine Bürger, könnt ihr manche Gebiete ohne Angst begehen. Die meisten Menschen ignorieren euch einfach, einige kooperieren sogar mit euch oder verraten euch Geheimnisse.

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Dishonored 2 - Charakterkunst

Bemerkenswerterweise gehen also nicht nur Möglichkeiten und Erzählung Hand in Hand. Auch die Spielmechaniken sind eng mit dem Geschehen verknüpft. Jedes Missionsgebiet wird dadurch zu einem komplexen Rätsel, das euch für jede Mühe entsprechend belohnt. So bekommt ihr durch das Erkunden der Gegenden nicht nur neue Runen und Knochenartefakte, die euch mit neuen Fähigkeiten versorgen, sondern auch Schätze und Reichtümer, dank derer ihr eure Ausrüstung verbessern könnt. Als Nebeneffekt erfahrt ihr mehr über die Spielwelt und bekommt hin und wieder Hinweise auf spätere Möglichkeiten.

Für jede Tat das richtige Werkzeug

So umfangreich eure Auswahl an Wegen ist, so groß ist auch euer Repertoire an Waffen und Kräften. Letztere schaltet ihr durch Runen frei, die ihr entweder findet oder aus gefundenen Walknochen bastelt. Welche Fähigkeiten ihr damit aktiviert, ist euch überlassen. Passend zur Variation in den Lösungswegen stehen euch entsprechend vielseitige Zauber zur Verfügung. So findet ihr einerseits neue Wege durch Teleportation und Gestaltwandel, doch andererseits befinden sich auch Aktionen für den Angriff oder die Ablenkung von Gegnern in eurer Auswahl.

Die schwarzen Hände weisen euch den Weg zum lokalen Händler.Die schwarzen Hände weisen euch den Weg zum lokalen Händler.

Verbesserungen für eure Ausrüstung und Waffen bekommt ihr bei lokalen Schwarzmarkt-Händlern. In fast jedem Kapitel wartet ein solches Geschäft auf euch. Hier gebt ihr gefundene Blaupausen ab und kauft sowohl die daraus resultierenden Erweiterungen sowie neue Munition und andere Verbrauchsgegenstände. Dadurch integrieren sich auch hier die Spielmechaniken schön in die Spielwelt. Je nachdem wie gut ihr auf eure Umgebung achtet, könnt ihr diese sogar noch etwas mehr ausreizen und kommt so vielleicht auch günstiger an die Waren eines Händlers.

Eine schöne neue Mechanik stellt die Knochenschmiede zur Verfügung. Habt ihr diese Kraft ausgestattet, könnt ihr Knochenartefakte zerstören und ihre Eigenschaften in neuen Exemplaren zusammenfügen. Auch Runen lassen sich mithilfe der richtigen Kraft aus gesammelten Walknochen fertigen. Das steigert den Wert dieser Schätze und gestaltet das Erkunden der Spielwelt noch attraktiver. Gleichzeitig bleibt diese Mechanik optional, so dass ihr das Spiel auch ohne die Suche nach Schätzen schaffen könnt. Es ist dann halt einfach schwieriger. Habt ihr Lust auf noch mehr Nervenkitzel, könnt ihr sogar komplett auf Magie verzichten.

Kurz nach Beginn der Geschichte wählt ihr zunächst, ob ihr lieber als Emily oder Corvo spielen möchtet. Bis zum Ende der Handlung könnt ihr eure Entscheidung nicht mehr ändern. Das ist im Grunde auch nicht weiter schlimm, denn so richtig große Unterschiede gibt es zwischen den beiden nicht. Beide können sowohl friedlich als auch tödlich vorgehen und bringen jeweils passende Zauber mit sich. Dennoch ist Emily ein wenig unterhaltsamer. Besonders wenn ihr den ersten Teil gespielt habt, werdet ihr euch über die neuen Kräfte freuen, die sie ins Spiel einbringt.

Beide Protagonisten verfügen über eine eigene Auswahl an Kräften.Beide Protagonisten verfügen über eine eigene Auswahl an Kräften.

Diese lassen sich wie auch bei Corvo kombinieren und eröffnen euch damit einen großen kreativen Spielraum. Ein Beispiel: Mithilfe der Fähigkeit Domino verbindet ihr bis zu vier Gegner mental miteinander. Wenn ihr euch anschließend mithilfe von Schattengang anschleicht, könnt ihr einen davon betäuben und alle schlafen auf einmal ein. Hier steckt ein Großteil des Unterhaltungswerts von Dishonored 2. Jedes Problem lädt zum Experimentieren ein, wodurch ihr manche Abschnitte gerne mehrmals angeht.

Ein stimmiges Gesamtbild

Warum die Spielmechaniken so gut funktionieren liegt unter anderem an der Gestaltung der Missionsgebiete. Diese sind nicht nur verwinkelt und gut durchdacht, sondern auch abwechslungsreich. Von typischen Häusergassen, wie ihr sie aus den ersten Videos kennt, bis hin zu sonnigen Palästen und nächtlichen Sommerresidenzen - keine Szenerie fühlt sich gleich an. Dabei ist das Thema Steampunk immer präsent, aber nie zu aufdringlich. Manche Ideen hättet ihr sicher nicht erwartet. Ohne euch zu viel verraten: Die siebte Mission ist nicht nur besonders gut gelungen, sie überfällt euch förmlich mit einer abgefahrenen Spielmechanik. Doch diese Überraschung solltet ihr euch besser selbst anschauen.

Die siebte Mission gehört zu den Höhepunkten von Dishonored 2.Die siebte Mission gehört zu den Höhepunkten von Dishonored 2.

So weitläufig viele Gebiete sind, so leer sind sie allerdings auch oftmals. Ein paar mehr neutrale Gebiete, in denen das Leben spürbar ist, wären wirklich schön. So fühlt sich Dishonored 2 an einigen Stellen etwas arg verlassen an. Klar passt das inhaltlich zur der Tatsache, dass die neue Kaiserin mit eiserner Faust regiert, doch nimmt es auch etwas an Stimmung. Angesichts der Tatsache wie durchtränkt an Details jedes Gebiet im Spiel ist, kann diese Kritik allerdings getrost als Schmuck am Nachthemd bezeichnet werden. Außerdem gibt es immerhin ein paar Gebiete, in denen ihr fühlt, wie lebendig die Spielwelt sein kann.

Auch aus technischer Sicht kann die Darstellung von Dishonored 2 trotz leicht verwaschener Optik punkten. Zwar tauchen hier und da mal unvermittelt Texturen auf und manche Kanten wirken fransig, doch alles in allem läuft es schön flüssig und geizt nicht an Atmosphäre. Zumindest auf den Konsolen. PC-Spieler kämpfen zurzeit noch mit einer Stabilitätsproblemen.

Die Ölgemälde-Optik wird durch charmante Lichteffekte und den Einsatz einer großartigen Geräuschkulisse weiter verstärkt. Manche Abschnitte klingen schon derart angsteinflößend, dass ihr gar nicht anders könnt, als euch instinktiv zu ducken.

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Dishonored 2 - virtuelle Kunst

Wie gut oder schlecht Manfred Lehmann, die deutsche Synchronstimme von Bruce Willis, zu Corvo Attano passt, ist vermutlich eher eine Geschmacksfrage. Professionell eingesprochen ist sie allemal und das gilt für die gesamte Besetzung. Darunter auch die Tochter von Manfred Lehmann. Sie spricht Emily Kaldwin, wodurch witzigerweise das Verwandtschaftsverhältnis erhalten bleibt. Da jedes Gespräch vertont ist, bleibt euch müßiges Lesen erspart. Hierzu bekommt ihr in gefundenen Büchern dennoch reichlich Gelegenheit. Dass die Entwickler nicht nur ein Auge, sondern auch ein Ohr für Details haben, werdet ihr feststellen wenn ihr weiter in die Spielwelt abtaucht.

So werden viele Spieler vermutlich gar nicht alle Monologe im Spiel hören, die aufgenommen wurden. Das Herz, mit dessen Hilfe ihr Runen suchen könnt, verrät euch nämlich über jede Figur im Spiel Geheimnisse. Ist euer Spieltempo relativ ruhig, bekommt ihr so eine große Portion zusätzlicher Informationen, die zudem ansprechend präsentiert werden und den geheimnisvollen und düsteren Ton von Dishonored 2 weiter unterstreichen.

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Tags: Singleplayer   Fantasy  

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